‟Karl Marx ist wieder in Mode‟

Sie sind die Autoren der Führung “Karl Marx – Dichtung und Wahrheit”: Bettina Boeck, Marita Kohl, Herbert Heidrich, Andrea Tullius und Bettina von Engel. (Von links). Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Im kommenden Jahr dreht sich alles um Karl Marx. Viele Tausend Touristen werden zum Karl Marx-Jahr in Trier erwartet. Die Stadtverwaltung ist gerüstet, die ‟Trier Tourismus und Marketing GmbH‟ (ttm) ebenso Alleine drei unterschiedliche Führungen zum Thema Karl Marx wird es schon im Vorfeld geben. Die jüngste: ‟Karl Marx – Dichtung und Wahrheit‟, stellte am Montag ttm-Geschäftsführer Norbert Käthler im Innenhof des Bischöflichen Priesterseminars vor, die am Sonntag, 10. September um 14 Uhr im Rahmen der Reihe ‟Trier für Treverer‟ ihre Premiere feiern wird. Diese Führung ist zwar bereits so gut wie ausverkauft, bei entsprechendem Interesse wird es aber eine zweite Veranstaltung geben.

Von Rolf Lorig

Das Bischöfliche Priesterseminar und Karl Marx, der Revolutionär? Passt. Denn wo seit geraumer Zeit junge Männer auf ihre kommenden pastoralen Seelsorgeraufgaben vorbereitet werden, war früher das Friedrich-Wilhelm Gymnasium untergebracht. Zu der Zeit, als Karl Marx dort zur Schule ging, hieß es noch schlicht ‟Das Gymnasium‟, weil es nur eines in Trier gab, weiß Gästeführer Herbert Heidrich. Zusammen mit seinen Kolleginnen Anne Boeck, Bettina von Engel, Marita Kohl und Andrea Tullius hat er die Führung ‟Dichtung und Wahrheit‟ entwickelt, bei der die Gäste zwölf Fragen zu dem Philosophen und Journalisten beantworten müssen.

ttm-Geschäftsführer Norbert Käthler bei der Vorstellung der neuen Führungen zum Karl-Marx-Jahr

Drei Antworten, nur eine ist richtig

‟Wir sind alle keine Marx-Spezialisten, die sich jetzt auf eine lange Diskussion zur Marx’schen Philosophie einlassen könnten‟, klärt Anne Boeck auf. Weshalb sich die Fragen mehr auf das damalige Trierer Umfeld des Denkers beziehen. Und damit die Antworten nicht so schwer fallen, geben die Gästeführer drei Möglichkeiten vor. Von denen allerdings nur eine der Wahrheit entspricht, die beiden anderen dagegen der Dichtung entliehen sind. Und da die fünf Stadtführer eine Menge Erfahrung mit Gästen haben, kennen sie auch die kleinen psychologischen Kniffe, mit denen man auch die bei der Stange hält, die nicht so sehr an solchen Führungen interessiert sind: ‟Dazu haben wir eine kleine Urkunde entwickelt, die mit dem Namen des Gastes und seinem Foto ausgefüllt wird‟, erläutert Herbert Heidrich. Am Ende der Führung bekommt jeder seine Urkunde, ‟und da sind alle ganz wild drauf.”

Etwa eineinhalb Stunden dauert jede Führung, die am Karl-Marx Haus beginnt und nahe der Porta Nigra endet.

Stolz verkündet Geschäftsführer Norbert Käthler, dass die Führung ‟Karl Marx – Dichtung und Wahrheit‟ bereits achtmal im Vorverkauf von Gruppen gebucht wurde, ‟ohne das jemand konkretes Wissen über diese Führung hatte.” In dem Zusammenhang weist er daraufhin, dass es auch zwei weitere Führungen gibt, die sich dem Themenkomplex Karl Marx auf ganz unterschiedliche Weise nähern. Einer davon ist Andreas Sittmann, der seine Führung unter das Thema ‟Karl Marx – der Trierer Revolutionär‟ gestellt hat. Das Besondere daran: ‟Das ist eine Kostümführung‟, so Käthler. Buchbar ist diese sowohl für Gruppen wie auch für Einzelpersonen.

Gruppen wie diese wird Marita Kohl auch in Zukunft in den Innenhof des Kurfürstlichen Palais führen. Hier war einst das Friedich-Wilhelm Gymnasium, das zur Zeit von Karl Marx noch einfach “Das Gymnasium” hieß, untergebracht.

‟Karl Marx ist nicht tot”

Gruppen vorbehalten ist die dritte Führung ‟Wie der Wein Karl Marx zum Kommunisten machte‟. Hier stellt Jens Baumeister die Liebe von Marx zum Wein vor und gibt Einblicke, wie sich dieses Getränk auch das Denken und Handeln des prominenten Trierer Bürgers auswirkte.

Bei aller Theorie, die nun einmal mit jeder Führung einhergeht, eines ist Bettina von Engel wichtig: ‟Karl Marx ist nicht tot. Er tritt immer wieder in das Licht der Welt, wenn es irgendwo auf der Welt ökonomische Spannungen gibt.”

Was Norbert Käthler mit einem Zeitungsausschnitt der Berner Zeitung auch prompt zu beweisen weiß: ‟Karl Marx ist wieder in Mode‟, titelte das Blatt. Worauf Käthler von seinem Publikum wissen will, wann das gewesen sein könnte. Und in der Tat kommt die richtige Antwort: ‟2008, im Jahr der Weltwirtschaftskrise‟.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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