Karl Marx und die Frauen

Karl Marx-Büste im Innenhof des Karl Marx-Hauses. Foto: Rolf Lorig

TRIER. “Ich trage dich auf den Händen, und ich küsse dich von Kopf bis Fuss, und ich falle vor Dir auf die Knie, und ich stöhne: ‘Madame, ich liebe Sie.’“ Diese von Karl Marx in einem Brief geschriebenen Zeilen aus dem Jahr 1856 stehen zusammen mit frühen Liebesgedichten nicht nur für eine ebenso romantische wie revolutionäre Liebesgeschichte, sie zeigen auch, dass Marx weit mehr war als nur scharfer Analytiker. Die zahlreichen, oft unbekannten Facetten des großen Gelehrten können Besucher im nächsten Jahr in der großen Landesausstellung KARL MARX 1818 – 1883. LEBEN. WERK. ZEIT. in Trier kennenlernen. Vom 5. Mai bis 21. Oktober 2018 widmen sich zwei Ausstellungen im Rheinischen Landesmuseum Trier und dem Stadtmuseum Simeonstift nicht nur den bedeutenden Werken des berühmten Philosophen, sie geben auch interessante Einblicke in dessen Leben und Persönlichkeit.

Frauen spielten in Karl Marx‘ familiärem Umfeld eine wichtige Rolle, allen voran Jenny von Westphalen (1814–1881). Der große Gelehrte liebte sie leidenschaftlich. Einige der Liebesgedichte, die Karl der vier Jahre älteren Jenny schickte, sind im Ausstellungsteil “Stationen eines Lebens“ im Stadtmuseum Simeonstift zu lesen. Ihre innigen Gefühle waren der Tochter des Regierungsrates wichtiger als Ansehen und Status, und so heirateten die beiden 1843 nach einer heimlichen Verlobung und siebenjähriger Wartezeit. Jenny war aber nicht nur liebende Gattin und Mutter, sondern auch Diskussionspartnerin auf Augenhöhe: Sie unterstützte Marx‘ Arbeit vorbehaltlos, verfasste Texte über die Revolution in Deutschland und Theaterkritiken, schrieb Karls unleserliche Manuskripte ab und bearbeitete sie (eine Manuskriptseite des Manifestes mit zwei Zeilen von Jenny Marx wird im Ausstellungsteil “Leben. Werk. Zeit.“ im Rheinischen Landesmuseum Trier präsentiert). Und nicht zuletzt folgte Jenny ihrem Mann auf seinem gesamten bewegten Lebensweg. Als sie 1881 nach schwerer Krankheit in London starb, sagte Wilhelm Liebknecht: “Mit ihr starb er. Ihr Tod war sein Tod. Das wussten alle, die ihn kannten.“ Karl Marx überlebte Jenny keine anderthalb Jahre.

Karl Marx, Friedrich Engels und die Töchter Jenny, Eleanor und Laura Marx, 1864
© International Institute of Social History (Amsterdam)

Töchter waren ebenfalls politisch aktiv

Auch die drei Töchter, die wie ihre Eltern überdurchschnittlich begabt und außerordentlich gebildet waren, unterstützten den Vater und waren ebenso politisch aktiv: Jenny (1844–83) und Laura (1845–1911) heirateten französische Sozialisten und engagierten sich in der französischen Arbeiterbewegung. Die jüngste Tochter Eleanor, genannt Tussy (1855–98), galt als politisch besonders begabt und fungierte schließlich wie die Mutter als Marx‘ Sekretärin. Später verband sie sich mit einem englischen Schriftsteller und Sozialisten und war gemeinsam mit ihm in der englischen Arbeiterbewegung aktiv. Bis zum Tod von Friedrich Engels (1895) half sie diesem bei der Sichtung des väterlichen Nachlasses.

Die Landesausstellung vermittelt einen Einblick in die familiären Verhältnisse: Zahlreiche Darstellungen, darunter ein Porträt von Jenny Marx aus dem Deutschen Historischen Museum und fotografische Reproduktionen von Marx mit seinen Töchtern präsentieren den Besuchern ein anschauliches Bild von Marx und seinen Frauen.

In der Ausstellung wird auch Helena Demuth, genannt Lenchen (1820–1890) vorgestellt: Die Hausgehilfin, enge Vertraute und verlässliche politische Gefährtin folgte ab 1845 der jungen Familie Marx zu jeder Station ihres Lebens bis ins endgültige Exil nach London. Dass sie mit Marx mehr verband als ein oftmals unbezahltes Arbeitsverhältnis, wurde 1851 deutlich, als sie Marx‘ unehelichen Sohn zur Welt brachte, für den allerdings Friedrich Engels offiziell die Vaterschaft übernahm. Auf Wunsch von Marx’ Töchtern Eleanor und Laura wurde Lenchen wie Karl und Jenny im Familiengrab der Familie in London beigesetzt. Sogar Jenny, die unter dem Verhältnis still gelitten haben soll, hatte dem zu Lebzeiten zugestimmt. (tr)

 

Hintergrund

Anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx widmet sich die große Landesausstellung in seiner Geburtsstadt Trier in zwei Museen den vielen Facetten von Marx als Mensch und Analytiker. Das Rheinische Landesmuseum Trier beleuchtet unter dem Titel “Leben. Werk. Zeit.“ Karl Marx und sein Jahrhundert und zeichnet den intellektuellen wie politischen Werdegang von Marx nach. Die Ausstellung “Stationen eines Lebens“ im Stadtmuseum Simeonstift Trier beleuchtet das bewegte Leben von Karl Marx und verfolgt den Lebensweg von Marx‘ Kindheit in Trier bis zum Exil in London. Die Landesausstellung nimmt das Jubiläum nicht nur zum Anlass des Erinnerns, sondern will auch die Aktualität der Marx‘schen Theorien hinterfragen.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags. Schirmherr der Ausstellung ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. (tr)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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