Karl und Jenny – Ein Liebespaar will nach Trier

Die Skulpturenkünstlerin Karin Bohrmann-Roth (links) mit ihrem Modell der Doppelstatue und Auftraggeberin Brigitte Biertz. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Nur noch wenige Tage, dann endet das Karl-Marx-Jahr in Trier. Der Moselstadt hat es viel gebracht: Veranstaltungen, Touristen und eine überlebensgroße Statue des Philosophen. Auch einige bauliche Veränderungen hat es gegeben: So ist im Karl-Marx-Viertel selbst ein Plätzchen entstanden, das fast den Namen des Mannes getragen hätte, der schräg gegenüber zur Welt kam. Das hat dann aber genauso wenig geklappt wie die Idee, an dieser Stelle eine Marx-Statue aufzustellen. Was Brigitte Biertz, Inhaberin des “Karl & Jenny Marx Shop” in der Karl-Marx-Str. 5, mehr als schade findet.

Brigitte Biertz und das Karl Marx-Viertel, das ist eine ebenso spannende wie nicht immer ganz einfache Geschichte. Seit mehr als 30 Jahren lebt und arbeitet (bio-fach-bedarf) sie in Trier, das Karl-Marx-Viertel ist ihr besonders ans Herz gewachsen. Entsprechend stark ist ihr Engagement, wenn etwas Neues, das die Gemeinschaft stärken soll, auf die Beine gestellt werden soll.

Und etwas Neues wollte sie in ihrer Nachbarschaft schaffen. Dem kleinen Platz, der dort rechtzeitig zum Beginn der Feierlichkeiten des Karl-Marx-Jahres umgestaltet wurde, fehlt ihrer Meinung nach etwas ganz Wesentliches: “Eine Statue und der Name.” Wobei, es gab eine ganz kurze Zeit, da fand auch die Stadtverwaltung die Idee nicht schlecht, die damals noch in Aussicht stehende Statue von Wu Weishan schräg gegenüber dem Geburtshaus aufzustellen.

Doch da kannte man die Dimension des Kunstwerkes noch nicht. Und so war es Wu Weishan persönlich, der diesem Platz eine Abfuhr erteilte. Denn im Gegensatz zur Stadtspitze wusste er bei seinem Besuch in Trier bereits, wie groß sein Karl Marx eines Tages werden würde.

Und damit war das Thema erst einmal vom Tisch. Vielleicht, so versuchte man die Bewohner unscharf zu trösten, könne man möglicherweise später mal eine kleinere Figur aufstellen? Mehr als ein kurzes Nachdenken gab es in dieser Sache aber nicht.

Der Zufall hilft mit

Und wieder einmal war es Brigitte Biertz, die Dampf unter dem Kessel machte. Wobei ihr auch der Zufall ein wenig in die Hände spielte. Karin Bohrmann-Roth ist Bildhauerin und lebt in Kassel. Vor genau einem Jahr war sie für ein paar Tage in Trier, arbeitete hier an einem Theaterprojekt mit. Beim Einkaufen kam sie auch in den Laden von Brigitte Biertz, wo sie neben der Garderobe etliche Verkaufsobjekte zum Thema Karl Marx fand. Schnell kamen die beiden Frauen ins Gespräch und rasch drehte sich selbiges um Karl Marx und dessen Frau Jenny von Westphalen. Biertz machte dabei keinen Hehl daraus, dass die Stadt Trier bislang die Ehefrau des Philosophen noch nicht mit einer Statue gewürdigt hat. Ihre Idee: “Es müsste eine Doppel-Statue von Karl und Jenny geben, am besten als junges Liebespaar.” Womit man der gemeinsamen Zeit der beiden in Trier Rechnung tragen würde.

Karin Bohrmann-Roth gefiel diese Idee. Zumal es auch ihren Recherchen nach weltweit keine Doppelstatue von Karl und Jenny gibt. Gemeinsam mit Brigitte Biertz schaute sie sich den namenlosen Platz, der im Volksmund längst als das “Karl-Marx-Plätzchen” seinen Widerhall findet, an. Und auch sie war sofort von der Idee angetan, dass dies der richtige Platz für eine lebensgroße Doppel-Statue wäre.

Und noch in einem weiteren Punkt waren sich die beiden Frauen einig: Karl und Jenny sollten in etwa gleich groß sein, sich damit quasi auf Augenhöhe begegnen. “Denn Jenny von Westphalen war eine hochintelligente Frau, die ihren Mann bei seiner Arbeit unterstützte. Karl und Jenny hatten keine hierarchische Beziehung, sie begegneten sich auf Augenhöhe”, weiß Biertz, die nicht nur dieses Thema ausgiebig recherchiert hat.

Karl und Jenny, ein Liebespaar

Jetzt, ein Jahr später, war Karin Bohrmann-Roth erneut in Trier. Und sie brachte ein Gipsmodell mit, das deutlich zeigt, wie diese Doppelstatue später aussehen könnte. Es ist ein äußerst gelungener, zwar naturalistisch gehaltener, jedoch künstlerisch wertvoller Entwurf, der Jenny und Karl als junges Liebespaar zeigt.

Und wie geht es weiter? Denn da gibt es einiges zu regeln. Darf eine solche Doppelstatue überhaupt auf dem Plätzchen aufgestellt werden? Wie steht die Stadt dazu? Nicht ganz uninteressant ist auch die Frage, wer den Bronzeguss später bezahlen könnte. Nach einer Schätzung der Künstlerin sind dafür etwa 50.000 Euro erforderlich. Geld, das Brigitte Biertz wohl kaum aus der eigenen Tasche aufbringen kann, wenngleich sie für das Modell schon in Vorleistung gegangen ist.

Bleibt zu hoffen, dass dieses Engagement nicht umsonst war und dass die Stadt, namentlich das Baudezernat, die Idee wohlwollend mittragen wird. Denn die Suche nach einem Finanzier dürfte schon schwer genug werden. Da sollte eine Trierer Behörde dem Engagement einer Trierer Bürgerin nicht auch noch Steine in den Weg legen. Nach der überlebensgroßen Marx-Statue von Wu Weishan hätte Trier dann ein weiteres einzigartiges Stück Kunst in Sachen Karl Marx zu bieten: Die weltweit einzige Doppel-Statue von Karl Marx mit seiner Ehefrau Jenny von Westphalen. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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