Kölsche Musik mit zauberhaften circenischen Bildern

Jordan McKnight spottet mit ihren Darbietungen allen anatomischen Regeln. Im Hintergrund die Höhner. Fotos: Rolf Lorig

Jordan McKnight spottet mit ihren Darbietungen allen anatomischen Regeln. Im Hintergrund die Höhner. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. “Funambola – Cabriolen des Lebens“ – unter diesem Motto steht die “Höhner Rockin‘ Roncalli Show“ in den Moselauen, die noch bis zum 14. Mai  in Trier gastiert. Für den reporter hat sich Rolf Lorig die Premiere angeschaut.

“Eigentlich ist es merkwürdig, dass wir mit unserer Show bislang noch nicht in Trier waren“, sinniert Höhner-Frontmann Henning Krautmacher in der Show. Seit 16 Jahren präsentieren die Höhner dieses Erfolgsrezept. Und deshalb möchte man Krautmacher recht geben. Denn Trier und Köln, das klappt nicht nur im Karneval. Was auch die aktuelle Show einmal mehr unter Beweis stellt. Die Kombination von Kölscher Musik und internationalen artistischen Spitzenleistungen riss auch die Trierer von den Sitzen. Standing Ovations und nicht enden wollende Zugabe-Rufe bildeten das Ende einer weißgott nicht alltäglichen Show. Und mittendrin die beiden Höhner-Mitbegründer Peter Werner und Janus Fröhlich, die im vergangenen Jahr aus der Band ausgeschieden waren, an diesem Abend aber gemeinsam mit ihrem Freund Rainer Calmund ihre Freunde auf der Bühne gemeinsam mit dem Trierer Publikum kräftig feierten.

Träumerisches Erleben

Artisten aus 14 Nationen

Artisten aus 14 Nationen

Doch der Reihe nach. Die Roncalli-Handschrift ist unverkennbar: Träumerisches Erleben gleich zu Beginn. Die Höhner spielen auf und die Künstler ziehen ein. Tanzend, natürlich. Freier Blick auf 30 Männer und Frauen, die in den nächsten 150 Minuten alle Zuschauer in ihren Bann ziehen werden. Was auffällt: Es sind keine Clowns dabei. Was aber nicht heißt, dass es nichts zu lachen gibt. Ganz im Gegenteil. Die Lachmuskeln werden immer wieder gefordert.

“Funambola“ – das italienische Wort steht für den Seiltanz. Und den beherrscht der kolumbianische Künstler Jose Henry Caycedo aus dem Effeff. In der Maske eines Fauns zeigt er auf dem Drahtseil spektakuläre Sprünge und einzigartige akrobatische Leistungen. Körperbeherrschung gehört bei jedem Artisten dazu. Als Mann zuckt man dann aber doch zusammen, wenn Caycedo sich mit gespreizten Beinen auf das Drahtseil fallen und dann wieder nach oben schnellen lässt. Kommentar der Dame neben mir: “Der muss seine Hose aber gut gepolstert haben…“

Und dann haben die Novruzov Brothers die Manege für sich. Die beiden russischstämmigen, aber in Deutschland lebenden Männer zeigen, dass man kein Clownkostüm braucht, um Menschen zum Lachen zu bringen. Zu den Klängen des Höhner-Songs “Fröher oder späder“ wirbeln sich Oktay und Telman gegenseitig durch die Luft, zeigen mit ihren clownesken Turnübungen, wie spielerisch und mitreißend schwierige Akrobatik sein kann.

Körperbeherrschung par excellence

Davide Zongoli

Davide Zongoli

Der Italiener Davide Zongoli ist mit einem Körper gesegnet, den Michelangelo nicht perfekter hätte schaffen können. Kein Wunder, dass insbesondere die Damenwelt ihm gebannt zuschaut, wenn er an der Pole Stange Körperbeherrschung par excellence zelebriert. Während die Höhner ihren Titel „Weil er ein Jäger ist“ spielen, stellt Zongoli dessen Geschmeidigkeit unter Beweis. Geschmeidig aber auch das Duo Unity, das mit dem Cyr Rad, einem übergroßen Hulahopp-Reifen, Akrobatik zeigt, die man so noch nicht gesehen hat. Auch hier spendet das Publikum immer wieder Szenenapplaus, beobachtet mit höchster Konzentration die Darbietung. Zuvor hatte aber die Potapov Group, ein Künstlerduo aus der Ukraine gleichermaßen für gute Stimmung aber auch für Verblüffung gesorgt. Denn wenn die beiden Artisten in Sekundenschnelle ihre Garderobe wechseln und dabei auch noch perfekt aussehen, kann schon bei Frau oder Mann Neid aufkommen…

Henning Krautmacher_900

Höhner-Frontmann Henning Krautmacher

Kurz vor der Pause der Auftritt von Sol de Cuba – neun kubanische Vollblutartisten, die mit ihren Darbietungen das Feuer der Karibik an die Mosel bringen. In der Pause erzählt Pressesprecher Thomas Merz von den Proben, bei denen es in erster Linie darum geht, die Musik der Höhner in die eigene Darbietung einzubauen. Das sei nicht immer einfach und erfordere von beiden Seiten Zugeständnisse, weiß er. Doch sei es auch schon vorgekommen, dass ein oder andere Artist diese Musik von da an fest mit seiner Nummer verbunden habe. “Das ist für uns natürlich wie ein Ritterschlag“, freut sich Höhner-Mitglied Hannes Schöner.

So kurzweilig wie in der ersten Halbzeit geht es nach der Pause weiter. Etliche der Artisten, die bereits einen Auftritt hatten, kommen auch im zweiten Teil wieder in die Manege. So wie das Duo Bert & Fred. Ein Paar, das man sich nicht besser hätte ausdenken können. Sie, Frederique, übernimmt den forschen, schneidigen, dominanten Part. Bert ist der arme Stoiker, der alles mit sich machen lässt: Mal balanciert er einen Apfel auf dem Kopf, den Fred ihm mit einem dicken Hammer am Seil runterhaut, dann lässt er es zu, dass Fred ihm aus der Zirkuskuppel ein Messer zwischen die gespreizten Beine krachen lässt oder aber er fügt sich ergeben in sein Schicksal, wenn Fred ihm eine Salatgurke mit der Peitsche zerfetzt. Neben diesen aber eher comedymäßigen Slapstickauftritten stellen die beiden Belgier am Trapez aber auch ihr hohes Können unter Beweis. Herausragend auch die Darbietungen der ukrainischen Gruppe “Crazy Flight“. In Sekundenschnelle formen sich diese Artisten in einem irren Tempo zu Pyramiden und Statuen.

Da fühlt das Publikum mit

Duo Uniity

Duo Uniity

Der Auftritt von Jordan McKnight dagegen tut dem Zuschauer weh. Denn was die Amerikanerin da in der Manege zeigt, sollte eigentlich vom physikalischen her nicht möglich sein. Es ist gerade so, als ob diese Frau keine Wirbelsäule besitzen würde, die dem Menschen bei seinen Bewegungen gewisse Grenzen setzt. McKnight kann sich in einer Weise zusammenfalten, die nur ungläubig staunen lässt.

Die Idee, die Bernhard Paul vor langer Zeit hatte und die zur Realisierung der Marke Roncalli führte, hat mit der “Höhner Rockin‘ Roncalli Show“ eine wunderbare Weiterentwicklung erfahren. Die Kombination von beliebter Live Musik mit artistischer Höchstleistung zieht jeden Besucher in ihren Bann. Der Besuch der Show sollte ein Muss für alle Freunde des Außergewöhnlichen sein. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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