Kommentar: Mit meinem Förmchen spielst Du nicht!

Der Kommentar

Politik, vor allem Kommunalpolitik, kommt nicht in den Verdacht, vergnügungssteuerpflichtig zu sein. Vor allem in Trier nicht.

Ein Kommentar von Rolf Lorig

Was sich im Laufe der letzten Jahre hier im Stadtrat ereignet hat, schlägt jeden halbwegs politisch interessierten Menschen in die Flucht. Man denke nur zurück an die Zeit von Karl Sibelius und den ihn betreuenden Kulturausschuss, der ihm auch dann noch treu zur Seite stand, als die Misere längst offenkundig war.

CDU-Fraktionschef Udo Köhler. Fotos: Rolf Lorig

Dann die Abwahl von Thomas Egger und das darauf folgende unwürdige Schauspiel, bei dem die ‟Verantwortungsgemeinschaft‟ von CDU und Grünen mit ständig neuen Peinlichkeiten von sich reden machte. Die Wahl des neuen Kulturdezernenten, bei der die Wahrung von Parteiinteressen, nicht aber die der Bürger, nur allzu offensichtlich im Vordergrund stand. Und jetzt das gescheiterte Vorhaben, Andreas Ludwig zum Bürgermeister der Stadt Trier zu machen.

Zugegeben: Unsere Volksvertreter im Stadtrat sind keine Politprofis. Leider verhalten sich einige von ihnen aber auch so. Und dummerweise sind es nicht die Parteisoldaten, sondern die Häuptlinge, die durch ständige Sprünge in diverse Fettnäpfchen negativ auffallen. Wenn sie in Aktion treten, drängt sich unweigerlich der Vergleich zu einer Kinderbande im Sandkasten auf: ‟Das ist mein Förmchen; nein, mit meinem Förmchen spielst Du nicht!”

Als Zuschauer hätte man am Mittwoch vor Frust in die Tischkante beißen können, bei all dem Getue. Jede einzelne Wortmeldung hatte ausdrücklich das Wohl der Stadt im Blick. Laut und explizit verkündeten alle, dass sie den Vorschlag Andreas Ludwig das Amt des Bürgermeisters zu übertragen, eigentlich gut fänden. Weil der Mann fähig, integer und menschlich in Ordnung ist. Doch was passierte? Am Ende fehlten dem CDU-Antrag drei Stimmen.

Die Fraktionschefin der Grünen, Petra Kewes.

Warum nur? Eigentlich nur aus einem Grund: Die beiden Hauptprotagonisten Udo Köhler und Petra Kewes waren viel zu sehr mit sich selbst und der Wahrung eigener Interessen beschäftigt. Viel zu spät hatten sie entdeckt, dass man für das gemeinsame Vorhaben Verbündete braucht. Denen gaben sie das Gefühl, nur als Mehrheitsbeschaffer zu fungieren. Und wer lässt sich schon gerne instrumentalisieren? Die Quittung blieb nicht aus.

Der angerichtete Schaden ist beträchtlich. Denn der Antrag der CDU kann nicht so einfach wiederholt werden. Sechs Monate lang darf er nicht mehr auf die Tagesordnung. Hätten die zerstrittenen Politiker auch noch die Vorlage der Stadtverwaltung gekippt, kein Mensch hätte sich das an diesem Abend im Rathaussaal ausmalen wollen…

Michael Frisch von der AfD brachte es auf den Punkt, als er sich trotz des Vorgehens von Köhler und Kewes für die Übertragung des Bürgermeisteramtes auf Andreas Ludwig aussprach: “In der Person von Andreas Ludwig wissen wir, was wir haben. Wollen wir uns wirklich ein grünes Überraschungsei ins Netz legen lassen?”

Offenbar wollte der Rat genau das. Es ist höchste Zeit, dass sich die Fraktionsmitglieder der Grünen und der CDU fragen, ob sie die richtigen Häuptlinge haben. Und die Häuptlinge sollten darüber nachdenken, ob es nicht höchste Zeit ist, die Führung in andere Hände zu legen.


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Meinung, Politik 2 Kommentare

2 Kommentare zu Kommentar: Mit meinem Förmchen spielst Du nicht!

  1. Leuckefeld

    Hier hat sich die SPD doch ins Knie geschossen.Einen vernünftigen Antrag – auch in den Augen der SPD – deshalb abzulehenen, nur weil er zu kurzfristig kam, bzw. man sich nicht genug in der Vorbereitung eingebunden fühlte, zeugt nicht von politischer Weitsicht
    sondern ist reine Trotzhaltung.
    Man muß doch in der Lage sein, soetwas innerhalb von 3 Tagen zu entscheiden.
    Schließlich verlangt die SPD im Bundestag von den anderen Fraktionen in der Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe auch eine Ad-hoc-Entscheidung, und dies völlig zurecht.

     
  2. paddy

    Herr Lorig, ich finde dieser Kommentar geht an der Realität vorbei. Sie schieben allein den Fraktionsvorsiztenden von CDU und Grünen die Schuld zu, und sehen es quasi als verständlich oder gar berechtigt an, dass die SPD ihre Zustimmung verweigerte, weil ihr das Verfahren nicht passte? Wie hanebüchen ist bitte eine solche Argumentation für die Ablehnung? Soll bei jeder Weichenstellung in einem Parlament, die anerkanntermaßen beste Handlungsoption scheitern, weil eine Fraktion beleidigt ist, dass sie nicht früh genug eingebunden wurde? Mangelnde Kommunikation mag ein Fehler gewesen sein, sie war aber kein Grund, dem derzeit besten Dezernenten der Stadt seit langem, derartig eins auszuwischen! Schade, dass sie diese SPD-Posse medial orchestrieren….

     

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.