Kreativer Kulturmacher mit hohem Potenzial

Mit einem lang anhaltenden Applaus bedanken sich die Gäste des Abends, darunter auch Lewens Lebensgefährtin Sabine Zingen (neben Hermann Lewen) stehend für das unermüdliche kreative Wirken des Intendanten. Fotos: Artur Feller

BERNKASTEL-KUES. Körperlänge hat nicht zwingend etwas mit Größe zu tun. Was Hermann Lewen eindrucksvoll unter Beweis stellt. Der Erfinder und Macher des Mosel Musikfestivals hat mit seinem Lebenswerk etwas Einzigartiges auf die Beine gestellt. Nach einer 32-jährigen Tätigkeit als Intendant des Festivals wurde Hermann Lewen am Samstag im Barocksaal von Kloster Machern mit einem feierlichen Festakt in den Ruhestand verabschiedet.

Von Rolf Lorig

Zur Verabschiedung waren sie alle gekommen und hatten zum Teil weite Anreisen in Kauf genommen: Familie, Freunde, Konzertagenturen, Künstler, Politiker – darunter Staatssekretärin Heike Raab, Oberbürgermeister Wofram Leibe und Triers Kulturdezernent Thomas Schmitt – sowie Sponsoren. Sie alle wollten den Mann noch einmal hochleben lassen, der ‟das Mosel Musikfestival zu einem Modell für andere Festivals in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus gemacht hat‟, wie es Professor Jürgen Hardeck vom Kultursommer Rheinland-Pfalz zum Ausdruck brachte.

Angesichts der großen Gästezahl stand zu vermuten, dass es an diesem Abend viele Redner geben würde. Aber Tobias Scharfenberger, der das Lebenswerk von Hermann Lewen nun in der Rolle des Intendanten fortführen wird, hatte bei der Planung alles perfekt im Blick. Schließlich sollte es ein Abend mit bleibendem Eindruck werden. Mit dem jeweils richtigen Anteil von Wort und Musik. Für den letzteren Part zeichnete später die Lautten Compagney Berlin verantwortlich. “Langjährige und zu Freunden gewordene Weggefährten‟ (Hermann Lewen), die mit ihren musikalischen Darbietungen den Abend zu einem besonderen Erlebnis machten.

Zum Abschied ein Bild mit Symbolkraft: Nachfolger Tobias Scharfenberger überreicht Hermann Lewen eine Aufnahme, die Artur Feller bei einem Konzert an der Saar fotografiert hat.

Ein streitbarer Geist, oft auch unbequem

Doch zuvor war es an Wolfgang Port, die Leistungen des Intendanten zu würdigen. Für den Stadtbürgermeister von Bernkastel-Kues und Aufsichtsratsvorsitzenden der Mosel Musikfestival gGmbH war es ‟ein Glücksfall in der Geschichte‟, dass Hermann Lewen sich vor Jahrzehnten bei der Stadt Bernkastel-Kues beworben hatte und dass seine Amtsvorgänger ihn auch eingestellt hatten: ‟Eine folgenreiche Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen.” Und bei der Gelegenheit verriet der Aufsichtsratsvorsitzende auch gleich, was ihn an Lewen immer fasziniert habe und worin er das Erfolgsgeheimnis des 1985 gestarteten Festivals sieht: ‟Er hatte immer das richtige Gespür dafür, was ging, und was nicht ging.” Hermann Lewen sei ‟ein kreativer Kulturmacher mit hohem Potenzial‟, der sich dank seines Credos auch stets bei der Politik durchgesetzt habe: ‟Mit Politik kann man keine Musik machen, aber mit Musik kann man sehr wohl Politik machen.”

Gut, Lewen sei ein streitbarer Geist, oft auch unbequem, eben kein klassischer Mainstreamer: ‟Aber eines war er nie − ein Traumtänzer oder Sonntagsredner.” Vielmehr gelte:‟Große Geste, ausdrucksstarkes Wirken; an Durchsetzungskraft hat es ihm nie gemangelt.” Deshalb sei es ihm auch immer wieder gelungen, Namen an die Mosel zu holen, die ansonsten nur in den besten Konzertsälen der Welt auftreten würden. Für Port steht deshalb fest: ‟Hermann Lewen ist eine echte und wertige Kulturmarke. Die Region ist ihm zu großem Dank verpflichtet.”

‟Du hast den Menschen Erlebnisse vermittelt”

Dem stimmte Wolfgang Lichter, Vorsitzender des Vereins ‟Freunde des Moselmusikfestivals‟ in vollem Umfang zu. ‟Du hast den Menschen Erlebnisse vermittelt, Begegnungen ermöglicht und dadurch große Freude bereitet‟, bedankte er sich bei Hermann Lewen. Der Alltag der Menschen sei dadurch reicher und das Leben erfüllter geworden. Doch nicht nur den Stars der Klassik habe Lewens Augenmerk gegolten: ‟Du hast auch vielen heimischen Musikern ein Podium gegeben.”

Als letzter Redner vor Hermann Lewen sprach Tobias Scharfenberger zu dem Mann, der ihn als Nachfolger ausgesucht hatte. In einfühlsamen Worten bedankte er sich für das Vertrauen und verglich das Mosel Musikfestival mit einem Kind, das erstmals von seinem Vater losgelassen wird, und der dessen weiteren Lebensweg nun von außen verfolgen werde. Hermann Lewen könne sich sicher sein, dass sein Lebenswerk auch weiterhin in guten Händen sei und dass es seinen Weg gehen werde.

Lewens persönlicher Dank gilt den Musikern der Lautten Compagney Berlin.

Und zu guter Letzt hatte dann Herrmann Lewen selbst das Wort. Er bedankte sich bei allen, die an diesem Abend an die Mosel gekommen waren. Es sei eine schöne Zeit gewesen, meinte er rückblickend und stellte mit einem breiten Schmunzeln im Gesicht an die Adresse von Stadtbürgermeister Wolfgang Port fest, dass es ihm eigentlich immer egal gewesen sei, wer unter ihm gerade Bürgermeister gewesen sei…

Dass das Festival weiter seinen Weg machen wird, wie das Tobias Scharfenberger gesagt hatte, davon zeigte sich Lewen überzeugt. Für seinen Nachfolger hatte er aber noch einem Hinweis im Gepäck: ‟Wenn man Intendant des Mosel Musikfestivals ist, hat man den Sommer immer im Moseltal zu verbringen…‟


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft, Moselmusikfestival Hinterlasse einen Kommentar

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