Lärm an der Westtrasse – Henter macht Druck

30 und mehr Güterzüge donnern aktuell pro Tag und Nacht - teilweise im Gegenverkehr - über die ungeschützte Trierer Westtrasse mitten durch die Wohngebiete.

30 und mehr Güterzüge donnern aktuell pro Tag und Nacht – teilweise im Gegenverkehr – über die ungeschützte Trierer Westtrasse mitten durch die Wohngebiete.

TRIER. Nach der Trierer SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Katarina Barley nimmt sich nun auch der CDU-Bezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Bernhard Henter (Konz) dem stetig steigenden Bahnlärm an der Trierer Westtrasse an. Zur nächsten Sitzung des Mainzer Landtags stellt der Christdemokrat eine kleine Anfrage an die rot-grüne Landesregierung. Derweil nimmt der Güterverkehr über die ungeschützte Strecke nach der Instandsetzung des Verbindungsgleises am Ehranger Güterbahnhof durch den Trierer Westen nach Angaben von Anwohnern offenbar weiter zu. Der stellvertretende Ortsvorsteher im Stadtteil, Johannes Schölch-Mundorf (SPD), spricht von “massiver Lärmbelästigung am Tag und auch in der Nacht”. Im Juli vergangenen Jahres hatte Giesbert Brauner von der Deutschen Bahn AG noch erklärt, nach Abschluss der Bauarbeiten in Ehrang und Pfalzel reiche die Kapazität der Hauptstrecke im Osten für den Güterverkehr aus. Die Arbeiten sind jedoch bereits seit über sechs Monaten beendet. Seither führt die Bahn immer wieder neue Streckenarbeiten als Grund für den Güterverkehr über die Westtrasse an. Zudem weigert sich das Staatsunternehmen, einer Temporeduzierung auf der Strecke zuzustimmen. Auch das bereits im vergangenen Jahr von der Bahn angekündigte Lärmgutachten liegt offenbar immer noch nicht vor.

Wer in Zurlauben oder hoch auf dem Weißhaus steht, kann sie hören. Mit einem ohrenbetäubenden Lärm donnern die Güterzüge durch den Trierer Westen. Wer direkt an der Bahnlinie oder auch nur in zweiter Reihe wohnt, hat das Gefühl, die Züge ratterten unmittelbar durch die Wohnung oder das Haus. An der Westtrasse gibt es keinen Lärmschutz. Die Bahnlinie wurde in den 1980er Jahren praktisch stillgelegt, sollte aufgegeben werden. Nun nutzen in- und ausländische Unternehmen wie die Deutsche Bahn AG und die Luxemburger Bahn die Strecke, um Güterzüge zum Umschlagplatz nach Bettembourg oder auch nach Frankreich sowie in den europäischen Süden zu schicken. Aktuell berichten Anwohner von 30 und mehr Güterzügen pro Tag und Nacht, die teilweise im Gegenverkehr über die Trasse donnern.

Während sich an der Mittelmosel die Politik mit der Bürgerinitiative “Gegen Bahnlärm an der Mosel” verbündet, um so Druck auf die Bahn-Unternehmen auszuüben, schweigt die Trierer Politik zur Situation an der Westtrasse weiter hartnäckig − über die Parteigrenzen hinweg.  Neben den beiden Ortsvorstehern Hans-Alwin Schmitz (FWG) und Horst Erasmy (CDU) aus Euren und Trier-West/Pallien hat sich bisher nur die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Katarina Barley des Themas angenommen – und nun auch Bernhard Henter von der CDU. Der Konzer Christdemokrat will in der kommenden Sitzung des Mainzer Landtags am 18. und 19. März wissen, “wie die Landesregierung die zunehmenden Beschwerden der betroffenen Anwohner an der Westtrasse der Bahn im Bereich der Stadt Trier und darüber hinaus beurteilt”.

Henter mit Anfrage an Landesregierung

Dabei geht der Bezirksvorsitzende der CDU auf die Bedenken vieler Anwohner ein, die Reaktivierung der Westtrasse für den Personennahverkehr, der von 2019 an hauptsächlich Pendler aus dem Raum Wittlich über Trier nach Luxemburg bringen soll, diene letztlich nur dazu, die Strecke vornehmlich für den Güterverkehr in der Nacht zu nutzen, “weil alle bekannten, überregionalen Planungen den Aussagen von Bahnsprechern widersprächen, an eine dauerhafte Nutzung dieser Strecke sei nicht gedacht”, schreibt der Christdemokrat in seiner kleinen Anfrage an die Landesregierung. Das Großherzogtum hatte sich am Ausbau der Gleisanlagen auf deutscher Seite mit rund vier Millionen Euro beteiligt. Gleichzeitig baut Luxemburg seinen Umschlagplatz für den Güterverkehr in Bettembourg weiter aus.

Ferner will Henter wissen:

♦ Teilt die Landesregierung die Auffassung vieler Anwohner, dass die Deutsche Bahn hier eine dauerhafte Nutzung dieser Strecke für den Güterverkehr anstrebt, und sind ihr hier entsprechende Planungen der Bahn bekannt?

♦ Wie beurteilt die Landesregierung die dort vorherrschende Situation, dass diese Strecke jahrelang kaum befahren wurde, hier so gut wie kein entsprechender Schallschutz vorhanden ist, der den Bahnlärm für die betroffenen Anwohner erträglich machen würde?

♦ Sieht die Landesregierung eine Möglichkeit, auf die Bahn einzuwirken, dass für den Fall, sollte die Strecke wieder öfter auch für den Güterverkehr genutzt werden, hier durch den Einbau von Schallschutz oder durch andere geeignete Maßnahmen (Geschwindigkeitsbeschränkungen) erreicht werden kann, die Lärmemissionen für die Anwohner erträglich werden zu lassen?

♦ Welche Schritte kann oder will die Landesregierung unternehmen, um den berechtigten Beschwerden und Forderungen der lärmgeplagten Anwohnern an dieser Strecke gerecht zu werden?

“Zweifel an Ernsthaftigkeit von Regierung und Bahn”

Unterdessen hat sich in Berlin die parteiübergreifenden Parlamentariergruppe “Bahnlärm” konstituiert, der neben Barley auch die Mainzer Bundestagsabgeordnete der Grünen, Tabea Rößner, angehört. Rößner gehörte zu den Initiatoren der Gruppe, in der sich rund 40 Abgeordnete zusammengefunden haben. “Wir haben überhaupt nichts gegen die Bahn oder gegen Güterverkehr auf der Schiene, ganz im Gegenteil. Wir wollen aber dazu beitragen, dass die Koalitionsvereinbarungen zur Reduzierung des Schienenlärms tatsächlich umgesetzt werden. Da haben wir allmählich Zweifel, ob es der Bundesregierung und den Verkehrsunternehmen wirklich so ernst damit ist”, sagt Rößner.

Bernhard Henter von der CDU nimmt sich nun nach Katarina Barley (SPD) auch dem Thema "Bahnlärm" an der Trierer Westtrasse an. Foto: CDU RLP

Bernhard Henter von der CDU nimmt sich nun nach Katarina Barley (SPD) auch dem Thema “Bahnlärm” an der Trierer Westtrasse an. Foto: CDU RLP

Rößners Kollege von der CDU, Dr. Karl A. Lamers (Heidelberg), pflichtet der Grünen bei. “Bahnlärm betrifft weit größere Teile der Bevölkerung als beispielsweise Fluglärm. Bahnlärm ist gesundheitsschädlich. Wir müssen sicherstellen, dass die Lärmgrenzwerte der Weltgesundheitsorganisation eingehalten werden”, so Lamers. Nach der jüngsten Veranstaltung zur “Lärmminderung im Schienenverkehr” teilte Barley über ihren Facebook-Account mit, dass 70 bis 100 Prozent des Güterverkehrs in der Nacht liefen. Das Consulting-Unternehmen Railistics habe Mehrkosten von zehn Prozent bei einer Temporeduzierung auf 70 km/h errechnet. Dadurch drohten 22 bis 27 Prozent an Güterverlagerung auf die Straße.

Weil die lokale Trierer Politik sich im Gegensatz zu den überregionalen Abgeordneten dem Thema weitgehend verweigert, hat sich die Bürgerinitiative aus Trier-West/Pallien um ihren Vorsitzenden Dr. Eike Neumann-Overholthaus inzwischen den Kollegen von der Mittelmosel “Gegen Bahnlärm im Moseltal” angeschlossen. Am 13. und 14. März findet ferner in Boppard der “Internationale Bahnlärm-Kongress” statt. Daran werden auch Vertreter von der Mittelmosel und aus Trier teilnehmen. Für den März und April hat die Deutsche Bahn übrigens weitere Gleisarbeiten im Raum Trier angekündigt. Somit müssten erneut Güterzüge über die Westtrasse umgeleitet werden. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik 2 Kommentare

2 Kommentare zu Lärm an der Westtrasse – Henter macht Druck

  1. Markus Gerber

    Das Ganze war doch vorhersehbar. Manchmal frage ich mich wie naiv manche sind. Die Profitgeier von der DB [und andere] nutzen die an für sich gute Idee des besseren ÖPNV jetzt schamlos für ihre Zwecke aus.
    Der größte Fehler war die DB zu privatisieren und wer dieses “Unternehmen” noch durch Ticketkauf “subventioniert”, gehört meines Erachtens nach geteert und gefedert.

     
  2. Pallienerin

    “Das Consulting-Unternehmen Railistics habe Mehrkosten von zehn Prozent bei einer Temporeduzierung auf 70 km/h errechnet. Dadurch drohten 22 bis 27 Prozent an Güterverlagerung auf die Straße.”

    Natürlich wird das von einer Consultingfirma so berechnet – wie sonst wäre eine plötzliche massive Nutzung der Bahntrasse sonst zu rechtfertigen? Und dann noch “Railistics”; da weiß man doch ganz schnell, woher der Wind weht.

    Und nein, die Anwohner wollen keine Lärmschutzmaßnahmen – die Anwohner wollen gar keine Bahn (am liebsten), vor allem nicht nachts und am Wochenende, was ja mittlerweile auch Standard ist.

     

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