Liebeserklärung an das Trierer Nationalgetränk

2014 war Wolfram Leibe noch als OB-Kandidat zu Gast beim Trierer Viezfest. In diesem Jahr wird er als Schirmherr das gemütliche Treiben rund um das Kulturgut Viez eröffnen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Der Blick in den Kalender zeigt, wie schnell zwei Jahre vergangen sind: Am Samstag, dem 25. August steht der Domfreihof erneut wieder ganz im Zeichen des Trierer Nationalgetränkes, dem Viez. Alle zwei Jahre richtet die Trierer Viezbruderschaft an diesem Ort das “Trierer Viezfest” aus – in diesem Jahr zum vierten Mal. Der reporter hat sich schon mal mit Hanspitt Weiler, Gründer und Vorsitzender der Trierer Viezbruderschaft, unterhalten.

Ein Beitrag von Rolf Lorig

Dass das Trierer Viezfest alle zwei Jahre stattfindet, geht auf einen einstimmigen Beschluss der Viezbruderschaft zurück. Das ist eine Gemeinschaft von mittlerweile 25 Männern. Beim Gründungstermin vor neun Jahren waren es noch neun Freunde, “die sich einzig die Förderung des heimischen Kulturgetränkes Viez und des damit verbundenen Brauchtums auf die Fahne geschrieben hatten”, erläutert Weiler. “Das Trierer Viezfest ist unsere Liebeserklärung an das Trierer Nationalgetränk.”

Was hat Viez mit Äppelwoi oder Cidre gemein? Hanspitt Weiler muss da nicht lange überlegen: “Wenig, wenn man vom Apfel als Grundlage absieht. Das Kulturgut Viez ist durchgegorener Apfelwein. Er perlt nicht wie Cidre und ist nicht so süßlich wie Äppelwoi.” Keine Frage, Weiler ist ein Anhänger der reinen Lehre. Wenn man das Kulturgut näher unter die Lupe nimmt, wird rasch deutlich, dass sich auch das verändert hat. Früher wurde der Viez aus “Holz- und Eisenäppeln”, so wurden die kleinen Äpfel im Volksmund genannt, gekeltert. Der fertige Viez war dann meist sauer-stramm, oder “gamma”, wie der Trierer zu sagen pflegt. Und da auch schon in früheren Jahren die Geschmäcker unterschiedlich waren, gab es natürlich auch regionale Unterschiede. Im Stadtteil Kürenz beispielsweise liebte man den “Biereviez” – man mischte Birnen unter die Äpfel. Das hatte zwei Konsequenzen: Der Viez schmeckte süßlicher und er regte die Darmtätigkeit an. Manchmal mit durchschlagender Wirkung…

Kulturgut Viez

Wer heute in der Wirtschaft eine einen Viez bestellt, muss diesbezüglich keine Sorgen mehr haben. Der Most, der nach dem Keltern in das Fass kommt, stammt aus dicken, kultivierten Äpfeln, die längst nicht mehr so sauer schmecken wie die kleinwüchsige Arten, deren Bäume früher zuhauf entlang der Wege und auf den Wiesen standen. Zwar gibt es laut Weiler auch heute noch Viez-Hersteller, die sich bei der Wahl des Obstes genau an das Rezept ihrer Väter und Großväter halten. “Aber die können wegen der eher rar gewordenen Rohstoffe nicht die Mengen produzieren, wie die großen Viez-Hersteller.”

Vielleicht ist der geschmackliche Unterschied aber auch der Grund, weshalb der Viez seine Bedeutung als Kulturgut nicht verloren hat und auch heute noch gerne von Menschen jeden Alters getrunken wird. Zum einen wird er nach wie vor aus der Porz getrunken. “Viez ohne Porz – das geht gar nicht”, stellt Hanspitt Weiler klar. Wobei der Name Porz aus dem Moselfränkischen stammt und vom Werkstoff Porzellan abgeleitet wird.

Hergestellt wird das dickwandige Trinkgefäß, in dem der gut gekühlte Viez recht lange seine frische Temperatur behält, in der Eifel. Die Gebrüder Plein in Speicher fertigen seit 45 Jahren die Porzen im Familienbetrieb. Dazu gehören auch die Künstler-Porzen, die die Trierer Viezbruderschaft hier für jedes Trierer Viezfest in Auftrag gibt. Jeweils 500 Exemplare werden pro Fest in Umlauf gebracht – gestaltet von renommierten Trierer Künstlern. In diesem Jahr kommt der Verkaufserlös Trierer Obdachlosen zu Gute. Gestaltet hat die diesjährige Künstlerporz Lydia Oermann. Wie das Ergebnis aussieht, will Weiler noch nicht verraten. Doch etwas kann der reporter ihm dann doch entlocken: “Es ist eine künstlerische Gestaltung, die sehr gut zu diesem Trierer Jahr passt.”

Die Trierer Viezbruderschaft ist stolz, auch in diesem Jahr wieder einen Protektor für das Fest gefunden zu haben. Oberbürgermeister Wolfram Leibe habe spontan zugesagt, als man ihm die Schirmherrschaft antrug. “Wolfram Leibe mag den Viez, er trinkt ihn gerne, das macht ihn als Schirmherr authentisch”, weiß Weiler.

Freut sich auf die vierte Auflage des Trierer Viezfestes: Hanspitt Weiler, Vorsitzender der Trierer Viezbruderschaft

Für den Ausschank sowie für den Verkauf der Künstlerporzen sorgen vier große Viez-Produzenten, wobei mit Thomas Benzmüller aus Mülheim ein Neuling dabei sein wird. “Wir wollen den Besuchern natürlich auch immer wieder mal andere Hersteller vorstellen, deswegen gibt es auch Wechsel. Thomas Benzmüller ist deshalb dabei, weil er schon seit Jahren bei den DLR-Prämierungen (Dienstleistungszentren Ländlicher Raum) permanent die vorderen Plätze belegt.” Mit dabei sind aber auch Norbert Schmitt vom Landgasthoff Klimmes aus Wintersdorf, Andreas Scherf von der Scherfsmühle in Waldrach und Armin Hunsicker aus Fisch an der Saar.

Eine Bühne wird es beim vierten Trierer Viezfest wie schon in den Vorjahren nicht geben: “Unser Viezfest ist von seiner Konzeption her eher ein Straßenfest.” Trotzdem soll die Unterhaltung nach dem Wunsch der Organisatoren nicht zu kurz kommen. Eine Viezhymne, geschrieben von Andreas Sittmann, soll ihre Uraufführung erleben. Zudem zieht der Komponist und Viezbruder als Bänkelsänger von Tisch zu Tisch. Der Musikverein Irsch hat ebenso wie die Bergmannskapelle aus Thomm ihre Unterstützung angesagt. Und aus dem Westerwald kommt der MGV 1861 Ballersbach. “Die hatten mit dem Thema Viez bislang noch nicht viel am Hut”, schmunzelt Hanspitt Weiler. Das hat sich bei der Vorbesprechung zu dem Auftritt in der “Glocke” geändert – da gab es den ersten Kontakt…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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