Marx-Statue – Verwirrung perfekt

Auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Dezernent Andreas Ludwig hatten stets erklärt, China habe die Statue der Stadt als Geschenk angeboten.

TRIER. Nun ist die Verwirrung um die Karl-Marx-Statue wohl perfekt: Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) behauptet die Chinesische Botschaft, das Geschenk Chinas sei “auf Bitte der Trierer Seite zustande gekommen”. Das berichtet das Blatt in seiner Online-Ausgabe. Bisher galt der Tenor, die Marx-Statue sei der Stadt von der chinesischen Seite als Geschenk angeboten worden. So die offizielle Version der Stadtverwaltung. Laut FAZ bestreitet das Rathaus die Darstellung der Botschaft. Ein entsprechendes Zitat fehlt im Artikel der Zeitung allerdings. Stattdessen bezieht die FAZ sich auf Triers Alt-OB Klaus Jensen. Er soll gegenüber dem Blatt erklärt haben, dass die Idee für die Statue vom Chinesischen Generalkonsulat in Frankfurt an die Stadt herangetragen worden wurde. Laut FAZ beklagt die Volksrepublik ferner “selektive Berichterstattungen“ der deutschen Medien. FDP-Chef Tobias Schneider, der sich am Montagabend im Stadtrat vehement gegen die Annahme des Geschenks ausgesprochen hatte, fordert vom Rathaus nun “genaue Aufklärung”.

“Es ist offensichtlich”, so Schneider, “dass hier eine Seite die Unwahrheit verbreitet. Sofern die Darstellung der chinesischen Diplomaten der Wahrheit entspricht, dass Vertreter der Stadt selbst um eine Schenkung gebeten haben, wurde die Debatte im Stadtrat unter falschen Vorzeichen geführt und müsste dringend wiederholt werden. Wenn aber die Volksrepublik China in dem Moment beginnt, die Tatsachen zu verdrehen, sofern öffentlich Kritik geäußert wird, wirft das ein anderes Licht auf den gesamten Vorgang und bestätigt unsere Kritik am Regime in Peking erneut.”


Zum Thema − So berichtet die FAZ



Der Kommentar − Der Anfangsfehler


Die FDP verlangt nun von der Stadt und allen Beteiligten Aufklärung, “damit die Trierer Bürgerinnen und Bürger sich ein eigenes, transparentes und unabhängiges Bild von den Vorgängen machen können”. Schneider kündigt ferner eine entsprechende Anfrage für die kommende Ratssitzung an. “Die chinesische Seite bitten wir ebenfalls dringend um Klarstellung”, so der FDP-Chef.

FDP-Chef Tobias Schneider. Foto: Rolf Lorig

Die Ratsfraktion der Liberalen hatte sich am Montag mit Verweis auf die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen in China und der damit einhergehenden propagandistischen Vereinnahmung von Karl Marx’ Thesen in der Volksrepublik vehement gegen die Schenkung ausgesprochen. “Wir stehen klar zu unserer Haltung von Montagabend. Diese neue Lage der Dinge macht es absolut notwendig, dass die Stadt sich transparent zu der chinesischen Darstellung äußert. In der weiteren Diskussion um die Statue und den 200. Geburtstag von Marx im kommenden Jahr werden wir und andere auch weiterhin öffentlich die katastrophale Menschenrechtslage in China thematisieren”, kündigt Schneider an.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte hat den Stadtrat am Mittwoch wegen der Annahme der Marx-Statue als Geschenk Chinas kritisiert. Die Gesellschaft beklagt unter anderem die Inhaftierung von Dissidenten, Anwälten und Journalisten durch das Pekinger Regime. Deswegen hätte Trier auf den Bronze-Marx aus China verzichten sollen.

Der reporter hatte in seinem Kommentar vom gestrigen Dienstag angeregt, die Triererinnen und Trierer in einem Bürgerentscheid über die Annahme des chinesischen Geschenks abstimmen zu lassen. Vom Rathaus war am heutigen Mittwochabend zur veränderten Sachlage keine Stellungnahme mehr zu erhalten. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik 9 Kommentare

9 Kommentare zu Marx-Statue – Verwirrung perfekt

  1. beobachter

    Ich verfolge das politisch-gesellschaftliche Leben meiner alten Heimat mit Sicherheitsabstand aus der Schweiz. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man es spannender finden als jede Telenovela. Provinzpossen über Provinzpossen. Nach dem Theaterdebakel nun als nächste Peinlichkeit der Marxgau. Ich bleibe dran.

     
  2. Karl Haeßler

    Der Rat, die Seilschaften und die Hintermänner – Trier eine Stadt die im Filz und Sumpf erstickt. Es wird höchste Zeit für einen neu Start- das haben die jüngsten Skandale und auch die schmierige Dezernentenwahl gezeigt. Das die Damen und Herren im Rat sich nicht schämen? Bürger protestieren vor dem Rathaussaal – und es wird einfach ignoriert.
    Aber in knapp zwei Jahren wird gewählt. Dann werden hoffentlich mehr AfD´ler im Rat sitzen und den Laden gehörig aufmischen.
    Ach ja, auch die NPD ist zurück wie bei der letzten Ratssitzung deutlich zu vernehmen war.
    Es bleibt weiter spannend in Trier. Bin mal gespannt was als nächstes kommt. Probleme haben sie im Rat ja genug – auch ohne Karl-Marx Monument.

     
    • Freunde hab ich leider keine

      „Ach ja, auch die NPD ist zurück wie bei der letzten Ratssitzung deutlich zu vernehmen war.“

      Aha, zurück also!

      Aber die „anderen Fraktionen“ haben am Sitzungsende alleine aus dem Saal gefunden, oder?

       
      • Karl mag's

        hach, inhaltlich gut, aber immer die Leute die unter Pseudonym schreiben!

         
    • Spekulatius

      Oha. Werden dann die morschen Knochen zittern? Wird alles in Scherben fallen? Und was ist so toll daran, wenn alles in Scherben fällt? Da Sie diesbezüglich kenntnisreich zu sein scheinen, können Sie mir das doch bestimmt erklären, nicht wahr?

       
      • Karl mag's

        Das Ende naht! 😉

         
  3. Johannes

    China trete aber die Menschenrechte mit Füßen [Reiner Marz (Grüne)]

    Ja ne, iss klar, Menschenrechte. Daß in China heut keiner mehr verhungert hat ja mit Menschenrechten nix zu tun, Hungertote sind Naturereignisse.

    Daß im vergleichbaren Indien auch heut noch Menschen verhungern, auf Polizeiwachen und in Gefängnissen gefoltert werden und jede Menge inakzeptables sonstiges Zeug passiert weiß jeder der sich drum kümmert.

    Aber daß Indien ständig solche Vorhaltungen gemacht würden, besonders von den GRÜNen, wäre mir neu. Man merkt daß die inzwischen die CDU rechts überholt haben und sich noch gut vorkommen dabei. In Wirklichkeit sind dem Marz die Menschenrechte doch scheißegal, wenns anders wär wär er auch nicht in der Partei.

    Aber wenn es darum geht schweres Geschütz an Saudi Arabien und ihre Menschenschlächter zu verkaufen, wo Menschenrechte nichts wert sind, da gehts dann wieder. Die CDU kann von Glück reden, das der Großteil der Bevölkerung zu bequem ist, das Oberstübchen zu benutzen.

     
  4. Karl mag's

    Haha, die NPD ist zurück, ich lach mich schepp, die Ein-Mann-Show mit Erdbeermus und Sahne, der bosnische Arier!! Ne, noch weniger Afd’ler, oder sie (sie steht für höchstens zwei Männchen) stehen wie der Babic mit Trillerpfeifchen vor der Karl-Marx-Statue und machen sich wie er lächerlich, obwohl, das machen sie ja jetzt schon! Dass Sie sich nicht schämen für solch einen abstrusen Kommentar?! Hoffentlich hat der Herr Schneider oder die anderen Kritiker kein iPhone : designt in Kalifornien, gebaut in China. oder ein Samsung-Handy, oder ein Lenovo-Tablet.

     
  5. Mücke

    Ich fände es irgendwie ziemlich unverschämt und diplomatisch trampelhaft, als Stadt einen Staat um ein Geschenk zu bitten?! Macht man ja abseits des politischen Lebens als höflicher Mensch auch nicht so. Erscheint mir nicht sehr wahrscheinlich…

     

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