Migräne und Kopfschmerzen im Fokus

Die Referenten des Trierer Migräne- und Kopfschmerztages 2018. Dr. rer. nat. Ali-Reza Waladkhani, Dr. med. Christian Frössler, Dr. med. Inge Weimar, Dipl. Psychologin Petra Hoppe-Thesen, Prof. Dr. med. Matthias Maschke, Markus Leineweber und Dr. med. Lorenz Fischer (von links). Foto: BKT

TRIER. Kürzlich führte das Europäische Forum für Gesundheitswirtschaft (EFG) den Trierer Migräne- und Kopfschmerztag 2018 durch. Mitveranstalter war das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Im Bildungs- und Medienzentrum der Stadt Trier (Volkshochschule) informierten Experten im vollbesetzten Saal unter anderem zu den Behandlungsoptionen und zur Chronifizierung von Migräne und Kopfschmerzen sowie über den Einfluss von Ernährung und Psyche auf dieselben.

80 Prozent der Menschen haben eine Art von Kopfschmerz, ob Spannungskopfschmerz oder Migräne. Die Zahl zeigt, wie wichtig die Themen “Migräne und Kopfschmerz“ sind und somit auch wie wichtig es ist, darüber zu informieren. “1,6 bis 2,4 Millionen Patienten haben einen chronischen Kopfschmerz“, so Prof. Matthias Maschke, Chefarzt der Abteilung für Neurologie, Neurophysiologie und neurologische Frührehabilitation im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, in seinem Vortrag. Somit gehören Kopfschmerzen und Migräne zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. “Nicht zuletzt anhand des Zuspruches beim heutigen Migräne- und Kopfschmerztag sehen wir, dass es sich um ein wichtiges Thema handelt, von dem viele Menschen betroffen sind“, so Markus Leineweber, stellvertretender Vorsitzende des EFG, in seiner Ansprache am Informationstag rund um den Kopfschmerz. Einen Gruß richtete er auch von Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Vorsitzender des EFG, aus und zeigte sich froh darüber, dass es gelungen ist, Referenten aus verschiedenen Fachbereichen für den “Trierer Migräne- und Kopfschmerztag“ zu gewinnen.

Durch die Veranstaltung führte Professor Matthias Maschke, der zu Beginn zum Thema “Was gibt es Neues zu Migräne und Kopfschmerzen?“ referierte und im Zuge dessen auch die unterschiedlichen Formen der Migräne sowie die drei Behandlungssäulen vorstellte. Diese bestehen aus einem wirksamen Medikament, zum Beispiel Aspirin könne bei 50 Prozent der Patienten schmerzlindernd wirken, der medikamentösen Prophylaxe sowie der nicht-medikamentösen Prophylaxe. Nach Professor Maschke gingen circa zehn Prozent der Lebenszeit durch Kopfschmerzen verloren. So haben diese einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität und das Sozial- wie auch Arbeitsleben.

Stark beeinflusst wird das soziale Leben außerdem im Falle einer Chronifizierung des Kopfschmerzes. Von einer Chronifizierung ist zu sprechen, wenn jemand mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat hat, oder eventuell sogar täglich von Kopfschmerzen geplagt wird, was bei circa drei bis fünf Prozent der Menschen zutrifft. Ein chronischer Kopfschmerz führt nicht zuletzt – und lässt sich auch daran erkennen – zu sozialen, psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen. Im Rahmen des Vortrags “Chronifizierung von Kopfschmerzen: Pathophysiologie und Strategien“ klärte  Lorenz Fischer, Chefarzt der Abteilung für Schmerz- und Palliativmedizin im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Nord, zudem über die Risikofaktoren der Chronifizierung sowie Therapieformen des chronischen Spannungskopfschmerzes auf.

Der Kopfschmerz lässt sich neben der medikamentösen Therapie mit nicht-medikamentösen Therapien behandeln, dazu gehört die Manualtherapie, welche sich mit der Diagnose von Funktionsstörungen des Bewegungssystems befasst. So geht zum Beispiel ein sogenannter zervikogener Kopfschmerz nicht vom Kopf aus, sondern kann unter anderem durch Veränderungen in der Halswirbelsäule oder muskuläre Verspannungen im Hals- und Nackenbereich verursacht werden. Welche therapeutischen Maßnahmen ergriffen werden können, um beispielsweise die Muskulatur zu entspannen, wusste Christian Frössler, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin in der Trierer Praxis für Manuelle Medizin, Schmerztherapie & TCM, zu berichten.

Eine weitere thematisierte Therapieform war die Botoxbehandlung bei chronischer Migräne und anderen Kopfschmerzen. Die Behandlung sei gut verträglich, reduziere die Kopfschmerztage und könne so die Lebensqualität verbessern, berichtete Inge Weimar, Leitende Oberärztin der Abteilung für Neurologie, Neurophysiologie und neurologische Frührehabilitation im Brüderkrankenhaus, in ihrem Vortrag “Botulinumtoxintherapie bei Migräne und anderen Kopfschmerzen“. Sie erläuterte, wann eine Botoxbehandlung Sinn macht und in welchen Fällen – unter anderem bei Muskelerkrankungen oder Infektionen – von der Behandlung mit Botox abzusehen ist.

Auch die Themen “Wie beeinflusst Ernährung Kopfschmerzen?“ und “Was hat die Psyche mit dem Kopfschmerz zu tun?“ waren Bestandteil des Trierer Migräne- und Kopfschmerztages. Ali-Reza Waladkhani, Ernährungswissenschaftler, Studienzentrum Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Mitte, klärte darüber auf, dass etwa 20 Prozent der Migränefälle von einem Ernährungsfaktor wie einem Mangel oder einem Überschuss von Nährstoffen abhängig sind. Neben der Ernährung können psychische Faktoren wie andauernder chronischer Stress Einfluss auf die Entstehung von Kopfschmerzen nehmen. Denn Stress könne nach Petra Hoppe-Thesen, Psychologische Psychotherapeutin mit Schwerpunkt spezielle Schmerzpsychotherapie im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen Nord, eine auslösende, aufrechterhaltende und verstärkende Funktion haben. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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