Mit dem Dienst-E-Bike durch den Forst

Forstamtsleiter Gundolf Bartmann (Mitte) nimmt von Thorsten Ernst (rechts) das offizielle Dienst E-Bike entgegen. Links Revierleiter Philipp Schreiber mit seinem privaten E-Bike. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Beim Umweltschutz hat sich die rheinland-pfälzische Landesregierung eine Menge vorgenommen. Noch in diesem Jahr soll der erste Klimaschutzbericht erstellt und bis 2030 die Landesverwaltung klimaneutral organisiert.werden. Bei der Mobilität sollen Autos auf Kurzstrecken durch E-Bikes ersetzt werden. Ob und in welchem Umfang das möglich ist, das soll die Energieagentur Rheinland-Pfalz hier dienstleistend klären. Erste Erfahrungen wird unter anderem auch das Forstamt Trier sammeln, dessen Leiter Gundolf Bartmann am Dienstag das erste Dienst-E-Bike entgegengenommen hat.

Von Rolf Lorig

Das Forstamt Trier  gehört nicht gerade zu den kleinen seiner Art. Auf einer Fläche von rund 18.500 Hektar werden 33 Forstbetriebe in derzeit 10 Forstrevieren betreut, die ein Gesamtfinanzvolumen von jährlich zirka 3 Millionen Euro bewirtschaften. Da mutet es schon seltsam an, dass lediglich ein einzelnes E-Bike hier zu Testzwecken übergeben wird. Thorsten Ernst von der Energieagentur Rheinland-Pfalz hat da kein Problem mit. Man sei noch in der Findungsphase, müsse erst ergründen, welche Fahrten mit dem E-Bike vorgenommen werden könnten, begründet er die Einzelmaßnahme.

Philipp Schreiber, Revierleiter in Mehring, ist da schon ein Stück weiter. Schon seit einiger Zeit tauscht er das Auto in vielen Fällen gegen sein privates E-Mountainbike ein. Für ihn überwiegen die Vorteile: “Neben der Bewegung in der frischen Luft kommt man mit dem extrem geländegängigen Mountainbike im Gelände oft besser voran als mit dem Wagen”, hat er festgestellt. Natürlich könne das Rad nicht immer das Auto ersetzen. Beispielsweise wenn es darum geht, sperrige Werkzeuge zu transportieren. “Aber wenn ich nur kleine Werkzeuge dabei haben muss, da reicht schon ein Rucksack zum Transport aus. Und natürlich die richtige Kleidung.”

Bei aller Bereitschaft zur Veränderung sieht aber auch Forstamtsleiter Gundolf Bartmann Grenzen: “Wenn ich im Anzug zu einem offiziellen Termin beispielsweise nach Schweich muss, werde ich wohl kaum das Rad nutzen.” Zu groß sei ihm die Gefahr, verschwitzt vor Ort anzukommen. Philipp Schreiber versucht seinem Chef da etwas die Sorge zu nehmen: “Die motorische Unterstützung ist so stark, da ist die Gefahr zu schwitzen gar nicht mehr so groß, wenn man es ruhig angehen lässt.”

Dass sich das E-Bike am Ende durchsetzen wird, davon ist Schreiber schon heute überzeugt. “Das relativ hohe Durchschnittsalter bei Landesforsten wird in manchen Fällen die Begeisterung für dieses Transportmittel etwas dämpfen. Je jünger aber die Mitarbeiter, umso höher auch die Akzeptanz”, ist er überzeugt.

Hoffnung auf die Motivation der Mitarbeiter bringt auch Gundolf Bartmann zum Ausdruck. Er will selbst Erfahrungen sammeln und weiß aus Erfahrung, dass der berufliche Einsatz von Pkw oft kritisch betrachtet wird: “Viele Menschen, die im Wald Erholung suchen, stören sich daran, dass wir mit unseren Dienstwagen im Forst unterwegs sind.”

Bartmann weiß angesichts des Klimawandels um die Dringlichkeit von Veränderungen. In den vergangenen beiden Jahren hat das Forstamt alle möglichen Daten im Zusammenhang mit dem Thema Energie penibel niedergeschrieben. “Wir wollten einfach wissen, wo unsere Handlungsfelder liegen und was wir im Detail tun können”, begründet der Forstamtleiter die Maßnahme. Alleine beim Thema Mobilität beeindrucken diese Zahlen. Rund 60.000 Liter Treibstoff kommen da pro Jahr für rund 130.000 gefahrene Kilometer zusammen: “Das sind Benzin und Diesel für Autos, Lkw bis hin zur letzten Motorsäge. Das beinhaltet aber auch das Öl für die Beheizung des Forstamtes.” Und nach einer Pause: “Da kann viel getan werden.”

Könnte, wäre da besser gesagt. Denn jede Maßnahme kostet Geld. Photovoltaik zur Stromerzeugung oder Kollektoren für die Warmwasserbereitung sind nicht zum Nulltarif zu haben. Könnte er eine Wunschliste abgeben, stünden da mit Sicherheit auch strombetriebene Fahrzeuge für die Straße und das Gelände drauf. Doch der Forstamtsleiter weiß, dass große Ziele immer in kleinen Schritten erreicht werden. Deshalb ist er fest davon überzeugt, dass auch kleine Anfänge wie die Nutzung von E-Bikes hier ihren sinnvollen Beitrag leisten können. Thorsten Ernst und Philipp Schreiber haben es mal grob überschlagen: “Zwischen zehn und 15 Prozent der Dienstfahrten werden sich wohl mit dem E-Bike erledigen lassen.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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