Mit Smartphone oder Tablet moderne Kunst entdecken

Seit einigen Tagen ist die von Marcus Haberkorn und Gabriele Lohberg konzipierte Seite über Kunst im öffentlichen Trierer Raum online. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Kunst im Netz – da gibt es viele Seiten. Seit einigen Tagen aber haben drei Institutionen mit ‟Public Art Trier‟ einen neuen Weg beschritten. Unter der Adresse www.public-art-trier.de finden Kunstinteressierte Tipps und Hinweise zu Kunst im öffentlichen Raum. Beteiligt an diesem Angebot waren die Europäische Kunstakademie, die Universität Trier und die Hochschule Trier.

Von Rolf Lorig

Man stelle sich folgende Situation vor: Besucher in Trier wollen nicht nur das römische Erbe sondern auch das moderne Trier kennenlernen. Sie sind an Kunst interessiert, wollen sehen, was diese Stadt zu bieten hat. Bisher mussten diese Besucher mehr oder weniger auf gut Glück losziehen. Das aber hat sich nun geändert: ‟Die Besucher nehmen ihr Smartphone oder Tablet, geben die Adresse www.public-art-trier.de ein und haben dann anhand einer Karte die Möglichkeit, relevante Ziele direkt anzulaufen. Oder sie haben in der Stadt ein spannendes Kunstwerk entdeckt und können sich so direkt vor Ort darüber informieren‟, erläutert Marcus Haberkorn. Der Akademische Rat an der Hochschule Trier leitet das Lehrgebiet ‟Hypermedia: Interaktive und vernetzte Systeme‟ und war maßgeblich Aufbau des Studiengangs Intermedia Design beteiligt. Zusammen mit Studierenden der Hochschule Trier hat er die technische Plattform für die Seite entwickelt.

100.000 Euro von der Nikolaus-Koch-Stiftung

Für den redaktionellen Input zeichnet Gabriele Lohberg zusammen mit Studierenden aus dem Fachbereich Kunstgeschichte an der Universität Trier verantwortlich. Seit jeher hat die Leiterin der Europäischen Kunstakademie eine Affinität zu Skulpturen. Und die hat sie während ihres Studiums und ihrer Doktorarbeit ebenso begleitet wie in ihrem Berufsleben. 1998 realisierte sie den ersten Skulpturenweg in Trier, bei der Landesgartenschau im Jahre 2004 führte Lohberg diese Arbeit fort. Mit ihren Studierenden an der Universität beschäftigt sie sich schon lange mit dem Thema ‟Kunst im öffentlichen Raum‟. Irgendwann im Jahr 2013 hatte die Kunsthistorikerin die Idee, dieses Wissen in einer Datenbank zusammenzutragen. ‟Im ersten Schritt war diese Überlegung als elektronisches Nachschlagewerk für Fachleute gedacht‟, erinnert sich Lohberg. Kurzentschlossen suchte sie den Kontakt zu Marcus Haberkorn, der dieser Idee gegenüber auf Anhieb aufgeschlossen war. Von da an arbeiteten die beiden Hochschulen an dem Projekt zusammen.

Auch solche Kunstwerke finden sich auf Public Art Trier

Und wie das oft so ist: Während dieser Zusammenarbeit entstand die Idee, ein spezielles Angebot über neuzeitliche Kunst im öffentlichen Raum mittels einer Website der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine Idee, die von der Nikolaus-Koch-Stiftung mit 100.000 Euro bezuschusst wurde.

Was jetzt nach viel Geld klingt, relativiert sich, wenn man genauer hinschaut. Vier Jahre lang waren rund 60 Leute mit der Ausführung beschäftigt. Studierende wurden auf  Streifzüge durch die Stadt geschickt. Ihr Auftrag: öffentlich ausgestellte Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert finden, bewerten, fotografieren und katalogisieren. Parallel dazu arbeitete die Hochschule an einer Internet-Plattform mit App-Funktionalität. ‟Unsere Vorgabe war, dass man nicht nur mit einem normalen Rechner auf die Seite zugreifen kann sondern dass diese auch über ein Smartphone oder Tablet mobil genutzt werden kann‟, erläutert Marcus Haberkorn.

Damit der Benutzer auch gezielt geleitet werden kann, wird er nach dem Aufruf zunächst nach seinem Standort befragt. ‟Damit geben wir den Menschen einen ersten Überblick, was sich im Umkreis von 800 Metern rundum an Kunst befindet‟, sagt Haberkorn.

Wer aber konkret nach einem der rund 120 gelisteten Kunstobjekte sucht, muss nur den Namen oder den Standort eingeben und wird dann gezielt dorthin geführt. Oder aber man nutzt die Bilder- oder Radaransicht. Bei der letzteren Funktion handelt es sich um eine  vergrößerte Karte. Beim Anklicken der dort vorhandenen Punkte öffnen sich kleine Fenster mit Fotos und ersten Informationen zu den Kunstwerken.

Gabriele Lohberg legt Wert auf die Feststellung, dass die Seite permanent aktualisiert wird. ‟Wenn man beispielsweise an die Karl-Marx-Statue denkt, die die Volksrepublik China der Stadt Trier im kommenden Jahr schenken wird. Da steht der Standort fest, den können wir schon einpflegen. Und auch der redaktionelle Inhalt kann bereits erarbeitet werden, so dass wir immer aktuell sein können.”

Be Part of Art

Die Seite funktioniert auch bei Smartphones und Apps und eigenet sich so ausgezeichnet für den mobilen Einsatz.

Doch das interaktive Angebot kann noch mehr. Bis Ende Juli lädt das Portal zur aktiven Teilnahme ein. Und das geht so: ‟Man geht zu einem der ausgewiesenen Kunstwerke und macht dann ein Selfie von sich und dem Kunstwerk. Dieses Foto wird dann hochgeladen. Online fügen sich alle Fotos wie in einem Mosaik zu großen dreidimensionalen Skulpturen zusammen. Sobald eine Skulptur vollständig ist, wird eine Belohnung für alle Teilnehmer freigeschaltet‟, erläutert Marcus Haberkorn.

Und was versprechen sich alle Beteiligten von diesem Angebot? Gabriele Lohberg muss da nicht lange überlegen: ‟In dem Projekt geht es um die Sichtbarmachung und Auseinandersetzung mit öffentlicher Kunst. Anhand des künstlerischen und thematischen Kontextes lassen sich stadtgeschichtliche, kulturpolitische, gesellschaftliche, soziale und künstlerische Entwicklungen ablesen. Unser Projekt hilft den Menschen, die einzelnen Objekte zu finden und gibt ihnen so die Gelegenheit, sich damit auseinanderzusetzen und für sich selbst zu erschließen.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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