Monologe mit Seele und Eindringlichkeit

Ein Monolog zu Dritt: Anna Lankes, Elke Hennig und Luna Schneider. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Es gibt Dinge, über die spricht man nicht. Vor allem, wenn es um die Intimbereiche des menschlichen Körpers geht. Über eine sehr lange Zeit war das ein ungeschriebenes Gesetz. Bis dann einzelne Menschen kamen und diese Verhaltensweise durch ihr Handeln infrage stellten. So wie das die New Yorker Theaterautorin Eve Ensler mit ihren Vagina-Monologen ausgangs des letzten Jahrhunderts tat. In Trier griff das KATZ-Theater am Wochenende in der Tufa das Theaterstück erneut auf und bescherte sich selbst damit ein volles Haus.

Von Rolf Lorig

Wer sich an diesem Abend im Saal umschaute, sah fast ausschließlich Frauen. Einige wenige hatten ihre Partner mitgebracht, doch die verloren sich in der Menge. Kein Wunder, geht es beim Thema Vagina doch um eine ausgesprochen weibliche Angelegenheit, die in aller Regel in der Gedankenwelt von Männern außerhalb der Sexualität keinen Platz hat.

Rührte mit ihrer Darstellung einer vergewaltigten Frau zu Tränen: Kathrin Maier

Wenn das Lachen im Hals stecken bleibt

Warum eigentlich? Dass es zu diesem Thema viel zu erzählen und zu berichten gibt, stellte das Ensemble ‟Joya Gosh and Friends‟ eindrucksvoll unter Beweis. Dabei wurden die 13 Frauen in der zweistündigen Aufführung erstmals von einem Mann unterstützt. Der Theaterpädagoge Gerd Freyberg  hatte die Aufgabe übernommen, thematisch auf der Basis des Buches in die jeweiligen Monologe einzuführen. Und die hatten es in sich. Mal waren sie frivol-fröhlich, doch schon im nächsten Moment konnte den Besuchern das Lachen im Halse stecken bleiben. Vor allem dann, wenn es um Gewalt und Missbrauch ging. Es war eine breite Palette an Emotionen, die die Akteurinnen, bis auf Kathrin Maier und Joya Gosh allesamt schauspielerische Laien, ihre Besucher für die Dauer einer Vorstellung durchleben ließen: Unschuld, Freude, Lust, Neugierde, Sehnsucht, Nachdenklichkeit, Unverständnis, Ungläubigkeit, Entsetzen, Wut und Trauer.

Wer bis zu dieser Aufführung der Meinung war, dass ihm nichts Menschliches fremd sei, sollte sich am Ende des Abends in seiner Auffassung getrogen sehen. Die einzelnen Monologe hatten daran ebenso ihren Anteil wie die dokumentarischen Auszüge aus dem Buch, die mit ihrem teilweise statistischen Charakter das Thema einerseits völlig entfremdeten, andererseits ihm aber auch einen teilweise bedrückenden Hintergrund gaben.

Sie hält bei der Aufführung alle Fäden in der Hand: Schauspielerin und Regisseurin Joya Gosh

Tolle Darbietungen vom Laienensemble

Sich an dieser Stelle nur auf das Thema zu reduzieren und die Darstellerinnen selbst dabei außen vor zu lassen, wäre nicht nur ungerecht, sondern auch fahrlässig. Denn sie waren es, die den Monologen erst Seele und Eindringlichkeit gaben. Wobei das Ensemble mit Ausnahme von Joya Gosh und der wirklich beeindruckenden Kathrin Maier, deren exzellente Darbietung zu Tränen rührte, man die sprichwörtliche Nadel gehört hätte, so sie denn zu Boden gefallen wäre, sich ausschließlich aus schauspielerischen Laien rekrutierte. Buchstäblich alle Frauen wussten mit ihren Vorträgen und Darbietungen zu überzeugen. Das war weit mehr als Laientheater, hier ging es um die möglichst authentische Darstellung und Vermittlung von zutiefst menschlichen Gedanken und Gefühlen, Sehnsüchten und Ängsten.

Der lang anhaltende Applaus am Ende des Abends war mehr als gerechtfertigt. Und es erklärt auch, weshalb Joya Gosh später immer wieder gefragt wurde, wann es weitere Vorstellungen geben werde. Doch auf diese Frage musste die Schauspielerin und Regisseurin die Antwort schuldig bleiben. In der Tufa gibt es vorerst keine weiteren freien Termine. Jetzt hofft sie auf das Kasino am Kornmarkt. Und hat auch noch eine andere Idee: Die Studio-Bühne im Theater Trier. Denn die wird derzeit nicht genutzt. Vielleicht erhält Joya Gosh Unterstützung von der neuen Schauspielchefin Caroline Stolz, wenn die am Theater ihr neues Amt antritt. Dem Ensemble ‟Gosh and Friends‟ wäre es zu wünschen.

Frauennotruf Trier

Die Einnahmen der jüngsten Aufführung der “Vagina Monologe” kamen dem Frauennotruf Trier zugute. Hier erhalten von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen Beratung und Unterstützung. Erreichbar ist der Frauennotruf, der seinen Sitz in der Ostallee 27 hat, über die Rufnummer 0651 / 200 6588 oder über das Internet.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur 1 Kommentar

Kommentar zu Monologe mit Seele und Eindringlichkeit

  1. Gerd Freyberg

    Diese Kritik trifft die Aufführung hervorragend . Vielen Dank dafür !

     

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