Mosel Musikfestival – Das neue Kapitel beginnt

Er schlägt das neue Kapitel auf: Tobias Scharfenberger. Fotos: Rolf Lorig

REGION. Vom 13. Juli bis 3. Oktober kommenden Jahres präsentiert sich das Mosel Musikfestival mit mehr als 60 Konzerten an 40 Spielstätten von der Saar bis zur Untermosel. “Industrie-Kultur”, das Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz, bot dem Nachfolger von Hermann Lewen eine Steilvorlage. “Was bleibt?”, hat sich der neue Intendant Tobias Scharfenberger gefragt, das Programm des Mosel-Festivals gegen den Strich gebürstet und dennoch Liebgewonnenes bewahrt und sogar ausgebaut. “Wir schlagen ein neues Kapitel auf”, sagte Scharfenberger am Freitag im Weingut Cantzheim in Kanzem bei der Vorstellung des neuen Programms.

Im Jahr eins der Nach-Lewen-Ära hat Scharfenberger für sein Festival ungewöhnliche Spielorte wie das Dhronkraftwerk in Leiwen, den Bundesbank-Bunker in Cochem, das Holzschnittlager der Firma Leyendecker in Trier, das Busdepot der Stadtwerke Trier und die Stanzhalle der Firma Natus entdeckt. Die Industriestätten bilden den kongenialen Rahmen für originelle Konzertformate in einem Jahr voller Jubiläen: Beleuchtet werden soll damit auch, was die Philosophen, Reformer und Erfinder wie Karl Marx, Friedrich Wilhelm Raiffeisen oder August Horch kulturell umgeben haben mag.

Der 100. Geburtstag des amerikanischen Musikers Leonard Bernstein oder der 150. Todestag des italienischen Komponisten Gioachino Rossini – deren Werke und Leben spiegeln sich in einigen außergewöhnlichen Projekten wider, die Künstler eigens für das Mosel Musikfestival kreiert haben. “Wir wollen so auch zeigen, wie viel klassische Musik mit dem Leben zu tun hat”, sagte Scharfenberger. “Deswegen gehen wir auch an Orte, wo normalerweise keine Konzerte zu hören sind.”


Zum Thema − Höhepunkte des Programms


Dennoch fehlen Konzertorte wie Klöster, Kirchen und Kapellen, Weingüter, Ruinen und die beliebten Open-Airs nicht. Mit Verve musizieren dort Solisten wie Weltklassepianist Kit Armstrong und Bariton Thomas E. Bauer, der russische Ausnahmepianist Arcadi Volodos, die brillante Sopranistin Dorothee Mields, Thomas Quasthoff als Jazzsänger, Roberto Prosseda am seltenen Pedalflügel, der eloquente Dominique Horwitz und die geniale Berliner Lautten Compagney sowie das britische Vokalensemble Tenebrae Choir.

Natürlich wollen auch junge Talente und Newcomer 2018 wieder die Bühne erobern, und sie tun es: der britische Jazzpianist Anthony Strong etwa oder der schottische Gitarrist Sean Shibe, die hochtalentierte Pianistin Jamina Gerl oder die “Jugend musiziert”-Preisträger vom Klanglabor sowie die Musiker des Landesjugend-Jazzorchesters und des Bundesjugend-Jazzorchesters.

Andrea Schläfli hatte die Idee zu den “Sommer-Sprossen”.

“Sommer-Sprossen” heißt ein brandneues Programm für Kinder und Jugendliche. Die Schweizer Künstlervermittlerin Andrea Schläfli hat diese Reihe für das Festival entwickelt. In Percussion-Workshops, Familienkonzerten, in denen Jungen und Mädchen mit Profimusikern auftreten, aufregenden Spaziergängen und einem Malwettbewerb können Kinder und Jugendliche mit Eltern und Großeltern tief in das Abenteuer Musik eintauchen. “Uns geht es auch darum, neue Zuschauerschichten zu erschließen”, so Scharfenberger. Schließlich werde in den kommenden Jahren die Überlebensfrage einer gesamten Branche gestellt. “Und die wollen wir für unser Festival frühzeitig positiv beantworten.”

Auch die überaus beliebte Reihe “Weinklang” wird nicht fehlen. Vier Termine sind im kommenden Jahr vorgesehen: Auf vier Weingütern der Region wird klassisch musiziert. Am 11. September im Weingut Cantzem in Kanzem sogar mit Sternekoch Harald Rüssel als kulinarischer Begleiter. Abgerundet wird das vielschichtige Programm durch die Open-Air-Konzerte von Bernkastel-Kues bis nach Trier.

Eröffnet wird das Festival am 13. Juli in St. Maximin mit der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach. Das Abschlusskonzert findet traditionell am 3. Oktober statt – im kommenden Jahr mit dem Oratorium “Elias” von Felix Mendelssohn Bartholdy. (tr/et)

Zahlen und Fakten

Vom 13. Juli bis zum 3. Oktober 2018; Konzerte: 64; Spielstätten: 45

Spielstätten
Barocksaal Kloster Machern Bernkastel-Wehlen, Klosterruine Stuben Bremm, Ehem. Abteikirche St. Maximin Trier, Bischöfliches Priesterseminar Trier, Synagoge Schweich, Moselauen Bernkastel-Kues, Evangelische Kirche Winningen, Hotel Moselschlösschen Traben-Trarbach, Konstantin-Basilika Trier, Weingut von Othegraven Kanzem, Kurfürstliches Palais – Rokokosaal/Innenhof Trier, Pfarrkirche St. Marien Rachtig, Hohe Domkirche Trier, Kulturzentrum Kapuzinerkloster Cochem, Kultur- und Tagungsstätte Synagoge Wittlich, KulturGießerei Saarburg, Wollfabrik Moselkern, Europäische Kunstakademie Trier, Weingut Markus Molitor Bernkastel-Wehlen, Mosellandhalle Bernkastel-Kues, Rittersaal Schloss Veldenz, IHK Tagungszentrum Trier, Theater Trier, Ehemaliges Kraftwerk Traben-Trarbach

Neue Spielstätten
Burg Landshut Bernkastel-Kues, St. Martin Cochem, Bundesbank-Bunker Cochem, Weingut Cantzheim Kanzem, Dhronkraftwerk Leiwen, Bürgerhaus Leiwen, St. Michael Piesport, Hochseilgarten Trier, Karl-Marx-Haus Trier, Leyendecker Holzland Trier, Natus GmbH Trier, St. Paulin Trier, Pianohaus Hübner Trier, TV-Druckhaus Trier, Weingut van Volxem Wiltingen, St. Peter Zell, Staustufe Zeltingen

Eröffnungskonzert
13. Juli, Matthäus-Passion, St. Maximin, Trier

Abschlusskonzert
3. Oktober, Elias, Hohe Domkirche, Trier

Etat
Zirka eine Million Euro

Gesellschafter
Stadt Bernkastel-Kues, Stadt Trier, Landkreis Trier-Saarburg, Landkreis Bernkastel-Wittlich, Landkreis Cochem-Zell, Landkreis Mayen-Koblenz


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Kultur, Moselmusikfestival Hinterlasse einen Kommentar

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