Musik, die Herz und Seele erreicht

Markus Stockhausen am Flügelhorn. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Der Kölner Jazz-Trompeter Markus Stockhausen ist der Gewinner des diesjährigen JTi Trier Jazz Award. Am Montagabend übergab JTi-Prokuristin Heike Maria Lau im IHK-Tagungszentrum den Preis im Rahmen des Mosel Musikfestivals an den international renommierten Künstler. Die Auszeichnung ist mit 7500 Euro dotiert.

Für den reporter war Rolf Lorig bei der Preisverleihung

An dem Abend gab es viele Gewinner. Markus Stockhausen, der die Auszeichnung sichtlich stolz entgegen nahm. Die Stadt Trier, die mit dem JTi Trier Jazz Award einen jährlichen Preis besitzt, der weit über die Grenzen der Stadt wahrgenommen wird. Und nicht zu vergessen die Besucher des Mosel Musikfestivals, die mit dem Preisträgerkonzert einen grandiosen Abend erlebten, an den man dank der Qualitäten von Markus Stockhausen und des ihn genial am Flügel begleitenden Florian Weber noch über Jahre hinweg erinnern wird. Schade nur, dass die Herbstferien dem ein oder anderen Jazz-Liebhaber in diesem Jahr das Erlebnis durchkreuzt haben.

Florian Weber (links) und Preisträger Markus Stockhausen.

JTi verlängert Partnerschaft mit Mosel Musikfestival um zwei Jahre

Kein Wunder, dass sich Hermann Lewen und Tobias Scharfenberger zu Beginn der Veranstaltung darüber freuten, dass JTi Trier die Partnerschaft mit dem Mosel Musikfestival gerade um zwei Jahre verlängert hat. Für Heike Lau, die um den Solitärcharakter der Jazzreihe weiß, kein Akt: Das Unternehmen tue damit nicht nur sich selbst Gutes, man gebe damit auch etwas an die Region zurück, in der man lebe und arbeite. Eine Aussage, die von Bürgermeisterin Angelika Birk bestätigt wurde. Sie lobte die Partnerschaft mit dem Industrieunternehmen, das für Trier mehr sei als nur ein großer Steuerzahler und bedankte sich bereits im Vorfeld, dass es wegen der erneuten Kooperation von JTi mit dem Mosel Musikfestival auch künftig solche besonderen Jazzkonzerte in Trier geben werde.

Und damit hatten Uli Beckerhoff und Ralf Dombrowski das Wort. Beckerhoff, selbst eine lebende Jazz-Legende, ist der Vorsitzende des Jurorenteams, das alljährlich europaweit Ausschau nach potenziellen Kandidaten für den Preis hält. Im Interesse von kurzen Reden beschränkte er sich auf ein Dankeswort an den scheidenden Intendanten Hermann Lewen und freute sich darüber, dass dieser in der Person von Tobias Scharfenberger einen würdigen Nachfolger gefunden habe.

Strahlenspur zu einem Leuchten ausgebaut

Es war dann an Ralf Dombrowski, die richtigen Worte für die Laudatio zu finden. Was dem gelernten Journalisten nicht schwer fiel. Er erinnerte sich an seine ersten Begegnungen mit dem damals noch jungen Musiker, der im Mai dieses Jahres bereits seinen 60. Geburtstag feiern konnte. Damals habe er einige Vorbehalte gehabt: ‟Berühmte Väter können helfen, können aber auch Erwartungen generieren, mit denen die Jugend nicht umgehen kann.” Doch der Sohn von Karlheinz Stockhausen falle nicht unter diese Kategorie. Mit seinem . Konzert ‟Strahlenspur‟ habe ihm Markus Stockhausen 1983 ein besonderes Hörerlebnis beschert. Mehr noch: Stockhausen habe die Strahlenspur im Laufe der Jahrzehnte konsequent zu einem Leuchten ausgebaut und diesem viele neue Strahlen und Facetten hinzugefügt. Der Trompeter besitze eine besondere Herangehensweise an die Musik und nutze die Empathie, um sie ‟zu einem Ozean der Gefühle‟ heranwachsen zu lassen. Als Kritiker und Journalist erlebe er Stockhausen als einen bis ins Detail aufmerksamen Musiker und Menschen.

Heike Maria Lau (Mitte) überreicht Markus Stockhausen den JTi Trier Jazz Award. Bürgermeisterin Angelika Birk gratuliert im Namen der Stadt.

Stockhausen selbst zeigte sich in seinen Dankesworten überwältigt von dem an diesem Abend erfahrenen Zuspruch. Bescheidenheit und Dankbarkeit kennzeichneten seine Worte. In seiner Anfangszeit hätten sich die berühmtesten Künstler um den Nachwuchs gekümmert, erinnerte er sich. Heute aber wäre der Konkurrenzdruck auf dem Jazzmarkt sehr viel größer, was angesichts der großen Zahl an Absolventen, die jährlich die Musik-Hochschulen verlassen, kein Wunder sei. Gerade deshalb komme der konsequenten Weiterentwicklung der eigenen musikalischen Linie eine hohe Bedeutung zu. Dabei sei er immer der inneren Stimme gefolgt, habe Projekte begonnen und auch wieder beendet.

Dem musikalischen Miteinander mit dem Pianisten Florian Weber räumte Stockhausen einen besonderen Raum ein. Seit zehn Jahren arbeite man bereits miteinander. Doch er habe zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass diese Zusammenarbeit abgenutzt und damit von einem Ende überschattet sei. Im Gegenteil: ‟Manchmal kommt es mir so vor, als ob wir gerade erst mit unserer gemeinsamen Arbeit begonnen hätten, als würden wir erst am Anfang stehen.” Es sei ein fantastisches Miteinander, das beide Musiker inspiriere und zu ständig neuen Ergebnissen führe.

Es war seine letzte Preisverleihung in der Funktion des Intendanten: Hermann Lewen (links) weiß sein Vermächtnis bei Tobias Scharfenberger in guten Händen.

Zwei, die sich auf Augenhöhe begegnen

Und davon konnten sich dann auch die Zuhörer in dem knapp eineinhalbstündigen Preisträgerkonzert überzeugen. Sie erlebten Musik, die das Herz und die Seele erreicht. Subtil in ihrer Ausführung, fein und ausgewogen im Dialog der sich begegnenden Instrumente. Da gab es kein Führen eines Instruments, beide teilten sich diese Rolle. Wer die Augen schloss, erlebte die akustische Begegnung zweier auf Augenhöhe spielender Musiker, die scheinbar spielerisch abwechselnd Themen aufgreifen und variieren, dabei das harmonische Ganze nie aus den Augen verlieren. Ein konzertanter akustischer Ohrenschmaus, den der Saarländische Rundfunk aufgezeichnet hat und auf dessen Ausstrahlung man sich bereits heute freuen kann.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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