Musik und ein Heidenspaß in der Tufa

Kleidertausch bei laufendem Klavierspiel – eine Spezialität von Ass-Dur. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Musik-Comedy gibt es in der Tufa immer wieder. Am Freitag aber gastierten mit Ass-Dur dort zwei Künstler, die dieses Genre perfekt beherrschen und ihrem Trierer Publikum einen ebenso vergnüglichen wie unvergesslichen Abend bereiteten.

Von Rolf Lorig

ASS-Dur, das sind Dominik Wagner und Benedikt Zeitner. Seit 2007 tourt das Duo quer durch Deutschland. Rasche Veränderungen sind ihr Ding nicht. In den zehn Jahren hat es gerade mal für drei Programme gereicht. Doch was vielen anderen Künstlern längst das Genick gebrochen hätte, haben die beiden studierten Musiker zu ihrem Markenzeichen ausgebaut: den Wiedererkennungseffekt. Wer das erste Programm besucht hat, wird bei der aktuellen Tour sich sofort an den damaligen Auftritt erinnern. Und wie bei einem Treffen mit guten alten Freunden auch sofort an die erste Begegnung anknüpfen, als wäre es gerade gestern gewesen. Was im konkreten Fall heißt, dass der Heidenspaß, den die erste Begegnung brachte, sich nach all den Jahren nahtlos fortsetzt. Was denn auch erklärt, weshalb die 240 Besucher im Großen Saal der Tufa sich bereits nach den ersten Minuten vor Vergnügen bogen und geradezu atemlos nach Luft schnappten.

Er ist der Traum von Schwiegermüttern: Benedikt Zeitner.

Es sind bei Ass-Dur viele Faktoren, die den Erfolg ausmachen. Da wäre zunächst die Rollenverteilung. Ganz offenbar haben sich die beiden Künstler an Stan Laurel und Oliver Hardy orientiert. Dominik Wagner übernimmt beim Auftritt den Part von Stan Laurel. Mit seinem stoischen Gesichtsausdruck und dem phlegmatischen Auftreten spielt er sich in die Herzen des Publikums, noch bevor er zum ersten Mal in die Tasten seines Flügels gegriffen hat. Benedikt Zeitner erinnert ganz klar an Oliver Hardy. Was allerdings nicht seine Physis betritt. Denn anders als Hardy ist Zeitner biegsam und gertenschlank. Nein, es ist das Bemühen, alles immer richtig zu machen und perfekt nach außen zu erscheinen. Und wie er so strahlend mit seinem Blendax-Lächeln auf der Bühne dasteht in seinem Frack − Dominik Wagner hat seinen Frack angeblich vergessen und kommt stattdessen im schlabbrigen Jogginganzug − ist Zeitner der gut aussehende und zudem auch noch steppende und singende Traum einer jeden Schwiegermutter. Doch, wie gesagt, die Herzen vor allem der Damen fliegen dem traurig dreinblickenden Mann am Flügel im Jogginganzug zu…

Immer dabei: der Bi-Ba-Butzemann…

Das Team alleine auf diese Rollenverteilung zu reduzieren, würde dem Auftritt nicht gerecht werden. Die beiden Männer, die sich an der Musikhochschule Berlin kennengelernt haben, wo Zeitner Operngesang und Wagner Opernregie studierte, sind auch musikalisch topfit, was bei einzelnen Darbietungen immer mal wieder durchblitzt. Ein Beispiel dafür ist der bestens bekannte, da vom ersten Auftritt her präsente ‟Bi-Ba-Butzemann‟, den Ass-Dur auch in diesem Programm in den verschiedensten Versionen immer wieder neu arrangiert zu Gehör bringt.

Zudem verstehen sich die beiden offenkundig ganz prächtig, werfen sich die verbalen Bälle um die Ohren und bescheren sich und ihrem Publikum damit einen Heidenspaß. Wenn sie sich beispielsweise darüber unterhalten, dass die Stiftung Warentest Vibratoren getestet habe, jedoch keiner davon befriedigend gewesen sei…

Und auch die Spontankomik funktioniert bestens, wenn im Saal mal ein Glas zerbricht und Benedikt Zeitner sich besorgt erkundigt, ob es Überlebende gegeben hat.

Der Stoiker kann auch Rampensau: Dominik Wagner

Und überhaupt − der Kontakt zum Publikum. Scheue oder introvertierte Menschen sollten bei den Auftritten von Ass-Dur niemals nach einem Platz in den ersten Reihen Ausschau halten. Sonst ergeht es ihnen wie Gabi aus Ayl. Auf sie fiel die Wahl, als das Duo einen Publikumssprecher suchte. ‟Nicht schon wieder‟, stöhnte die Besucherin, diese ‟Ehre‟ sei ihr erst beim Besuch eines Konzertes in Koblenz zuteil geworden. Das war dann schon einige Jahre her, erinnerten sich Wagner und Zeitner. Und nahmen Gabi dann erst richtig in die Mangel. Wie lange sie denn von Ayl aus gefahren sei, um hierher in die Tufa zu kommen und ob sie dafür eigens in Trier übernachten müsse? Ob sie denn auch eigens für den Auftritt von Ass-Dur nach Trier gekommen sei oder ob sie das mit einer Shoppingtour verbinden wolle? Es waren harmlose Späßchen, die aber eins ums andere Mal das Zwerchfell des Publikums erschütterten, zumal Gabi sich alle Mühe gab um mitzuhalten.

Und dabei wären wir auch schon beim nächsten Grund für den Erfolg: die Interaktion mit dem Publikum. Und die funktionierte zuweilen so gut, dass sich die beiden Künstler auch schon mal abwenden mussten, um ihr Lachen zu verbergen. Denn schließlich wollen sie die Unerschütterlichen auf der Bühne geben, die andere zum Lachen bringen, die selbst aber nichts aus der Fassung bringt…

Nach zwei Stunden bester Musik-Comedy klang der Abend mit drei Zugaben aus. Auch hier setzten Wagner und Zeitner auf Bewährtes, tauschten bei laufendem Klavierspiel ihre Garderobe, was einmal mehr das weibliche Publikum zu anfeuernden Pfiffen und Rufen verleitete. Spätestens dieses Finale machte klar, dass man in Trier fest von einem Wiedersehen mit Ass-Dur ausgeht….


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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