Nach 100 Jahren wieder zurück in Trier

Elisabeth Dühr, Thomas Schmitt, Katharina Popanda und Wolfram Leibe freuen sich über die Heimkehr der Kunst des Bildhauers Ferdinand Tietz. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Vier Skulpturen des Bildhauers Ferdinand Tietz sind nach einer 100 Jahre währenden Odyssee zurück nach Trier gekommen. Elisabeth Dühr, Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift, konnte am Montag Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Kulturdezernent Thomas Schmitt die steinernen Meisterwerke im Magazin des Stadtmuseums präsentieren. Der Ehranger Steinmetz Henning Wirtz wird die vier steinernen Meisterwerke nun auf eventuelle Schäden hin überprüfen und mögliche Schäden fachkundig ausbessern. Die natürliche Patina aber will er auf jeden Fall erhalten.

Und wie kam es nun zu dem Kauf? Elisabeth Dühr berichtete: Das Stadtmuseum hat viele gute Kontakte. Einer davon führt direkt ins Auktionshaus Sotheby. Das Traditionshaus hatte den Auftrag erhalten, einige Stücke aus dem Besitz der Düsseldorfer Unternehmerfamilie Henkel zu veräußern – darunter die vier Sandsteinfiguren. Innerhalb kürzester Zeit musste der Stadtrat den Ankauf beschließen. Denn Christoph Henkel hatte sich damit einverstanden erklärt, dass die Stadt Trier ein Vorkaufsrecht ausüben würde. Elisabeth Dühr: “Es gibt eine große Nachfrage für solche Skulpturen. Wenn das Tanzpärchen und die beiden Musiker in die normale Versteigerung gekommen wären, hätten wir mit wesentlich höheren Kosten rechnen müssen.”

Auf die Nachfrage des reporters war schließlich zu erfahren, dass die Stadt Trier zur Sicherung des kulturellen Erbes 93.000 Euro aufbringen musste. Geld, das nach Auffassung von Oberbürgermeister Wolfram Leibe trotz des aktuellen Sparkurses gut angelegt wurde: “Wir haben für das Geld Kunst erworben, die jetzt in das Inventar einfließt und somit auch einen dauerhaften Wert darstellt.”

Am Beispiel der Tänzerin erläutert Restaurator Henning Wirtz den Zustand der Skulpturen.

10.000 Euro von der Kulturstiftung Rheinland-Pfalz

Zudem gab es noch eine großzügige Unterstützung aus Mainz: Die Kulturstiftung Rheinland-Pfalz beteiligte sich mit 10.000 Euro am Kauf der vier Skulpturen. Katharina Popanda, Geschäftsführerin der Stiftung, war eigens nach Trier gekommen, um die Neuerwerbung selbst in Augenschein nehmen zu können. Die Kulturstiftung sehe es als ihre Aufgabe an, Kunst und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz zu erhalten, sagte Popanda, die angesichts des sehr guten Erhaltungszustands der Skulpturen ihre Freude über den Erwerb zum Ausdruck brachte.

Eine Freude, die die Verantwortlichen teilten: “Die Sandsteinfiguren sind ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes der Stadt Trier“, erklärten Kulturdezernent Thomas Schmitt und Museumsdirektorin Elisabeth Dühr. “Wir freuen uns, dass durch gemeinsame Anstrengungen diese Meisterwerke jetzt wieder nach Trier zurückkehren.”

Laut Museumsdirektorin Dühr ist die Herkunft der Kunstwerke dank der akribischen Nachforschungen von Sotheby sauber geklärt. Im Zuge der Säkularisierung unter Napoleon gerieten zahlreiche Skulpturen in Privatbesitz. So auch die vier nun angekauften Figuren: Bis Ende des Ersten Weltkriegs standen sie in einem Garten in der Petrusstraße, danach verlor sich ihre Spur. Mehr als 100 Jahre galten die Figuren, die zwei Musikanten, eine Tänzerin und einen Tänzer zeigen, als verschollen. Ihren zukünftigen Platz werden die durch Henning Wirtz frisch restaurierten Meisterwerke im Empfangs- und Veranstaltungssaal Beletage auf hölzernen Sockeln finden, wo sie fortan dann auch bewundert werden können.

Der Künstler Ferdinand Tietz (ca. 1707 – 1777) gehört zu den bedeutenden Bildhauern des Rokoko. Als Hofbildhauer wirkte er ab 1754 in Trier. Zahlreiche bildhauerische Meisterwerke von ihm findet man unter anderem im Dom, im Kurfürstlichen Palais und in den Trierer Museen. Zu seinen wichtigen Projekten unter den Kurfürsten Franz Georg von Schönborn und Johann Philipp von Walderdorff gehört der Hochaltar von St. Paulin, das Treppenhaus des Kurfürstlichen Palais und die Skulpturenausstattung für den Palastgarten. In Zusammenarbeit mit Baumeister Johannes Seiz prägte Tietz maßgeblich das kurtrierische Erscheinungsbild in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Nach einer sechsjährigen Wirkungszeit in Kurtrier zog Ferdinand Tietz weiter nach Bamberg und Würzburg. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft 1 Kommentar

Kommentar zu Nach 100 Jahren wieder zurück in Trier

  1. Rumpff Maria Magdalena (Magda)

    Als waschechte Triererin nehme ich diese Gelegenheit wahr, zu sagen,was ich immer wieder erfahren darf von Bekannten und Freunden: Aus dieser herrlichen Stadt Trier kommst du? –Unsere Erwartungen wurden übertroffen – wir haben so oft an dich gedacht, wenn wir diese vielseitigen, die Stadt einmalig prägenden Kunstwerke in Augenschein nehmen konnten-usw.
    Mit besten Grüßen
    Magda Rumpff

     

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