Nur wenige erlebten den Soundtrack des Lebens

Mit seinem Mix von Musik und Unterhaltung gastierte Christoph Reuter in der Tufa. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Musik und Comedy ist eine Mischung, die offenbar in Trier noch nicht so richtig angekommen ist – wenn man von einigen Ausnahmen absieht. Wie anders wäre es zu erklären, dass lediglich etwa 40 Leute am Mittwoch den Weg zu Christoph Reuter in den Großen Saal der Tufa gefunden hatten. Die aber erlebten einen ebenso interessanten wie amüsanten Abend.

Von Rolf Lorig

Vielleicht wäre ein kurzfristiger Umzug in den Kleinen Saal sinnvoll gewesen. Rein theoretisch, versteht sich. Denn mit einem Flügel auf der Bühne zieht man nicht so ohne weiteres um. Den aber braucht Christoph Reuter zwingend für sein Programm. Ebenso wie einen gut gefüllten Saal und ein sauber funktionierendes Beschallungssystem. Beides war bei seinem Auftritt in Trier nicht gegeben. Während die Tufa als Veranstalter für die schwache Publikumsresonanz nichts konnte, galt das aber nicht für das Brummen in der Verstärkeranlage, das sich insbesondere bei den leisen Passagen – und davon gab es einige – durchaus als störend erwies.

Eigentlich ist Christoph Reuter in der Szene kein Nobody. Seit 2006 agiert er als Sidekick von Eckhard von Hirschhausen. Doch wie das mit Sidekicks so ist: Auch ein Manuel Andrack (Harald Schmidt) oder ein Elton (Stefan Raab) müssen sich redlich mühen, um alleine die Massen zu mobilisieren.

Ohne Zweifel ein virtuoser Pianist: Christoph Reuter

Was jedoch nichts über die Qualitäten aussagt. Auch nicht im Fall von Christoph Reuter. Als Pianist hat der Mann bestimmt viel zu bieten. Das sagt schon seine Vita aus, hat er doch Jazzpiano an den Musikhochschulen Leipzig und Berlin studiert und sein Konzertexamen in New York abgelegt. Bei seinem Auftritt in Trier blitzte davon leider nur wenig durch. Beispielsweise, wenn er die alten Meister wie Debussy oder Beethoven intonierte. Es waren dann die leisen Passagen, die seine Virtuosität und sein feines Gefühl für die Musik erkennen ließen. Aber auch die Momente, in denen er sein Talent zur Improvisation unter Beweis stellte. Wenn er beispielsweise Zahlen und Buchstaben in Noten umsetzte und diese in bestehende Melodien integrierte.

Meistens aber bewegte Reuter sich im Fortissimo, gerade so, als wolle er trotzig gegen die Leere des Saales anspielen. Was sehr schade war. Denn die Menschen, die gekommen waren, taten alles, um ihm seinen Auftritt zu erleichtern. Alle schienen zu wissen oder zu ahnen wie schwer es für einen Künstler ist, angesichts leerer Ränge vor allem bei der Comedy den Funken überspringen zu lassen. Die Berliner Schnauze passt gut zu Reuter, auch wenn manche Gags dann doch etwas platt und trivial gerieten. Aber er schaffte immer wieder die Kurve, auch wenn das Publikum den ein oder anderen Gag nicht sofort verstand oder ein kurz angespieltes klassisches Musikstück mit einem anderen verwechselte. Sofort reagierte Reuter darauf und hatte am Ende dann doch die Lacher auf seiner Seite. Und so ganz nebenbei parlierte er über das Wesen der Komposition und wies dabei auf die Erfolgsmasche berühmter Komponisten hin: ‟A-Moll, C-Dur, F-Dur und G-Dur – das ist der Soundtrack des Lebens…‟

Etwa 80 Minuten netto dauerte der Auftritt. Auch wenn an an diesem Abend nicht alles perfekt war – von den Anwesenden wird wohl kaum jemand sein Kommen bereut haben.

 


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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