“Oberbürgermeister von Trier war sein Traumberuf”

Würdigung eines vderdienten Politikers dieser Stadt: Christine Langenfeld, Lore Wagner, Horst Langes und Max Monzel. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Die Geschäftsstelle der CDU in der Seitzstraße 11 ist ab sofort das Carl-Ludwig-Wagner-Haus. Der CDU-Politiker war von 1969 bis 1976 Bundestagsabgeordneter, danach bis 1979 Oberbürgermeister der Stadt Trier. Dann folgte Carl-Ludwig Wagner dem Ruf des damaligen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel und wechselte zunächst als Justizminister, dann als Finanzminister in die rheinland-pfälzische Landesregierung. Nach dem Rücktritt von Bernhard Vogel übernahm Wagner am 8. Dezember 1988 das Amt des Ministerpräsidenten, das er bis Mai 1991 innehatte. Mit einem Festakt würdigte der CDU-Bezirksverband Trier am Samstag in Anwesenheit der Familie den erfolgreichen Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker dieser Stadt.

Von Rolf Lorig

Wie unvergessen Carl-Ludwig Wagner auch heute noch in Trier ist, das veranschaulichte am Samstag die große Gästezahl. Eng an eng standen die Besucher in den Räumen. “Sie haben uns überfordert!” schmunzelte der bestens aufgelegte Kreisvorsitzende Max Monzel, der erst einmal die Gäste zur Enthüllung der vom Künstler Franz Schönberger gefertigten Gedenktafel nach außen bat und damit den Mitarbeitern der Geschäftsstelle die Gelegenheit für einen platzschaffenden Umbau gab.

Zusammen mit Lore Wagner, der Ehefrau des 2012 verstorbenen Politikers, enthüllte Monzel dann die bronzene Gedenkpalette. Gut drei Wochen hat Franz Schönberger in seinem Mehringer Zuhause an der Gipsvorlage für die Gedenktafel gearbeitet. Alleine für die von ihm selbst entworfene Schrift war seiner Angabe zufolge ein Zeitaufwand von einer Woche erforderlich. Gegossen wurde die Tafel schließlich in Mainz. Eben in der Stadt, die ebenfalls lange Jahre Wirkungsstätte von Carl-Ludwig Wagner war.

Der Moment der Enthüllung: Max Monzel und Lore Wagner, die Witwe von Carl Ludwig Wagner, enthüllen die Gedenktafel.

Aufruf zu Mut und Entschlossenheit

Als langjähriger politischer Weggefährte und Freund von Carl-Ludwig Wagner blickte der frühere Europa-Abgeordnete Horst Langes zurück. Er lernte Wagner als Unterprimaner kennen, während er selbst an der Theologischen Hochschule studierte. Mit dem Namen Wagners seien nicht nur bei ihm sehr viele positiven Erinnerungen verbunden, sagte der fast 90-Jährige, der als 15-Jähriger Deutschland in seiner dunkelsten Zeit erleben musste und nun all seine Kraft einsetzt, um eine Wiederholung der Geschichte zu vermeiden. Langes bestürzt die aktuelle Situation der großen Volksparteien. Genau deshalb fordert er die Menschen dazu auf, dieser Situation mit Mut und Entschlossenheit zu begegnen und den Kräften mit Entschiedenheit gegenüberzutreten, die das Dritte Reich heute als einen “Vogelschiss in der Geschichte” abtun. Menschen wie Carl-Ludwig Wagner, die alles in ihrer Kraft stehende unternahmen, damit sich solch ein Unrecht nicht wiederholen kann, seien beispielgebend für eine gute und funktionierende Demokratie, die es zu bewahren gelte. Langes Warnung richtete sich dabei auch an die eigene Partei. Hier hätten bis heute viele noch nicht begriffen, wie zutiefst mitmenschlich die Bundeskanzlerin gehandelt habe, als sie die Grenzen für die Flüchtlinge aus humanitären Gründen nicht verschlossen hatte. Für den überzeugten Europäer ist es zudem schmerzlich zu beobachten, wie fragil sich das Gebilde Europa derzeit präsentiert: “Wenn Europa nicht funktioniert, dann wird es auch gefühlt für Deutschland eng. Denn wir brauchen das Miteinander mit unseren Nachbarn”, sagte er.

Ein dauerhaftes Andenken an Carl-Ludwig Wagner

Aufgeklärter Patriot im besten Sinne

Dass die Trierer CDU-Geschäftsstelle fortan eng mit dem Namen Wagners verbunden ist, entspringt einer Anregung des früheren Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster, sagte Christine Langenfeld, die Tochter von Carl-Ludwig und Lore Wagner. Die Richterin am Zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichtes erinnerte daran, dass ihr Vater erst als 16-Jähriger nach dem Krieg mit dem Umzug der Familie von Düsseldorf nach Trier kam. Es habe hier ein reiches Leben geführt, sowohl im privaten wie auch im beruflichen Kontext. “Oberbürgermeister von Trier war wohl sein Traumberuf”, glaubte die Tochter und begründete das damit, dass der Vater hier vielfältig gestalten konnte. Er habe dabei oft vor großen Herausforderungen gestanden. “Urteilskraft erwächst nicht aus sich selbst, man muss darum ringen”, weiß die Tochter heute, die die Handlungen ihres Vaters immer im Blick hatte. Und noch etwas stellte sie fest: “Eine intellektuelle Begabung, die meinem Vater in reichem Maße gegeben war, reicht alleine nicht aus. Es braucht für den Erfolg auch Charakter und Herz.”

Ihren Vater habe sie als “aufgeklärten Patrioten im besten Sinne erlebt, der die Zukunft Deutschlands in Europa und als Partner im Transatlantischen Bündnis gesehen hat.” Den Politiker Carl-Ludwig Wagner beschrieb Christine Langenfeld als einen “Politiker aus Leidenschaft, der aber nie den Respekt vor dem jeweiligen Gegenüber vergessen hat:” Denn als Jurist hat er um die Zerbrechlichkeit der Demokratie gewusst.” Die gegenwärtige Krise der Volksparteien, die ein Ausdruck des Auseinanderfallens unserer Gesellschaft seien, hätten ihren Vater mit Sicherheit zutiefst beunruhigt, sagte Christine Langenfeld.

Dem schloss sich Maximilian Monzel an. Am kommenden Wochenende beschäftigt sich die CDU bei einem Parteitag auch mit den Listen für den nächsten Stadtrat, der im kommenden Frühjahr gewählt wird. Damit die CDU ihre Ziele erreichen könne, bedürfe es besonders in der kommenden Zeit der intensiven Unterstützung aller Parteifreunde. Im Sinne von Carl-Ludwig Wagner müsse man nach vorne blicken, um die 20 Sitze im Stadtrat zu verteidigen und um die Zahl X erweitern zu können.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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