Olaf Kihm: Vom Beleuchtungsstatisten zum Sänger

Freut sich auf sein erstes eigenes Konzert in der Tufa: Olaf Kihm

TRIER. Es ist niemals zu spät und wer an sich glaubt, kann fast alles schaffen. Olaf Kihm hat diesen Satz zu seinem Lebensmotto gemacht. Der gebürtige Saarländer gibt am Freitag, 7. September, um 20 Uhr sein erstes eigenes Konzert in Trier. Dabei steht der 54-Jährige aber nicht zum ersten Mal auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Erfahrungen konnte er seit 2011 am Theater Trier sammeln.

Von Rolf Lorig

Olaf Kihm kommt mit dem Rad zum Gespräch. Das passt zu seinem athletischen Äußeren. Sport ist ihm wichtig, sagt er. Deshalb geht er auch jeden Tag für eine Stunde zum Schwimmen: “Das stärkt den Brustkorb.”

Eigentlich kam Kihm eher durch Zufall zum Theater. Denn von Beruf aus ist er Hotelfachmann und gelernter Koch. Seinen Beruf übte er unter anderem in der Schweiz mit Leidenschaft aus. Mit zu viel Leidenschaft: “Plötzlich gab es da einen Burnout.”

Irgendwann im Jahr 2011 lief ihm der Schauspieler Heribert Schmitt über den Weg. Der arbeitete als Inspizient beim Theater und war gerade auf der Suche nach einem Beleuchtungsstatisten. Olaf Kihm hatte Zeit und half gerne aus. “Und dann hat mich bei einer der Proben der damalige Intendant Gerhard Weber gefragt, ob ich als Ersatz-Statist bei ‘Maria Stuart’ dabei sein wolle.”

Wie es im Leben so kommt: Der eigentlich vorgesehene Statist fiel aus und Olaf Kihm rückte auf. “Das war ein unbeschreibliches Erlebnis für mich”, freut er sich noch heute. Und es hatte direkte Auswirkungen: “Da wusste ich, dass ich in meinem Leben ein gänzlich neues Kapitel aufschlagen und in dieser Richtung weiterarbeiten wollte.”

Und es ging weiter. Mit einer kleinen Rolle in “Die Physiker”. “Da habe ich die Kollegen Peter Singer, Manfred Hänig und Klaus Michael Nix unentwegt mit Fragen gelöchert: “Wie muss ich mich bewegen? Wie muss ich sprechen? Worauf muss ich achten? Schließlich hatte ich doch keine entsprechende Ausbildung!”

Ganz so übel wird er sich nicht angestellt haben, bei “Galileo Galilei” erhielt er eine Dreifachrolle, gab den Ratsherren, einen hohen Beamten und den Mönch. Woran er sich mit Dankbarkeit erinnert: “Meine Kollegen haben mich an der Hand genommen, haben mir alles Wichtige beigebracht.”

2013 erkletterte Kihm die nächste Stufe. Der Tenor erhielt die Chance, Angela Händel – Direktorin des Opernchors – vorzusingen. Die erkannte das Potenzial und übertrug ihm die Rolle eines Stabsoffiziers und des Volks im Musical “Evita”.

Inzwischen nahm Olaf Kihm Gesangsunterricht bei Korrepetitor Thomas Kuhnen. Der gab ihm dann auch den Tipp, bei der ZAV in Köln vorzusprechen. Das ist die Arbeitsagentur für Künstler. Ob man ein Künstler ist, das muss man in einer Eignungsprüfung dort erst unter Beweis stellen. “Und die habe ich dann auch bestanden”, freut sich der Sänger: “Dort habe ich jetzt sogar einen Agenten, der sich um Engagements kümmert.”

2014 gab es erneut eine Verpflichtung am Stadttheater. Diesmal bei der Aufführung der Operette “Die Fledermaus” von Johann Strauss. Darüber hinaus hatte Kihm weitere Engagements. Eine Inszenierung ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben: “Martin Heckmanns ‘Wörter und Körper’ unter der Regie von Michael Gubenko.”   Mit dem Stück seien sie auch in Frankfurt beim Theaterfestival aufgetreten, erinnert sich der Künstler.

Und jetzt steht am Freitag um 20 Uhr das erste eigene Konzert mit Liedern aus Oper, Operette, Musical und Pop an. Dafür hat sich der Sänger weitere Künstler mit ins Boot geholt: Die Pianistin Rebekka Lintz, die Tänzerin Sigrid Schmitt, die Sängerin Lisa Bebelaar und den Sänger Sven Sommer. Ein Mix, der nach Meinung von Olaf Kihm Abwechslung und spannende Unterhaltung verspricht. Und er schmiedet bereits Pläne: “Wenn es gut läuft, werde ich versuchen, als freiberuflicher Künstler meinen Lebensunterhalt zu verdienen.” Stichwort Geld: Fünf Euro pro Eintrittskarte gehen an die Villa Kunterbunt.

Für alle Fälle hat Olaf Kihm auch einen Plan B in der Hinterhand: “Ich könnte mir auch vorstellen, freiberuflich als singender Koch für Firmenfeiern oder Geburtstagsfeste zu arbeiten.” Denn singen und kochen sind nun mal die beiden Dinge, die der 54-Jährige am liebsten macht.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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