Ortsbeirat Kürenz stimmt für ein autofreies Quartier

Das Burgunderviertel auf der Kürenzer Höhe nahe der Kohlenstraße soll vielen Menschen bezahlbaren Wohnraum bringen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Da war der Kürenzer Ortsbeirat einen Tick schneller als der Bauausschuss: Genau einen Tag vor dem Bauausschuss befasste man sich im ehemaligen Kirchengebäude im Weidengraben mit der Frage, ob das Burgunderviertel autofrei geplant werden sollte. Anlass für die kontrovers geführte Debatte war ein entsprechend lautender Antrag der SPD-Gruppe im Ortsbeirat.

Das Thema Mobilität ist in allen Ortsbeiräten und im Stadtrat ein Dauerthema. Kaum ein anderes Thema weckt derart die Emotionen. Dass man dabei trotzdem an der Sache bleiben kann, stellten die Kürenzer Kommunalpolitiker am Dienstag unter Beweis. Unter der Überschrift “Burgunderviertel autofrei – Lebensqualität verbessern” stellte der Kürenzer SPD-Chef Stefan Wilhelm die Gedanken seiner Partei dem Ortsbeirat vor. Und da Ortsvorsteher Bernd Michels (CDU) keine Diskussion ins Leere führen wollte, hatte er sich in Person des EGP-Chefs David Becker kompetenten Sachverstand ins Boot geholt. Schließlich hat die EGP im vergangenen Jahr zwei Drittel der Fläche vom Burgunderviertel erworben und ist nun dabei, das Gebiet zu entwickeln.

Becker wiederum steckte in einer Zwickmühle. Natürlich wollte er den Bauausschuss nicht verprellen, denn dort sollte er am darauffolgenden Abend seine Pläne im nichtöffentlichen Teil detailliert vorstellen. Doch er wollte auch der Einladung des Kürenzer Ortsbeirates und dessen Bitte auf Information nachkommen. Weshalb er seine Ausführungen eher etwas grober fasste. Doch das reichte aus um zu erkennen, dass auch die EGP der Idee eines autofreien Viertels gegenüber nicht abgeneigt ist. Und dann wurde Becker sogar konkret: “Wenn wir jetzt bei der Entwicklung eines solchen Quartiers nicht neu denken, dann passiert in Trier nichts mehr.”

EGP-Chef David Becker sieht in einem autofreien Burgunderviertel eine Chance für Trier.

Keine Ausgrenzung, kein Dogma

Man sei noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium, berichtete der EGP-Chef. Dennoch hat sich die Gesellschaft das Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahres eine Vorlage erarbeitet zu haben, auf deren Grundlage weiterführende Gespräche geführt werden können. Becker stimmt Stefan Wilhelm zu, dass das Automobil generell ein störender Faktor in der Stadt ist. Deshalb habe man die Entwicklung des Burgunderviertel in drei Punkte unterteilt: Bezahlbaren Wohnraum schaffen, Freiraumgestaltung und Mobilität. Für den EGP-Chef steht fest, dass eine völlige Auto-Verbannung aus einem Wohngebiet illusorisch ist. Hier gab er der CDU recht, aus deren Reihen einige Mitglieder die Sorge hatten, dass alte oder gehbehinderte Menschen hier ausgesperrt werden könnten. Das sei auf keinen Fall so geplant, vielmehr gebe es das Bestreben, niemanden auszugrenzen und außerhalb eines dogmatischen Denkens Möglichkeiten zu finden, die den Bedürfnissen dieser Menschen Rechnung tragen würden. Ebenso wichtig sei aber auch die Frage: Wie fördere ich andere Mobilitätsformen wie Radfahren, E-Autos oder Car-Sharing? Dazu gehöre auch, dass man sich der Frage zuwendet: Wo findet das Parken statt? Im Interesse einer hohen Lebensqualität gehöre der ruhende Verkehr nicht vor die Haustür, stellte Becker fest.

Eine Aussage, die im Ortsbeirat aber recht unterschiedlich ankam und entsprechend auch mit Verve diskutiert wurde. Hier war es dann SPD-Chef Wilhelm, der am Ende der Diskussionen seinen Kollegen das Kompliment machte, dass dieser Punkt von einem sehr konstruktiven Gedankenaustausch begleitet wurde.

Doch bevor es zu der Abstimmung kam, ob der Ortsbeirat den SPD-Antrag annehmen werde, hatte Ortsvorsteher Bernd Michels Zweifel, ob eine solche Abstimmung die Diskussion im Bauausschuss nicht negativ beeinflussen könne. Weshalb es vielleicht besser sei, die Meinungsbildung dort erst abzuwarten. Das aber sah die SPD mit Unterstützung der UBT nicht so. Mit acht Ja-Stimmen und sechs Ablehnungen wurde der Antrag der SPD schließlich angenommen. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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