Oswald-von-Nell-Breuning-Preis für Franz Müntefering

Franz Müntefering erhält den Oswald-von-Nell-Breuning-Preis der Stadt Trier. Foto: privat

Franz Müntefering erhält den Oswald-von-Nell-Breuning-Preis der Stadt Trier. Foto: privat

TRIER. Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering erhält den diesjährigen Oswald-von-Nell-Breunig-Preis der Stadt Trier. Das gab das Preis-Komitee soeben im Rathaus bekannt. Der 76-jährige Sozialdemokrat ist Nachfolger von Heiner Geißler (CDU), der den Preis zuletzt erhalten hatte. In einer ersten Reaktion sagte der Trierer SPD-Fraktions- und Parteichef Sven Teuber: “Ich bin sehr glücklich über diese Entscheidung der Jury!” Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sagte: “Franz Müntefering hat wichtige soziale Akzente gesetzt und sich vor Entscheidungen nie gedrückt.”

Müntefering war von 1998 bis 1999 Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, von 2002 bis 2005 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und ab März 2004 – zunächst bis November 2005 und noch einmal von Oktober 2008 bis November 2009 – auch Bundesvorsitzender der Partei. Von 2005 bis 2007 war Müntefering Vizekanzler und Bundesminister für Arbeit und Soziales im ersten Kabinett von Angela Merkel sowie in den Jahren 1975 bis 1992 und 1998 bis 2013 Abgeordneter des Deutschen Bundestages (MdB). Franz Müntefering ist seit 27. April 2013 ehrenamtlich Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland. Am 25. November 2015 wurde er zum Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) gewählt.

Der Oswald von Nell-Breuning Preis, der alle zwei Jahre vergeben wird und die Verbundenheit der Stadt Trier mit ihrem großen Sohn und früheren Ehrenbürger dokumentieren und an das epochale Lebenswerk des Jesuitenpaters zur Weitergabe seines Vermächtnisses erinnern will, wird in diesem Jahr zum achten Mal vergeben. Bisherige Preisträger waren Bundesverfassungsrichter a.D. Professor Dr. Paul Kirchhof (2003), Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (2005), das päpstliche Hilfswerk “Cor Unum” (2007), die Brüder Dr. Hans-Jochen und Professor Dr. Bernhard Vogel (2009), Bundesminister a.D. Dr. Norbert Blüm (2011), der gemeinnützige Verein “TransFair” (2013) sowie Dr. Heiner Geißler (2015). Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Ausführlicher Bericht folgt!

“Richtige Entscheidung”

“Ich bin sehr glücklich darüber, dass Franz Müntefering den Oswald von Nell-Breuning-Preis erhalten wird”, betont der Trierer SPD- und Fraktionsvorsitzende Sven Teuber in einer ersten Reaktion zur Entscheidung der Jury, die seinem Vorschlag damit gefolgt sei. Der Trierer Landtagsabgeordnete hatte seinen Parteifreund Müntefering vorgeschlagen, “weil er als führender Sozialdemokrat die Geschicke der Bundesrepublik entscheidend mitgestaltet hat”.

“Franz Müntefering gehört zu den herausragenden Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Die Entscheidung ist daher absolut richtig, ihm den Oswald von Nell-Breuning-Preis zu überreichen”, so Teuber. Der Oswald von Nell-Breuning-Preis diene nicht nur der Erinnerung an das epochale Leben von Nell-Breuning, sondern vielmehr werde er an Menschen verliehen, die sich inhaltlich mit den Themen des großen Sozialethikers Nell-Breunings auseinandersetzten. “Ich bin der Meinung, dass Franz Müntefering genau dies getan hat und immer noch tut. Jüngst hat man dies in seiner Haltung zur gesellschaftlichen Debatte über die rechtliche Gestaltung einer Sterbehilfe wahrnehmen können. Deshalb ist es ein folgerichtiges Zeichen, dass er sich nun in die Reihe der Preisträger eingliedern darf”, betont der Trierer SPD-Chef ferner. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Politik 9 Kommentare

9 Kommentare zu Oswald-von-Nell-Breuning-Preis für Franz Müntefering

  1. Roland Kuntz

    Wie kann man jemanden, der die Zerstörung des Sozialstaats vorangetrieben hat mit solch einem Preis ehren?

    Roland Kuntz, Saarbrücken

     
    • Peter Müller

      Menschen wie Franz Müntefering und dem ehemaligen Kanzler Gerhard Schröder gebührt der historische Verdienst, der Öffentlichkeit die Schwächen der umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme vor Augen geführt zu haben. Daß an der Agenda 2010 nicht alles richtig gewesen sein mag, steht sicherlich außer Frage, dennoch war die Tendenz richtig. Den Kritikern fällt seit Jahr und Tag nichts anderes ein, als Steuererhöhungen zu fordern, denn aus anderer Leute Leder läßt sich bekanntlich gut Riemen schneiden.

       
      • Roland Kuntz

        Herr Müller, Sie sollten doch wissen, dass die gesetzliche Rentenversicherung bewusst zersört wurde, um die kapitalgedeckte Variante zu fördern.
        Mittlerweile sehen wir, dass diese Idee nicht funktioniert, zu teuer und zu unsicher ist. Jetzt kommt der Folgefehler, der sich Privatisierung der Infrastuktur nennt, damit die Riester-Rente und ähnlicher Unsinn Rendite abwerfen kann.

        Nochmal anders formuliert: Für die Altersvorsorge gibt es eigentlich nur verschiedene Formen von Umlageverfahren. Immer muss die arbeitende Bevölkerung den übrigen Teil der Bevölkerung mit versorgen.
        Das “Mackenroth-Theorem” ist weiterhin gültig.

         
        • Peter Müller

          Herr Kuntz, ich behaupte auch gar nicht, daß hier nicht gehandelt werden muß. Fakt ist aber, daß die sozialpolitische Lage vor der Agenda 2010 nicht mehr haltbar war. Der demographische Wandel zwang die Politik zu einem Umdenken. Institutionen wie die Gewerkschaften, die an den Fehlern der siebziger und achtziger Jahren beteiligt waren, verweigerten sich. Auch die Kritiker können bis heute keine brauchbaren Gegenvorschläge vorweisen. Die Lösung liegt vielleicht bei unseren österreichischen und schweizerischen Nachbarn. Interessant ist übrigens, daß die Kritik an der Preisverleihung im weiteren Verlauf dieser Kommentare auch von ganz rechts zu kommen scheint.

           
          • Roland Kuntz

            Herr Müller,was Sie da schreiben stimmt nicht. Das sind Mythen (“Fakt ist …)
            Die Gewerkschaften haben den Niedergang übrigens mit zu verantworten, weil sie nicht verstanden haben, welche Probleme zu niedrige Löhne verursachen (in deren Sprache moderate Löhne).
            Der Arbeitnehmer wird nicht mehr an der Produktivitätssteigerung beteiligt, die er erzeugt. Die zu niedrigen Renten muss man natürlich auch dazuzählen. Und das hat Folgen für die Binnenwirtschaft.

            Schauen Sie mal bei den NachDenkSeiten rein, die erklären die Dinge ganz gut.

  2. Peter Buggenum

    Müntefering ist entscheidend dafür verantwortlich, dass die soziale Absicherung der normalen Arbeitnehmer runtergewirtschaftet wurde.

    Dass solch ein Mann, der konsequent gegen die Interessen seiner eigenen Wähler gearbeitet hat, mit diesem Preis belohnt wird, ist eigentlich ein blanker Hohn.

    Daüber hinaus vertrat Müntefering die Ansicht, dass der Wähler es selbst schuld ist, wenn er Wahlaussagen von Parteien Glauben schenkt.

    “Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair.”

    Zitat Teuber: “Der Oswald von Nell-Breuning-Preis diene nicht nur der Erinnerung an das epochale Leben von Nell-Breuning, sondern vielmehr werde er an Menschen verliehen, die sich inhaltlich mit den Themen des großen Sozialethikers Nell-Breunings auseinandersetzten. “Ich bin der Meinung, dass Franz Müntefering genau dies getan hat und immer noch tut.”

    Wer sich für die Auswirkungen des Studiums der Lehre von Nell Breuning im Fall von Müntefering interessiert, kann das ganz einfach herausfinden. Das hätte vielleicht auch die Jury einmal machen sollen.

    https://www.youtube.com/watch?v=ShQypmChFrg

    Auf Youtube einfach “Wahllüge und Müntefering” eingeben.

    Müntefering hat sich also vor allem durch Wählertäuschung, Steuerverschwendung und Sozialabbau einen Namen gemacht. Das ideale Vorbild für den Dreyer Gehilfen Sven Teuber, von dessen befremdlicher Realitätswahrnehmung wir uns hier beim Reporter im Rahmen der Berichterstattung mit der Sibelius Affäre einen guten Eindruck verschaffen konnten.

    Zitat Teuber:

    ” “Ich bin sehr glücklich darüber, dass Franz Müntefering den Oswald von Nell-Breuning-Preis erhalten wird”, betont der Trierer SPD- und Fraktionsvorsitzende Sven Teuber in einer ersten Reaktion zur Entscheidung der Jury, die seinem Vorschlag damit gefolgt sei. ”

    Leider geht aus dem Artikel nicht hervor, wer konkret ausser Teuber in dieser Jury gesessen hat. Liest man die Stellungnahme des Herrn Teuber, stellt sich bei mir unwillkürlich die Frage, ob der diesen Unsinn wirklich glaubt, den er da verzapft?

     
  3. Volker Zemmer

    Alle schwätzen immer noch vom “Sozialstaat” Deutschland. Schaut man aber mal genau hin, dann ist davon nicht mehr viel übriggeblieben.

    Beispiel Rente: Seit 1990 ist das Rentenniveau von über 55% auf 47% gefallen. Es gibt also immer weniger Geld am Ende für die gleichen Einzahlungen.

    Auch dies ist eine Folge der “Agenda 2010”, für die Herr Müntefering massgeblich mitverantwortlich ist.

    Wer 2030 in Rente geht, der kann nur noch auf 44% hoffen, wenn er die überhaupt noch bekommt.

    Zitat sozialpolitik.de “Im Ergebnis verliert die Gesetzliche Rentenversicherung dadurch ihre Funktion einer Lebensstandardsicherung.”

    von Nell-Breuning würde sich im Grab rumdrehen, wenn er wüsste, dass ein Mann des sozialen Kahlschlags wie Franz Müntefering seinen Preis bekommt.

     
  4. Peter Buggenum

    @ Zitat Müller

    ” Interessant ist übrigens, daß die Kritik an der Preisverleihung im weiteren Verlauf dieser Kommentare auch von ganz rechts zu kommen scheint. ”

    ???? Wo?

     
  5. K. H. Schreiner

    “Den Bock zum Gärtner machen”
    Oswald von Nell-Breuning würde sich im Grab umdrehen, wenn er erfahren würde, dass einer der maßgeblichen Zerstörer der Sozialen Marktwirtschaft und des Sozialstaates einen Preis bekommt, der mit seinem Namen verbunden ist.
    Welcher Teufel hat hier die Jury geritten, einem Politiker wie Müntefering diesen Preis zu verleihen.

     

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