Politik und Spaß beim Jugendparlament

Während die Redner sprechen, zeigt auf der rechten Seite ein Laptop die verbleibende Redezeit an. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Wie kann man Jugendliche erreichen, denen das Thema Politik und damit auch die anstehende Bundestagswahl zu öde ist? Gedanken hatte sich da das Trierer Jugendparlament gemacht und das Diskussionsformat „#blickpunkt“ wiederbelebt. Dieses Format richtet sich primär an Erstwähler sowie an alle anderen Interessierten. Mit einer Podiumsdiskussion sollten die verschiedenen politischen Meinungen vorgestellt und im Anschluss gemeinsam diskutiert werden.

Für den reporter war Rolf Lorig dabei.

Um es vorweg zu nehmen: Die Veranstaltung war ein voller Erfolg: Gut 200 Jugendliche waren am Mittwoch der Einladung gefolgt und in die Aula des Angela Merici-Gymnasiums gekommen, um hier mit den politischen Repräsentanten von CDU, SPD, FDP, Linke, AfD und Die Partei zu diskutieren. Die Grünen waren nicht vertreten, sie hatten die Einladung wegen der Teilnahme der AfD nicht angenommen.

Interessiert verfolgen die Jugendlichen, aber auch einige Mitglieder des Stadtrates, den Austausch der Argumente.

Hoch professionell in der Durchführung

Dass es immer gut ist, auch mal über den Tellerrand zu schauen, erlebten die Zuschauer, unter denen sich auch einige ältere Semester befanden, an diesem Abend. Was die Jugendlichen hier vorbereitet hatten und wie sie den Abend durchführten, das war hoch professionell und verdiente Respekt. Die Rolle der Moderatoren übernahmen Peter Wollscheid und René Mannola. Am Podium beantworteten Andrej Soffel (Direktkandidat Die Partei), Theresia Görgen (Linke), Sven Teuber (SPD), Andreas Steier (Direktkandidat CDU), Adrian Assenmacher (Direktkandidat FDP) und Michael Frisch (AfD) die Fragen erst der Moderatoren und später dann die des Publikums.

Eine ausgezeichnete Organisation verhinderte ellenlange Monologe. Jedes Statement, jeder Redebeitrag war von der Zeit her straff organisiert. Die Parteien hatten jeweils drei Minuten sich vorzustellen. Dann setzten Wollscheid und Mannola zwei Themenschwerpunkte: Vorratsdatenspeicherung und Europapolitik. Redezeit hier: jeweils zweieinhalb Minuten. Und damit diese Zeit auch eingehalten werden konnte, darüber informierte die Beteiligten für alle sichtbar ein Countdown, der über einen Laptop ablief.

Gerne genutzt wird die Möglichkeit der direkten Fragestellung

Massen-Bierhaltung statt Massen-Tierhaltung

Für die Repräsentanten der Parteien brachte diese Veranstaltung auch Erfahrungen, wie man Jugendlichen gegenüber am besten begegnet. Die meisten Lacher und den meisten Applaus hatte zweifelsohne Andrej Soffel von ‟Die Partei‟. Allerdings muss dabei auch gesehen werden, dass Soffel hier ausschließlich auf den Spaßfaktor setzte und seine Bewerbung für den Deutschen Bundestag offenbar lediglich als einen großen Spaß zu betrachten schien. Substantielle Aussagen waren seine Sache nicht. Fragen zur Daten-Vorratsspeicherung (‟Hier befindet sich die Partei noch im Klärungsprozess‟ – ‟Wer nichts zu befürchten hat, muss nichts befürchten‟) konnte er ebenso wenig beantworten wie solche zur Europapolitik (‟Wir sind alle zu 100 Prozent Europäer; Europa ist nicht perfekt, daran muss noch gearbeitet werden.”). Dafür aber hatte er dann die Lacher auf seiner Seite, wenn er beispielsweise statt Massen-Tierhaltung die Massen-Bierhaltung forderte.

Wie würden Sie wählen? Probeabstimmung am Ende der Veranstaltung

Glücklicherweise verzichteten alle anderen Redner auf eine solch flapsige Art des Dialogs. Sven Teuber (SPD) und Andreas Steier (CDU) suchten den direkten Schlagaustausch, wobei Steier zu Beginn mehrfach versuchte, die FDP mit in sein Boot zu holen. Doch Adrian Assenmacher wollte sich auf diese Art nicht vereinnahmen lassen. Vielmehr erwischte er sich in seinen Ausführungen selbst in einer großen Nähe zur SPD. Das veranlasste ihn schließlich zu der Bemerkung, dass sich seine Ausführungen wegen vieler gleichlautender Argumente ‟fast schon wie eine sozialliberale Koalition‟ anhörten, was die Anwesenden mit fröhlichem Gelächter und Applaus honorierten.

Gut zwei Stunden dauerte die Veranstaltung, die auch nach ihrem Ende durch persönliche Gespräche mit den einzelnen Kandidaten fortgesetzt werden konnte. Und was hat sie am Ende gebracht? Das wollte das Jugendparlament auch wissen. Unmittelbar vor dem Ausgang hatten die Organisatoren mehrere Röhren mit den Namen der teilnehmenden Parteien aufgebaut, in die jeder Teilnehmer eine Stimme abgeben konnte.

Wie das Ergebnis ausgefallen ist, darüber will das Trierer Jugendparlament selbst auf seiner Facebookseite informieren.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik 12 Kommentare

12 Kommentare zu Politik und Spaß beim Jugendparlament

  1. Trierer Bürger

    Daß die Grünen den Diskurs mit den ( Erst- )Wählern verweigern, weil ein Vertreter der AfD anwesend ist macht sprachlos.
    Ob Organisatoren, Moderatoren, Publikum… alle opfern Zeit um sich demokratischen Gepflogenheiten, nämlich der Diskussion unterschiedlicher Meinungen zu stellen.
    200 Teilnehmer, so desinteressiert kann ja ” die Jugend ” wohl nicht sein.
    Alles egal, die Grünen verweigern das Gespräch mit dem Souverän. Ist das nun Angst vor der Schwäche der eigenen Argumente, Wurstigkeit oder Arroganz?
    Oder einfach nur armselig ?
    Wie dem auch sei, für mich als Vater einer teilnehmenden Erstwählerin, der sich über die Notwendigkeit des ständigen Austauschs und Respekts vor anderen ( politischen ) Meinungen schön öfters den Mund ” fusselig ” geredet hat, ist dieses, auch als ” Dreyersche Verweigerung ” sattsam bekannte Verhalten, ein Schlag ins Gesicht.
    Letztendlich wird dies die Grünen mehr als eine Stimme kosten, wenig, aber es läppert sich…

     
    • Stephan Jäger

      Die Grünen sind doch nicht erst seit gestern dabei sich ins demokratische Off zu manövrieren und das mit „gelebter Demokratie“ zu verwechseln.

      Man wird einen Gegener wie die AfD nicht dadurch besiegen können, dass man dem Wähler vorzuschreiben versucht, was er zu wählen hat und ansonsten bei jeder Gelegenheit auf dem Niveau eines trotzigen Dreijährigen „Mit Euch spiel ich nicht!“ schreit.

      Man stärkt ihn damit, während man sich selbst blamiert. Nix gelernt aus der völlig in die Hose gegangenen „Anti-AfD“-Landtagswahl. Da hilft es dann auch nichts mehr, wenn man ausländische Atomkraftwerke abschalten möchte. Schade!

       
      • Sascha

        100% Zustimmung.

        Man muss sich auch mit unliebsamen Meinungen auseinander setzen.
        Aber außer der großen Moralkeule können weder die Bundes- noch die Landes-Grünen etwas.
        Und von den Trierer Grünen fang ich gar nicht erst an.

        Aber da es genügend SJWs und Augen-vor-religiöser-Gewalt-verschließender Gutmenschen in Deutschland gibt, werden die 5% wohl wieder erreicht.
        Den da gibt es nur noch die Grünen und die Linke die das utopische Weltbild, das man sich soooo sehr wünscht, verkaufen.

        Und bevor mir hier rechte Tendenzen unterstellt werden:
        Wer sich hier an die geltenden staatlichen Gesetze hält, die Sprache lernt und Menschen leben lässt wie sie es wollen, ist herzlich willkommen und kann hier auch so leben wie er es möchte und ein Teil der Gesellschaft werden.

        Wer die Religion über die staatlichen Gesetze stellt, Menschen aufgrund Sexualität, Hautfarbe, Geschlecht, politischer Gesinnung, Religion oder sonst etwas für weniger wert hält und wer meint er müsste kein deutsch lernen, der kann sich direkt wieder dahin aufmachen wo er hergekommen ist.
        Denn: A….löcher brauchen wir nicht, davon haben wir schon genug.

        So, genug abgeschweift vom eigentlichen Thema 🙂

         
        • Stephan Jäger

          Das eigentliche Thema ist doch, dass man nicht dafür gewählt wird, dass die Anderen Scheiße sind, sondern dafür, dass man selbst gut ist…wenn man es ist. Und davon kann man Leute eben nur überzeugen, wenn man DA ist.

          Aber das werden die Grünen vermutlich nie begreifen.

           
  2. August

    Schade. Die Grünen beweisen nicht Rückgrat, sondern “Feigheit vor dem Feind”!

    So fehlte auch auf diesem Podium wieder eine wichtige Stimme, die den tumben AFD-Argumenten entgegnete und Jungwähler deren Unausgegorenheit bloßlegte.

    Zweifel sind angebracht, dass mit diesem Verhalten Wähler überzeugt und gewonnen werden grün zu wählen.

     
  3. Michael Frisch

    Vielleicht sind die Grünen auch deshalb weggeblieben, weil sie genau wissen, dass die AfD-Argumente eben nicht “tumb”, sondern ziemlich gut sind und man ihnen deshalb wenig entgegenzusetzen hat!

     
    • Vorzeigedemokrat

      guter Versuch Herr Frisch! 😉 Aber glauben Sie mir, Ihre Argumente sind so “nichtentgegenzusetzbar”, da sie so schlecht und oft abstrus sind! Größenwahn kommt vor dem Fall, aber das kennen wir ja, nicht Herr Frisch!?

       
      • Trierer Bürger

        Ich kenne weder Herrn Frisch noch ” Vorzeigedemokrat ” persönlich, bin auch politisch eher unentschlossen, muß aber konstatieren, daß ersterer sachlich und höflich schreibt, letzterer polemisch, tendenziell beleidigend und ohne Beleg für den Vorwurf ” …schlecht und oft abstrus…
        ” Vorzeigedemokrat ” ? Na, wenn das kein Größenwahn ist ?😁

         
        • Stephan Jäger
           
          • P. Asst

            ja passt zu Ihnen. 😉

        • Vorzeigedemokrat

          Sehr geehrter Herr Trierer Bürger, na dann wählen Sie doch die Biedermeier! 😉 Nur wenn es brennt, sagen Sie nicht, Sie hätten von nichts gewusst! Hoffentlich hab ich Sie jetzt nicht allzu sehr beleidigt. Die Belege für “schlecht und oft abstrus” müssen Sie schon selber recherchieren, nutzen Sie einfach die örtliche Presse oder die örtlichen Presseportale.

           
  4. Peter Müller

    Wenn die Debatte aus einer falsch verstandenen politischen Korrektheit heraus verweigert wird, ist das einfach nur ein Armutszeugnis. Man kann nur hoffen, daß bei der Bundestagswahl die Fünfprozenthürde diesem Spuk ein Ende bereitet.

     

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