Regionale Zusammenarbeit über Grenzen neu beleben

Sie sind die Motoren der neuen Veranstaltungsreihe: Rudoilf Müller, Chriastoph Wirtz, Wolfgang Lorig und Ralf Britten. Fotos: Rolf Lorig

Sie sind die Motoren der neuen Veranstaltungsreihe: Rudoilf Müller, Chriastoph Wirtz, Wolfgang Lorig und Ralf Britten. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Mit dem europäischen Gedanken liegt derzeit einiges im Argen. Was auch für die Großregion gilt. Für uns Deutsche ist der Grenzübertritt ohne Ausweispapiere und die tägliche Arbeit beim Luxemburger Nachbarn längst Normalität. Und doch: Europa, das ist ein abstrakter Gedanke geworden. ‟Der europäische Gedanke kommt nicht mehr bei den Bürgern an, dabei ist die Großregion ein neoliberales Erfolgsmodell‟, hat der Trierer Politikwissenschaftler Wolfgang Lorig festgestellt. Stattdessen machen sich Negativbegriffe wie europäische Bürokratie, Brexit und Maut breit. Was ist von dem ursprünglich beabsichtigten Ideal einer europäischen Einheit, Gedanken wie kulturelle Vielfalt, nie wieder Unterdrückung von Minderheiten und keine bewaffneten Konflikte mehr mit den Nachbarn übrig geblieben? Ist Europa schon am Ende? Und: ‟Wohin steuert die Großregion Saar-Lor-Lux?”

Diese Frage soll am 9. März um 18 Uhr ein Symposium im Nells Park Hotel beleuchten, das dann der Auftakt zu einer ganzen Reihe an Veranstaltungen sein wird. Veranstalter ist ein Zusammenschluss, dem das Bürgerforum Saar-Lor-Lux, die Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsinitiative, der Landkreis Trier-Saarburg, die Universität Trier, die Universität der Großregion, die Euregio Saar-Lor-Lux, die IHK Trier und die Handwerkskammer Trier angehören. Die Intention liegt auf der Hand. ‟Wir wollen durch unsere Initiative die grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit neu beleben‟, erläutert Professor Lorig bei einem Pressegespräch. Das Symposium sieht Lorig in der Rolle eines Start-Up: Jährlich sollen ein bis zwei weitere Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten das Thema weiter voranbringen.

“Wozu wurde die EU ins Leben gerufen?

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Das Programm des Symposiums am 9. März

Ralf Britten von der Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsinitiative hat eine mögliche Ursache für das immer stärker werdende Desinteresse am europäischen Gedanken ausgemacht: ‟Das Vergessen: Wer stellt sich heute noch die Frage, wozu die EU ins Leben gerufen wurde? Wer denkt noch an die Frieden stiftende Idee von damals?” Gegen dieses Vergessen müsse man vorgehen, kulturelle Unterschiede nutzen um ein neues Ganzes aufzubauen. Es reiche nicht aus, lediglich eine Debatte anzustoßen. ‟Der Bürger muss in diese Gespräche mit einbezogen werden und erleben, warum diese grenzüberschreitende Identität der Großregion wichtig ist.”

Rudolf Müller vom Bürgerforum Saar-Lor-Lux legt den Finger in die Wunde. ‟Für den Bürger ist die Krise offensichtlich – sie reicht vom Brexit bis zur Maut. Wir müssen die positiven Aspekte, die für die Großregion stehen, wieder stärker in den Vordergrund rücken.” Damit diese Aspekte auch in den Köpfen der Menschen ankommen, bedürfe es einer gesamtgesellschaftlichen Debatte. Dies bedinge, dass man in den Gesprächen auch auf die zum Teil unterschiedlichen Interessen der Menschen eingehe. Die Einladung zur Teilnahme an diesen Gesprächen richte sich an alle, die ernsthaft interessiert seien, so Müller.

Christoph Wirtz vom Bürgerforum hat bereits klare Vorstellungen über die weitere Vorgehensweise. Wichtig ist für ihn, dass möglichst viele Menschen von diesem Vorhaben Kenntnis nehmen. Das will er über eine gezielte Verbreitung über die Medien erreichen. Zum anderen sieht er das große Potenzial, das die Kooperationsunternehmen mitbringen: ‟Hier finden sich sehr viele Meinungsbildner, die unser gemeinsames Anliegen voranbringen können.”

Erfolgsmodelle müssen fortgeschrieben und weiter entwickelt werden

Die Notwendigkeit neuer Anstrengungen verdeutlicht Wolfgang Lorig: ‟Dass Luxemburg sich über Jahrzehnte so erfolgreich aufgestellt hat, war doch nicht gottgewollt, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Solche Erfolgsmodelle müssen fortgeschrieben und weiter entwickelt werden.” Und noch etwas spricht in seinen Augen dafür, dass man sich an die Arbeit machen muss: ‟Die Veränderung. Früher war Metz der Schwerpunkt innerhalb des französischen Teils der Großregion. Durch die kommunale Neuordnung − das Gebiet ist größer geworden − hat sich dieser Schwerpunkt auf die Stadt Straßburg verschoben.”

Ein großes Budget steht dem Zusammenschluss zur Verfolgung seiner Ziele nicht zur Verfügung. Immerhin wissen die Sprecher der Initiative, dass etliche größere Unternehmen ihrem Vorhaben sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und die einzelnen Veranstaltungen von Mal zu Mal finanziell unterstützen wollen. Doch zunächst einmal hoffen die Organisatoren für den 9. März auf viele Besucher, die dann mit Repräsentanten aus Politik, Kultur und Wirtschaft diskutieren sollen. (rl)

Extra

Das Symposium

Teilnehmer des Symposiums sind der frühere Luxemburger Staatsminister Jacques Santer; Minister Claude Wiseler, Fraktionsvorsitzender der CSV Luxemburg in der Chambre des Députés; Jan van Delden, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in Luxemburg; Maria Löwenbrück, Vizepräsidentin der Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsinitiative und geschäftsführendes Verwaltungsratsmitglied der Union Investment Luxembourg S.A.; die französische Generalkonsulin Catherine Robinet; Matthias Schwalbach, Geschäftsführer der Handwerkskammer Trier; Günther Schartz, Landrat des Kreises Trier-Saarburg und Vizepräsident des Verwaltungsrats der EuRegio SaarLorLuxRhein und Isabelle Weykmanns, Ministerin für Kultur, Beschäftigung und Tourismus in der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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