Reingehört: Ralph Brauner ‟Moving forward‟

Ralph Brauner und seine gelungene neue CD “Moving forward” Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Der Trierer Musiker Ralph Brauner hat gerade mit ‟Moving forward‟ seine dritte Solo CD in den Handel gebracht. Der reporter hat sich mit dem Musiker getroffen und auch in die neue Scheibe reingehört. Von dem Gespräch und dem anschließenden Hörerlebnis berichtet   Rolf Lorig

Trier ist eine urbane Stadt. An jeder Straßenecke atmet Geschichte. Deswegen lieben die Touristen diese Stadt. Ein weiterer Grund findet sich aber auch in der musikalischen Vielfalt. Hier sind alle Genres zu Hause. Trier ist mehr als Guildo oder Leiendecker. Die Stadt verfügt über eine unglaublich kreative Musikszene. Ein Teil davon ist Ralph Brauner.

Das Gespräch

Spricht man von Musikern, neigt man dazu, sie über ihr Instrument zu klassifizieren. Was bei Ralph Brauner jedoch schwer fällt. Er hat eine klassische Klavier-Ausbildung, spielt aber lieber Gitarre. Und auch noch sehr passabel Mundharmonika. Was er auf ‟Moving forward‟ eindrucksvoll unter Beweis stellt.

In einem kleinen Café in der Saarstraße treffe ich Ralph Brauner. Er lebt und arbeitet als Musiklehrer und freiberuflicher Musiker in Trier, hat bislang fünf CDs veröffentlich. Drei davon in eigener Regie. Brauner wirkt trotz seiner 58 Jahre noch sehr jugendlich. Bei einer Tasse Kaffee erinnert er sich an frühere Projekte und leitet dann auf seine neue CD über. Die hat er in Luxemburg bei Georges Majerus aufgenommen. Keine schlechte Wahl, was bereits eine erste Hörprobe kurz nach dem Gespräch deutlich macht. Der daraus resultierende äußerst positive Eindruck verfestigt sich später beim Abspielen der gesamten CD. Hier haben alle Beteiligten eine erstklassige musikalische Visitenkarte abgegeben.

Musikalische Unterstützung hat er bei zwei Stücken (Moving forward & Shades of a Summer Love) von dem Trierer Musiker Erhard Wollmann erfahren, mit dem er schon zuvor eine andere CD aufgenommen hat. Dass man sich musikalisch versteht, ist ebenfalls aus den Aufnahmen herauszuhören. Ebenfalls nur auf zwei Stücken sind der Schlagzeuger Martell Beigang und der Pianist Andreas Hirschmann zu hören.

Wie tief Ralph Brauner in Trier verwurzelt ist, zeigt auch das Label auf. Hinter ‟Portabile Music Trier‟ steht der Jazz Club Trier in Person von Nils Thoma und seiner Frau Gitte Buddig, die zusammen mit Anne Völpel und Martina Hebler fotografische Vorlagen für das Cover geliefert hat. ‟Die Zusammenarbeit mit Nils und seiner Frau ist ein Glücksfall, denn deren Label ist bei dem amerikanischen Onlinehändler ‟cdbaby‟ gelistet, was einen großen Vertrieb ermöglicht‟, berichtet Brauner.

Auch optisch sehr gelungen: Die neue CD von Ralph Brauner

Die ersten Vorarbeiten für ‟Moving forward‟ begannen schon in 2015 wurden in 2016 fortgeführt. Die Einspielung im Studio hat Brauner in bester Erinnerung. ‟Das war alles hochprofessionell.” Zu einem Treffen mit den andren Musikern ist es dabei aber nicht gekommen. ‟Das ist heute nicht mehr erforderlich. Jeder Musiker reicht seinen Part elektronisch ein. Alle Einzelteile wurden in der Folge von Mike Butcher zu einem Ganzen zusammen gefügt.”

Die CD

Mainstream ist nicht das Ding von Ralph Brauner. Blues dagegen schon. Gleich das erste Stück auf der neuen CD zeigt, wo die Reise hingeht: In den mittleren Westen. Ins Land der endlosen Highways und der Diner. Gleich auf Anhieb löst ‟Ice Cream Man‟ Kopfkino aus, projiziert die fröhliche Seite der USA vor das geistige Auge. Es ist ein cremiger Song, der sich sofort im Gehörgang einnistet, der Lust macht auf mehr.

Und dieser Wunsch wird sofort erfüllt. 15 Songs beinhaltet die CD. Lediglich ein einziger (‟I remember a lot‟; Autor: Ralph Brauner) ist als Instrumental ausgelegt. Fünf weitere stammen ebenfalls von ihm. Teils hat der Trierer sie alleine geschrieben, teils waren weitere Autoren daran beteiligt. Alle anderen Songs kommen von Blues-Berühmtheiten wie William Broonzy, John Brim, Willie Dixon und anderen. So wie Trier Geschichte atmet, so saugt Brauner diese Kompositionen in sich auf und setzt sie in unsere Zeit um. Das Ergebnis ist ein wahrer Ohrenschmaus: vielfältig und abwechslungsreich, ausdrucksstark und technisch perfekt gemacht. Der Blues dominiert, mit dabei sind aber auch Country-Elemente und ein Hauch von Boogie-Woogie.

Fazit: Wer sich fernab des Mainstreams bewegt und soliden, gut gemachten Guitar-Sound mit der Projektion des weiten Westens mag, wird um diese CD nicht herumkommen. Es ist die ideale musikalische Begleitung für lange Herbst- und Winterabende, wenn man schon wieder vom kommenden Sommer träumt…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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