Schlicht und gut tragbar

Die Trierer Goldschmiedin Kerstin Biesdorf-Roth in in ihrer Werkststatt in der Trierer Neustraße bei der Arbeit an Bischofskreuz und -ring für den Trierer Weihbischof Franz Josef Gebert.

TRIER. Kerstin Biesdorf-Roth sitzt in ihrem Atelier in der Trierer Neustraße und feilt an einem Stück Silber. Für die Goldschmiedin eigentlich nichts Ungewöhnliches – doch das Schmuckstück, das sie gerade fertigt, ist dennoch etwas Besonderes: Biesdorf-Roth arbeitet am Kreuz für den neuen Weihbischof im Bistum Trier, Franz Josef Gebert, der am kommenden Sonntag, 3. September, im Dom geweiht werden wird.

Geduldig bessert Biesdorf-Roth eine Ecke aus, misst die Länge nach, feilt nochmal, dann ist sie zufrieden. “Das ist eine sehr große Ehre und auch eine schöne, umfangreiche Arbeit, die so ja nicht jeden Tag vorkommt.” Gefreut habe sie sich, als der neue Weihbischof sie gebeten habe, Kreuz und Bischofsring für seine Weihe am 3. September anzufertigen, sagt die dunkelhaarige Frau mit dem freundlichen Lächeln. Seit 2000 hat die Diplom-Schmuckdesignerin eine Werkstatt in der Neustraße. Für die Kirche hat sie schon oft gearbeitet, meist als Restauratorin. Im letzten Jahr hat sie für den aus Trier stammenden Bischof von Limburg den Ring angefertigt. Kreuz und Ring gehören ebenso wie die Mitra, die traditionelle Kopfbedeckung der Bischöfe, und der Bischofsstab zu den sogenannten Pontifikalien, den Amtszeichen eines Bischofs.

Kreuz und Ring werden aus Silber angefertigt, erklärt die Goldschmiedin. Gebert sei mit recht konkreten Vorstellungen zu ihr gekommen, etwa was das Grundmaterial angeht. “Und beide Stücke sollten eine schlichte Form haben und gut tragbar sein.” Deshalb ist das Kreuz ein Balkenkreuz, mit vier gleichlangen Armen. Damit es nicht zu glatt wirkt, fasst Biesdorf-Roth den Rand mit einer schmalen Silberfassung ein. Auf jedem Arm wird ein schwarzes Schieferstück sitzen, umgeben von einem feinen Goldrand. “Der Schiefer ist ein Stein, der in den Böden in den Weinbaugegenden um Trier vorkommt”, erklärt sie. Deshalb habe Gebert die Idee, mit diesem Stein zu arbeiten, gut gefallen – stammt er doch aus einer Winzerfamilie in Schweich.

Zwar verwendet Biesdorf-Roth wegen des Härtegrades ein Stück Schiefer aus Brasilien und nicht von der Mosel. Doch die Symbolik des Weines zieht sich bei Gebert durch die gesamte Gestaltung seiner Amtszeichen. Auch in Wappen und Ring sind sie zu finden. Biesdorf-Roth hat nach den Vorgaben des neuen Weihbischofs ein Modell angefertigt: erst von Hand gezeichnet, dann am Computer und schließlich als Pappmodell. “Am Modell sieht man dann, ob es passt von der Größe her.” Bis die endgültige Form klar war, hat die Schmuckdesignerin mit den Proportionen experimentiert – und den Stein vorgeschlagen, der die Mitte des Kreuzes zieren wird: ein Bergkristall.

Während Biesdorf-Roth am Kreuz arbeitet, sitzt ihr gegenüber Julia Becker. Die Goldschmiedin, die bei Biesdorf-Roth schon ihre Ausbildung gemacht hat und immer wieder mit ihr arbeitet, hat über offenem Feuer ein dünnes Goldrohr erwärmt. Jetzt schneidet sie hauchdünne Ringe davon ab und setzt sie zu einer filigranen Weintraube zusammen. “Das wird das Motiv für den Ring”, erklärt Biesdorf-Roth. Die an einem Stock hängende Traube als Motiv der biblischen Kundschafter wird auf der Oberseite des flach gearbeiteten Rings angebracht. Wenn die winzigen Stücke aus 18 Karat Gelbgold zusammengelötet sind, werden sie noch abgefeilt und dann zusammen mit einem dünnen Stück Golddraht auf dem Ring befestigt.

Rund 40 Stunden haben Kerstin Biesdorf-Roth und Julia Becker an den beiden Stücken gearbeitet, 18 Gramm Gold (Kreuz: 15 Gramm, Ring: knapp 3 Gramm), 115 Gramm Silber (Kreuz: 100 Gramm, Ring: 15 Gramm), 5 Gramm Schiefer und einen Bergkristall verarbeitet. Kreuz und Ring sind kurz vor der Weihe fertig geworden.

Die so liebevoll und meisterhaft gestalteten Schmuckstücke werden den neuen Weihbischof bei all seinen Terminen begleiten, wenn er sie am 3. September bei der Weihe als Zeichen seines Amtes und Dienstes von Bischof Stephan Ackermann erhalten hat.

Die Bischofsweihe findet am Sonntag, 3. September, um 15 Uhr im Hohen Dom zu Trier statt. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wird Franz Josef Gebert die Weihe zusammen mit dem Erzbischof von Luxemburg, Jean Claude Hollerich, und dem Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters spenden. Der Gottesdienst wird live gestreamt vom OK 54 und ist über die Bistumshomepage bistum-trier.de abrufbar.

Informationen zum neuen Weihbischof Franz Josef Gebert sind unter bistum-trier.de/wb-gebert zu finden. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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