“Sie war immer hilfsbereit und eine politische Strategin”

Im Namen der Partei verabschieden Michael Lichter, Christiane Wendler und Ole Seidel (von links) die Bürgermeisterin mit einem Präsent. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Die Grünen des Stadtverbandes haben sich am Montag bei ihrer Jahresmitgliederversammlung von ihrem Mitglied, der scheidenden Bürgermeisterin Angelika Birk, verabschiedet und ihr für ihre Arbeit gedankt. Seit acht Jahren übt die frühere Ministerin im Kabinett von Heide Simonis das Amt der Bürgermeisterin in Trier aus. Ihre Bewerbung um eine zweite Amtszeit hatte die Partei jedoch nicht unterstützt.

Von Rolf Lorig

Es war eine merkwürdige Stimmung im Foyer des Theaters: Um 19 Uhr sollte die Veranstaltung beginnen. Doch zu dieser Zeit brauchte man noch keine zwei Hände, um die anwesenden Mitglieder abzuzählen. Gut 20 Minuten später konnte der Parteitag des Stadtverbandes dann aber beginnen. Gut zwei Dutzend Mitglieder waren inzwischen eingetroffen. Einige Akteure aber fehlten: Corinna Rüffer wurde von Sitzungsleiter Johannes Wiegel entschuldigt, sie hatte wegen eines Bundestagstermins dem Trierer Treffen fernbleiben müssen. Und auch Elvira Garbes, die als Nachfolgerin von Angelika Birk an diesem Abend begrüßt werden sollte, fehlte.

So war es an Vorstandssprecherin Christiane Wendler, die scheidende Bürgermeisterin zu verabschieden. Zur Verstärkung hatte sie sich Michael Lichter, den Schatzmeister im Geschäftsführenden Vorstand, mit ins Boot geholt. Der hatte die undankbare Aufgabe, den kompletten Werdegang von Angelika Birk in trockenen Fakten zu präsentieren. Etwas mehr Farbe kam mit den gewonnenen Eindrücken ins Spiel, die die Vorstandssprecherin der Versammlung in der Folge schilderte. Sie habe in der Anfangszeit Angelika Birk als eine Frau erlebt, die sich auch für einfache Arbeiten wie Plakate kleben nicht zu schade gewesen sei. Ihre Hilfsbereitschaft sei ebenso ausgeprägt wie die Fähigkeit, politische Strategien zu entwickeln. Zudem habe die Bürgermeisterin die Partei “immer großartig finanziell unterstützt.” Ohne diese Zuwendungen hätte man viele Vorhaben nicht in dem Umfang realisieren können, betonte Lendler.

Lobende Worte gab es auch für den Fleiß der Bürgermeisterin: “In Deinem Büro hat immer am längsten das Licht gebrannt.” Dabei seien dann auch die Überlegungen für das Wohnraum- und das Schulentwicklungskonzept auf den Weg gebracht worden. “Du warst immer mit dem Herzen dabei”, sagte die Vorstandssprecherin und schloss mit den Worten: “Es ist eine Bereicherung für uns und die Partei, dass wir Dich kennenlernen durften.”

Kein Blick zurück im Zorn: die scheidende Bürgermeisterin Angelika Birk bei ihrer Verabschiedung durch die Partei.

“Sie hinterlässt große Fußstapfen in Trier”

Für die Stadtratsfraktion bedankte sich Wolf Buchmann bei Angelika Birk. Die scheidende Bürgermeisterin sei der Partei immer eine Mahnerin gewesen, die sowohl das große Bild wie auch die Detailarbeit verinnerlicht gehabt habe. Sie lasse große Fußstapfen zurück: “Ohne Dich hätte Oberbürgermeister Leibe keine Chance gehabt, das Thema Städtische Wohnungsbaugesellschaft zu realisieren.” Angelika Birk sei eine der Ersten gewesen, die darauf aufmerksam gemacht hätten, wie wichtig eigener Wohnraum für die Stadt sei.

Lobende Worte fand Buchmann auch für das Schulentwicklungskonzept: “Was andere Dezernenten über Jahre nicht hinbekommen haben, hast Du in relativ kurzer Zeit auf die Beine gestellt.” Auch bei der Bewältigung der Flüchtlingswelle kommen Birk laut Buchmann große Verdienste zu: “Wir haben es in Trier geschafft, vielen Menschen eine neue Perspektive zu geben.” Birk habe durch ihren Einsatz dafür gesorgt, dass die Zivilgesellschaft und nicht die Rechtspopulisten die Oberhand behalten hätten.

Der Blick zurück im Zorn ist nicht die Sache von Angelika Birk. Offiziell wird sich die Bürgermeisterin am 2. Februar von der Stadt verabschieden, wenngleich sie noch einige Monate hier wohnen bleiben wird. Sie habe Trier und die Stadtgesellschaft im Laufe der Jahre sehr liebgewonnen, teilte sie in ihrem Schlusswort mit. Und ja, die Stadt sei ihr eine zweite Heimat geworden, in die sie immer wieder gerne zurückkommen werde. Dass sie in der Partei nicht nur Freunde sieht, darauf ließ ein kurzer Satz schließen, in dem sie sich dafür bedankte, dass man für diesen Abend das Foyer des Theaters gewählt hatte. Einige der Anwesenden seien ja auch bei der offiziellen Verabschiedung am 2. Februar im Theater dabei, sagte sie mit einem leisen Lächeln.

Mit einem kurzen Blick zurück stellte die Bürgermeisterin fest, dass es schon eine Weile gedauert habe, bis man sich aneinander gewöhnt hatte. Alles in allem zog sie aber eine zufriedenstellende Bilanz für ihre Amtszeit. Größe bewies sie mit der Aussage, dass die Partei in der Person von Elvira Garbes eine gute Wahl getroffen habe. Jetzt sei es die Aufgabe der Partei, die kommende Bürgermeisterin bei ihrer Arbeit auch tatkräftig zu unterstützen.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik 13 Kommentare

13 Kommentare zu “Sie war immer hilfsbereit und eine politische Strategin”

  1. Sascha

    Das hat doch gepasst.
    Frau Birk und die Trierer Grünen im Theater.
    Alle drei könnten sofort aus Trier verschwinden und der Stadt wäre sehr geholfen.

    Zweimal hatte ich mit Frau Birk zu tun.
    Zweimal weil in ihrem Dezernat Sch… gebaut wurde die mich in einem Fall viel Geld gekostet hat.
    Und beide Male gab es nichts als Ausreden und Ausflüchte.
    Noch nicht einmal eine Entschuldigung gab es zu hören.

    Von daher: Gehen Sie mit Gott, aber bitte gehen Sie…

     
  2. Seufzer

    …ist sie aufgewacht?

     
  3. Stephan Jäger

    „Sie war immer hilfsbereit und eine politische Strategin”

    Kommt das nur mir so vor wie „Sie war stets bemüht, die an sie gestellten Anforderungen zu erfüllen.“ ?

     
  4. Anna Majewski

    Auch beim letzten Theaterskandal um die gescheiterten Egger und KMS hat sie nicht mit Ruhm bekleckert.Laufen eigentlich die Ermittlungen gegen die Beiden noch oder Schwamm drüber?

     
  5. Hans Maier

    Kurz gesagt: sie wurde im Amt geduldet. Für den Bereich Schule wäre sie sicher eine gute Sachbearbeiterin gewesen. Das Licht im Büro brannte lange, weil sie nichts geregelt bekam.

     
  6. Adamo Style

    Frei nach Adamo, eine Träne geht auf Reisen. “Sie hinterlässt große Fußstapfen in Trier”, wie ist das gemeint, langsame und breite, oder wie!? “Und auch Elvira Garbes, die als Nachfolgerin von Angelika Birk an diesem Abend begrüßt werden sollte, fehlte.” Das sagt auch schon einiges! “Zudem habe die Bürgermeisterin die Partei “immer großartig finanziell unterstützt.” Ach jetzt versteh ich das, warum die vermutlich so lang getragen wurde, oder wie!? Na Frau Simonis aus Schleswig Holstein kann ja auch viel Positives
    berichten! “Angelika Birk schützt die Solidarität der eigenen Partei vor Simonis” Würgegriff, obwohl auch die Alternativen ihre Frauenministerin längst für eine Fehlbesetzung halten.” Sehen Sie, Geschichte wiederholt sich doch manchmal: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8001953.html

     
  7. Toll!

    Ja, Sie war ja so eine tolle Strategin. “700 000 Euro hätte die Stadt 2013 aus dem Fördertopf „Soziale Stadt“ von Bund und Land für Trier-West abrufen können. Weil das zuständige Sozialdezernat von Bürgermeisterin Angelika Birk (Grüne) jedoch kein zuschussfähiges Projekt einreichte, blieb das Geld im Topf.” http://lokalo.de/artikel/54303/update-geheiligt-werde-die-planung-ministerium-reagiert/ “Grüner Bürgermeisterin droht die Abwahl – In ihrem Dezernat ist die Arbeit vollständig zusammengebrochen”, hatte Ulrich Dempfle auf einem Parteitag im Januar gewettert.Tatsächlich häufen sich die Probleme im Sozialdezernat: Gleich zwei leitende Mitarbeiter und Birks Sekretärin hatten Anfang des Jahres ihren Dienst im Sozialdezernat quittiert – dem Vernehmen nach aus Unzufriedenheit mit der Chefin, die angeblich oft planlos agiere.”
    https://www.volksfreund.de/region/trier/gruener-buergermeisterin-droht-die-abwahl_aid-6107319 usw.usw.

     
  8. Sascha

    @ Trier Reporter

    Kommt auch noch eine Serie oder ein Artikel zum Bericht des Landesrechnungshof?

    Da haben wir ja wieder ein paar sehr gute Beispiele wie in Trier das Geld verbraten wird.
    Und dafür das die Fraktionen des Stadtrates doch selbst näher sind als den Bürgern.

     
  9. Michael Frisch

    Die Ermittlungen gegen die Herren Egger und Sibelius laufen noch. Scheint etwas zäh zu sein, aber bekanntlich mahlen die Mühlen der Justiz langsam. Bleibt zu hoffen, dass sich die Gerechtigkeit durchsetzt…

     
    • Rainer Landele

      ” Bleibt zu hoffen, dass sich die Gerechtigkeit durchsetzt…”

      ah, bereiten sie sich also schon auf alle eventualitäten vor:

      kommt es zum verfahren mit verurteilung, dann hat sich die gerechtigkeit durchgesetzt. natürlich nur wegen der afd…

      wenn die justiz kein verfahren eröffnet bzw. es zu keiner verurteilung kommt, dann hat sich wer durchgesetzt? das korrupte system, oder wie?

       
    • Waltraud Ebenda

      Herr Frisch, das Wort Gerechtigkeit passt nicht zu Ihnen!

       
    • Chuck Norris Fan

      “..aber bekanntlich mahlen die Mühlen der Justiz langsam”. Herr Frisch, jetzt bitte mal ganz ehrlich, sind Sie mit Chuck Norris verwandt!? Sie scheinen ja alles besser zu wissen, besser zu können und das noch schneller, weiter höher! Sie hätten das Theater und alles in der Stadt an die Weltspitze geführt, die Schauspieler aus New York, Sydney, London hätten unter Ihrer Regie hier Schlange gestanden. Wahnsinn! Wo waren Sie all die Jahrzehnte, warum erst jetzt Herr Frisch!? Hey Chuck, hier will Dir jemand Deinen Thron streitig machen! Ob das Chuck gefällt!? Nie politische Verantwortung gehabt, aber alles besser gekonnt, das ist Chuck Norris Style!

       
      • Sascha

        Herr Frisch hat nie gesagt dass das Theater mit ihm oder der AfD besser gelaufen wäre.
        Aber er wollte das einzig sinnvolle mit diesem Laden machen: dicht!

        Und wenn zwei Personen mit Geld, das ihnen nicht gehört, so umgehen das empfände ich es auch als Gerechtigkeit wenn diese Personen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden würden.

        Wie engstirnig einige Leute sind wen es um die AfD geht.
        Hauptsache drauf gehauen.
        Wenn einem die Argumente ausgehen geht’s zu wie auf dem Schulhof.

        Ich bin gewiss kein AfD-Freund, aber gerade bei dieser Partei macht es einen Sinn zwischen Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik zu unterscheiden.
        Die Trierer AfD hat ganz sicher keinen Höcke oder Gauland in ihren Reihen und hat im Stadtrat, neben viel Kappes, auch schon ein paar sinnvolle Beiträge und Anträge gebracht.
        Die aber, weil AfD-Bashing gerade modern ist, sofort abgelehnt wurden ohne sich damit zu beschäftigen.

        Und was viele da vergessen: Durch dieses Bashing hat die AfD eine Opferrolle intus, die sie in absehbarer Zeit zur zweitstärksten Kraft um Bundestag werden lässt (Umfragetechnisch gesehen).

         

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