Stadtbibliothek zwischen gestern, heute und morgen

Die rote Font ist nur eine Teilansicht des markanten Bibliotheksgebäudes. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Vor gut 60 Jahren wurde der Neubau der Trierer Stadtbibliothek an der Weberbach eröffnet. Der Entwurf des markanten Gebäudes stammt von dem renommierten Architekten Alfons Leitl (1909-1975), dessen Werk der Bauhaus-Tradition zugewiesen wird. Die Stadtbibliothek an der Weberbach gilt als das erste neuerrichtete öffentliche Gebäude der Stadt Trier nach dem Zweiten Weltkrieg. Der etwas später fertiggestellte Lesesaal diente rund zehn Jahre lang als Sitzungsort des Stadtrates. Anlässlich des 60.Geburtstags ihres Gebäudes hatte die Stadtbibliothek zu einem Festakt eingeladen.

Für Professor Michael Embach, den Leiter der Trierer Stadtbibliothek, ist das Gebäude “eine rüstig gebliebene 60-Jährige, die sich bester Gesundheit erfreut und nach wie vor voller Tatendrang ist.” Mit diesen humorvollen Worten begrüßte er die zahlreichen Gäste, die der Einladung zur Geburtstagsfeier Folge geleistet hatten. Sein besonderer Gruß galt der noch amtierenden Bürgermeisterin Angelika Birk, die an diesem Abend zusammen mit ihrem Kollegen Thomas Schmitt den Stadtvorstand repräsentierte. In ihrer Amtszeit sei die Bürgermeisterin immer mit großer Leidenschaft für die Interessen der Stadtbibliothek eingetreten, sagte Embach. “Die Begleitung der kulturellen Aktivitäten sind maßgeblich mit Ihrem Namen verbunden.”

Die so gelobte Bürgermeisterin würdigte die Stadtbibliothek als “eine der bedeutendsten Sammlungen Deutschlands.” Und sie gab das Lob prompt zurück: Es sei das Verdienst von Michael Embach, dass das Ada-Evangeliar in das Weltkulturerbe aufgenommen werden soll.

Der Blick in den Lesesaal dokumentiert das große Interesse an der Jubiläumsfeier.

10.000 Gäste aus 30 verschiedenen Ländern

Neben den hier eingelagerten einzigartigen Dokumenten für die Wissenschaft zeige sich das Haus auch Zeugnis der Großregion. Gerade die Moderne erfahre durch ständig neue Sonderarchive eine große Beachtung.

Ausgezahlt habe sich der Umbau der Stadtbibliothek und der Schatzkammer, bei dem neben der Barrierefreiheit man auch auf alle modernen Erfordernisse geachtet habe. Der Erfolg lasse sich auch in Zahlen festmachen, stellte Birk fest: “Seit November 2014 kamen rund 10.000 Gäste aus 30 verschiedenen Ländern und Kontinenten hierher, um sich vor Ort die hier befindlichen Schätze anzuschauen.”

Bei aller Freude über die alten Schriften richtete die Bürgermeisterin aber auch den Blick nach vorne. Noch wisse niemand, wie man das digitale Zeitalter mit seinen jeweils aktuellen Speichermedien ähnlich wie das Ada-Evangeliar über Jahrhunderte für die Nachwelt erhalten könne. Hier komme der Forschung noch eine große und wichtige Aufgabe zu.

Dankbar zeigte sich die Bürgermeisterin gegenüber dem Stadtrat für den Beschluss, der Stadtbibliothek ein ergänzendes Lagergebäude in Aussicht zu stellen. Ihr schwebe da schon eine Idee vor, hier bedürfe es aber noch eines Gespräches mit dem Hochbauamt, das möglichst noch in diesem Monat stattfinden solle.

Dank an den Stadtrat kam auch vom Vorsitzenden des Freundeskreises, Josef-Peter Mertes. Bei allen Baumaßnahmen der Stadtbibliothek habe man richtig gehandelt. Wie schon zuvor Michael Embach dankte auch er der Bürgermeisterin für ihren Einsatz, die jede Gelegenheit wahrgenommen habe, die Arbeit des Freundeskreises hilfreich zu begleiten. “Für uns, aber auch für die Bibliothek, waren das acht wertvolle Jahre”, betonte Mertes.

Einen Blick auf die Geschichte und die Zukunft der Bibliothek warf Universitätspräsident Michael Jäckel. Trier habe anders als zu der Zeit der alten Universität heute viele Bibliotheken. Wenn früher die Wissenschaft beim Lesestoff noch auf diese eine Sammlung angewiesen war, könne sie heute aus mehreren Quellen schöpfen. Doch eines verbinde alle Bibliotheken: “Es gab und gibt überall etwas zu entdecken.” Hier werde die Neugier der Forschenden, egal ob Profi oder Amateur, befriedigt. Kaum ein anderes Medium übe einen derart großen Reiz aus wie ein Buch. So sei es denn auch einfach zu verstehen, dass Bibliotheken in zahlreichen Filmen als Handlungsort besondere Bedeutungen einnehmen würden.

Hintergründe zum Architekten Alfons Leitl und dessen Arbeiten vermittelt Daniel Tul in seinem Festvortrag.

Bibliothekar ein “Dead-end-Job”?

Wie zuvor schon Bürgermeisterin Angelika Birk zeigte sich der Unipräsident nachdenklich beim Blick auf die Digitalisierung. Der Berufsstand der Bibliothekare erlebe einen deutlichen Umbruch. In den Vereinigten Staaten werde dieser Beruf gar zu den fünf “Dead-end-Jobs” gezählt. Die Erklärung dafür könne darin gesehen werden, dass Bibliotheken nicht länger als Orte mit gefüllten Bücherregalen gesehen werden. Mehr und mehr erobere sich die Digitalisierung ihren Platz. Aus Orten der Ruhe und Stille würden so lebendige Plätze der Begegnung und des Austauschs. Doch für welche Form auch immer sich der Einzelne entscheide: “Bibliotheken, analog oder digital, bleiben immer ein Ort, an dem sich die selbstgesteuerte Lehre fortsetzt.”

Neben den Grußworten gab es an diesem Abend aber auch zwei Festreden. David Thul setzte sich mit der Arbeit von Alfons Leitl auseinander, der neben der Stadtbibliothek unter anderem auch für die Architektur der neuen Synagoge oder des Hotels Porta Nigra verantwortlich zeichnete. Und als verantwortlicher Architekt präsentierte Peter Hardt ergänzende Erläuterungen zu der vor einiger Zeit neugestalteten Schatzkammer neben der Stadtbibliothek.

Umrahmt wurde die Feier von Musikern der städtischen Karl-Berg-Musikschule. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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