Stadtmuseum – Vom Schmuck bis zu Trierer Plätzen

Postkarte mit Motiv des Hauptmarkts, 1. Hälfte 1920er-Jahre. Foto: Stadtarchiv Trier, Sammlung Hertmanni

Postkarte mit Motiv des Hauptmarkts, 1. Hälfte 1920er-Jahre. Foto: Stadtarchiv Trier, Sammlung Hertmanni

TRIER. Noch bis einschließlich 26. Februar zeigt das Stadtmuseum Simeonstift die Sonderausstellung “Neuer Schmuck aus Idar-Oberstein. Die Hochschule zu Gast im Stadtmuseum”. Im Hintergrund wird allerdings schon mit Hochdruck an den kommenden Ausstellungsprojekten gearbeitet. Museumsfreunde können sich im Jahr 2017 auf drei Eröffnungen freuen: Am 2. April starten die parallel laufenden Jahresausstellungen “Peter Krisam. Maler zwischen den Zeiten” und “Shibori. Mode aus japanischen Stoffen”. Beide Schauen gehen auf Schenkungen an das Stadtmuseum zurück und zeigen das breite Spektrum der Sammlungsbereiche. Im November widmet sich das Museum auf zwei Etagen mit den Trierer Plätzen einem Thema, das eng mit der Geschichte der Stadt und ihres Bürgertums verbunden ist: Anhand der Entwicklung von öffentlichen Plätzen wie Hauptmarkt, Kornmarkt oder Domfreihof werden auch gesellschaftliche Kraftfelder und Paradigmenwechsel sichtbar – etwa in der Verbannung des Autoverkehrs aus der Innenstadt.

Peter Krisam. Maler zwischen den Zeiten
2. April bis 22. Oktober 2017

Sattes Blau, leuchtendes Rot und warmes Gelb – das Werk von Peter Krisam (1901-1985) ist bestimmt von kräftigen Farben und einer ausdrucksstarken Formsprache. Während er mit seinen sinnlichen Porträtdarstellungen, seinen Landschaftsgemälden und Stadtansichten als Maler weit über Trier hinaus geschätzt wird, warten seine herausragenden Zeichnungen noch darauf, entdeckt zu werden.

Peter Krisam, Blick auf Pallien, undatiert. Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Peter Krisam, Blick auf Pallien, undatiert. Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Peter Krisam war geprägt von zwei Weltkriegen und ein Maler zwischen den Zeiten. 1901 in Klüsserath geboren blieb er der Stadt Trier und der dortigen Werkkunstschule immer verbunden. Dank der umfangreichen Schenkungen der Familie Hanno und Hedi Krisam können die Stationen seines Lebens von der Ausbildung bis zu seinem Spätwerk in der Ausstellung “Peter Krisam. Maler zwischen den Zeiten” anhand zahlreicher Werke nachgezeichnet werden. Seine immer gegenständlichen Arbeiten sind geprägt durch die klassische Moderne. Den Schritt zur endgültigen Abstraktion vollzog er nie. Seine Form- und Zeichensprache entwickelte er durch seine Ausbildung an der Werkkunstschule Trier von 1919 bis 1921, danach an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in München. Etliche Studienaufenthalte in den 30er-Jahren führten ihn nach Luxemburg und Paris. In der Kunstmetropole Paris spürte er seinem großen Vorbild Paul Cézanne und anderen wichtigen Künstlern der Moderne nach.

Von 1937 bis 1940 lebte er als freischaffender Künstler in Köln, bevor er sich 1941 wieder in Trier niederließ. Mit seinen außergewöhnlichen Zeichnungen kriegszerstörter Dörfer und Momentaufnahmen aus einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager hinterließ Krisam ein besonderes Zeitdokument der Kriegsjahre. Nach dem 2. Weltkrieg prägte er von 1946 bis 1966 als Zeichenlehrer an der Werkkunstschule eine ganze Künstlergeneration. Zu seinen Schülern gehören Erich Kraemer, Hans Karl Schmitt, Jakob Schwarzkopf, Dieter Sommer und Anton Veit. Die Werke dieser Schülergeneration Krisams sind in der Ausstellung ebenfalls vertreten.

Neue Impulse für sein Spätwerk fand Krisam während seiner Reisen nach Südfrankreich. Mit sicherem zeichnerischem Strich hielt er die für Südfrankreich typischen knorrigen Bäume und romantischen Dorfansichten in gekonnten Momentaufnahmen fest. Peter Krisam starb 1985 in Trier. Mit seiner einmaligen Bildsprache zwischen Expressionismus und Realismus gehört ihm ein fester Platz in der Trierer Kunstgeschichte.

Shibori. Mode aus japanischen Stoffen
2. April bis 22. Oktober 2017

Shibori-Kleid, 1995. Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Shibori-Kleid, 1995. Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Handwerk des Shibori-Färbens hat in Japan eine lange Geschichte. Bereits im 3. Jahrhundert wurden Kleider aus den aufwendig gemusterten Stoffen gefertigt. Shiburo bedeutet ‘wringen’ oder ‘pressen’. Der japanische Begriff beschreibt den Herstellungsprozess, der in einem meditativen Akt aus Kraft und Konzentration die feinen Textilien entstehen lässt. Seiden- und Baumwollstoffe werden bei Shibori so gewickelt, gebunden und gefaltet, dass beim Färben grafische Muster entstehen. Die Faltungen und Raffungen hinterlassen nach dem Trocknen einen Reliefeffekt. Diese aufwendige Technik ist bis heute überliefert. So wurden auch die Stoffe in der Ausstellung von japanischen Shibori-Meistern in Handarbeit hergestellt.

Die Hochschule Trier ließ die Tradition des Shibori in einer deutsch-japanischen Kooperation wieder aufleben. Anlässlich des EU-Japan-Fests der Kulturhauptstadt Luxemburg im Jahr 1995 entwarfen StudentInnen der Fachrichtung Modedesign Kollektionen aus original japanischen Stoffen. Mit Unterstützung von World Shibori Network aus Nagoya entstanden rund 50 Kleider, die den klassischen Ornamenten ein modernes Outfit verleihen und das historische Handwerk mit der Mode des 20. Jahrhunderts vereinen.

In Zeiten nachhaltigen Designs wird diese Rückbesinnung auf alte Werte und traditionelle Herstellungsmethoden ein immer größerer Trend in der Mode. Das kommt auch im jüngsten Projekt der Trierer Modedesigner zum Ausdruck, das die Ausstellung im Stadtmuseum ergänzt: In der Kollektion “Boro” aus dem Jahr 2016, einer japanischen Variante des Upcyclings, werden ausrangierte Textilien zu neuen Kleidern umgearbeitet. Design wird hier zum Beispiel für Austausch und Wissenstransfer.

Plätze in Trier
12. November 2017 bis 25. März 2018

Plätze sind Dreh- und Angelpunkte des städtischen Lebens und wichtige Identifikationsorte für die Bürgerschaft. Das Stadtmuseum Simeonstift widmet sich in einer Sonderausstellung erstmals den Gesichtern und Geschichten der Trierer Plätze. Ausgehend von der Sammlung werden die innerstädtischen Plätze wie etwa Hauptmarkt, Kornmarkt und Domfreihof in ihrer historischen Entwicklung bis zu den Anfängen der Überlieferung verfolgt, darüber hinaus aber auch Diskussionen zur Platzgestaltung und städtebauliche Visionen der jüngeren Vergangenheit bis in die Gegenwart abgebildet. (tr)

Extra

In einem romanischen Stiftsgebäude gleich neben dem Weltkulturerbe Porta Nigra bietet das Stadtmuseum ein Museumserlebnis auf höchstem Niveau. Auf mehr als 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche erzählen Kunst- und Kulturschätze die wechselvolle Geschichte der Römerstadt Trier vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen widmen sich Trierer Künstlern oder mit der Stadt verbundenen historischen und zeitgenössischen Themen. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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