Steht, passt, wackelt nicht und hat Luft

“Überlebensgroß, ja, aber keine Verherrlichung”, sagt Oberbürgermeister Wolfram Leibe.

TRIER. Popstar Marx? Nein, nicht Groucho von den Marx-Brothers. Karl heißt der Trierer mit Vornamen. Wohin man auch schaut, Marx ist überall – im Kino, demnächst im Museum und jetzt auch auf dem Platz des Heiligen Simeon. Dort steht er, der Entwurf der Statue, die China der Geburtsstadt des geistigen Revolutionärs schenken will. Überlebensgroß und noch bis morgen zu sehen, für alle, die sich selbst ein Bild machen wollen. Kapital heißt das Hauptwerk des Trierer Jung’. Kapital will die klamme Stadt nun aus ihrem wohl bekanntesten Sohn schlagen. Was Salzburg mit seinem Wolfgang Amadeus recht ist, kann Trier schließlich nur billig sein. Wobei der Mozart schon zu Lebzeiten selbstinszeniert zum Popstar aufstieg, während Marx der Kult um die eigene Person stets zuwider war. Aber wer weiß: Vielleicht gibt es spätestens 2018 auch die Marx-Kugel zu kaufen – dann natürlich mit Viez-Geschmack.

Tief unten fließt die Weberbach. Schmuck abgedeckt und nicht zu sehen. Weber? Die Assoziation ist schnell geknüpft. Gerhart Hauptmann, in seiner Jugend Zeitgenosse Marx’ und später mutierter Sozial-Naturalist, und natürlich er selbst, der Karl, der nun hier thronen, respektive stehen soll, im Schatten des Heiligen Simeon und auf dessen Platz. Passt dann irgendwie doch, im Schatten der inzwischen unsichtbaren Weber, die gleich der Industriearbeiter zum Marxschen Proletariersalz der Erde gehörten.

Die Dimension ist riesig, Kritiker sagen gigantomanisch: 4,70 Meter die Statue, noch einmal 1,40 Meter für den Sockel, auf dem die Stationen des Philosophen-Lebens verewigt werden sollen. Luft anhalten – und dann wieder ablasen. Denn der Bronze-Marx schmiegt sich nahezu perfekt an den Giebel des Brunnenhofes. Professor Wu Weishan, dem Schöpfer des Kunstwerks, dürften also nicht nur begnadete Hände, sondern auch ein gutes Auge eigen sein. Er hatte den Platz mit Sicht auf die Simeonstraße, wo Marx bis zu seinem frühen Abflug aus Trier wohnte, von Anfang an favorisiert. Und mit dem Standort ist der Professor aus China hochzufrieden, wie ein spontanes Telefonat nach via WhatsApp übermitteltem Foto vom Ort des Geschehens aus ergab. “Perfekt”, beschied Wu Weishan.


Zum Thema Marx − Ob’s ihm gefiele?


Nicht nur Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Dezernent Andreas Ludwig sind angetan. Auch Ortsvorsteher Dominik Heinrich (Grüne) ist, wenn auch nicht begeistert, so doch zufrieden mit dem Standort. Er hätte auf der Fläche allerdings lieber die Renaturierung der unterirdischen Weberbach gesehen. “Aber die Statue ist nicht zu groß und passt vom Rahmen her gut hier hin”, sagt der Architekt und Fachmann seiner Partei für Städteplanung.

Die bauliche Frage will Heinrich allerdings losgelöst von der politischen verstanden wissen. “Schade”, findet er es, “dass wir China brauchen, damit eine Karl-Marx-Statue in Trier aufgestellt wird.” Kritisch zu hinterfragen sei, “ob wir das Geschenk eines Landes annehmen sollen, in dem die Menschenrechte und auch die Pressefreiheit mit Füßen getreten werden und vom dem wir uns dann auch noch die Dimension der Statue diktieren lassen”.

Marx-Double Michael Thielen vor der Holz-Statue des Originals.

Mit seiner Kritik steht Heinrich nicht alleine. Mächtig Aufregung wallte durch die Stadt, als die ersten Pläne des Marx-Kolosses vorgestellt wurden. Leibe und Ludwig bemühten sich umgehend, dass Erregungspotenzial einzudämmen. Heute sagt der Stadtchef: “Marx ist zwar überlebensgroß, wird aber nicht verherrlicht.” Und der schwarze Christdemokrat Ludwig hat ohnehin kein Problem mit dem roten Marx. “Wir haben die Silhouette aufgestellt, um den Leuten die Angst zu nehmen, und siehe da: Sie passt hier perfekt hin.”

Ob’s ihm gefiele, dem Rauschebart und Zertrümmerer bourgeoiser Wohlfühlzone, ist wieder eine andere Frage. Schließlich nahm er, der nie Marxist sein wollte, schon mit 17 zarten Lenzen die Beine unter die Arme und verdünnisierte sich aus seiner Geburtsstadt. Mit Trier wollte Marx nichts mehr zu tun haben. Die proletarische Revolution von der Mosel aus zu inszenieren, erschien ihm dann doch als allzu abstrus.

Sei es, wie es sei: Bis morgen können die Trierer sich selbst ein Bild von ihrem Marx machen. Gegen 17 Uhr wird der Dummy dann abgebaut. Am 13. März entscheidet schließlich der Stadtrat, ob Marx künftig dort steht, wo er stehen soll. Für den Holz-Marx, von der Theater-Werkstatt gebaut, gibt es nach unbestätigten Informationen bereits einen Interessenten. Möglicherweise findet der Dummy in der Trier-Galerie ein neues Zuhause.

Womit bewiesen wäre: Marx und Kapital schließen sich nicht mehr aus. Fehlen also nur noch die Marx-Kugeln – natürlich mit Viez-Geschmack und roter Verpackung… (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik 6 Kommentare

6 Kommentare zu Steht, passt, wackelt nicht und hat Luft

  1. Rainer Landele

    völlig unrealistische simulation:

    1. es der OB zu groß

    2. fehlt das dicke rumpelstilzchen von der örtlicher AfD vorläuferorganisation, welches auf dem platz immer seine schreitiraden mit den maximal 10 weiteren grenzdebilen abhält. darauf freue ich mich schon, wenn der marx da steht…

     
    • Trier-Reporter

      Der war da, sogar mit Trillerpfeife. Wir haben ihn allerdings unterschlagen, da die Erwähnung zu viel der (falschen) Ehre gewesen wäre.

       
      • Spekulatius

        Versteh ich jetzt nicht, warum der trillergepfiffen hat, ist ja schließlich auch Sozialist…also, Nationalsozialist…oh, pardon, die nennen sich ja jetzt Nationaldemokraten. Ist aber auch zu verwirrend.

        Ansonsten: Willkommen daheim, Karl! Freu mich.

         
  2. Donald

    Während der dicke Mann friedlich, mutig und mit offenem Visier gegen den Erfinder einer Massenmord Ideologie demonstriert, gehen die vermummten Feiglinge der marxistischen Sturmtruppen von rotrotgrün nachts mit dem Benzinkanister und Feuerzeug zum Haus von demokratisch gewählten Politikern und fackeln sein Auto ab.. Das sind die Methoden der Kommunisten und auch der Faschisten! Unterdrückung des politischen Gegners und der Meinungsfreiheit mit Gewalt! Aber damit erreichen sie genau das Gegenteil von dem was sie damit bezwecken..

     
    • Rainer Landele

      ach, daran ist jetzt also auch der karl schuld?

      und können sie mal erklären, warum sie nicht klartext reden und den fall, von dem sie hier sprechen klar benennen (herr jung)?

      und wissen sie, was ich mir wünsche: das man die täter faßt und die justiz ihr werk tun kann.

       
  3. Dumpfer die Zweite

    “Das Auto der Ehefrau des rheinland-pfälzischen AfD-Politikers Uwe Junge ist am Donnerstag ausgebrannt. Die Ursache ist noch ungeklärt.” Ach, Sie wissen schon mehr?!
    “…gegen den Erfinder einer Massenmord Ideologie…”`, wer soll das sein? Wie heißt denn sein Hauptwerk? Eine Ahnung? Wahrscheinlich nicht und noch nie mit seiner Theorie beschäftigt!
    “Marxistische Sturmtruppen von rotrotgrün” 😉 Aluhüte, sofort aufsetzen!

     

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