Subtiler Humor fernab von Schnappatmung

Sie war die Siegerin des Abends: Christine Schütze. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Einmal mehr stellte die deutschlandweit agierende Kabarett-Bundesliga das Format dieser Reihe eindrucksvoll unter Beweis: Am Samstag traten im Großen Saal der Tufa mit Lieselotte Lübke und Christine Schütze zwei Frauen vor das Trierer Publikum, von denen man mit Gewissheit noch eine Menge hören wird. Und die Gäste mussten ihr Kommen nicht bereuen, ganz im Gegenteil! Geboten wurde zwei Stunden beste Unterhaltung, feinnervig, amüsant und zuweilen rotzfrech sowie musikalisch überaus ansprechend. Die nächste Veranstaltung in dieser Reihe findet am 1. April statt.

Von Rolf Lorig

Gleichberechtigung in Deutschland? Möglich, aber nicht beim Kabarett. ‟Wenn Männer Kabarett machen, dann ist es Kabarett. Wenn Frauen das Gleiche tun, dann ist es Frauen-Kabarett.” An der Beobachtung, die Christine Schütze ihrem Publikum mitteilte, ist was dran. Denn was die beiden Frauen an diesem Abend boten, war Humor vom Feinsten, fernab von Schnappatmung oder platten schenkelklopfenden Stammtisch-Witzen. Es waren die feinen und leisen Töne, die die Güte und Qualität der Vorträge ausmachten. Bei den reinen Text-Vorträgen, aber auch bei den Gesangsdarbietungen. Denn beide Künstlerinnen begleiteten sich selbst am Klavier, hoben sich schon alleine dadurch von der Masse der Mitbewerber ab.

Selbstbewusst und mit großem Potenzial auf dem Weg nach oben: Liese-Lotte Lübke

Nach der Einführung in den Abend durch Moderator Stephan Vanecek nahm Liese-Lotte Lübke als erste Spielerin mit Ausschnitten aus ihrem aktuellen Programm ‟Kopf in den Sand‟ die Bühne in Besitz. Ihr Credo: ‟Kabarett muss nicht immer plakativ politisch daher kommen, zumal ich ziemlich unpolitisch bin.” Im ersten Teil ihrer Darbietung nahm man ihr das ab, da ging es um ganz andere, zwischenmenschliche und stark vorgetragene Themen, die sie charmant herrlich politisch unkorrekt an den Mann oder die Frau zu bringen wusste. Dass sie aber auch politisch kann, stellte sie später bei der Zugabe unter Beweis. Und, nein, sie bewegte sich nicht auf unsicherem Terrain. Auch hier zeigte sie, wie genau sie beobachtet und wusste diese Beobachtungen dann ihrem Publikum in feinem Wortwitz, aber auch frech-keck verpackt überzeugend zu kredenzen. Keine Frage, die 28-Jährige ist längst aus den Startlöchern des Anfangs gekommen und auf dem besten Weg in den Olymp des Kabaretts.

Sky du Mont fiebert aus dem Zuschauerraum mit

Dort ist Christine Schütze bereits angekommen. Die gebürtige Hamburgerin hatte sich in Person des Schauspielers Sky du Mont eine moralischen  Verstärkung mitgebracht. Nicht, dass sie die wirklich nötig gehabt hätte. Die gemeinsame Anwesenheit war mehr dem Zufall geschuldet, waren die beiden am Abend zuvor gemeinsam in Köln aufgetreten und mussten nach dem Auftritt direkt weiter nach Frankfurt, um von dort aus nach Hamburg zu starten.

Drückte aus den Zuschauerrängen Christine Schütze die Daumen: Der Schauspieler Sky du Mont.

Ihr musikalisches Handwerk erlernte Christine Schütze an der Musikhochschule Hamburg, wo sie ihr Musikexamen mit der Note eins abschloss. Auf der Bühne kokettiert die zierliche Blonde im kleinen Schwarzen zu Beginn mit ihrer äußeren Erscheinung (‟Die ist mir zu mager!‟), zeigt dann aber ganz schnell, was Vorurteile über blonde Frauen taugen: nichts. Ihr Programm ist stringent angelegt, ein Gag baut konsequent auf dem anderen auf. Wobei der Begriff ‟Gag‟ eigentlich falsch gewählt ist. Schützes Programm ‟Schützenhilfe‟ erklärt sich vom Titel her selbst. Auch bei ihr stehen Beobachtungen im Vordergrund, die sie mal frech-frivol, mal bissig-ironisch vorträgt. Wie in dem Lied über Klaus, einem ihrer Verflossenen: ‟Für ihn soll es rote Rosen regnen. Aber bitte in Vasen…”

Sie nimmt in ihrem aktuellen Programm alle aufs Korn: Männer, die als Hipster oder Nerds verkleidet durch die Gegend laufen; Mütter, die als Helicopter-Mütter sich ausschließlich über den Nachwuchs definieren, und sie geht der Frage nach, was eigentlich deutsch ist und woran man sich orientieren soll, was logischerweise zu neuen bitterbösen Erkenntnissen führt.

Viel zu schnell endete der Abend. Und dann war es wie bei allen Spielen der Kabarett-Bundesliga am Publikum, per Abstimmung die Siegerin des Aufeinandertreffens zu küren. Das war schließlich Christine Schütze. Wobei es eigentlich zwei Siegerinnen hätte geben müssen…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur 1 Kommentar

Kommentar zu Subtiler Humor fernab von Schnappatmung

  1. Ruggiero Pandolfi

    Zitiat: “Wobei es eigentlich zwei Siegerinnen hätte geben müssen…”
    Nein ! Falsch ! Hier liegen Welten dazwischen.
    Es hätte nur eine Siegerin geben dürfen…hier wurde deutlich und mit Abstand die richtige gekürt.
    RP

     

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