Theater Trier – “Das ist nicht vermittelbar”

Das Haus am Augustinerhof, hier die marode Schlosserei, muss saniert werden. Die Frage allerdings ist, wie?

Das Haus am Augustinerhof, hier die marode Schlosserei, muss saniert werden. Die Frage allerdings ist, wie?

TRIER. Kulturdezernent Thomas Egger (SPD) hat am Nachmittag die prognostizierten Kosten der geplanten Theater-Sanierung vorgestellt. Wie vom reporter vorab berichtet, liegt die kostengünstigste Variante bei 55 Millionen Euro. Sie beinhaltet die Grundsanierung des Hauses am Augustinerhof, die teilweise Erweiterung sowie den Aufbau einer zweiten Spielstätte, allerdings ohne Kammerspiele. Der Neubau inklusive aller Varianten würde 110 Millionen Euro kosten, in der günstigeren Variation ohne Kammerspiele 75 Millionen Euro. Die reine Grundsanierung des Graubner-Baus am Augustinerhof wäre für rund 32 Millionen Euro zu haben. Das Land fördert derartige Maßnahmen gewöhnlich im sogenannten I-Stock mit einer Quote von 50 bis 60 Prozent. “Natürlich werden wir jetzt wieder die politische Grundsatzdiskussion bekommen”, sagte Egger, “aber davor fürchte ich mich nicht.”

Für den Sozialdemokraten ist jetzt schon klar: Kosten zwischen 55 und 110 Millionen Euro sind indiskutabel. “Das ist nicht vermittelbar”, betonte Egger, dessen Partei vor gut einem Jahr gefordert hatte, die Kosten im Architektenwettbewerb sollten auf maximal 40 Millionen Euro begrenzt werden. Die jetzt vom Münchener Büro theapro ermittelten Zahlen “übersteigen alle Erwartungen, die wir an die Studie hatten”, so Egger.

Dass sowohl die Freien Wähler als auch Eggers ehemalige Partei, die FDP, nun eine grundsätzliche Strukturreform des Theaters fordern, nahm der Kultdezernent mit einem leichten Schmunzeln zur Kenntnis. Egger wollte die Grundsatzdebatte bereits vor vier Jahren führen, doch der Stadtrat machte ihm mit seinem Blankoscheck für das Mehrspartenhaus einen Strich durch die Rechnung. Nun folgt offensichtlich quer durch die Fraktionen die Ernüchterung: 55 bis 110 Millionen Euro werden kaum darstellbar sein. 2009 ist das Rathaus noch von Sanierungskosten in Höhe von knapp 20 Millionen Euro ausgegangen.

Die Grundsanierung und Instandsetzung des maroden Graubner-Baus ist mit knapp 32 Millionen Euro die absolut günstigste aller Variante. Sie genügte, würde das Theater sukzessive in den kommenden Jahren in ein Bespieltheater umgewandelt werden, wie jetzt etwa von der FDP gefordert. Nach aktuellem Stand und möglichen Zuschüssen aus Mainz müsste die Stadt zwischen 13 und 14 Millionen Euro für die Generalsanierung des Hauses aus eigener Kasse aufwenden.


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Da dann allerdings der für die weitere Existenz des Mehrspartenhaus unerlässliche Anbau fehlt, kann diese Variante nur greifen, sollte die Politik sich für die Strukturreform entscheiden. Bis dahin will Egger in Abstimmung mit dem Stadtvorstand ein sogenanntes “modulhaftes Vorgehen” betreiben. “Wir konzentrieren uns jetzt zunächst einmal darauf, was in einem ersten Schritt zwingend notwendig ist, und dann sehen wir weiter”, sagte der Sozialdemokrat.

Auch der Dezernent wurde von den hohen Kosten überrascht. Egger wollte schon 2012 eine Strukturdebatte zum Theater, die der Stadtrat aber ablehnte. Foto: Rolf Lorig

Auch der Dezernent wurde von den hohen Kosten überrascht. Egger wollte schon 2012 eine Strukturdebatte zum Theater, die der Stadtrat aber ablehnte. Foto: Rolf Lorig

Sollte die Politik sich zusätzlich für einen zweiten Standort neben dem sanierten Haupthaus entscheiden, dann, so Egger, könnte das durchaus auch der Einstieg in das Bespieltheater sein. “Allerdings muss man bedenken”, betonte der Dezernent, “dass wir auch dann noch 32 bis 33 Millionen Euro in das Haus investieren müssen.”

Das weitere Vorgehen, für das Egger keinen genauen Zeitplan nennen konnte, soll “in einem überschaubaren finanziellen Rahmen” ablaufen. Doch zunächst will der Sozialdemokrat abwarten, wie die Fraktionen sich zu den nun vorliegenden Zahlen positionieren. Dazu hat Egger am Abend auch den Kulturausschuss informiert. Die Generaldebatte erwartet der Dezernent. “Ich gehe davon aus, dass die kommen wird”, so Egger.

Die Kosten der Studie liegen laut Egger “unter 300.000 Euro”. (et)

Ausführliche Analyse, auch zur Sitzung des Kulturausschusses, morgen beim reporter.


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, inside54.de, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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