Theater Trier – Egger und Sibelius droht weiter Verfahren

Auf Egger und Sibelius kann ein Verfahren wegen Untreue zukommen. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Die Staatsanwaltschaft Trier prüft im Zusammenhang mit dem Theater-Skandal weiter die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Ex-Intendant Karl Sibelius und Ex-Dezernent Thomas Egger wegen Untreue. Das bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am heutigen Mittwoch gegenüber dem reporter. Am 14. November vergangenen Jahres hatte die AfD Strafanzeige gegen Egger und Sibelius erstattet. Der Stadtrat verweigerte Egger am Montag auf Empfehlung des Rechnungsprüfungsausschusses und wegen der anhängenden Strafanzeige die Entlastung für das Haushaltsjahr 2015. Die Budgetüberschreitungen in Millionenhöhe am Trierer Kulturhaus waren im Mai 2016 durch den reporter-Artikel Das Minus-Haus aufgedeckt worden und sorgten in den darauffolgenden Monaten bundesweit für Schlagzeilen. Egger und Sibelius gelten als Hauptverantwortliche für das Millionendefizit. Ende November vergangenen Jahres trennte die Stadt sich gegen eine Abfindung von 300.000 Euro von Sibelius. Egger wurde am 12. Dezember auf Antrag der SPD vorzeitig aus seinem Amt abgewählt.

Wann die Prüfung abgeschlossen sein wird, konnte Fritzen am heutigen Mittwoch nicht sagen. “Wir haben bei der Stadt ergänzende Auskünfte eingeholt”, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt gegenüber dem reporter, “die am vergangenen Freitag bei uns eingegangen sind und die jetzt in unsere Prüfung einfließen.” Grundlage für die Behörde ist der Bericht der Rechnungsprüfer, der am 11. November vom reporter veröffentlicht und am 15. November in der Sondersitzung des zuständigen Ausschusses behandelt wurde.


Zum Thema − “Katastrophale Misswirtschaft”


Die städtischen Prüfer, die nach der Aufdeckung des Millionendefizits durch den reporter von Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) beauftragt worden waren, das Theater unter die Lupe zu nehmen, attestierten sowohl Sibelius als auch Egger eine “katastrophale Misswirtschaft” im Umgang mit öffentlichen Geldern. Für die Geschäftsjahre 2015 und 2016 lag das Defizit einschließlich der gezahlten Abfindungen für Mitarbeiter und den Ex-Intendanten bei einem jährlichen Gesamtetat von rund 15,5 Millionen Euro bei knapp vier Millionen Euro.

Unter Egger und Sibelius wurde das Theater zum Millionengrab.

Wegen der Budgetüberschreitung in Millionenhöhe war Leibe gezwungen, eine zehnprozentige Haushaltssperre für den freiwilligen Leitungsbereich zu erlassen. Betroffen davon waren alle Dezernate. Zudem drohte der Stadt der Rauswurf aus dem Kommunalen Entschuldungsfonds des Landes (KEF). Um die Zahlungsfähigkeit des Theaters, das im Oktober 2016 zahlungsunfähig war, sicherzustellen, wurden zudem mehr als 500.000 Euro aus den Einnahmen der städtischen Geschwindigkeitsüberwachung in das Kulturhaus gepumpt. Ursprünglich sollten die Einnahmen für Maßnahmen der Verkehrssicherheit etwa vor Schulen und Kindergärten verwendet werden.

Auf Empfehlung des Rechnungsprüfungsausschusses, der die Berichte der Prüfer am 21. Februar genehmigte, verweigerte der Stadtrat am Montag Ex-Dezernent Egger die Entlastung für das Geschäftsjahr 2015. Die Entlastung des ehemaligen Beigeordneten für das Geschäftsjahr 2016, das noch nicht geprüft ist, gilt zudem als höchst fraglich. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Politik 3 Kommentare

3 Kommentare zu Theater Trier – Egger und Sibelius droht weiter Verfahren

  1. Schmiddi

    Ich hoffe sehr, dass es zu einem Prozess gegen beide Herren kommt, damit auch die Rollen aller in der Politik Mitverantwortlichen vor Gericht durchleuchtet wird. Es sitzen immer noch zu viele im Stadtrat, die genauso viel Deck am Stecken haben, wie Egger und Sibelius. Die müssen ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden.

     
    • Hans Maier

      Wird im Sande verlaufen. Es wird festgestellt, dass andere Schuld haben könnten. Vielleicht trifft es wieder, wie beim Baumsturz, einen kleinen Sachbearbeiter. Der wird dann noch etwas Geld zahlen dürfen und die wahren Kontrollorgane ko mmen wieder unbeschadet davon.

       
  2. Lola

    Sehr gut! Nichts anderes haben die beiden Scharlatane verdient. Hoffentlich kommt es zu schmerzhaften Schadensersatzforderungen, zummindest zur Rückzahlung der Abfindungen, um den angerichteten Schaden etwas zu mildern und das Elend, welches beide in grandioser Selbstüberschätzung anrichteten. Beide waren nicht geeignet für die Posten, welche man ihnen übertrug. Weder menschlich noch fachlich- den Beweis haben sie selbst ausgiebig erbracht.Hier kann und darf es kein “Schwamm drüber ” geben.

     

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