Theater Trier – “Einer muss ihm auf die Finger klopfen”

Viel Arbeit und viel Redebedarf am Donnerstagabend vor allem für OB Leibe und Dezernent Egger (links) im Steuerungsausschuss. Foto: Rolf Lorig

Viel Arbeit und viel Redebedarf am Donnerstagabend vor allem für OB Leibe und Dezernent Egger (links) im Steuerungsausschuss. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Der Steuerungsausschuss hat am Donnerstagabend den Intendanten des Trierer Theaters, Karl Sibelius, als Finanzchef des Drei-Sparten-Hauses entmachtet. Bei nur einer Gegenstimme durch Susanne Kohrs (Linke) und zwei Enthaltungen durch Petra Kewes und Christiane Wendler (beide Grüne) stimmte das Gremium der Vorlage des Stadtvorstandes zu. Damit ist die Rückkehr zur Doppelspitze am Theater frei. In einer Woche wird der Stadtrat das letzte Wort in der Theater-Causa haben. Sibelius wird dann ein gleichberechtigter kaufmännischer Direktor zur Seite gestellt, der künftig “die Verantwortung für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Theaters” tragen wird. In der sehr hart geführten Debatte sparte vor allem die CDU nicht mit Angriffen auf Sibelius und Kulturdezernent Thomas Egger (SPD). “Oberbürgermeister Wolfram Leibe hat in dieser Frage die volle Unterstützung der Union”, sagte Jürgen Backes. An die Adresse des Intendanten sagte Backes: “Wir bezweifeln, dass Sie mit Geld umgehen können!” Sibelius selbst wertete die Berufung eines kaufmännischen Direktors nicht als Entzug der finanziellen Verantwortung. “Wenn dieser Mensch, ob Frau oder Mann, das Theater auf Vordermann bringt, habe ich nichts dagegen”, sagte der Österreicher in seiner kurzen Erklärung vor dem Ausschuss.

Ganz selten nur sind in einer öffentlichen Sitzung des Steuerungsausschusses derart harte Töne zu hören. Das Gremium dient gewöhnlich zur Vorbereitung der kurz danach folgenden Ratssitzung. Letzte Positionen werden verdeutlicht, Meinungen ausgetauscht, Argumente gewechselt – alles auf der Arbeitsebene, die von den Fraktionen schon in den Vorberatungen besetzt worden war. Geht es dann doch einmal hoch her, muss das Thema schon sehr tief für erhöhten Puls und Blutdruck sorgen.

Seit Wochen treibt die Parteien und Fraktionen das Thema Finanzen beim Theater um. Spätestens seit den ersten reporter-Veröffentlichungen am 19. Mai ist klar: Die oft beschworene heile Welt am Augustinerhof ist alles andere als heil. Am Donnerstagabend entlud sich die angespannte Atmosphäre erstmals auch öffentlich. Zu der für Ausschusssitzungen durchaus heftigen Gewalt der Entladung dürfte auch die unverhohlene Uneinsichtigkeit des Intendanten beigetragen haben. Aber auch die jüngste Sitzung des Kulturausschusses, von den meisten Beobachtern als peinlich charakterisiert, mag die Stimmung zusätzlich angeheizt haben.

“Sie bekommen Ihre Chance”

So waren die teils heftigen Einlassungen fraktionsübergreifend am Donnerstagabend an Klarheit und Schärfe kaum zu überbieten. Jürgen Backes (CDU) sprach von der “finanziellen Verantwortungslosigkeit”, die am Theater unter der Leitung von Sibelius herrsche. Der Christdemokrat ging den Österreicher, der hinter Oberbürgermeister Wolfram Leibe in der zweiten Reihe saß, direkt an. “Sie haben gefordert, eine weitere Chance zu bekommen”, sagte Backes, “die bekommen Sie, denn der kaufmännische Direktor ist eine Unterstützung für Ihre Arbeit.”

Wobei Backes keinen Zweifel daran ließ, wer für das Millionen-Defizit im laufenden Jahr die Verantwortung trägt. “Wir haben Sie auf der Geschäftsgrundlage eingestellt”, sagte Backes in Richtung des Intendanten, “dass Sie Kunst und Finanzen können.” Ob Sibelius Kunst könne, wolle und könne er nicht beurteilen. “Aber wir bezweifeln inzwischen, dass Sie mit Geld umgehen können”, merkte der Christdemokrat ferner an. Der Oberbürgermeister habe dankenswerterweise die Reißleine gezogen, “weil wir sonst so weitergewurschtelt hätten wie bisher”. Leibe habe die volle Unterstützung der Union, stellte Backes klar, “und diese Position ist auch nicht neu, weil wir sie schon in unseren Pressemitteilungen vertreten haben”.


Die neue Dienstordnung beim Theater


Auch Parteifreund Thomas Albrecht legte gleich mehrere Finger in die tiefe Wunde. “Wir sollten uns endlich von der Schwärmerei beim Theater verabschieden”, forderte der stellvertretende Fraktionschef der CDU, “denn jetzt sind wir mit den harten Fakten konfrontiert.” Es sei hohe Zeit gewesen, den Riegel vorzuschieben, sagte der Jurist, “weil sogar Geld aus dem Fenster geworfen wurde”. Damit spielte Albrecht auch auf die Kosten der abgesagten Tanz-Performance NeroHero an. Über 130.000 Euro bleiben an der Stadt hängen. Inzwischen beschäftigt sich auch das Rechnungsprüfungsamt mit den Ausgaben.

Da Sibelius mit der Doppelaufgabe offensichtlich überfordert sei, “muss ihm einer auf die Finger klopfen”. Albrecht führte als negatives Beispiel die hohen Ausgaben für die Produktion des Musicals “Jesus Christ Superstar” an. Das sah auch Karl Biegel so. “Man kann eben nur das Geld ausgeben, das da ist”, sagte der Christdemokrat. Sibelius habe vor seinem Amtsantritt behauptet, er schaue aufs Geld und könne auch mit kleinen Budgets umgehen. Weil er das anscheinend nicht könne, müsse die Verantwortung nun eben verteilt werden. Der OB habe als oberster Kämmerer die richtige Entscheidung getroffen, so Biegel, der allerdings auch Dezernent Egger nicht aus der Verantwortung entlassen wollte. “Bei der Sondersitzung des Kulturausschusses sind wir über das hohe Defizit im laufenden Jahr nicht informiert worden”, so Biegel.

“Das wäre Aufgabe des Chefs gewesen”

Wird die Finanzhoheit am Theater abgeben müssen: Karl Sibelius. Foto: Theater Trier

Wird die Finanzhoheit am Theater abgeben müssen: Karl Sibelius. Foto: Theater Trier

Auch für die SPD ist der vom Oberbürgermeister eingeschlagene Weg der richtige. “Die Herausforderungen sind sehr groß”, sagte Fraktionsgeschäftsführer Markus Nöhl, “und für eine Person wohl zu groß.” Der kulturpolitische Sprecher der SPD räumte ferner ein, “dass die Finanzen nicht das einzige Problem sind”. Auch die Personaldiskussionen rund um das Theater, die Debatten über den Spielplan und auch die Schwierigkeiten in der Sanierungsfrage dürften nicht verschwiegen werden. Doch gerade bei den Finanzen hätte sich SPD-Chef Sven Teuber “mehr Verantwortung des Intendanten” gewünscht. “Die Aufklärung der Misere wurde ja leider nicht von Karl Sibelius betrieben”, kritisierte Teuber, “obwohl das die Aufgabe des Chefs gewesen wäre.” Der CDU warf Teuber vor, “nicht stringent in der Linie” zu sein. In der Sitzung des Kulturausschusses habe die Union noch eine andere Linie vertreten.

Das wollte CDU-Chef Udo Köhler so nicht stehen lassen. “Dorothee Bohr hat im Kulturausschuss ihre persönliche Meinung vertreten, nicht die der CDU”, so Köhler. Allgemein sei er aber zufrieden, “dass wir die Vorlage heute beschließen können”. Dem schloss sich auch Wolf Buchmann von den Grünen an. “Ich finde die Maßnahme als solche in Ordnung”, sagte der Vorstandssprecher der Trierer Grünen. Buchmann stimmte im Gegensatz zu seinen Parteifreundinnen Kewes und Wendler für die neue Doppelspitze am Theater.

Verbale Rückendeckung erhielt Sibelius nur von Kewes und Susanne Kohrs von den Linken. “Ich traue ihm immer noch zu, dass er den Karren aus dem Dreck zieht”, sagte Kewes, die Ex-Intendant Gerhard Weber eine Mitschuld an der aktuellen Finanzmisere zuschob. “Weber hat sehr viel Geld ausgegeben”, so die Grüne. Kohrs sprach davon, “dass das Theater kaputtgespart wird”. Deswegen sei die Entscheidung für die Doppelspitze “zu kurz gedacht”. Diesem Vorwurf trat Leibe entschieden entgegen. “Wir sparen nicht”, sagte der OB an die Adresse Kohrs, “sondern wir versuchen, ein Defizit von mindestens 2,6 Millionen Euro im Haushalt auszugleichen und den Etat auf den gültigen Beschluss des Stadtrates zurückzuführen.” Er selbst habe das Theater-Budget für den neuen Doppelhaushalt auf den Etat des Jahres 2016 festgelegt – einschließlich der Mehrkosten. “Ich hätte auch den Etatentwurf von 2014 oder 2013 nehmen können”, sagte Leibe in Kohrs Richtung, “dann hätten Sie vielleicht davon sprechen können, dass wir sparen wollen.”

Für Hermann Kleber von den Freien Wählern gibt es ohnehin keine Alternative zur Entscheidung des Stadtchefs. “Die Ausgaben müssen immer im Rahmen des Budgets bleiben”, betonte Kleber. Die neue Struktur könne verhindern, “dass sich die Fehler der jüngsten Vergangenheit wiederholen”. FDP-Chef Tobias Schneider war weniger optimistisch. “Wir sollten nicht denken, dass die Kuh damit vom Eis ist”, sagte der Liberale. Schneider forderte erneut eine Grundsatzdebatte über die Zukunft des Theaters. “Darüber müssen wir sprechen”, erklärte der Freidemokrat.

Sibelius’ kurze Erklärung vor dem Ausschuss ließ weder auf Zustimmung noch auf Ablehnung schließen. Der Österreicher beharrte allerdings auf seinem Standpunkt, durch die neue Doppelspitze werde ihm die finanzielle Verantwortung keineswegs entzogen. Unterstützung lehne er jedoch nicht ab: “Da wäre ich ja doof!” (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Politik 18 Kommentare

18 Kommentare zu Theater Trier – “Einer muss ihm auf die Finger klopfen”

  1. Besserwisser

    Arrogant bis zum bitteren Ende, der werte Intendant.
    Das Thema soll damit noch nicht zu Ende sein. Eine spürbare Kürzung des Salärs muss folgen. Weitere personelle Konsequenzen sind ja anscheinend nicht angedacht.
    Fakt ist, dass Ämter dringend benötigtes Personal nicht zugesprochen bekommen, weil hier jemand nicht mit Geld umgehen kann und weitere Beteiligte keine Kontrolle ausüben.

     
    • Gerhard Müller

      Nur als kleine Anmerkung eines Eggenfeldeners: Im Jahr nach Weggang des Herrn Sibelius und seines alter ego Rose Devine, hatte unser Theater wieder 17% mehr Zuschauer und mehr Abonnementen. Heuer wird es etwas weniger sein, weil unsere Bürger im östlichen Landkreis durch ein Unwetter schwer geschädigt wurden und einfach keine Zeit und weniger Geld für Theaterkultur haben.Auch bei uns konnte der gute Mann weder mit Geld, noch mit Kultur umgehen.

       
  2. Susanne Decker

    Privatmeinung von Frau Bohr ist gut – für welche Partei sitzt sie denn im Ausschuss, sie ist ja nicht einmal ein Ratsmitglied… Nein, Herr Köhler, das ist eben kein privates Kaffeekränzchen, sondern ein Ausschuss, der von den Parteien besetzt wird. Und ich habe die Berichterstattung sehr genau verfolgt: Dass es sich “nur” um eine Privatmeinung gehandelt hat, wurde aber in keiner Weise deutlich. Aber gut, dass immerhin der Kulturausschuss mit seinen Privatmeinungen nicht auch noch über die finanziellen Geschicke der Stadt entscheidet!!

     
    • Udo Köhler

      Sehr geehrte Frau Decker.
      Ein Ausschuss, dessen Zusammensetzung übrigens nicht auf Ratsmitglieder beschränkt ist, dient in der Regel der Vorbereitung von Beschlüssen, der Meinungsfindung und hauptsächlich dem Austausch von Fach- und Sachverstand. Genau das ist im Kulturausschuss geschehen. Frau Bohr hat in ihrem Beitrag diesen sehr wohl als persönliche Meinung kenntlich gemacht, wenn das nicht in den Berichten über diesen Ausschuss genannt wird, kann Frau Bohr hieraus kein Vorwurf gemacht werden!

       
      • Besserwisser

        Die eigene Meinung kommt gut rüber, aber wo bleibt der zitierte Fach- und Sachverstand?
        Es ist wie so oft, weil Ausschüsse eben nicht nur aus Fachleuten besetzt sind, das Entscheidende fehlt dann und die eigene Meinung kann dem nicht untergeordnet werden.

         
        • Rainer Landele

          ihr nickname ist echt programm, oder?

           
          • Besserwisser

            Recherchieren Sie mal ordentlich und dann kritisieren Sie mich, wenn dann noch was übrig bleibt.

          • Stephan Jäger

            Nee, der sollte wohl eher Hinterhaltpöbler sein.

  3. Joachim Baron

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum die Stadt immer noch an diesem Mann {Sibelius} festhält. Er ist doch auf der ganzen Linie gescheitert, meiner Meinung nach auch künstlerisch. Jetzt darf er nicht mal mehr als Schauspieler auftreten und übers Geld darf er auch nicht mehr entscheiden. Was treibt den Stadtrat um? Angst vor der eigenen Courage Hrn. Sibelius vor die Tür zu setzen?

     
  4. Leonore und Dieter Hardes

    Anmerkungen zur Sitzung des Kulturausschusses der Stadt Trier vom 30.6.2016, hier TOP 1, sowie zur Sitzung vom 18.06.2016, von Leonore und Dieter Hardes
    (1) Die Tagesordnung und die Ereignisse im Vorfeld dieser Sitzung ließen einen spannenden Verlauf erwarten. Diese Erwartung wurde nicht erfüllt. Warum? Von Seiten des Kulturdezernats wurde zwar eine informative Präsentation zur finanziellen Entwicklung des Museums Simeonstift, des Kulturbürohaushalts und des Theaters der Stadt Trier von 2011-2015 vorgelegt. Die Aussprache hierzu hatte allerdings nach unserem Eindruck keinen zielführenden Charakter.
    Den Kern sollte die Finanzentwicklung des Theaters bilden, denn diese hatte eine deutliche Verschlechterung seit der Saison 2013/14 zu verzeichnen, das von den Akteuren nicht rechtzeitig erkannt worden war. Wie dramatisch verlief die Entwicklung? Hierzu ein naheliegender Verweis auf die geschätzten Besucherzahlen des Theaters:
    Saison 2013/14 112.000 Besucher 100 %
    Saison 2014/15 ca. 86.000 Besucher 76,8 %
    Saison 2015/16 ca. 63.000 Besucher 53,3 %.
    Diese für die Existenz des Theaters schockierenden Zahlen wurden verschwiegen; sie waren vielleicht auch den Akteuren nicht bewusst. Gleichwohl, die Besucherzahlen bilden entscheidende Indikatoren, die kurzfristig den Verantwortlichen vorliegen mussten!
    Wer hat die Existenz gefährdende Misere zu verantworten? Intendant Weber oder der neue Intendant Sibelius (vgl. die Präsentation, S. 13). Folgerung: Beide waren beteiligt, auf der Einnahmenseite besonders Sibelius sowie beide Intendanten auf der Ausgabenseite (Honorare, Krankheitshilfen im PC u.a.). Zumindest die Entwicklung der Einnahmenseite wäre nach unserer Ansicht frühzeitig erkennbar gewesen.
    Die Debatte im Kulturausschuss hat das weitgehend übergangen. Lediglich das Minus in 2015 wurde beiläufig erwähnt. Einige Ausschussmitglieder haben in der Konsequenz zur Vermeidung weiterer Finanzprobleme ein umfassendes regelmäßiges Reporting für den Ausschuss gefordert. Unsere These: Ein solches Reporting könnte sich auf die Vorlage zweier Indikatoren beschränken, die aktuelle Entwicklung der Besucherzahlen (im Vergleich zu Vorjahren oder zur Platzkapazität) und die größeren Posten außergewöhnlicher Ausgaben. Beide relevanten Daten müsste das Theater bzw. die Verwaltung auch ohne Berufung eines Direktors beim Theater regelmäßig zur Information des Dezernats und des Kulturausschlusses vorlegen können.
    Nochmals unsere These: Die Diskussion im Kulturausschuss vom 30.6.2016 verlief in breiter Streuung. Es fehlte eine klare Zielsteuerung, um dem Kernproblem, die Finanzentwicklung des Theaters und des Reportings hierzu, abzuhelfen. Kein Wort hierzu in der Debatte!
    (2) Die vom OB der Stadt Trier beantragte Maßnahme der Einführung des Direktors wurde im Ausschuss teilweise kritisiert. Kern der Kritik war eine etwas verwunderliche Verteidigung des Intendanten Sibelius, der seine vertraglichen Rechte als allein verantwortlicher Leiter des Theaters verteidigte. Den vertraglichen Vereinbarungen sollte, so diese Position, die Stadt Trier im Interesse der Befriedung am Theater folgen. Eindeutige Verantwortlichkeiten seien ein Funktionsprinzip beim Theater! Herr Sibelius äußerte, ein verantwortlicher Intendant brauche einen Vertrauensvorschuss der Öffentlichkeit von bis zu drei Jahren, bevor man über ihnen fundiert urteilen könne. Der Intendant bestand darauf, dass eine hierarchische Führungsstruktur beim Theater aus Effizienz- und Vertragsgründen erforderlich sei.
    Unsere Einwände: Die Wahl eines Intendanten bedeutet ohne Zweifel einen Vertrauensvorschuss, sie bedeutet aber keine Budgetgarantie, wie fälschlich im Ausschuss behauptet wurde. Trotz einer Unterfinanzierung des Theaters Trier im Vergleich zu anderen öffentlichen Theatern in RP, der Intendant bleibt auch unter den gegebenen Bedingungen der Unterfinanzierung des Trierer Theaters für aktuelle planabweichende Besucherzahlen, Einnahmen- und Betriebsverluste verantwortlich.
    Das Betriebsklima im Theater dürfte auch dem Kulturausschuss und dem Dezernenten nicht verborgen geblieben sein. Den Betrachter verwundert deshalb die Debatte zu Gunsten von Herrn Sibelius. Die permanenten betrieblichen Streitigkeiten können doch auch den Mitgliedern des Kulturausschusses und dem Dezernat nicht verborgen gebieben sein. Zugegeben, die Informationen von streitenden Akteuren am Theater werden immer einseitig sein (vgl. das Ereignisprotokoll verschiedene Akteure der Schauspielproduktion (Anarsson u.a.) vom 28.6.2016. Vergleiche auch die aktuellen Berichte in der lokalen Presse! Wie reagiert der Kulturausschuss? Ohren und Augen zu, nichts gewusst, so unser Eindruck von einer Mehrheit des Ausschusses!
    Zurück zum Antrag des OB: Der OB hat aus unserer Sicht den Ernst der Lage erkannt, anders als die eigentlichen Kulturmanager. Sein Antrag scheint daher strategischen Charakter zu haben. Eine in der Privatwirtschaft von Betrieben akzeptierte Vorstandsstruktur mit Sprecher, Finanzvorstand und einem weiteren Vorstand (ungerade Zahl von Vorständen zur Erhaltung der Entscheidungsfähigkeit bei internen Konflikten) gilt in der Wirtschaft vielfach als eine effiziente Betriebs- und Vorstandsstruktur. Warum gilt dieses Führungsprinzip nicht auch für einen künftig verselbstständigten Theaterbetrieb in der Rechtsform einer AöR , auch aus Gründen der Effizienz! Die Analogie zur Wirtschaft mag in der Kulturpolitik vielfach nicht gewünscht sein, aber Kulturmanagement geht nicht ohne Finanzen und Marketing und Besuchermanagement. Also erscheint ein mehrköpfiger Vorstand in einer künftigen Rechtsform einer AöR eine effiziente Struktur des Vorstands eines Theaterbetriebs. In dieser Ausrichtung sollte der Antrag des OB aus unserer Sicht betrachtet werden.
    Der Intendant als verantwortlicher Theatermanager hatte zu Beginn seiner Tätigkeit in Trier auch unser Vertrauen. Wir haben ihn mitgewählt, ein Beleg des erforderlichen Vertrauens. Aber unser Vertrauenskapital kann im Interesse der Lebensfähigkeit des Theaters Trier nicht unabhängig von aktuellen Erwartungen und Befürchtungen für die Zukunft bleiben, nicht zwingend über einen Zeitraum von mehreren Jahren, wenn sehr negative Entwicklungen am Theater das vorherige Vertrauen enttäuscht haben. Vertrauenskapital ist wesentlich abhängig von den aktuellen Erwartungen für die Zukunft. Wenn diese enttäuscht werden, muss das Vertrauenskapital in die Zukunft der Arbeit des Intendanten schwinden. Dann sind drei Jahre zu viel!
    Zurück zur Abschlusssaison des vorherigen Intendanten Weber: Nach einer guten Entwicklung des Theaters Trier in den Vorjahren drehten sich die Besucherzahlen und die Einnahmen zuletzt unter Herrn Weber in eine negative Tendenz. Im öffentlichen Teil der Sitzung des Kulturausschusses vom 15.7.2015 verabschiedete sich Herr Weber in seinem abschließenden Bericht zur Theatersaison 2014/15 mit lediglich zwei Sätzen, ohne die negative Entwicklung vorzutragen und zu erläutern. Die Fraktionen sprachen Herrn Weber trotz dessen erkennbar lustlosem Auftritt Dank und besondere Wertschätzung aus (vergleiche das Ratsinformationssystem der Stadt Trier, Sitzung des Kulturausschusses vom 15.7.2015). Mit Verlaub: Entspricht ein solches Verfahren einem funktionalen Reporting-System eines Noch-Intendanten? Wir haben diesen Ablauf als Zumutung für die Ausschussmitglieder empfunden. Warum hat sich kein Widerspruch erhoben?
    (3) Zur vorherigen Sitzung des Kulturausschusses vom 18.6.2016. Hauptthema: Zur finanziellen Lage des Theaters; Vorlage eines Strategiepapiers des Intendanten, Theater Trier-eine Analyse (ohne Datum).
    Die prekäre Finanzsituation des Theaters Trier in 2015 (ca. 1 bis 1,3 Mio. Euro Betriebsverluste und im 2016 (weitere ca. 1,3 Mio. Euro erwartete Verluste) war im Vorfeld bekannt geworden. OB Leibe hatte daraufhin eine Haushaltssperre im Bereich aller freiwilligen Leistungen eingeleitet und die Besetzung der Stelle eines Verwaltungsdirektors beim Theater angekündigt. Im Verlauf der Sitzung wiesen der Kulturdezernent und der Intendant darauf hin, dass die Defizite ihrerseits nicht früher bekannt gewesen seien. Die Finanzbuchhaltung der Stadt habe die finanziellen Daten des Theaters nicht früher erkennen lassen.
    Die anschließende Debatte im Kulturausschuss betraf zunächst die Frage, warum die Zahlen erst jetzt bekannt geworden seien. Beklagt wurde ein fehlendes Software-System mit realtime-Finanzdaten der Stadtverwaltung. Das stehe in der Privatwirtschaft im jedem mittelgroßen Betrieb zur Verfügung, um tagesaktuelle Daten die operativen Verluste bzw. Überschüsse zu erhalten.
    Anmerkung: SAP bietet mit seiner Software SAP ERP zwar solche Systeme im realtime-Modus an. Doch die organisatorischen Aufwendungen für eine große und differenzierte Stadtverwaltung zur Einführung eines solchen Finanz und Buchungssystems wären erheblich. Die Stadt Trier besitzt nach Angaben des Finanzreferats die Vorgängerversion der Software SAP /R3, die die gewünschten aktuellen Finanzdaten für die Abteilung nicht liefern kann.
    Mit Nachdruck wurde von Seiten des Kulturausschusses ein aktuelles Finanz-Reportsystem verlangt (vergleiche unsere oberen Hinweise).
    Herr Sibelius zeigte sich im Übrigen vor dem Kulturausschuss sehr betroffen von der aktuellen negativen Berichterstattung in der Presse über seine Person. Ein Verschulden durch sein Verhalten als Theatermanager wies er zurück.
    Wegen der ausführlichen Debatte zu fehlenden aktuellen Finanzdaten wurde das Strategiepapier des Intendanten – trotz der Wichtigkeit der Vorlage – aus zeitlichen Gründen im Kulturausschuss nicht diskutiert. Diese Diskussion wurde auf einen späteren Termin einer Ausschusssitzung verwiesen.
    gez. Leonore und Dieter Hardes

     
  5. Leonore und Dieter Hardes

    Kommentare zu unseren Anmerkungen in positiver wie auch in negativer Hinsicht sind erwünscht.

     
  6. Anna Majewski

    Herr und Frau Hardes, vielen Dank für die ausführliche Analyse, welche das ganze Ausmaß der Unfähigkeit der Verantwortlichen in Stadtrat und im Theater offenbaren. Dieser Noch-Intendant hätte NIE ins Amt gehievt werden dürfen. Sie beide haben, bei allem Respekt, daran auch ein Aktie, wenngleich Sie nun hier so vorbildlich die Misstände aufdecken. Nun wäre es Ihre Aufgabe, alles zu tun, damit dieses traurige Kapitel am Augustinerhof bald geschlossen wird. Am Haus brodelt es, die Mitarbeiter haben den Noch-Intendant gefressen, wie man so sagt. Entgegen der von ihm selbst verbreitetn Lobes-und Beistandshymnen a la DDR. Womöglich noch selbst verfasst…..

     
    • Besserwisser

      Vollste Zustimmung.
      Gute Zusammenfassung der Vorgänge, aber leider scheint es, außer dass noch eine Hilfskraft, die sicher auch im wirtschaftlichen Bereich notwendig ist, hinzugezogen wird, nichts zu tun.

       
  7. Theaterbesucher

    Besonders weil die Finanzsituation für Theater Trier so schwierig ist, braucht es dedizierte Experten auf beiden Bereichen. Ein künstlerischer und ein kaufmännischer Direktor. Diese Entscheidungsträger sollten sich mit Trier in besonderem Masse indentifizieren, die Menschen und ihre Lebensart kennen, um daraus die richtigen Strategien fuer das Theater Trier zu finden und umzusetzen.

    Der neue kaufmännische Direktor, wenn ernannt, sollte über und nicht gleichberechtigt oder “zur Seite gestellt” zu dem künstlerischen Direktor Entscheidungen treffen können und zudem juristisch kompetent sein (e.g. Verträge). Die kaufmännische Seite sollte das letzte Wort in Entscheidungen haben. Kunst hat die Fähigkeit sich dem Finanziellen aufgrund ihrer Kreativität anzupassen. Es geht derzeit leider vorrangig um das Ueberleben des Theaters.

    Man sollte auch dem Personal Finanzentscheidungen von grossem Umfang transparent darlegen und den Mitarbeitern die Möglichkeit eines anonymen (ehrlichen) Feedback ermöglichen. Einige der Leute sind lange im Theater dabei mit viel Erfahrung. Ihr Feedback könnte helfen richtige Entscheidungen zu treffen oder neue Wege zu entdecken. Letztendlich sägen die Direktoren nicht nur an ihrem Ast, sondern riskieren viele Arbeitnehmer des Theaters und der Zulieferer in Arbeitslosigkeit zu senden.

    Der künstlerische Direktor sollte sich bei einem geplanten Neustart in Doppelspitze nicht kontraproduktiv verhalten, sondern vielmehr den neuen kaufmännischen Direktor maximal unterstützen. Nur wenn die zwei neuen Führungskräfte ein loyales Team bilden, ohne sich in Konkurrenz zu sehen (d.h. kein Neid, kein Kompetenzgerangel, keine Zwistigkeiten) kann dem Theater geholfen werden.

    …und mehr Kontrolle durch professionelles Managment solange wie das Theater dermassen aus der finanziellen Schiene herausfällt: Alle Stadtratsmitglieder oder ein definierter Auschuss (Mitglieder bitte “gut durchmischt” besetzen) sollten vom kaufmännischen Direktor des Theaters jeden Monat einen verständlichen Report erhalten (Präsentation/Diskussion) in dem die Ausgaben/Einnahmen, die Finanz-Entscheidungen (mit fundierter Begründung) klar zusammengefasst sind. Ebenso sollte ein 6 Wochen Ausblick der geplanten Investitionen und Projekte, Verbesserungen und Problemlösungen vorgelegt werden. Offen sollten ungelöste Probleme genannt werden mit potentiellen Lösungsvorschlägen und der Stadtrat/Kontrollgremium somit frühzeitig mit eingebunden sein. Der künstlerische Direktor sollte ebenso in der Lage sein monatlich ein 4 wöchiges Résumé zu geben und den 6 Wochen Ausblick. Dieser künstlerische Report sollte die Publikumszahl in Relation zu den geplanten Aktionen und Aufführungen des Theaters beinhalten e.g. mit Begründungen warum gerade diese künstlerische Aktion die Attraktivität des Theaters beim Trierer Publikum steigert. Ebenso sollten die Besucherzahlen diese künstlerische Ausarbeitung untermauern. Auch hier sollten Probleme dem Stadtrat offen gelistet und genannt werden sowie Lösungsvorschläge dem Gremium dargelegt werden. Nur wenn Probleme und Blockaden richtig erkannt, bewertet und frühzeitig als solche im Gremium behandelt werden, kann auch ein guter Weg fuer Theater Trier gefunden werden.

    Ich empfehle dem Stadrat mit den neuen Direktoren konkrete Ziele zu definieren.
    Danach sollte nach der Scrum-Methode diese Projektpakete gemanaged werden.

     
  8. Volker Zemmer

    Hier auf einem Onlineportal sind in den paar Tagen mehr gute Ideen und Vorschläge zusammengekommen als die Parteien in den ganzen letzten Wochen zustande bekommen haben. Das macht nachdenklich, da es zeigt, dass die guten Leute längst nicht mehr in den Parteien sind, die aber immer noch die Richtung vorgeben. Die Diskussion ist vom Trier-Reporter zum Glück angestoßen worden, auch wenn man über den Stil immer streiten kann und sollte jetzt bitte nicht wieder einschlafen, nur weil man glaubt mit dem Verwaltungsdirektor die eierlegende Wollmilchsau gefunden zu haben. Da kann man Herrn Schneider nur Recht geben.
    Ich sehe die Zukunft in “Bürgerräten”, in welchen sich Sachverstand sammelt, und nicht mehr in Ausschüssen, die von Parteien mit Mitgliedern von zweifelhafter Fach- und Sachkenntnis besetzt werden. Das Beispiel Theater hat nun leider schmerzhaft gezeigt, dass die bisherige Form der “Willensbildung” absolut versagt hat! Hinzu kommen die “Unbelehrbaren” wie Frau Kewes und Frau Kohrs, die dem Intendanten sicher noch am Tag der Schließung des Theaters die Stange halten würden.

    @Familie Hardes
    Vielen Dank für die zusätzlichen und umfassenden Informationen, die sehr aufschlussreich sind.

     
  9. Marco Berweiler

    Bevor man überhaupt weiter über eine Sanierung und den benötigten Platzbedarf nachdenkt, muss man erst mal feststellen, wie sich die Zahl der Theater-Besucher in den nächsten 10, 20, 30 oder gar mehr Jahren entwickeln wird.

    Es gehen tendenziell mehr ältere als jüngere Leute ins Theater, weil jüngere Leute nunmal “Kultur” eher anders definieren und auch andere Ansprüche und Wünsche an die Kultur und deren Spielstätten sowie an ihre eigene Freizeitgestaltung stellen.

    Somit entstand eine recht Lücke beim “Besucher-Nachwuchs”.

    Und dieser Trend dürfte sich künftig eher noch verstärken, wenn hier nicht rechtzeitig und nachhaltig gegengesteuert wird.

    Also bitte erst einmal belastbare Fakten schaffen, und dann kann man weitersehen, wieviel Spielfläche etc. dauerhaft überhaupt benötigt wird und ob ggfs. ein komplett anderer Theater-Standort mehr Sinn machen würde.

    Man darf schließlich nicht vergessen, dass das Grundstück am jetzigen Standort auch ein “Filet-Stück” für Investoren ist …

     
    • Stephan Jäger

      …wobei man wiederum nicht vergessen darf, dass „Investoren“ hauptsächlich wenn nicht ausschließlich den eigenen Vorteil (und vielleicht noch die Rendite von ein paar Aktionären) im Sinn haben. Und eher weniger das Gemeinwohl oder eine schöne, lebenswerte Stadt.

      Gut etwa, dass die Pläne (oder soll man lieber sagen, die Horrorvorstellung?) einer sich von der Europahalle bis zum Augustinerhof erstreckenden seelenlosen Shopping-Mal einstweilen wieder vom Tisch sind!

       
  10. Marco Berweiler

    es versteht sich von selbst, dass die Stadt Trier hier entsprechend sinnvolle und notwendige städtebauliche Vorgaben an einen möglichen Investor machen muss …

     

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