Theater Trier – Neues von der Anstalt

Thomas Egger kann dem Stadrat erst im kommenden Jahr sein Papier zur neuen Rechtsform des Theaters vorlegen.

Thomas Egger kann dem Stadtrat erst im kommenden Jahr sein Papier zur neuen Rechtsform des Theaters vorlegen.

TRIER. Die Umwandlung des Trierer Theaters in eine neue Rechtsform nimmt konkrete Formen an. Am Dienstagabend lag den Mitgliedern des Kulturausschusses ein entsprechendes Papier in nichtöffentlicher Sitzung vor. Demnach soll das Theater nun definitiv in eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) überführt werden. Dezernent Thomas Egger hatte dies schon Anfang Oktober gegenüber dem reporter angedeutet. Hinsichtlich des möglichen Theaterneubaus am Augustinerhof, der von Egger favorisiert wird, gibt es nach reporter-Informationen noch keinen neuen Sachstand. Der Berliner Architekt Professor Jörg Springer ist derzeit dabei, ein Neubau-Konzept zu erarbeiten. Weiterhin bewegt sich die Kostenspanne zwischen 25 Millionen Euro und der Schmerzgrenze von 40 Millionen Euro. Die beiden jüngsten Projekte des Theaters, “Gott mit uns?” und “Theater Total” erfüllten bei den Zuschauerzahlen nicht die Erwartungen. Die Stadt muss hier Geld zuschießen, um das Defizit aufzufangen.

Die Gründung der neuen Rechtsform für das Trierer Theater wird sich jedoch bis ins kommende Jahr hinziehen. Denn den Mitgliedern des zuständigen Kulturausschusses ging die Vorlage aus dem Dezernat Egger erst am Montagabend zu. Folglich fehlte die Zeit, sich bis zur heutigen Sitzung eingehend mit dem Thema zu befassen. Damit muss das entsprechende Papier im Januar erneut zur Beratung in den Ausschuss. Zuvor jedoch müssen sich ferner die Fraktionen und auch der Steuerungsausschuss mit Eggers Vorlage befassen. Der tagt am 11. Dezember zum letzten Mal in diesem Jahr. Ursprünglich wollte Egger dem Stadtrat noch in diesem Jahr seinen Entwurf zur Abstimmung vorlegen. Doch der Zeitplan ist nicht einzuhalten.

Denn erst nach der zweiten, dann endgültigen Beratung im Kulturausschuss, voraussichtlich Ende Januar, kann der Dezernent seine Vorlage in den Rat einbringen. Zweifel an der Zustimmung der Gremien und Fraktionen gibt es im Rathaus jedoch nicht. Denn auch der Personalrat hat sich klar für die AöR als neue Rechtsform ausgesprochen. Das Theater würde somit zwar aus der Verwaltung gelöst, bliebe jedoch – analog zu den Stadtwerken – eine hundertprozentige Tochter der Stadt. Mit der AöR will Egger dann die Planungen für den Neubau des Kulturhauses am Augustinerhof angehen. Für den künftige Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) ist der Fahrplan klar: Er will bis zum Herbst 2015 ein zuschussfähiges Konzept in Mainz einreichen. Egger selbst hatte die Schmerzgrenze für die Kosten des neuen Hauses auf 40 Millionen Euro festgelegt. Die Kostenschätzungen schwanken derzeit zwischen 25 und den von Egger als Höchstgrenze benannten 40 Millionen Euro.

Kultur wird in Trier ein Zuschussgeschäft bleiben. Die beiden jüngsten Projekte des Theaters belegen das. Für “Gott mit uns?” und “Theater Total” muss die Stadt Geld zum Ausgleich des Defizits locker machen. Verwaltungsdirektorin Heidi Schäfer präsentierte am Dienstag extrem rote Zahlen. So lag die Auslastung beim Weltkriegsprojekt in Zusammenarbeit mit der Universität bei nur 15 Prozent. Die erste Vorstellung im Großen Haus sahen 261 Besucher, bei der Schulvorstellung waren gar nur 81 Schülerinnen und Schüler zugegen, obwohl laut Intendant Gerhard Weber alle Schulen angeschrieben worden seien. “Das ist fast schon ein Skandal”, sagte CDU-Fraktionschef Dr. Ulrich Dempfle in einer ersten Reaktion auf die Zahlen. “Für mich heißt das”, so der Christdemokrat, “dass wir vor allem die Schulleiter bei solchen Projekten viel stärker einbinden müssen.” Die erschreckend schwache Resonanz habe jedoch nichts mit der “hervorragenden Arbeit des Theaters” zu tun.

Paradigmenwechsel durch politischen Wechsel

Kosten von rund 53.000 Euro bei “Gott mit uns?” stehen Einnahmen von lediglich 2.600 Euro gegenüber. 79 Prozent des Defizits trägt das Land. Bei der Planung war das Rathaus noch von einer vollständigen Deckung des Defizits durch das Land ausgegangen. “Damit hatten wir gerechnet”, sagte Schäfer. Jetzt muss die Stadt für das Weltkriegsprojekt gut 10.000 Euro aus eigener Tasche zuschießen. “Trotzdem war es wichtig, dass wir dieses Projekt angeboten haben”, betonte Markus Nöhl, der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, “weil darin auch Parallelen zur heutigen politischen Kultur aufgezeigt wurden.” Einige waren sich die Sprecher aller Fraktion darin, dass vor allem die Zusammenarbeit mit den Schulen und Hochschulen verbesserungswürdig sei.

Auch beim Projekt “Theater Total” in der grenzübergreifenden Kooperation mit Frankreich, Luxemburg und Belgien muss die Stadt Geld zuschießen. Hier lag die Auslastung dank des Auftritts der französischen Weltstars Jane Birkin und Michel Piccoli, die in Trier Werke von Serge Gainsbourg vorgetragen hatten, zwar bei 39 Prozent. Doch den Kosten von rund 90.000 Euro stehen Einnahmen von nur 6.800 Euro gegenüber. Gut 84 Prozent des Defizits übernimmt das Land. Darin enthalten sind bereits die Mittel aus der EU-Förderung für die europäische Zusammenarbeit. Rund 13.000 Euro muss die Stadt zur Finanzierung allerdings selbst aufbringen. “Ich hatte mir deutlich mehr Zuspruch und damit auch eine bessere Resonanz erhofft”, äußerte sich Weber. Mit den künstlerischen Inhalten war der Trierer Intendant allerdings “mehr als zufrieden”.

Das Theater Trier - der Neubau soll kommen.

Das Theater Trier – der Neubau soll kommen.

Gerade das Projekt “Theater Total” zeigt, welche Stolpersteine den Erfolg verhindern. Trotz des 2008 gegründeten Vereins “Kulturraum Großregion” klaffen Anspruch und Wirklichkeit in der Kooperation zwischen Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Luxemburg, Lothringen und der Wallonie oft weit auseinander. “Gerade in diesem Jahr unserer Präsidentschaft ist die Zusammenarbeit schwieriger geworden”, sagte Egger. So habe etwa der Regierungswechsel in Luxemburg von Jean Claude Juncker zu Xavier Bettel auch zu einem Paradigmenwechsel in der dortigen Politik geführt. “Der Eindruck entsteht, dass die Administrative nach so einem einschneidenden Erlebnis erst einmal tief Luft holen muss”, so Egger. Das wirke sich auch nachteilig auf die kulturelle Zusammenarbeit aus.

Ferner stehen dem Verein beileibe keine unbegrenzten Mittel zur Förderung kultureller Projekte zur Verfügung. Das Saarland, Luxemburg und Rheinland-Pfalz bringen rund 20.000 Euro in den gemeinsamen Topf ein. Vom rheinland-pfälzischen Anteil trägt das Land 15.000 Euro, die Stadt Trier 5.000 Euro. Lothringen und die Wallonie schießen rund 12.000 Euro zu. Das reicht, um die Kosten zu decken, nicht aber, um große länderübergreifende kulturelle Sprünge zu machen. “Wir müssen unbedingt neue Finanzquellen erschließen”, sagte Egger, “etwa über Stiftungen in Luxemburg.” 2014 seien so bereits 32.000 Euro zusätzlich akquiriert worden.

Doch das fehlende Geld ist nicht das einzige Problem, das den schwungvollen kulturellen Austausch in der Großregion behindert. So warten die Künstler auf beiden Seiten der Grenzen trotz der Absichtserklärungen der Politik nach wie vor auf die Harmonisierung der rechtlichen Bedingungen – etwa beim Versicherungsschutz. Das verhindert auch die Mobilität der Künstler in der Großregion. “Das Interesse an einer weitaus stärkeren Kooperation ist ungebrochen”, so Egger, “leider sind die Rahmenbedingungen immer noch nicht so, wie wir sie uns wünschen.” (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Kultur, Politik Kommentare deaktiviert für Theater Trier – Neues von der Anstalt