Theater Trier – Regisseure für Frötzschner

Auch Thorleifur Örn Arnasson, Regisseur von "Ur_" und "Molière" spricht sich für die Rückkehr von Schauspieldirektor Ulf Frötzschner ans Theater aus.

Auch Thorleifur Örn Arnasson, Regisseur von “Ur_” und “Molière”, spricht sich für die Rückkehr von Schauspieldirektor Ulf Frötzschner ans Theater aus.

TRIER. Elf Regisseure des Trierer Theaters sprechen sich in einem Brief an Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Kulturdezernent Thomas Egger (beide SPD), an den Kulturausschuss und den Personalrat für die Rückkehr des gefeuerten Schauspieldirektors Ulf Frötzschner ans Theater aus. In dem Schreiben, das dem reporter vorliegt, beklagen die Künstler “unsachgemäße und chaotische Arbeitsbedingungen” am Theater unter der Leitung von Intendant Karl Sibelius sowie ein Arbeitsklima, das von “zunehmender Verunsicherung, Druck und zwischenmenschlichen Spannungen geprägt” sei. Frötzschners Rauswurf “bedeutet für uns den Wegbruch einer Leitungsfigur, die für unsere Arbeit von elementarer Bedeutung ist”, heißt es in dem Brief, der unter anderem von Thorleifur Örn Arnasson (“Ur_” und “Molière”) sowie Christina Friedrich (“Der Zauberberg”) unterzeichnet ist. Frötzschner hat Kenntnis von dem Schreiben, wollte sich am Montagmorgen gegenüber dem reporter zum schwebenden Verfahren aber nicht weiter äußern. Sibelius ist seit seiner Entmachtung durch Oberbürgermeister Leibe auf Tauchstation. Ein geplantes Interview mit dem Saarländischen Rundfunk ließ der Österreicher in der vergangenen Woche platzen.

Die Regisseure Thorleifur Örn Arnasson, Sabine Auf der Heyde, Bettina Bruinier, Alice Buddeberg, Damian Dlaboha, Christina Friedrich, Wojtek Klemm, Lara Luisa Scherpinski, Marco Storman, Julia Wissert und Marc Wortel appellieren an die “Verantwortung” der Adressaten: “Wir bitten Sie inständig und zeitnah, Voraussetzungen zu prüfen, die eine Rückkehr Ulf Frötzschners an das Schauspiel Trier ermöglichen.” Der Thüringer arbeite ausschließlich für die künstlerischen Inhalte, er begegne Regisseuren auf Augenhöhe, schaffe geschützte Freiräume, “in denen wir unsere Inszenierungen entfalten können”, gebe Rückendeckung und sei “ein unaufhaltsamer, energetischer, positiver Arbeitsmotor für die gesamte Sparte”. All dies sei “in unserer Branche keine Selbstverständlichkeit und für uns von großem Wert”.


Zum Thema − Die Gretchenfrage


Letztlich sei Frötzschner der ausschlaggebende Grund dafür gewesen, dass sie sich als Regisseure für die Zusammenarbeit mit dem Theater Trier entschieden hätten. Die Inszenierungen des entlassenen Schauspieldirektors in der aktuellen Spielzeit hätten dem Trierer Schauspiel “sowohl regionale als auch überregionale Aufmerksamkeit und in Fachkreisen Anerkennung” eingebracht.

Christina Freiedrich inszenierte in Trier den Publikumserfolg "Der Zauberberg".

Christina Freiedrich inszenierte in Trier den Publikumserfolg “Der Zauberberg”.

Ähnlich hatte sich auch der Großteil des Schauspielensembles in seinem Schreiben vom 30. Mai an den Kulturausschuss, das dem reporter ebenfalls vorliegt, geäußert – noch vor der Entlassung des Schauspieldirektors. Darin hatten die Schauspieler den “bereits seit Monaten anhaltenden Konflikt” zwischen Frötzschner und Sibelius beklagt. Dieser zehre an “den Kräften, welche wir eigentlich in die künstlerische Arbeit investieren wollen”. Frötzschner sei zudem fälschlicherweise die alleineige Schuld am Eklat bei der Absage des Stückes “Die Rote Wand” zugeschoben worden. Eine vom Rathaus angeregte Mediation zwischen Schauspieldirektor, Intendant und Ensemble zur Beilegung der Konflikte habe trotz mehrerer Hinweise nicht stattgefunden.

Sibelius hatte Frötzschner nach dem Eklat um die Absage der geplanten Inszenierung von “Die Rote Wand”, die gesellschaftliche und mediale Mechanismen rund um den Fall der Trierer Studentin Tanja Gräff künstlerisch aufgreifen sollte, entlassen. Kulturdezernent Egger hatte zuvor “personalrechtliche Konsequenzen” für den Schauspieldirektor angekündigt und auch gefordert. Seit Frötzschners Entlassung ist der Trierer Intendant auf Tauchstation. Ein geplantes Interview mit dem Saarländischen Rundfunk, in dem Sibelius sich auch zu seiner Entmachtung durch Oberbürgermeister Leibe äußern sollte, ließ der Österreicher in der vergangenen Woche platzen. Der Sender veröffentlichte daraufhin eine eigene Analyse zu den Turbulenzen rund um das Theater Trier. (et)


Drucken
Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Kultur 5 Kommentare

5 Kommentare zu Theater Trier – Regisseure für Frötzschner

  1. Anna Majewski

    Typisch Trier- man schreibt sich Briefe. Statt den Verursacher sang-und klanglos davonzujagen.Hat nicht mal der OB denn Mumm hier durchzugreifen? Die Entmachung im Finanzbereich kann nur ein erster Schritt sein- er möge die Spielzeit zu Ende bringen und dann PFÜATI!

     
  2. trimpop

    ELF Regisseure am Theater Trier? Haben die da wirklich alle was zu tun?

     
  3. opernbesuchter

    Von den elf Regisseuren, sind einige gar keine Regisseure und mehr als die Hälfte von den Unterzeichnern hat noch nie am Theater Trier gearbeitet. Von den 4 Regisseuren, die hier gearbeitet haben, sind zwei bereit in der nächsten Spielzeit wieder nach Trier zu kommen. Pseudo Solidarität. Peinlich

     
    • Schauspielbesuchter

      Sie Irren, es befindet sich zwar eine Kostümbildnerin unter den Unterschriften, die hat aber beim Zauberberg in Trier gearbeitet. Es handelt sich aber sonst um den eigentlich angedachten Regisseur für Zauberberg. Die anderen sind die Regisseure von Moliere, Zauberberg, Der Messias, Wovor hast du eigentlich Angst, Caligari, Nero und Wintermärchen. 3 Regisseure stehen nächste Spielzeit auf dem Spielplan. Wenn sie sich ein bisschen auskennen würden, dann würden sie wissen, das Spielpläne und die Arbeit mit und an einem Theater für Regisseure und Teams lange vor dem Probenbeginn beginnen, mindesestens ein Jahr, wenn nicht sogar noch länger.

       
  4. trimpop

    Ich vermute, dieses ganze Debakel ist von Sibelius genauso geplant worden. Der Plan ist, darüber ein Stück zu schreiben, nennen wir es “das graue Haus”, und es nach dem überfälligen Rausschmiss bzw. Rücktritt in Trier beim nächsten Provinztheater, das Sibelius noch verpflichten will, aufzuführen.

     

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.