Theater Trier – Schauspieldirektor Ulf Frötzschner geht

Ist nicht mehr Schauspielchef am Trierer Theater: Ulf Frötzschner.

Ist nicht mehr Schauspielchef am Trierer Theater: Ulf Frötzschner. Foto: Theater Luzern

TRIER. Ulf Frötzschner ist nicht mehr Schauspieldirektor am Theater Trier. Was sich in den vergangenen Wochen bereits angedeutet hatte und durch den reporter öffentlich gemacht wurde, ist jetzt Tatsache: Mit Wirkung vom 31. Mai, so heißt es in einer internen Hausmitteilung, ist der gebürtige Thüringer Frötzschner nicht mehr für das Schauspiel am Kulturhaus zuständig. Intendant Karl Sibelius übernimmt ab sofort kommissarisch die Leitung die Schauspielsparte. Frötzschner wollte sich am Abend gegenüber dem reporter zum Sachverhalt nicht äußern. Kulturdezernent Thomas Egger (SPD) und Intendant Sibelius waren am Abend trotz mehrmaliger Versuche für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Am Sonntag noch hatte Markus Nöhl, der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, gegenüber dem reporter angemahnt, in Zukunft müsse “mehr Ruhe” im Theater einkehren. Das wird ein frommer Wunsch des Sozialdemokraten bleiben, zumal Nöhls Forderung in völliger Unkenntnis der tatsächlichen Sachlage hinsichtlich des personellen Binnenverhältnisses im Kulturhaus am Augustinerhof erfolgte. Intendant Sibelius, so mutmaßen Kenner der Kulturszene schon seit Wochen, suche Schuldige, weil ihm selbst das Wasser bis zum Hals stehe. Frötzschner könnte einer dieser Schuldigen sein, die nun über die Klinge springen müssen.


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Sibelius holte Frötzschner aus Luzern. Der gebürtige Thüringer sei die Wunschlösung des neuen Intendanten als Schauspielchef, hieß es im Juni 2014 in Presseberichten. Frötzschner und Sibelius hatten auf einer gemeinsamen Bahnfahrt Zukunftspläne für das Trierer Theater geschmiedet. Fortan reiste Frötzschner durch die Lande, holte durch seine Beziehungen Schauspieler aus Wien, Berlin und auch aus Luzern nach Trier. Doch spätestens im Sommer 2015 begann der Kleinkrieg zwischen dem neuen Schauspielchef und seinem Intendanten. Frötzschner ging immer wieder in Opposition zum Intendanten; der verzieh ihm das nicht.

Trotz des reduzierten Ensembles zeichnete Frötzschner für Publikumsmagneten wie “Der Zauberberg” verantwortlich. Zudem kam der Thüringer ohne teure Gastverpflichtungen aus und blieb somit im Etat. Doch die Chemie zwischen dem Intendanten und seinem Schauspielchef wurde immer vergifteter. Zuletzt wurde Frötzschner nicht einmal mehr zu Mitarbeiterversammlungen hinzugezogen. Im Februar 2016 lag dem Schauspieldirektor ein Auflösungsvertrag vor, den er allerdings nicht unterzeichnete. Demnach sollte das Vertragsverhältnis am 31. Juli 2017 ohne weitere gegenseitigen Verpflichtungen enden. Sibelius hatte Frötzschner zuvor abmahnen lassen.


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Der Dauerstreit eskalierte erneut, als Sibelius das geplante Stück “Die rote Wand” aus dem Spielplan für die kommende Saison streichen musste. Die Inszenierung sollte gesellschaftliche und mediale Reflexe vor dem Hintergrund des Falles “Tanja Gräff” beleuchten. Die Mutter der verschwundenen Trierer Studentin war mit dem Stück nicht einverstanden. Scharfe Proteste, vor allem in den Netzwerken, veranlassten Sibelius schließlich, das Stück zu streichen.

In knapp zehn Monaten hat sich vieles geändert am Theater Trier.

In knapp zehn Monaten hat sich vieles geändert am Theater Trier.

Frötzschner hatte Gräffs Mutter zwar telefonisch und per E-Mail kontaktiert, das offizielle Einverständnis der Mutter fehlte aber, wobei das Theater rein rechtlich auf der sicheren Seite war. Sibelius selbst hatte das Projekt zuvor im Kulturausschuss präsentiert. Dort hatte es keinen Widerspruch der Gremiumsmitglieder gegeben. Nach der Absage machte der Intendant Frötzschner für den Eklat allein verantwortlich.

Frötzschner ist nicht der erste umstrittene Personalfall in der kurzen Amtszeit des Österreichers. Bereits vor Saisonbeginn wurde eine Spartenleiterin abgefunden. Ähnlich erging es der als Marketingleiterin vorgesehenen Mitarbeiterin. Sie klagt inzwischen gegen die Stadt und das Theater. Im März entließ Sibelius den Opernsänger Christian Sist fristlos. Auch er klagt inzwischen gegen die Stadt und seine Entlassung. Der stellvertretende Intendant und Chefdisponent Tobias Scharfenberger verließ von sich aus das Theater. Auch Scharfenbergers Verhältnis zum Intendanten galt zuletzt als nachhaltig gestört. Bereits zuvor hatte Sibelius sich mit Dirk Eis überworfen, der in der noch zu gründenden Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) als stellvertretender Intendant für Finanzen vorgesehen war. Eis wechselte schließlich zurück ins Rathaus.

Kulturdezernent Thomas Egger (SPD) hatte jüngst “personalrechtliche Konsequenzen” für den Schauspielchef angekündigt und gefordert. Nun droht nach der Entlassung Frötzschners allerdings eine weitere Klage, die dann eine enorm hohe öffentliche Wirkung nach sich ziehen und zu einem neuen, möglicherweise irreparablen Imageschaden für das Theater führen könnte. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Kultur 14 Kommentare

14 Kommentare zu Theater Trier – Schauspieldirektor Ulf Frötzschner geht

  1. Jürgen Neumann

    Ich würde mal sagen: Bauernopfer !

     
  2. Veronika

    Natürlich ist das das Bauernopfer. Die Verantwortung liegt beim Intendanten.Der hat sich ja bei Frau Gräf entschuldigt, wie er im OK 54 berichtet hat. Auf die Frage, wie denn Frau Gräf reagiert habe sagte er , dass er das nicht wisse, weil er ihr auf den Anrufbeantworter gesprochen habe. Da fehlen einem die Worte!!

     
  3. Anna Majewski

    Die Tage von Karl Maier Sibelius als Intendant und Alleinherrscher dürften gezählt sein.Das Vertrauen scheint in großen Teilen tief erschüttert.

     
  4. Dr. Norbert Fischer

    Ich denke mal, daß jetzt klar ist was für einen Streithansel sich Trier mit Herrn “Dr.” Sibelius eingehandelt hat. Das einzige, was am Theater Trier raketenmäßig abgeht ist Arbeit für Juristen…..

     
    • Anna Majewski

      Trier wird für diese Fehlentscheidung schwer bluten- diese Summen stehen in keinem Verhältnis zu dem “innovativen Theatersegen”, der über die Bürger kommen sollte. Die Liste mit den Abfindungssummen (Vom zerschlagenen Weber-Ensemble plus die aus den laufenden Personal-Tragödien) sollte vom Landesrechnungshof dringend angefordert werden und weitere Personalkonsequenzen nach sich ziehen. Es dürften einige 100.000de gehen, welche der … zu verantworten hat.

       
  5. B. Morgen

    Ich warte immer noch drauf, dass die Herren und Damen Politiker in Trier sich rühren. Nachdem der TV nun die Sache auch “richtig” aufgegriffen hat, sollte man doch meinen, dass da ein paar der sonst so in eigener Sache fleißigen Politiker mal aus der Deckung kommen. Aber nein, immer noch Schweigen im Walde. Aussitzen ala Kohl, ist das jetzt die neue Trierer Tugend?

     
  6. walter sobchack

    vielleicht hat der “dr” das mit den sanierungskosten nicht verstanden … das geld soll für das gebäude und nicht für personalstreitereien ausgegeben werden …

     
  7. Anna Majewski

    Die böse unerwünschte Parteienalternative hatte in diesem Fall den Finger auf der Wunde, darf aber aus Prinzip nicht rechthaben. Besser verbrennen die Veranwortlichen noch viel weiteres öffentliches Geld, statt dem Theaterschreck ein rasches Ende zu bereiten. Käme allerdings einem Eingeständnis eigenen Versagens gleich. Und das fällt schwer, mal zuzugeben ins WC gegriffen zu haben.

     
  8. Dr. Norbert Fischer

    In Trier gibts jetzt großes Theater. “Des Kaisers neue Kleider” wird zelebriert. “Dr.” Karl Sibelius persönlich in der Rolle der Kleider.

     
    • Stephan Jäger

      Das Stück wird doch in unserer „Weltstadt“ seit über 30 Jahren in Endlosschleife aufgeführt. Früher in der Hauptrolle des Schneiders: Ein berühmter in der Eifel geborener und inzwischen dahingeschiedener Baumeister.

      Selbst die Klamotten sind bis heute nicht vollständig bezahlt.

       
  9. Ehriker

    In anderen Unternehmen ist es Alltag, dass Führungspersonal aus welchen Gründen auch immer ausgetauscht wird. In der Politik ebenso. Warum nur dann diese Aufregung bei unserem Theater, dass doch sehr gute Arbeit macht und viele neue vor allem junge Besucher anzieht? Neue Konzepte brauchen Zeit und manchmal auch Geld. Über der ganzen Diskussion wird die dringend notwendige Sanierung des Gebäudes völlig vergessen. Arbeitsbedingungen für die vielen Mitarbeiter, die nicht mehr zeitgemäß sind. Mitarbeiter die offenbar teilweise auch in nicht abgenommenen Räumen arbeiten müssen. Für die um 200,- bis 300,- Euro über Tarif liegenden Löhne für die Schauspielerinnen hat der Intendant Dr. Sibelus gesorgt. Für den sicheren und zeitgemäßen Arbeitsplatz muss die Stadt als Eigentümerin des Gebäudes Verantwortung tragen. Das steht jetzt an.

     
    • Phantom der Oper

      @Ehriker:Ist ja schön, dass Sie ein Anhänger des KMS und ein Theaterfan sind,
      Aber ein Theater mit 20% Besucherrückgang macht eigentlich keine sehr gute Arbeit. Mehr als alle Tariferhöhungen seiner Schauspieler zusammen hat sich Karl Maier S. nach Informationen erstmal selbts genehmigt. Sie vermischen die notwendige Sanierung mit den unsäglichen Personalquerelen, die dieser Mensch heraufbeschworen hat.Ihm sind ja in kürzester Zeit ne Menge Leute aus seinem Stab davongelaufen, weggelobt, rausgeworfen oder geklagt worden. Ist DAS eine gute Arbeit? Wie schrieb jemand: Schuld sind immer die anderen, weil sie ihn nicht akzeptieren in seiner Art” und ” “Er sei Opfer einer Hetzkampagne” Das ist eigentlich therapiepflichtig……

       
    • Stedefreund

      Woher wissen sie denn sogenau was die Darsteller verdienen? Abgesehen davon, dass es keine Tariflöhne im Schauspiel gibt!

      Die 200€ über der Mindestgage von 1765€ sind für Hochschulabsolventen bei bis zu 48 Arbeitsstunden die Woche (ohne Textlernen) immer noch ein Witz. Bei diesem Gehalt können sie davon ausgehen, dass die Schauspieler immer noch weniger verdienen als die Techniker oder der Pförtner.

       
  10. Schniddi

    Es muss mir mal einer erklären: Herr Sibelius ist jetzt schon überfordert mit seinen Pflichten und jetzt ist er auch noch Schauspielleiter. Wie geht dieses zusammen? Wenn es stimmt was Thomas Egger sagt, dass er nicht mehr als Schauspieler auftreten darf, wie kann er dann jetzt das Schauspiel leiten, was noch viel anspruchsvoller ist? Mehr Chaos geht doch nicht mehr.

     

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