Theater Trier – Stadtspitze für Trennung von Sibelius

Die Trennung von Theater-Intendant Karl Sibelius ist für den Stadtvorstand beschlossene Sache. Foto: Rolf Lorig

Die Trennung von Theater-Intendant Karl Sibelius ist für den Stadtvorstand beschlossene Sache. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Der Stadtvorstand hat am heutigen Montag einstimmig die Trennung von Theater-Intendant Karl Sibelius beschlossen. Das teilte Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) am Mittag auf der turnusmäßigen Pressekonferenz des Gremiums mit. Ferner bestätigte Leibe die Information aus dem reporter-Bericht “Mehr wissen, weniger glauben” von Donnerstag vergangener Woche, wonach dem Steuerungsausschuss für dessen Sitzung am kommenden Donnerstag ein entsprechendes Schriftstück vorlegt werden soll. “Dann sind Ausschuss und Stadtrat am Zug”, betonte der Sozialdemokrat. Aktuell werden die juristischen Möglichkeiten der Stadt bei der beabsichtigten Trennung von Sibelius von einer Hamburger Anwaltskanzlei geprüft. Auf das Schreiben des Rathauses hat der Österreicher inzwischen reagiert, ohne sich aber zu den gravierenden Budgetüberschreitungen konkret zu äußern, wie Kulturdezernent Thomas Egger (SPD) erklärte. Seine Mitarbeit bei der Aufklärung habe Sibelius aber angeboten, so Egger, der sich zu seiner eigenen Person allerdings nicht äußern wollte: “Kein Kommentar!” Dem Sozialdemokraten drohen im Zuge des Theater-Skandals nicht nur Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, sondern auch ein Abwahlantrag im Rat.

Es war kaum mehr als eine Randnotiz: Das Theater-Defizit hat sich laut Leibe in der vergangenen Woche nach weiteren Prüfungen durch Verwaltungsdirektor Herbert Müller noch einmal um etwa 30.000 Euro erhöht. Damit schreitet das Minus im laufenden Geschäftsjahr 2016 auf die 2,5-Millionen-Euro-Schwelle zu – und ein Ende ist noch keineswegs in Sicht. Bereits im vergangenen Jahr wurde das Budget um rund 1,3 Millionen Euro überzogen. Hauptgrund ist die verschwenderische Auftragsvergabe bei den Produktionen an externe Mitarbeiter, für die Noch-Intendant Sibelius verantwortlich zeichnete.

Der Stadtvorstand aus Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD), Bürgermeisterin Angelika Birk (Grüne) und den beiden Dezernenten Andreas Ludwig (CDU) und Thomas Egger (SPD) hat deswegen am heutigen Montag die Trennung von Sibelius beschlossen. Am Donnerstag soll sich zunächst der Steuerungsausschuss mit der Causa Sibelius befassen. “Das wird die Nagelprobe für die Sitzung des Stadtrates”, sagte Leibe. Der tagt am 17. November und muss dann die abschließende Entscheidung fällen. CDU, SPD, FWG, FDP und AfD stehen hinter der Trennung vom Österreicher. Damit kann Leibe auf eine breite Mehrheit in den Gremien bauen. Unklar sind weiter die Positionen von Grünen und Linken. Beide Parteien haben sich bisher noch nicht offiziell geäußert.


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“Es geht jetzt um die Konditionen der Trennung”, sagte Leibe. Sibelius besitzt einen frischen Vier-Jahres-Vertrag, der erst im Juli vom Steuerungsausschuss genehmigt worden war. Ob dem weiter krankgeschriebenen Österreicher wegen Dienstvergehen fristlos gekündigt werden kann, wird auf Betreiben Leibes derzeit von einer Hamburger Anwaltskanzlei geprüft, weil die Stadt einen neuerlichen Reinfall wie in der Causa Frötzschner vermeiden will. Bei der Kündigung des inzwischen wieder eingestellten Schauspieldirektors hatte Egger sich auf die juristische Prüfung des Bühnenvereins verlassen.

Juristisch aber trägt Egger ohnehin die alleinige Verantwortung für alle Vorgänge am Theater. Der Sozialdemokrat war nicht nur Dienstherr des städtischen Amtsleiters Sibelius, sondern von Juni bis Ende September auch kommissarischer Verwaltungsdirektor. Zu möglichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen seiner eigenen Rolle im Theater-Skandal sowie zur drohenden Abwahl durch den Rat wollte der Sozialdemokrat sich am Montag nicht äußern. “Zu meiner Person gebe ich derzeit keine Erklärungen ab”, sagte Egger.


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Ob Egger noch tiefer in den Theater-Skandal hineingezogen wird, hängt auch vom Bericht des Rechnungsprüfungsamtes ab. Dessen Vorlage verzögert sich nach reporter-Informationen, weil nun auch die Fakten aus dem reporter-Bericht “Zwei außer Rand und Band” hinsichtlich “Einstellungs- und Organisationsverschulden” der Stadt als Arbeitgeber einfließen sollen. Auch Fakten zur abgesagten Tanz-Performance NeroHero, die der Stadt einen Eintrag ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes einbrachte, sollen noch einmal geprüft werden. So hatte Sibelius als künstlerischer Leiter 7.000 Euro Honorar als Vorschuss auf eine Leistung erhalten, die nie erbracht wurde. Denn nach dem reporter-Bericht Oh, lodernd Feuer… wurde das Projekt abgesagt. Dennoch blieben 130.000 Euro Kosten an der Stadt hängen.

Die Trennung von Sibelius steht fest. Wie es mit Egger weitergeht, hängt auch vom Prüfungsbericht ab. Foto: Rolf Lorig

Die Trennung von Sibelius steht fest. Wie es mit Egger weitergeht, hängt auch vom Prüfungsbericht ab. Foto: Rolf Lorig

Leibe sagte am Montag Transparenz beim Rechnungsbericht zu. “Wir werden über das Ergebnis informieren”, erklärte der Stadtchef. Diesbezüglich stehe er in Kontakt mit der Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses, Heike Franzen (CDU). Das Gremium wird am 15. November zum Theater-Skandal in nichtöffentlicher Sitzung tagen. Die jüngst lautgewordene Kritik am Buchungssystem der Stadt wies Leibe hingegen zurück. “Wir haben 40 Ämter”, betonte der Sozialdemokrat, “bei 39 funktioniert es, nur bei einem nicht – dem Theater.” Egger hatte während der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses erklärt, das mangelhafte Controlling beim Theater sei auch auf das unpassende Buchungssystem zurückzuführen. Leibe sagte hingegen: “Wenn Rechnungen nicht eingebucht werden, können sie auch nicht kontrolliert werden!” (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Politik 14 Kommentare

14 Kommentare zu Theater Trier – Stadtspitze für Trennung von Sibelius

  1. derbeobachter

    Na endlich!!!!Ich hoffe wirklich, das Theater kann sich konsolidieren und endlich wieder für die Trierer und die Menschen aus der Region spielen und nicht nur für die Egoshow eines Intendanten eingespannt werden!

     
    • Anna Majewski

      Ohne die Recherchen und das Aufdecken des Sumpfes durch den Trier-Reporter und die geniale Analyse von Herrn Eich wäre es nie dazu gekommen. Nie! Selbst im Angesicht der Katastrophe hat man an dem Irren (das Irren) festgehalten. Nun war der Druck einfach zu groß, das Leugnen nicht weiter möglich. Spannend wird nun zu beobachten sein, wer sich wie, mit welchen Summen vom Acker macht. Auch hier wird ein weiteres Dranbleiben vom Reporter nötig sein. Heute ist wirklich ein Tag zum Feiern, so tragisch es ist. War das wirklich alles nötig? Musste ein ganzes Ensemble ausgemerzt werden, damit so eine stöckelnde Witzfigur ihre Psychotherapie öffentlich und auf Steuerzahlerkosten durchzieht? Die Stadt Trier hat sich in ganz Deutschland blamiert!

       
  2. Dr. Norbert Fischer

    Die Trennung von Sibelius-Spezis, die dieser als persönlicher Gönner installiert hat, ist ebenfalls überfällig. Ich denke da insbesondere an den Leiter der völlig überflüssigen “Sparte 0”.

     
  3. Jürgen Gauert

    Gut so! Erfreulich!

    Mir tun nur die Künstler/innen und die weiteren Mitarbeiter/innen des Theaters leid, die unter den Machenschaften des (nunmehr) ehemaligen Intendanten zu leiden hatten.
    Und ich hoffe sehr, dass man auch die politischen Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft ziehen wird.

    Jürgen Gauert (Dramaturg am Theater Trier 1988-1992)

     
  4. zimbo

    Das wird natürlich nicht passieren, Herr Gauert. Genauso wenig wie der vom Hof gejagte Heiner Semar dafür geradestehen muss, dass einige der besten SVE-Spieler vor der Saison vergrault wurden.

     
  5. Tom Guzzy

    “werden die juristischen Möglichkeiten der Stadt bei der beabsichtigten Trennung von Sibelius von einer Hamburger Anwaltskanzlei geprüft.” Allein dieser Satz ist schon ein Armutszeugnis für den Kultur und Wirtschaftsstandort Trier. Er sagt nichts anderes aus, das in der eigenen Stadt keine dafür qualifizierte Kanzlei ansässig ist. Wurde man auch beim Abschluss der Verträge durch eine Hamburger Kanzlei beraten? Oder wurde hier einfach was gekauft, was man sich nicht leisten konnte. Kultur muss man sich leiten können, vom Geldbeutel und vom Kopf her.

     
  6. Peter Buggenum

    Das sieht doch nach einem “Bauernopfer”aus.

    Herr Sibelius ist doch nicht alleine schuldig. Der Hauptschuldige ist der zuständige Dezernent, der muss weg. Was sagt denn der Stadtvorstand zu Herrn Egger????

     
  7. Beobachter

    Es geht hier auch nicht um Schuld: Sibelius wurde die Finanzhoheit entzogen, jetzt soll er dafür verantwortlich gemacht werden. Gehts noch?

     
  8. Gina

    Ich verfolge diese Angriffe gegen Herrn Sibelius aus der Ferne und bin wirklich entsetzt, wie in unsem Land mit hochqualifizierten Künstlern (ich spreche hier von Herrn Sibelius) umgegangen wird. Er hatte super Ideen, zeigte viel Engagement aber leider wird dieses Land nicht von der Politik regiert sondern von Reportern. Herr Sibelius hatte in Wirklichkeit niemals eine Chance und wird jetzt als Sündenbock dargestellt. Wirklich Beschähmend

     
    • Fräulein Eiler

      Als was soll er denn ihrer Meinung nach dargestellt werden ?! Auch jemand der hochqualifiziert nicht vorhandenes Geld verschleudert bleibt ein Geldverschleuderer … und auch eine super fundierte Pauschalisierung die causa Sibelius in einen Generalismus zu verwandeln. Es gibt sicherlich andere hochqualifizierte Künstler die in der Lage sind hochqualifiziert zu liefern.

      Natürlich ist die Art und Weise wie über ihn als Menschen geurteilt wird alles andere als fair und die feine Art, aber den Karren hat er bitteschön selbst in den Dreck gefahren … und zwar hochqualifiziert … Das mag er im künstlerischen auch sein, aber sicherlich nicht in Sachen Finanzen …

      Gruß in die Ferne !

       
    • Kruemel

      Ach Fräulein Weiler, das können Sie “aus der Ferne” so gut beobachten ?
      Er hat als Intendant versagt, oder interessieren Sie die Fakten nicht ?
      Es ging ihm einzig und alleine um sich selbst, ein narzisstischer Selbstdarsteller dem endlich, wenn auch viel zu spät, am Theater die Macht entrissen wurde.
      Da ist nichts beschämendes dabei.

       
    • Sascha

      Als Künstler mag er der qualifizierteste Mann seit Shakespeare sein, das kann und werde ich nicht beurteilen.

      Aber als leitender Angestellter mit Personalführung und kaufmännischem Bereich den er zu betreuen hatte (und auf nichts anderes hat er sich beworben) hat er auf ganzer Linie versagt.

      Das hat nichts mit Angriffen gegen die Person Sibelius oder mit der Suche nach einem Sündenbock zu tun, sondern einzig damit das hier ohne Sinn und Verstand Steuergelder in Millionenhöhe verschleudert wurden. Grob fahrlässig und ohne Entschuldigung.

      Dafür sind die Herren Sibelius und Egger nun mal hauptverantwortlich.
      Und beide hatten mehr als zwei Chancen das Ruder rum zu reißen und es besser zu machen.
      Aber auch dabei haben beide auf ganzer Linie versagt.

      Das einzig beschämende an der Sache ist das Verhalten der beiden die sich an ihre Posten gekrallt haben (bzw immer noch krallen) um ja noch möglichst viel für sich selbst mitnehmen zu können.

       
  9. Beobachterin

    Stadtpolitik stürzt sich auf Sibelius, weil das Budget überzogen wurde- dies wurde aber bereits 2013 durch Studien prognostiziert und da war Sibelius noch gar nicht in Trier. Lasst den Intendanten doch endlich einmal in Ruhe arbeiten sein Team steht hinter ihm, sein Vertrag wurde verlängert, die Finanzenhochheit obliegt nicht mehr ihm, also wieso soll er gehen müssen????????? Feuert doch denjenigen der dafür verantworltlich ist – sicher nicht Sibelius

     
  10. zimbo

    Hey Gina. Ich dachte, du nennst dich jetzt Michaela.

     

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