Thomas oder Thomas für Thomas

Wagt die SPD das Schelmenstück und nominiert den Christdemokraten Thomas Albrecht? Bildlich sitzt der Jurist jedenfalls schon in der Nähe von SPD-Chef Sven Teuber. Foto: Rolf Lorig

Trier blamiert sich wieder einmal. Nein, das ist nicht korrekt: Die hiesigen Politiker geben sich alle nur erdenkliche Mühe, die Stadt zu blamieren. Noch genauer: Das Bündnis aus CDU und Grünen, vornehmlich die CDU, macht Trier zur Lachnummer. Ausgeschrieben war ein offenes Bewerbungsverfahren für den Kulturdezernenten in der Nachfolge des abgewählten Thomas Egger (SPD). Doch das ist nur Alibi, reine Schau für die Öffentlichkeit, weil der Schein gewahrt werden muss. Wenn die Fraktionen am Samstag im Schatten der altehrwürdigen Augustinerkirche zusammenkommen, um sich die Bewerber anzusehen, ist das nicht mehr als eine Pseudorunde. Jene, die nicht auf dem Zettel der CDU stehen, können sich die Fahrt an die Mosel sparen. Der neue Kulturdezernent heißt Thomas – Schmitt oder Albrecht, wobei der Trierer Oberstaatsanwalt kaum mehr als schmuckes Beiwerk ist, damit die Union sich zumindest noch den Anschein einer Wahl geben kann. Der Saarländer Schmitt ist längst auserkoren von jenen Großkopferten, die in der CDU aus dem Hintergrund heraus immer noch den Ton angeben. Alles festgezurrt also? Ja. Es sei denn, die geheime Abstimmung am 8. März gerät zur persönlichen Abrechnung mit dem fremdgesteuerten CDU-Chef Udo Köhler. Die SPD könnte Albrecht nominieren und die Spaltung der Union so vor aller Augen sichtbar werden lassen. Ausgeschlossen ist das nicht. Ein kommentierender Überblick von Eric Thielen

Tut Buße! Taten sie. Oder wenigstens taten sie so, als täten sie es. Aschermittwoch, in aller Herrgottsfrühe um sieben Uhr: Gottesdienst im Hohen Dom zu Trier. Fast schon eine Pflicht für gläubige Unionschristen. Und so sind unter den zahlreichen Besuchern auch einige christdemokratische Köpfe zu sehen. Vielleicht holten sie sich göttlichen Beistand für die kommenden Intrigen. Vielleicht erhofften sie sich aber auch die Absolution. Ego te absolvo a pecatis tuis… – und so weiter, und so fort.

Die Spuren der Aschekreuze dürften auch am Abend noch sichtbar gewesen sein, als Ex-Parteichef Bernhard Kaster seine CDU auf dem politischen Aschermittwoch zur Geschlossenheit aufruft und gegen alle und jeden wettert, die nicht in Reih und Glied marschieren. Besser hätte er zu mehr Ehrlichkeit aufgerufen. Doch dann müsste Kaster mit gutem Beispiel vorangehen, was ihm schwerfallen dürfte. Schließlich gehört der Pfalzeler zu jener politischen Spezies, die unter Politik ausnahmslos das Strippenziehen in Hinterzimmern versteht, die öffentlich aber ihre Hände stets in Unschuld wäscht.

Das war so, und das ist immer noch so. In den vergangenen Monaten suchten Kaster und Kollegen fieberhaft nach einer personellen Alternativen für den in Ungnade gefallenen Fraktions- und Parteichef Udo Köhler. Stadtrat Jörg Reifenberg wurde die Führung des Trierer Kreisverbandes angetragen. Der jedoch winkte ab, weil er in Luxemburg beruflich extrem eingespannt ist. Karl Biegel oder alternativ vielleicht sogar Thomas Albrecht sollte die Fraktion übernehmen. Doch auch sie winkten ab. Keiner der beiden Stadträte wollte die Kohlen für Parteichef Köhler aus dem Feuer holen.

Albrecht, der Quertreiber

Derzeit herrscht allerdings Burgfrieden zwischen Köhler und der Alt-Männer-Riege der Union, zu der neben Kaster auch Ex-Fraktionschef Ulrich Dempfle, Ex-OB Helmut Schröer und Ex-EU-Abgeordneter und Ehrenvorsitzender Horst Langes gehören. Köhler läuft auf kurzen Beinen und zudem auf Bewährung durch die Stadt, weil die Grauen Eminenzen der CDU sich einen neuen Feind auserkoren haben: Thomas Albrecht. Dass der Jurist möglicherweise neuer Kulturdezernent werden könnte, treibt den christlichen Großkopferten der Kaster & Co. KG den Blutdruck in schwindelerregende Höhe. In der Kaster-Gesellschaft gilt Albrecht als Quertreiber; er liegt seit Jahren chancenlos in Ungnade, weil er es gewagt hatte, den Ex-Vorsitzenden öffentlich zu kritisieren. Kontrollierter Fraktionschef vielleicht, das wäre Albrecht noch zuzugestehen, aber um Gottes Willen kein unkontrollierbarer Dezernent. Deswegen intensivierten die Grauen Eminenzen über ihre Saarland-Connection den Kontakt zu Thomas Schmitt. Der hatte sein Interesse schon bekundet, als die Abwahl des Sozialdemokraten Thomas Egger noch nicht einmal über die Bühne war.

Schmitt kam nach Trier, führte hier und dort Gespräche, um das Feld zu sondieren, und die Fraktion wusste von nichts. Am 13. Februar erklärt Köhler vor den Parteifreunden lediglich, dass sich in der kommenden Woche ein Bewerber vorstellen wird. Den Namen verschweigt er. Den können die unwissenden Stadträte dann zwei Tage später beim reporter lesen: Schmitt ist der Favorit der CDU. Just in dieser Zeit verschwindet auch eine E-Mail spurlos. Der zweifellos kulturpolitisch erfahrenste Bewerber, der Konstanzer Intendant Christoph Nix, hatte sich mit Köhler in Verbindung gesetzt.

Doch der CDU-Chef mimt den Hasen: Er wisse von nichts. Das behauptet er nicht nur vor der Fraktion, sondern auch gegenüber dem Ratskollegen Markus Nöhl von der SPD. Lügen als Mittel zum Zweck und als gängige Praxis seiner Politik sind dem schwarz-grünen Bündnis anscheinend zur zweiten Haut geworden. Grünen-Frontfrau Petra Kewes behauptet, sie wisse nichts von der Albrecht-Bewerbung und wird überführt. Köhler weiß angeblich nichts von der Nix-Bewerbung und wird ebenfalls überführt. Öffentlich spricht Köhler weiter von einem nach wie vor offenen Verfahren.

Konsequenzen muss Köhler aktuell ohnehin nicht fürchten, weil die Kaster & Co. KG den umstrittenen Parteichef derzeit stützt. Die E-Mails mit bitterbösem Inhalt und scharfer Kritik, die Köhler nach seinen unterirdischen Vorstellungen in der Fraktion erreichen, bleiben in seinem Privatpostfach. Die Fraktion wird auch davon nicht in Kenntnis gesetzt. Dafür zaubert er wenig später angebliche E-Mails von Ratskollegen anderer Fraktionen aus dem Hut. Die sollen die Unterstützung für seine Person belegen. Ob sie tatsächlich existieren, weiß nur Köhler selbst. Gezeigt hat er sie nicht. Dafür beteuert eine Stadträtin, die als Absender genannt worden war, gegenüber dem reporter, sie habe nie eine E-Mail an Köhler geschrieben.

Kampf mit harten Bandagen

Der Fall ist klar: Die Nix-Bewerbung wurde von der CDU noch nicht einmal geprüft, weil die Bestimmer in der Union längst entschieden hatten, dass Schmitt neben Andreas Ludwig der zweite Christdemokrat im Stadtvorstand werden soll. Am Montag vergangener Woche wird Albrecht massiv bedrängt, seine Bewerbung zurückziehen, und als Schmitt sich zur Aussprache stellt, muss der Oberstaatsanwalt den Raum verlassen. Doch damit nicht genug der Farce: Eine Büttenrede während der Heuschreck-Prunksitzung wird tatsächlich zum Gegenstand der politischen Scheindebatte. Das Ehepaar Albrecht, einst Trierer Prinzenpaar, wird von den Jecken karnevalistisch erwähnt. Das nehmen ihre Gegner zum Anlass, den Albrechts Intrigen vorzuwerfen: Sie hätten die getarnte Wahlwerbung lanciert und gesteuert.

Unterdessen kämpfen die Albrecht-Gegner mit extrem harten Bandagen. Potenzielle Albrecht-Befürworter werden bedrängt und zur Kurskorrektur aufgefordert. Denn spätestens am kommenden Montag muss die Fraktion sich mehrheitlich entscheiden, wen sie als Kandidaten in die Wahl am 8. März schickt. Für die Vorstellungsrunde am Samstag stehen nur zwei Namen auf dem christdemokratischen Zettel: Thomas Schmitt und Thomas Albrecht, beide hinlänglich bekannt und Letzterer auch nur zum Schein und um die Form zu wahren. Denn der Oberstaatsanwalt weigert sich zum Ärger der CDU-Großkopferten hartnäckig, seine Bewerbung zurückzuziehen, damit der Weg für Schmitt frei wird.

Das ausgewiesene Dilemma der Union zeigt sich bei einem einfachen Blick auf die nackten Zahlen: Ohne die beiden Albrecht-Stimmen hat das Bündnis aus CDU und Grünen keine eigene Mehrheit im Rat. Die schwarz-grüne Koalition wurde nach der Kommunalwahl aber hauptsächlich deswegen geschmiedet, um die eigenen Kandidaten in den Stadtvorstand zu bringen – nach dem Ende der Amtszeiten von Thomas Egger und Angelika Birk. Die CDU bekommt die Egger-Nachfolge, die Grünen die Birk-Nachfolge. Die Intention: Die SPD sollte komplett aus dem Stadtvorstand ausgeschlossen werden.

Denn im Sommer 2014, als die Gespräche zwischen Union und Grünen anliefen, gingen beide Partner noch sicher davon aus, dass die Favoritin Hiltrud Zock von der CDU und nicht Wolfram Leibe auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nimmt – die dann ebenso wie Köhler jetzt an den Fäden der Kaster & Co. KG hängen sollte. Die Christdemokraten wollten Rache für das Ampelbündnis nehmen, die Grünen für die stete Weigerung der SPD um Ex-Oberbürgermeister Klaus Jensen, sich ihren Vorgaben zu beugen. Doch die unberechenbaren Wähler machten den Schwarz-Grünen mit 110 Stimmen einen dicken Strich durch die Rechnung: Leibe wurde neuer Stadtchef, nicht Zock.

Diese personelle Schlacht ging verloren, die nächsten müssen nun unbedingt gewonnen werden. Daher halten die Grünen die Füße still: Je schwächer die CDU, desto stärker ist die Position des kleinen Partners. Am Samstag geben die Grünen sich zumindest den Anschein der Offenheit. Sieben Bewerber wurden in die Fraktion geladen. Zupass kommt den Grünen dabei, dass die Kulturdezernentin einer Stadt aus Norddeutschland ihre Bewerbung nach reporter-Informationen inzwischen zurückgezogen hat. Sie ist nicht nur weiblich, sondern hat auch das grüne Parteibuch – und hätte damit perfekt ins Anforderungsprofil der Trierer Partei gepasst. So jedoch kann die Fraktion spätestens am Montag behaupten: Außer Spesen nichts gewesen – und sich auf die Seite der Union schlagen und sich damit ebenfalls für Schmitt aussprechen.

Die SPD und das mögliche Schelmenstück

Die Großkopferten der Union haben sich auf den Saarländer Thomas Schmitt (rechts) festgelegt. Foto: Facebook / Thomas Schmitt

Die große Unbekannte ist die SPD. Eine Handvoll Bewerber haben die Genossen zum Gespräch geladen, darunter wohl auch die beiden CDU-Männer und den Konstanzer Intendanten Nix, “den besten Bewerber”, wie aus SPD-Kreisen verlautet. Die entscheidende Frage aber ist: Schicken die Sozialdemokraten einen eigenen Kandidaten ins Rennen? Sie könnten sich dabei auf den CDU-Mann Dempfle berufen. Denn der Ex-Fraktionschef der Union hatte nach der Kommunalwahl vom Mai 2014 klipp und klar erklärt, man werde die SPD als zweitstärkste Fraktion nicht aus dem Stadtvorstand ausschließen.

Aber Dempfle hatte vor der Kommunalwahl auch den Angriff auf Birk eröffnet. Die Abwahl der grünen Bürgermeisterin schien nur noch Formsache zu sein, als SPD-Fraktions- und Parteichef Sven Teuber sich den massiven Attacken Dempfles auf Birk anschloss. Als die von der Mainzer Parteizentrale verordneten Gespräche zwischen CDU und Grünen jedoch anliefen, die Trier zum Experimentierfeld für die erhoffte schwarz-grüne Koalition in Mainz degradierten, gab Dempfle flugs den Adenauer: Wat kümmert mich ming Jeschwätz von jestern? Die Grünen setzten alle Hebel in Bewegung, um ihre Dezernentin zu retten. In internen Sitzungen wurde die Losung ausgegeben: Entweder Schwarz-Grün, oder Birk ist weg! Damit drückten Fraktions- und Parteispitze den Mitgliedern die Pistole auf die Brust.

Die SPD könnte nun den Spieß herumdrehen und sich mit CDU und Grünen ein echtes Schelmenstück erlauben. Da ein eigener Kandidat wohl kaum durchzubringen sein wird, könnten die Genossen rein strategisch vorgehen und den Christdemokraten Albrecht nominieren. Damit säße die CDU-Fraktion in der Patsche. Denn der Oberstaatsanwalt verfügt über eine ganze Reihe an Befürwortern. Dann hieße es am kommenden Mittwoch: Christdemokrat gegen Christdemokrat, Thomas gegen Thomas, Schmitt gegen Albrecht. Erst im dritten Wahlgang reicht einem Kandidaten die einfache Mehrheit, in den beiden vorherigen muss er die absolute Mehrheit holen. Der Ausgang wäre bei einer Kampfabstimmung also völlig offen.

Die meisten kleineren Fraktionen haben die Bewerbungsrunde bereits vor deren Beginn abgehakt. “Da ist sowieso nichts mehr zu machen, weil CDU und Grüne sich längst geeinigt haben”, sagt einer der Fraktionsvorsitzenden gegenüber dem reporter. Aus der Suche nach dem neuen Kulturdezernenten ist längst eine Provinzposse geworden, ein unansehnliches, unwürdiges, abgekartetes Spiel, das beendet ist, bevor es überhaupt richtig beginnen konnte. Schwarz-Grün macht die Stadt – wie schon im Theater-Skandal – erneut zur Lachnummer. Daran wird auch die SPD mit einem von ihr nominierten Kandidaten nichts mehr ändern können. Aber die Genossen können zumindest versuchen, dem inzwischen unglaubwürdigen Verfahren etwas Glaubwürdigkeit zurückzugeben. Damit bundesweit nicht ganz so laut über Trier gelacht wird.


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Meinung, Politik 21 Kommentare

21 Kommentare zu Thomas oder Thomas für Thomas

  1. Spekulatius

    Sollte die SPD tatsächlich (erfolgreich) Albrecht zur Wahl stellen, wäre das Dezernat fortan ein einziges Schlachtfeld enttäuschter Eitelkeiten.

    Die Gemengelage erinnert ein wenig an die grimme Geschichte um Manfred Maximini.

     
    • Stephan Jäger

      Allerdings!

      …nur, dass dem damals wohl nicht ein gar solches Waterloo mit anschließendem riesenhohem und millionenteurem Scherbenhaufen vorangegangen war. Aber, was so ein „echter Trierer“ ist, den scheint ja allsowas nicht sonderlich zu irritieren und von seinem Weg abzubringen.

      Ich habe mir heute morgen beim Wettbewerber des Reporters die Berichterstattung vom „politischen“ Aschermittwoch der Trierer Union zu Gemüte geführt. Da mahnte ein gewisser Herr Kaster (nachdem ausgerechnet ER den Kanzlerkandidaten der SPD als „Batscheler“ bezeichnet hatte) seine Partei„freunde“ zur Geschlossenheit im Bundestagswahlkampf, um gleich darauf seinen Partei-internen Nachfolger bei der Kandidatur um das Direktmandat als „Populisten“ zu beschimpfen.

      Ich schätze mal, das Einzige, was in Trier stets „geschlossen“ ist, ist der Hemdkragen. Der aber bis oben!

       
    • Stephan Jäger

      Ach so, …und ein weiterer Unterschied zu den Ereignissen von damals besteht wohl darin, dass man Herrn Albrecht zutrauen darf, erwachsen genug zu sein, Trier eine „UBA“ zu ersparen. Auch wenn er in der nächsten Woche nicht zum Dezernenten gewählt wird.

       
  2. Thomas Schön

    Jede Stadt bekommt die Dezernenten, die sie verdient.

     
  3. Volker Zemmer

    Da kriegen ein paar Herren von der CDU wieder Schnappatmung. Freut mich!

     
  4. eifelgirl

    OMG – Na dann, viel Spass für die nächsten Jahre. Werden wir uns mal die Stadtratssitzung am Mittwoch anschauen !

     
  5. Sascha

    Ich fände es schön wenn die anderen Fraktionen sich mit den Eheleuten Albrecht auf einen Kandidaten einigen würden.
    Das wäre was…
    Da wäre Schnappatmung noch das wenigste was Schwarz-Grün bekommt 🙂

     
    • Rainer Landele

      ach, auch hier geht es also nicht um den besten kandidaten, sondern um den effekt…

       
  6. Daniel Karl

    Trier blamiert sich! Wie man sich blamieren kann, wenn man genau das tut, was alle überall machen, erschließt sich dem Leser zwar nicht, aber es ist mal ein Einstieg in einen bemerkenswerten Artikel. Das politische System in Deutschland räumt den Parteien eine wichtige Rolle bei der Besetzung von politischen Positionen und der inhaltlichen Gestaltung ein. Beides muss harmonieren, Person und Inhalt, sonst geht nichts. Ein vorgeschaltetes Bewerbungsverfahren könnte man sich in der Tat sparen, ein Kandidat ohne Partei, ist in unserem System überflüssig. Wer dies nicht akzeptiert, wird sich aufreiben und nichts verändern. Wer eine Partei findet, die ihn vorschlägt, kann gewählt werden. Eine Partei, die niemanden vorschlägt, muss die Personalvorschläge anderer Parteien akzeptieren.

    Wem das Grundvertrauen fehlt, dass die Parteien verantwortungsvoll mit ihrer Verantwortung umgehen, dem ist nicht zu helfen. Zweifeln kann man, z.B. bei der Trierer SPD. Sie hat die Kandidaten Egger und Birk ins Amt gewählt. Sicherlich nicht, weil sie mit der Ampel endlich ohne die CDU regieren wollte, sondern weil sie von der Eignung der Kandidaten überzeugt war. Sie lag falsch. Ebenso lag sie bei der Personalie Jensen falsch, seine Wahl bedeuteten 8 Jahre Stillstand für Trier. Mit Leibe hatte sie ein besseres Händchen. In der Politik ist es wie im Sport, mal gewinnt man, mal verliert man. Jetzt darf die CDU jemanden aussuchen, mit Kaes-Torchiani war sie nicht zufrieden, Ludwig macht es besser.

    Wozu die ganze Aufregung? Zugegeben, an der politischen Zurechnungsfähigkeit der SPD kann man zweifeln, wenn sie wirklich Nix für den geeignetsten Kandidaten hält. Wer sich im Internet umschaut stellt fest, wo Nix ist, gibt’s Ärger. Was braucht Trier nach Abwahl von Egger und Sibelius-Rauswurf nicht, genau: Ärger. OB Leibe muss vor Wut schäumen, dass die SPD erwägt, den Krawallmacher Nix zu unterstützen. Gerade konnte er sich vom unfähigen Egger befreien, freut sich schon, wenn der Zickenterror 2018 aufhört und dann das.

    Bisher ging man als Leser davon aus, dass trier-reporter das inoffizielle Parteiorgan der SPD ist. Nach diesem Artikel kann man sich nicht mehr sicher sein. Verachtet die SPD den Menschen Thomas Albrecht so sehr, dass sie ihn als trojanisches Pferd missbrauchen will, um der CDU eins auszuwischen? Traut Herr Thielen der SPD wirklich diese Niederträchtigkeit zu? Stellt man sich mal ein Moment vor, Albrecht würde gewählt, er wäre eine Person „non grata“, ohne Ehre, ohne Freunde. Man will sich das nicht vorstellen und es wird auch nicht so kommen. Albrecht ist ja nicht von blindem Ehrgeiz getrieben oder von dem blinden Ehrgeiz seiner Frau. Diese Vermutung kann man aus den Ausführungen von Herrn Thielen herauslesen, aber es wird nicht so sein.

    Was soll man der SPD raten? Sie hat sich ihre politische Bedeutungslosigkeit eingestanden und keinen Kandidaten vorgeschlagen. Demut ist das Gebot der Stunde. Bescheidenheit und Demut wären angebracht. Ist nicht die fehlende Demut der Verantwortlichen der Trierer SPD der Hauptgrund für ihre politische Bedeutungslosigkeit?

     
    • Sascha

      Das dieses Parteibuchgeklüngel in der Provinz Trier aber nicht funktioniert haben die letzten Jahre gezeigt.
      Auf Bundes- oder Landesebene funktioniert das scheinbar noch einigermaßen (zwar auch nicht immer) da es in diesen Kreisen immer irgendwo einen Menschen mit den benötigten Fähigkeiten gibt.

      Fehler in der Vergangenheit sind von annähernd allen Fraktionen im Stadtrat gemacht worden, das bestreitet auch niemand.
      Aber aus Fehlern muss man schlauer werden und Sie nicht immer wieder machen.
      Das Sie als Grünen-Höriger das jetzt nicht einsehen wollen überrascht nicht.

      Seit Sie die Koalition mit dieser Ich-blockiere-alles-und-halte-die-Luft-an-bis-ich-bekomme-was-ich-will-Partei eingegangen sind hat die CDU doch nicht das Geringste zu melden.
      Lediglich Herr Köhler sitzt fest im Sattel und Sie bekommen einen Dezernenten.
      Gratulation, Dienst für den Bürger sieht anders aus.
      Das was die CDU in Trier betreibt ist Politik zu eigenen Gunsten.

      Wenn man im Internet über Herr Nix forscht stellt man wirklich fest das er ein streitbarer Charakter ist.
      Aber er streitet nicht um persönliche Eitelkeiten zu befriedigen (wie es in Trier üblich ist) sondern um der Sache willen.
      Wo Herr Nix war, war ein Plus in der Kasse.

      Ich wiederhole gerne das Zitat von OB Leibe zum x-ten mal: “Das ist kein Dezernat zum üben!”
      Und da fallen die beiden CDU-Kandidaten weg.

      Herr Albrecht hätte ich gerne auf diesem Posten gehabt wenn es ein Sicherheitsdezernat mit eigenem Kultur-Manager geworden wäre.
      Aber auch diese Chance der Umstrukturierung wurde vom Stadtrat, ohne Blick in die Zukunft, verworfen.

      Im Status Quo ist Herr Nix der geeignetste von den, der Öffentlichkeit bekannten, Kandidaten.

       
      • Stephan Jäger

        „Auf Bundes- oder Landesebene funktioniert das scheinbar noch einigermaßen“

        Nein, tut es auch da nicht! Sonst würde man nicht in relativ wichtigen Positionen Leute wie einen Volker Kauder finden. Früher hätte man gesagt, Kandidaten, die man nicht einmal Zigaretten ziehen schicken kann, weil sie hinfallen und das Kleingeld verbiegen.

         
        • Sascha

          Ich habe ja mit Absicht eingegrenzt 🙂
          Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen das es auf höheren Ebenen auch eine höhere Chance gibt das es im Konglomerat rund um wichtige Posten auch jemanden gibt der “das Kleingeld nicht verbiegt”.
          Diejenigen stehen vielleicht nicht im Vordergrund, arbeiten aber zielgeführt zu und wissen worum es geht.

          Je weiter man in der Politik aber nach unten kommt, umso kleiner ist die Chance so jemanden zu haben.

           
    • Stephan Jäger

      „…ein Kandidat ohne Partei, ist in unserem System überflüssig. Wer dies nicht akzeptiert, wird sich aufreiben und nichts verändern.“

      Wenn, speziell nach einer extremen Krisensituation wie momentan in Trier, „ein Kandidat ohne Partei“ tatsächlich „in unserem System überflüssig“ ist, auch dann, wenn er noch so qualifiziert für den Job wäre und das Maximum für die Stadt und die Bürger erreichen könnte, dann ist nicht der Kandidat überflüssig, sondern das (politische?) System!

      Denn spätestens dann ist klar, worum es den Parteien eigentlich geht: Selbstversorgung! Da muss sich dann über Wahlbeteiligungen von in manchen Stadtteilen unter 30% bei Kommunalwahlen wirklich niemand mehr wundern.

      Wenn es denn tatsächlich so ist, dass den „Parteien eine wichtige Rolle bei der Besetzung von politischen Positionen und der inhaltlichen Gestaltung“ eingeräumt wird, dann haben sie diese gefälligst verantwortungsbewusst wahrzunehmen und den BESTEN Bewerber zu wählen. Unabhängig vom Parteibuch. Denn die Betonung liegt auf „inhaltlicher Gestaltung“.

      Wer daran aber in Trier seine Zweifel hat, der ist nicht „verloren“, sondern läuft lediglich nicht völlig blind durch die Welt. Denn von einem verantwortungsvollen Umgang mit demokratisch legitimierter Macht sind wir hier leider Lichtjahre entfernt. Hier versucht jeder, sobald er drei Wählerstimmen auf sich vereinen kann, schnellstmöglich sein persönliches Schäfchen ins Trockene zu bringen. Kollateralschaden: egal! Und man fragt sich nicht nur in Situationen, wie jetzt, nach dieser bundesweit wahrgenommenen und schadenfroh verlachten Provinzposse, was eigentlich passieren müsste, damit sich daran etwas ändert.

       
  7. paddy

    Und obendrein: Ich gehe fest davon aus, dass bei Egger und Birk von der Ampel streng nach Kompetenz und nicht nach Parteibuch besetzt wurde … hüstel, hüstel ….

     
    • Joachim Baron

      …. was kein Maßstab ist. Nur weil andere über die rote Ampel fahren darf ich es doch nicht (auch). Bislang hatte ich noch die Hoffnung, dass man doch noch aus Fehlern lernt. Klar waren Egger | Birk ein Fehler, aber das heißt doch nicht, dass die anderen jetzt denselben Fehler machen dürfen. Selbst als Nicht-Sozis kann ich sagen, die SPD hat ihren Fehler wenigstens in einem Fall korrigiert. Und hätte die CDU sich nicht von den Grünen einfangen lassen, wäre sich auch – schenkt man dem Reporter glauben – der Fehler mit Birk schon korrigiert.

       
      • paddy

        Richtig das ist nicht der Maßstab! Aber es entlarvt den scheinheiligen Teuber der jetzt große Sprüche darüber bringt, dass das Parteibuch nie entscheidend sein dürfe! Das ist aus seinem Munde lächerlich… Man muss einen Mann finden der es auch wirklich kann. Sowohl was politische Erahrung, als auch was fachliche Kenntnisse angeht. Beide Thomasse die von der CDU ins Auge gefasst werden, haben 1. jahrelang Politik gemacht, was als Dezernent der auch Mehrhheiten braucht eminent wichtig ist, 2. Verwaltungserfahrung, 3. als Juristen hohe Affinität zum Ressort Recht und Ordnung. Bei Herrn Schmidt scheint, wenn man dem Reporter-Artikel über ihn Glauben schenkt zudem eine hohe Kulturaffinität zu haben. Wieso bitte beschwert man sich dann über diese Kandidaten?? Sie bringen beide viel mehr mit als Herr Nix, der nur der nächste Exot und Künstler in Trier wäre, der das Chaos nur verschlimmert. Verstehen Sie Herr Baron, ich möchte nicht sagen, dass es nicht auf Kompetenz ankommt, sondern entlarven wie Doppelzüngig diejenigen sind die jetzt unken (rot und gelb) und dass die Kandidaten die die CDU vorschlagt, bei allen Informationen die man der Presse (reporter und TV) entnehmen kann, objektiv die besten sind. Das es natürlich CDUler sind – logisch in unserem politischen System. Die CDU ist eben derzeit als Koalitionär an der Macht. Die große Koalition hat auch Merkel und nicht Sahra Wagenknecht zum Kanzler gewählt.

         
        • Stephan Jäger

          „Sie bringen beide viel mehr mit als Herr Nix,…“

          Nein, tun sie nicht! Jemand, der sich selbst (was immer er auch für „Kunst“ hält) als „Kunstbanausen bezeichnet und das vermutlich in dem Zusammenhang noch lustig findet, ist ganz sicher nicht als Kulturdezernent geeignet. Und jemand, der in einer Stadt, in der auf den Straßen und Gehsteigen offene Anarchie und das bedingungslose Recht des Stärkeren herrschen, Parkraum- und Geschwindigkeitskontrollen, gerne mal „Abzocke “ nennt und jahrelang gegen eine wirksame Durchführung gekämpft hat, wäre ebenso sicher kein geeigneter Ordnungsdezernent.

          Da, à la „…der nur der nächste Exot und Künstler in Trier wäre, der das Chaos nur verschlimmert.“ mit einem leicht umformulierten „was der Bauer nicht kennt, dass frisst er nicht.“ zu argumentieren, mutet schon etwas – naja – Trierisch an.

           
          • paddy

            Die Geschwindigkeitsüberwachung ist, wenn sie an Stellen wie der Konrad-Adenauer-Brücke oder am Pacelli-Ufer stattfindet, Abzocke – aber: Nebenkriegsschauplatz.
            Zu Herrn Nix: Nehmen Sie sich doch einmal 5 Minuten um den Mann zu googlen. Er ist bestimmt ein toller Künstler. Aber offensichtlich ist er keine Person die Standpunkte moderieren kann: öffentliche Kritik am Führungsstil, Zerwüfnisse mit politische Verantwortlichen, sogar eine gegen ihn gegründete Bürgerinitiative – interessant übrigens, dass Herr Eich das noch nicht aufgedeckt hat sondern zuvörderst scheinbare Affären von und um Thomas Schmidt ausgräbt, Herr Nix hat da auch so das ein oder andere in seiner Biographie. So ein Krawallmacher ist in der Krise in der sich das Kulturdezernat befindet nicht zu gebrauchen. Es braucht einen politisch erfahrenen Vermittler, Verwaltungsfachmann und Macher – das hat Herr Nix einfach nicht zu bieten.

          • Stephan Jäger

            „Die Geschwindigkeitsüberwachung ist, wenn sie an Stellen wie der Konrad-Adenauer-Brücke oder am Pacelli-Ufer stattfindet, Abzocke“

            Ist sie in beiden Fällen ganz sicher nicht! Sowohl im Bereich der Adenauer-Brücke als auch speziell am gesamten östlichen Moselufer gibt es regelmäßig schwere Unfälle aufgrund überhöhter Geschwindigkeit, oft in Verbindung mit Rotlichtverstößen. Speziell am Pacelliufer erreichen die gemessenen „Spitzenreiter“ regelmäßißig Geschwindigkeiten von über 100 km/h…im Stadtgebiet! Das Moselufer wartet übrigens alleine mit drei der beinahe jährlich in der Unfallstatistik auftauchenden Schwerpunkte auf und auch auf der Adenauer-Brücke wird selbst bei 70 noch von hinten gedrängelt.

            Wer da von „Abzocke“ spricht, muss sich wohl selbst eine mehr als fragwürdige Verkehrsmoral vorwerfen lassen, und ein „Nebenkriegsschauplatz“ ist das, wenn es um die Besetzung der Stelle eines Ordnungsdezernenten geht, gewiss nicht.

            Ansonsten wüsste ich nicht, was daran, wenn dies nötig ist, die Konfrontation mit Kommunalpolitikern in der Provinz nicht zu scheuen und sich von diesen vor allem nicht den Mund verbieten zu lassen, „Kravall machen“ sein soll. In Trier würde ich darin in den meisten Fällen eher ein Qualitätsmerkmal sehen.

  8. rudi ratlos

    Früher habe ich den “Trier-reporter” gern gelesen, aber nun kann ich nur Beruhigung, Rückkehr zu Augenmaß wünschen,da die Prügelstrafe eigentlich abgeschafft ist. Zum Artikel und den reichlichen Berichten über die vielen aufgedeckten “Lügen”: bei welcher geschädigten Person laufen nochmal die Fäden zusammen ? Ist diese Person für einen Reporter
    oder Redakteur ein beliebter Ansprechpartenr ?
    Haben die beschuldigten Hintermänner dem Reporter alle Infomationen gegeben oder sollen wir als Leser mal raten, wo er diese “Informationen” alle her hat ? Für alte Trierer ist dieses Ratespiel eine leichte Aufgabe. Spannend höchstens, ob der Stadtrat sich gängeln lässt, verwirrt durch emsige Beschimpfungen aus des Kaisers alter Kleiderstube. Es wird hoffentlich ein guter Dezernent werden, ein redlicher lieber als ein kreuz und quer redender!

     
  9. Rainer Landele

    @paddy

    das system ist nicht in der lage, mir eine antwort direkt unter ihrem beitrag als antwort zu schreiben, daher hier:

    endlich mal jemand, der/die die qualifikation von herrn nix hinterfragt bzw. in zweifel zieht. es war sehr auffällig, wie er hier von den berichten her positiv beschrieben wurde – und zugleich in den kommentaren sich nix weiter fand (stimmt nicht, ich erinnere mich dunkel an einen hinweis auf probleme vor ort).

    jene, die seine bewerbung(sunterlagen) kennen, sind zur verschwiegenheit verpflichtet. und jene, die ihn hier hoch schrieben, profitierten davon, dass herr nix ihnen “rede und antwort stand”. jemand, der so sehr im eigenen interesse dinge durchsteckt hat eh keine chance mehr…

    ob es besser wird mit dem zukünftigen dezernenten hoffe ich, weiß es aber natürlich nicht. wieso manche sich da bei herrn nix zu sicher waren, verstehe ich nicht…

     

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