Träumen nicht verboten

Baudezernent Andreas Ludwig mit Helga Schneider-Gräfer, Sportamt, und Sebastian Schön vom Amt für Gebäudewirtschaft. Foto: Rolf Lorig

Baudezernent Andreas Ludwig mit Helga Schneider-Gräfer, Sportamt, und Sebastian Schön vom Amt für Gebäudewirtschaft. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Mehr als 15 Millionen Euro muss die Stadt in den kommenden Jahren in Sanierung, Neubau und Herrichtung von Sporthallen pumpen. Ein Teil des Geldes fließt aus Bundes- und Landeszuschüssen in die Stadtkasse zurück. Die Mäusheckerhalle am Schulzentrum in Ehrang wird für 6,6 Millionen Euro bis Ende 2018 generalsaniert (siehe Zeitplan unten). Die Hallen in Feyen (3,7 Millionen Euro) und in Trier-West (4,13 Millionen Euro) werden neu gebaut. Zudem plant der Stadtvorstand, die Messehalle für 500.000 Euro als Übergangssportstätte herzurichten, weil die Toni-Chorus-Halle zwischen Anfang April und Ende August wegen Sanierungsarbeiten gesperrt wird. Trotz der hohen Investitionssummen bleibt die Hallensituation weiter angespannt. “Was auf keinen Fall passieren darf”, sagte Sportdezernent Andreas Ludwig (CDU) am Montag auf der turnusmäßigen Pressekonferenz des Stadtvorstandes, “ist, dass uns die Wolfsberghalle komplett ausfällt.” Dann hätte Trier seinen Hallen-GAU.

Es wäre ein ganz großer Wurf gewesen. Und Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) träumt noch immer davon. Was selbst dem Verwaltungschef einer hochverschuldeten Stadt nicht verboten ist. Statt die marode Egbert-Schule mit einem geschätzten Kostenvolumen von bis zu vier Millionen Euro zu sanieren, bekommt Trier für sieben Millionen Euro eine neue Innenstadtschule – etwa auf dem Gelände der Tufa – einschließlich einer großen Sporthalle. Egbert, Ausonius und Barbara werden in der Innenstadt zusammengeführt. Die Stadt spart enorme Summen bei der Unterhaltung der aktuell drei Gebäude ein. 22 Grundschulen leistet sich die Stadt – wie die Landeshauptstadt Mainz. Die angespannte Situation des Vereins- und Schulsports aber hätte sich durch die neue, moderne Sporthalle deutlich entspannt.

Doch es sollte nicht sein. Das Mehrheitsbündnis im Rat aus CDU und Grünen, flankiert von den Linken und der AfD, machte dem Stadtvorstand einen dicken Strich durch die Rechnung. Egbert muss saniert werden, so wollte es die Gartenfeld-Koalition. Eine Sporthalle hat die marode Schule in Ost aber auch nach der Instandsetzung nicht. Die rund 100 Egbert-Kinder müssen auch künftig zum Sportunterricht nach Olewig gefahren werden. Folglich müssen die Fachleute im Rathaus im Zusammenspiel zwischen Bau- und Schulamt weiter improvisieren. Auch wenn die zuletzt komplett oder teilweise gesperrten zehn Hallen inzwischen wieder freigegeben sind, der Druck bleibt weiter hoch.

Messehalle als Übergangs-Lösung

Die Mäusheckerhalle soll bis Ende 2018 saniert sein.

Die Mäusheckerhalle soll bis Ende 2018 saniert sein.

Der unorthodoxe Plan, den Leibe und Ludwig ausgetüftelt haben, sieht nun vor, die Messehalle als Übergangssportstätte herzurichten. Die steht an 299 Tagen im Jahr leer. Für rund 500.000 Euro soll dort nun ein Sportboden verlegt, sollen Dusch- und WC-Container installiert werden. “Unsere Hallen sind bis zur Oberkante beansprucht”, sagt Ludwig. “Sollte noch eine weitere Störung hinzukommen, etwa auf dem Wolfsberg, haben wir den Salat.” Um die Idee in die Tat umsetzen zu können, braucht das Duo Leibe/Ludwig allerdings die Genehmigung des Rates. “Ein Nachtragshaushalt ist aber nicht nötig”, betont der Stadtchef, “das bekommen wir so hin, auch mit der Genehmigung durch die ADD.”

Notwendig wird die Messe-Sporthalle auch deswegen, weil die Toni-Chorus-Halle, die dem Post-Sport-Verein gehört, zwischen April und August geschlossen sein wird. Dann läuft dort die Innensanierung ab. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) wird den Bewilligungsbescheid für den Landeszuschuss am 1. Februar an den Verein übergeben. Von daher drängt die Zeit. Ludwig geht aber davon aus, “dass wir die Messehalle bis Ostern derart hergerichtet haben, dass dort Sport getrieben werden kann”. Nach den Sommerferien soll die Übergangslösung komplett stehen – nutzbar für Schulen und Vereine.

Auf die Mäusheckerhalle am Schulzentrum in Ehrang müssen die Vereine – etwa die Trierer Rollis – noch bis 2018 verzichten. Der Bewilligungsbescheid des Bundes über vier Millionen Euro Zuschuss liegt zwar vor. Doch der Startschuss zur Sanierung kann erst nach Ausschreibung und Auftragsvergabe erfolgen. “Weil das Geld da ist, heißt das nicht, dass wir anfangen können”, betont Leibe, “diese Botschaft müssen wir immer wieder absetzen.” Das Rathaus muss sich hier an strenge Regularien – etwa die europaweite Ausschreibung – halten. “Daran sind wir gebunden”, unterstreicht der OB. “Und ich hoffe, dass kein Bewerber gegen die Vergabe an einen anderen Auftragnehmer klagt, weil der Sanierungsstart sich dann zusätzlich verzögert.”

Bis zum Mai will Ludwig die Formalitäten abgehakt haben – einschließlich des Votums von Ausschuss und Stadtrat. Bis Ende 2018 muss die Sanierung wegen der Vorgaben aus dem Bundesförderprogramm abgeschlossen sein. Vier Millionen Euro fließen aus Berlin nach Trier. Mindestens 2,6 Millionen Euro muss die Stadt beim aktuell veranschlagten Gesamtvolumen von 6,6 Millionen Euro selbst aufbringen. “Deswegen war die Erhöhung der Grundsteuer B unumgänglich”, sagt der Finanzdezernent Leibe. “Dieses Geld brauche ich für die Mäusheckerhalle.” Zwischen 2,4 und 2,6 Millionen Euro Mehreinnahmen verspricht Leibe sich von der Anhebung der Grundsteuer in den kommenden beiden Jahren.

Sorgenkind Wolfsberg

Die Halle in Feyen, die Ludwig und Ortsvorsteher Rainer Lehnart im Januar 2016 inspizierten, ist nicht mehr sanierungsfähig.

Die Halle in Feyen, die Ludwig und Ortsvorsteher Rainer Lehnart im Januar 2016 inspizierten, ist nicht mehr sanierungsfähig.

Ein Neubau der Halle am Standort in Ehrang ist kein Thema. Erstens sind die Bundesmittel an die Sanierung geknüpft. “Und zweitens”, so Leibe, “ist die Sanierung auch deshalb wirtschaftlicher, weil wir es hier nicht mit einer reinen Sport-, sondern mit einer Zuschauerhalle zu tun haben.” Die Zuschauerkapazität soll nach der Sanierung zwischen 600 und 800 Plätzen liegen. “Das ist für unsere professionellen und semiprofessionellen Vereine sehr wichtig”, so Leibe.

In Feyen und Trier-West sieht das hingegen anders aus. Dort strömen keine Zuschauer in die Hallen. Sie werden hauptsächlich für den Schulsport und für Trainingseinheiten genutzt. Deswegen hat das Rathaus sich für Neubauten in beiden Stadtteilen entschieden. In Feyen müssen 3,7 Millionen Euro (Zuschuss: 1,417 Millionen Euro), in West 4,13 Millionen Euro (Zuschuss: 1,517 Millionen Euro) investiert werden. Die alten Hallen werden bis zur Fertigstellung der neuen Hallen genutzt. Das versicherte Ludwig am Montag. “Leider”, so Leibe, “sind für Sporthallen derzeit noch keine Modelle analog zur MobiSchu auf dem Wolfsberg auf dem Markt.” Die Modulbauweise würde vor allem die Bauzeit abkürzen und die Kosten senken.

Bleibt das Sorgenkind der Stadt: die Sporthalle auf dem Wolfsberg. “Wir suchen nach einer Lösung”, so Ludwig, “sind aber noch nicht wirklich weiter.” Der Christdemokrat hofft, “dass die Halle noch so lange hält, bis wir das Problem angehen können”. Die Wasserschäden unter der Halle machen die Grundsanierung dringend notwendig. Leibe aber hofft weiter auf ein Umdenken im Rat. “Vielleicht bekommen wir ja doch noch eine Änderung im Schulentwicklungsplan hin”, sagt der Stadtchef, “und damit eine neue Sporthalle in der Innenstadt.” Träumen ist ja bekanntlich nicht verboten. (et)

Zeitplan Mäusheckerhalle

2. Dezember 2016
Zugang des Förderbescheides durch Bundesministerin Barbara Hendricks

Januar 2017
Vergabeverfahren für die Architektenleistung, durchgeführt vom Büro Datz und Kullmann, Mainz. EU-Bekanntmachung erfolgt zu Beginn der 4. Kalenderwoche 2017

Ende März bis Anfang Mai 2017 (20.März bis 8.Mai 2017)
Auswahl und Vergabevorschlag der Planer (Auswahlgremium und Verhandlungsverfahren)

Ende Mai 2017 (17. Mai 2017)
Vergabebeschluss der Architekten und Ingenieurleistung. Die Vergabe des Architektenauftrages erfolgt zehn Tage nach Beschluss, also voraussichtlich am 27. Mai.

Mitte August 2017 (11. August)
Fertigstellung der Hauptuntersuchung “Bau”

Ende August 2017
Baubeschluss

Ende Oktober 2017 (27. Oktober 2017)
Baubeginn

Ende Dezember 2018
Fertigstellung der Maßnahme

Die geplante Bauzeit beträgt 15 Monate. (tr/et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Gesellschaft 8 Kommentare

8 Kommentare zu Träumen nicht verboten

  1. Franz Oppermann

    “Die Halle in Feyen, die Ludwig und Ortsvorsteher Rainer Lehnart im Januar 2016 inspizierten, ist nicht mehr sanierungsfähig.”

    Das ist nicht zufällig die Halle mit dem neuen Dach?
    Vor kurzem saniert und aufgestockt?
    Dabei vom Amt selbst geplant und umgesetzt?
    Dabei kaputt gemacht?

    War es in Egbert nicht auch so?
    In die Maushecker Millionen bereits reingesteckt und jetzt wird sie abgerissen?

    Alles von dem Amt, das jetzt noch personell aufgestockt werden soll?

     
  2. Marco Berweiler

    @Oppermann: nun, eine nicht existente “Sporthalle Egbert” kaputt zu machen, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein.

    Hauptsache aber Schwarz-Grün hat sich bei Egbert wieder mal auf Kosten der anderen Schulen und Schülern durchgesetzt.

    Aber im Allgemeinen erlaube ich mir mal die Frage, warum das Problem mit Schimmelbefall und sanierungsbedürftigen Sporthallen in Trier so gehäuft vorkommt. Ist das in anderen Städten auch so oder wurde jahrelang versäumt, korrekte Bauvorgaben zu erstellen bzw. diese auch zu überprüfen?

     
    • Rainer Landele

      wie jetzt? sie fragen ernsthaft, warum die hallen in trier sanierungsbedürftig sind? natürlich, weil die jetzt (politisch) verantwortlichen damals nicht genug aufgepasst haben. weil damals schon galt: billig baut am besten. und billig wollen sie es haben, unsere heutigen steuerzahler. was interessiert es, wenn es zehn jahre später teuerer ist, wenn man dann seine schäfchen ins trockene gebracht hat…

      und, wie war es vor zehn, zwanzig jahren? wer sagte, qualität und soziale standards kommen zuerst? nee, hauptsache billig, hauptsache schlanker staat (= personalabbau in der verwaltung). und heute heulen die gleichen rum, die damals dazu ja sagten…

       
      • Trierer

        Herr Landele, werden Sie sich mal Ihrer Verantwortung bewusst und entscheiden Sie zum Wohle der Stadt Trier und nicht zum Wohle eines Stadtteils, damit der dort ansässige Ortsvorsteher der Grünen sein Denkmal gebaut bekommt. Hier wird ein Schwachsinn entschieden, Millionen verschleudert für eine marode Schule die niemand braucht. Jeder weiß es und Sie versuchen diesen Schwachsinn auch noch zu rechtfertigen.

         
  3. Schildbürger

    Da haben sich die Grünen und das alternative Gartenfeld-Geklüngel mal wieder einen Schildbürgerstreich erster Güte erlaubt! Wie lange lässt sich die CDU noch von den Grünen an der Nase durch den Ring ziehen? “Doch es sollte nicht sein. Das Mehrheitsbündnis im Rat aus CDU und Grünen, flankiert von den Linken und der AfD, machte dem Stadtvorstand einen dicken Strich durch die Rechnung. Egbert muss saniert werden, so wollte es die Gartenfeld-Koalition. Eine Sporthalle hat die marode Schule in Ost aber auch nach der Instandsetzung nicht. Die rund 100 Egbert-Kinder müssen auch künftig zum Sportunterricht nach Olewig gefahren werden.”

     
  4. Trierer

    Herr Berweiler, Schulen und Hallen die 20 Jahre oder mehr auf dem Buckel haben altern und unterliegen somit einem normalen Alterungsprozess. Dazu gehört leider auch Schimmelbefall, wenn man die Ursachen nicht angeht bzw. nicht angehen kann. Das hat weder etwas mit Bauvorgaben zu tun noch mit unterlassener Überprüfung. Viele dieser Mängel sind seit Jahren bekannt und werden Jahr für Jahr notdürftig im Rahmen kleinerer Sanierungsmaßnahmen saniert. Sicherlich stellt man sich die Frage ob das in anderen Städten auch so ist, oder vielmehr warum dieses Dilemma in anderen Städten nicht so auftritt. Das liegt wohl eher daran, dass hier Leute im Stadtvorstand sitzen die zum Wohle der Stadt entscheiden und das Parteilgeplänkel außen vor lassen. Aber hier in Trier ist man schnell dabei, den Mitarbeitern der Stadt die Schuld in Schuhe zu schieben. Vielmehr sollte man sich fragen, wie es sein kann, dass mehrere Millionen in eine marode Schule gesteckt werden die absolut nicht mehr benötigt wird und andere Schulen und Hallen immer mehr vergammeln und sich weiterer Sanierungstau in unserer hochverschuldeten Stadt anhäuft. Solange solche Personen im Stadtrat sitzen, die durch Ihr unverantwortliches Handeln die Stadt immer tiefer in den Sumpf ziehen, solange wird es weiterhin Schimmelbefall in unseren Schule und Hallen geben. Außer in Egbert, die werden ja in eine andere Halle gefahren……..

     
    • Treverin

      Am 31.01. wird das Bildungsministerium Leitlinien für ein wohnortnahes Grundschulangebot dem Landtag Rp vorstellen. Dann wird es sicher auch für Trier Entscheidungen für die Zukunft und zu Gunsten der weiterführenden Schulen geben. Wir dürfen gespannt sein, ob das dann auch gegen die Verantwortung der CDU/Grüne im Stadtrat Trier sein wird.

       
  5. Marco Berweiler

    Die Insel-Lösung Egbert wird uns sicher noch lange beschäftigen. Die Sanierung wurde zwar leider v.a. von Schwarz-Grün beschlossen, aber vor 2019 wird es definitiv nicht losgehen …

    2019 ist ja auch zufälligerweise wieder Wahl … und danach dürfte es sicher kein Schwarz-Grün mehr geben und mal abwarten … vielleicht wird der Beschluss mit anderen “Machtverhältnissen” im Stadtrat auch wieder aufgehoben und der Weg für die deutlich sinnvollere Innenstadt-Schule wird frei gemacht …

     

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