Trier-West – Die Bagger können kommen

Es kann losgehen: Ministerpräsidentin Malu Dreyer überreicht Oberbürgermeister Wolfram Leibe die Bewilligungsbescheide über 5,1 Millionen Euro.

Es kann losgehen: Ministerpräsidentin Malu Dreyer überreicht Oberbürgermeister Wolfram Leibe die Bewilligungsbescheide über 5,1 Millionen Euro.

TRIER. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat am Samstagmorgen in Trier-West die ersten Bewilligungsbescheide des Landes über 5,1 Millionen Euro zur weiteren Entwicklung des Stadtteils an Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) übergeben. Das Geld fließt in die Projekte “Soziale Stadt” und “Stadtumbau”. Auch Ehrang und Trier-Nord werden in der Sozialen Stadt davon profitieren. Alleine 1,39 Millionen Euro gehen im Westen in die Gebietsentwicklung und den Abbau sozialer Problembereiche – so unter anderem in die Fortführung des Quartiersmanagements, in die Umfeldgestaltung am Gneisenaubering und in den Bauspielplatz in der Eurener Straße. Vordringlich soll nun nach jahrelangen Planungen die Sanierung des dritten Kasernenblocks in der Gneisenaustraße angegangen werden. Dort sind auf 1.100 Quadratmetern Wohnungen im sozialen Bau geplant. Leibe will bereits im Juni den entsprechenden Stadtratsbeschluss herbeiführen. Dann wird ausgeschrieben, und die Bagger können kommen. Am Montag wird auch Bürgermeisterin Angelika Birk (Grüne) im Dechant-Engel-Haus in Trier-West über die konkreten Maßnahmen informieren. Insgesamt stellt das Land in den kommenden vier Jahren über 16 Millionen Euro für den Stadtumbau und die Soziale Stadt in Trier zur Verfügung.

Trier-West, das ist mehr als nur irgendein Stadtteil. Trier-West war über Jahrzehnte hinweg das Stiefkind der Stadt. Vernachlässigt. Verkommen. Verloren. Trier-West, das ist aber auch eine Chance für die gesamte Stadt, wie Professor Franz Kluge in einem Gastbeitrag für den reporter erläuterte. Nirgendwo sonst sind die Entwicklungspotenziale so groß wie links der Mosel. Trier-West, das ist ein schlafender Riese, der auch unter dem Integrationsgedanken zum Zukunfts-Stadtteil werden könnte – sollte der Umbau unter sozialen Aspekten gelingen.

Trier-West ist aber auch sozialer Brennpunkt – mit hoher Arbeitslosigkeit im Vergleich zur Gesamtstadt, Stadtteil mit extrem niedrigen Wahlbeteiligungen und liebster Tummelplatz rechtsradikaler und rechtspopulistischer Rattenfänger. Die Probleme wurden jahrelang verdrängt und sind zudem hausgemacht, wie Professor Dr. Waldemar Vogelgesang in einem Gastbeitrag für den reporter analysierte. 2009 wurde der Workshop unter großem öffentlichen Interesse abgehalten, 2010 der Masterplan aufgelegt. Konkret Greifbares tat sich seither für die Westler kaum. Die städtischen Wohnungen darben weiter vor sich hin, im Gneisenaubering mahnen die Ruinen die Politik nach wie vor zum Handeln.

“Wohnsituation nicht akzeptabel”

Ungewönliche Kunst im Stadtteil - Zeit zum Ausruhen ist allerdings nicht.

Ungewönliche Kunst im Stadtteil – Zeit zum Ausruhen ist allerdings nicht.

Fatalismus und Resignation machten sich breit im Stadtteil. Ortsvorsteher Horst Erasmy (CDU) ging immer wieder auf die Barrikaden, weil Fördermittel nicht abgerufen und Zusagen nicht eingehalten wurden. Der Christdemokrat legte sich im Interesse des Stadtteils sogar mit seiner eigenen Partei an, gilt in gewissen CDU-Kreisen längst als unbeliebter Störenfried. Parteiübergreifend legten die Stadtteil-Politiker, die Vertreter von Initiativen und Organisationen die Finger in die Wunden. Im Sommer letzten Jahres kündigte Alt-OB Klaus Jensen das umfangreiche Entwicklungsprogramm für Trier-West mit einem Gesamtvolumen von rund 20 Millionen Euro an. Ende 2014 setzte Jensen schließlich die Sanierung der städtischen Wohnungen in der Magnerichstraße durch.

Von den insgesamt 1,39 Millionen Euro, die jetzt für das Quartier am Gneisenaubering zur Verfügung stehen, fließen alleine 700.000 Euro in den Umbau des dritten Blocks an der Gneisenaustraße. In dem denkmalgeschützten Gebäude werden auf 1.100 Quadratmetern Wohnungen im sozialen Bau entstehen. Auch die Entwicklung im Umfeld bis hinüber zum sogenannten “Rosa Haus” unmittelbar am Dechant-Engel-Haus wird vorangetrieben. Oberbürgermeister Wolfram Leibe sagte am Samstagmorgen die sofortige Ausschreibung für die Arbeiten zu, sollte der Stadtrat im Juni den entsprechenden Beschluss fassen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer sprach von einer “nicht akzeptablen Wohnsituation in vielen städtischen Wohnungen – auch in Trier-West”. Die Sanierung der Gneisenau-Kasernen sei daher dringend erforderlich. “Die Nutzung für den sozialen Wohnungsbau ist äußerst wichtig, da guter und erschwinglicher Wohnraum in Trier knapp ist”, betonte Dreyer.

Die Sanierung des dritten Blocks im Gneisenaubering soll nun endlich anlaufen.

Die Sanierung des dritten Blocks im Gneisenaubering soll nun endlich anlaufen.

Zudem investiert das Land weitere 2,3 Millionen Euro für den Stadtumbau im Trierer Westen. Damit sollen unter anderem der Ankauf der Jägerkaserne von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) sowie die Planungen und Gutachten zur Entwicklung des Römerbrückenkopfes finanziert werden. Auch in der Jägerkaserne will die Stadt den sozialen Wohnungsbau vorantreiben. Am 9. Mai wird dazu in der alten Kaserne ein offener Planungsworkshop für Bürger, Kaufinteressierte und die Wohnungswirtschaft abgehalten. Zur Finanzierung aller Maßnahmen hat das Land seine Förderquote von 80 auf 90 Prozent erhöht.

“Alle Projekte sind in Mainz angemeldet”, versicherte Leibe am Samstagmorgen. “Die Stadt kann loslegen”, sagte Dreyer. Das gilt auch für Ehrang und Trier-Nord. In Ehrang fließen 995.000 Euro in das Quartiersmanagement, in den Neubau der Kindertagesstätte und den Ausbau der Straße “Zur Stadtmauer”. Im Norden werden 362.000 Euro unter anderem in die Entwicklung des Bürgerhaus-Umfeldes investiert. Die Vielzahl der sehr konkreten Projekte zeige, dass sich einiges bewege in Trier, betonte Dreyer, “weil die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land erfolgreich läuft und sich vor Ort auszahlt”. Zudem werde sich die hohe Investitionssumme von knapp sechs Millionen Euro einschließlich des städtischen Eigenanteils spürbar auch auf die regionale Wirtschaft auswirken, so Leibe. (et)

7,3 Millionen Euro für Jobcenter

Das Trierer Jobcenter erhält 7,3 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) für Deutschland zur Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Betreut werden Menschen, die seit mindestens zwei Jahren arbeitslos sind. Nach Angaben von Maritta Wallrich, der Leiterin des Jobcenters, sind davon in Trier rund 250 Menschen betroffen. Das Projekt startet bereits am 1. Juni. Die Erwerbslosen werden während ihrer Eingliederung kontinuierlich von 20 Begleitern betreut. Sie sollen durch eine umfangreiche Unterstützung den Rückfall in die Arbeitslosigkeit verhindern. Der Fokus liegt auf der Gruppe der unter 25-Jährigen, aber auch ältere Arbeitslose sollen in das Programm aufgenommen werden.

“Wir haben in Trier zwar die niedrigste Arbeitslosenquote aller Großstädte in Rheinland-Pfalz”, sagte Leibe, “trotzdem müssen wir gerade für die Langzeitarbeitslosen etwas tun.” Der Sozialdemokrat kennt das Problem. Leibe war vor seinem Amtsantritt als Oberbürgermeister unter anderem Leiter der Arbeitsagentur in Trier. Für die Unternehmen, die Langzeitarbeitslose einstellen, stehen von den insgesamt 7,3 Millionen Euro vier Millionen Euro an Zuschüssen zur Verfügung. “Dass Trier trotz seiner niedrigen Arbeitslosenquote den Zuschlag im Bewerbungsverfahren erhalten hat, zeigt”, so Leibe, “wie gut hier im Jobcenter gearbeitet wird.” (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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