Trierer Plätze – Mit anderen Augen

Im Dezember 1985 sah der Viehmarkt noch so aus … Foto: Stadtplanungsamt

TRIER. Am Sonntag eröffnet das Stadtmuseum Simeonstift eine Ausstellung, die so manchen Trierer seine Stadt mit anderen Augen sehen lassen wird. Und das sogar mit aktuellem Bezug: Denn in den 1920er Jahren lagen tatsächlich Pläne vor, auf dem Kornmarkt eine Tankstelle zu bauen. Am 10. Dezember werden die Trierer über die Aral-Tankstelle im Alleenring abstimmen − im ersten Bürgerentscheid der Stadtgeschichte. Bis zum 18. März beleuchtet die Schau “Trierer Plätze. Gestern – heute – morgen” aber nicht den Ring, sondern die bewegten Geschichten der 16 Trierer Innenstadtplätze. In diesem Panorama macht die jüngste Ausstellung im Simeonstift Entwicklungen und Umbrüche sichtbar, die das Stadtbild bis heute prägen.

Hauptmarkt, Viehmarkt, Domfreihof – auf den Innenstadtplätzen spielt sich der Alltag der Triererinnen und Trierer ab. Aber taugen sie auch als Thema für eine Ausstellung? Bärbel Schulte, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum Simeonstift und Leiterin der Ausstellung “Trierer Plätze” ist sich ihrer Sache sicher: “Als meine Kollegin Dorothée Henschel mit der Idee auf mich zukam, war ich sofort begeistert”, sagt die Kunsthistorikerin. “Die Trierer Plätze erzählen auf ganz eigene Weise die Geschichte der Stadt, es gibt hier sehr viel mehr zu entdecken und zu erzählen, als man auf den ersten Blick denken würde – ein wunderbares Thema für Trier.”


“Diese Ausstellung zeigt beispielhaft, dass Museen nicht nur Ausstellungsorte, sondern auch Ort der Wissensproduktion sind. In mehrjähriger Arbeit wurde hinter den Kulissen recherchiert, geforscht und die so gewonnenen Erkenntnisse in eine gut verständliche Präsentation gebracht. Dieses Wissen, gerade auch zu aktuellen Themen wie Städtebau oder öffentlicher Raum, ist ein notwendiger Hintergrund auch für aktuelle Debatten in Trier.”
Elisabeth Dühr, Museumsdirektorin


Mehr als eineinhalb Jahre sichtete Schulte die Sammlung des Museums, aber auch die Bestände anderer Ämter der Stadt Trier – eine Recherche, die teilweise einer Detektivarbeit glich. “Ohne die Hilfe zahlreicher Kollegen wäre das gar nicht zu stemmen gewesen”, so Schulte. Neben dem Team des Museums arbeitete auch der Architekt und Stadtplaner Karl-August Heise an der Ausstellung mit, ebenso wie Kollegen aus zahlreichen städtischen Ämtern, die ihr Wissen teilten und die eigenen Archive öffneten: Vom Stadtplanungsamt über die Ämter für Denkmalpflege, Stadtentwicklung, Bodenmanagement, Tiefbau und Brandschutz – und natürlich das Stadtarchiv, das als “Gedächtnis der Stadt” zahlreiche Fotografien beitrug, die in der Ausstellung erstmals öffentlich gezeigt werden.


“Als Kulturdezernent freut es mich besonders, dass das wichtige Thema der Trierer Plätze jetzt in einer so ansprechenden Form im Museum erlebt werden kann. Auch für Trier-Experten, die glauben, ihre Plätze zu kennen, hält die Ausstellungen einige Überraschungen bereit. Ich bin mir sicher, dass das Museum mit dem Thema einen Nerv treffen wird.”
Thomas Schmitt, Kulturdezernent


Dieser breite Querschnitt durch die Stadtverwaltung ist für Schulte auch ein Beleg dafür, wie facettenreich das Thema “Plätze” ist: “Es gibt so viele Aspekte, die in der Ausstellung natürlich nur angerissen werden können – eigentlich könnte man über jeden der 16 Trierer Innenstadtplätze eine eigene Ausstellung machen.”

Auch hier sollte einst eine Tankstelle gebaut werden: der Kornmarkt anno 1911. Rechts das ehemalige Rathaus. Foto: Stadtarchiv

Die Ausstellung, die von Sonntag an im Stadtmuseum Simeonstift zu sehen sein wird, verfolgt die Trierer Plätze mit Gemälden, Fotografien und historischen Dokumenten in einem chronologischen Rundgang: Vom ältesten Platz, dem Hauptmarkt, bis zu den in jüngerer Zeit gestalteten Plätzen Viehmarkt und Basilika-Vorplatz. Auch Plätze, die noch auf ihre Neugestaltung warten, etwa Porta Nigra-Vorplatz oder Augustinerhof, werden in der Ausstellung beleuchtet. So zeigt dieser Zeitstrahl nicht nur Schlaglichter des “alten Trier”, sondern erzählt auch von gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, die das Gesicht der Stadt bis heute prägen.

Für Schulte, die als Studentin noch das Trier der 1980er Jahre erlebte, gehörte das Wiedersehen mit dem Autoverkehr in der Innenstadt auf historischen Fotografien zu den interessantesten Momenten der Ausstellungsvorbereitung: “Damals hatte ich es als normal empfunden, dass die Innenstadtplätze als Verkehrszonen und Parkplätze dienten. Erst mit dem Blick von heute ist mir bewusst geworden, wie sehr diese Situation dem Stadtbild geschadet hat. Hier hat sich in den letzten Jahren viel zum Guten gewendet.” (tr/mit Material Rathaus-Zeitung, Trier)

Extra

Die Gestaltung von Plätzen ist die Königsdisziplin der Stadtplanung: Durch bewusst gesetzte Freiflächen entstehen in ihnen die Dreh- und Angelpunkte des öffentlichen Lebens. Sie sind Orte des Handels, des politischen Austauschs, der Freizeitgestaltung und bürgerlicher Feste. Nirgendwo gibt sich die Identität einer Stadt deutlicher zu erkennen als auf ihren Plätzen.

Öffentliche Plätze sind aber nicht nur die Gesichter einer Stadt, sondern auch beredte Zeugen ihrer Geschichte. In einer historisch gewachsenen Stadt wie Trier gilt dies in besonderem Maße: Vom Hauptmarkt – der “guten Stube der Stadt” – bis zu den unter großen Diskussionen umgestalteten “neuen Plätzen” erzählen diese Orte Geschichten von Macht, Selbstverständnis und Lebensweisen.


Das Begleitprogramm


Mit zahlreichen Gemälden, Fotografien, Plänen und interaktiven Elementen vermittelt die Ausstellung nicht nur die Historie der Trierer Plätze, sondern schärft auch den Blick für aktuelle und zukünftige Fragestellungen und lädt die Besucherinnen und Besucher ein, eigene Ideen zur Gestaltung ihrer eigenen Plätze einzubringen.

Die neue Ausstellung “Trierer Plätze. Gestern – heute – morgen” wird am Sonntag, 19. November, 11.30 Uhr, im Stadtmuseum Simeonstift eröffnet. Zum Start ist der Eintritt frei. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Kultur 1 Kommentar

Kommentar zu Trierer Plätze – Mit anderen Augen

  1. Markus

    Danke für den Veranstaltungstipp. Bei der Gelegenheit hier ein anderer Blogbeitrag über Plätze in Trier: http://raumblog.de/stadt-in-platzangst/

     

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