Trierer Plätze – Volles Haus im Stadtmuseum

Der Plan für die Tankstelle auf dem Kornmarkt aus den 1920er Jahren.

TRIER. Mit einem derart großen Interesse hatten wohl selbst die kühnsten Optimisten nicht gerecht: Mehr als 350 Besucher kamen am Sonntagmorgen zur Eröffnung der neuen Ausstellung “Trierer Plätze. Gestern – heute – morgen” in den Simeonstift – volles Haus im Stadtmuseum! Die multimediale Präsentation auf zwei Etagen erzählt bis zum 18. März die bewegten Geschichten der 16 Trierer Innenstadtplätze, macht aber auch Entwicklungen und Umbrüche sichtbar, die das Stadtbild bis heute prägen.

Eine Tankstelle auf dem Kornmarkt? Solche Pläne gab es tatsächlich in den 1920er Jahren. Es gab aber auch den politischen Vorstoß in den 1950er Jahren, den Platz vor dem Dom zu erweitern, “damit die aus der Kirche strömenden Besucher den Autoverkehr nicht gefährden”, wie Ausstellungsleiterin Bärbel Schulte erzählte.

So wurden auch in Trier die Menschen unter die Erde verbannt, damit die Autos freie Fahrt hatten. Vielerorts ist das Trier heute noch so − etwa am Verteilerkreis Ost. Der Anachronismus wird aber auch am Rindertanzplatz und Augustinerhof deutlich. Seit den 1960er Jahren hat sich dort kaum etwas verändert. Der Stockplatz ist inzwischen zwar offiziell autofrei, zugeparkt wird er trotzdem. Das gilt auch, obwohl Fußgängerzone, für den Domfreihof.



Heute kämpfen die Befürworter der Aral-Tankstelle in der Ostallee für das Symbol der autogerechten Stadt. Die Gegner hingegen streiten auch für das Signal, in Trier endlich ein Umdenken in der erstickenden Verkehrspolitik herbeizuführen. “Es gibt immer noch Handlungsbedarf”, sagte Schulte am Sonntagmorgen zur Eröffnung, “etwa am Paulusplatz, am Irminenfreihof, am Augustinerhof und am Rindertanzplatz.” Ihr Team habe bei der Konzeption der Ausstellung Wert darauf gelegt, “dass wir die historische Entwicklung zeigen”.


Autoverkehr auf dem Hauptmarkt …


Mit Gemälden, Fotografien und historischen Dokumenten in einem chronologischen Rundgang wird ebendiese historische Entwicklung in der neuesten Ausstellung und im Begleitprogramm anschaulich und multimedial präsentiert: Vom ältesten Platz, dem Hauptmarkt, bis zu den in jüngerer Zeit gestalteten Plätzen Viehmarkt und Basilika-Vorplatz. Auch Plätze, die noch auf ihre Neugestaltung warten, wie etwa der Porta-Nigra-Vorplatz, werden in der Ausstellung beleuchtet. So zeigt der Zeitstrahl nicht nur Schlaglichter des alten Trier, sondern erzählt auch von gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, die das Gesicht der Stadt bis heute prägen.

Volles Haus am Sonntagmorgen im Stadtmuseum.

“Das Stadtmuseum präsentiert sich hier wieder einmal als Museum aller Bürgerinnen und Bürger”, lobte Kulturdezernent Thomas Schmitt. “Das ist die hohe Kunst, sich um die eigene Achse zu drehen.” Ein Anspruch, mit dem das Stadtmuseum in jede Planung geht, “weil das Museum auch ein Ort der wissenschaftlichen Forschung und nicht nur ein Showroom ist”, so Direktorin Elisabeth Dühr. (tr/et)

Der reporter wird sich mit der neuen Ausstellung im Stadtmuseum in den kommenden Wochen in einem ausführlichen Beitrag beschäftigen.


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Kultur 3 Kommentare

3 Kommentare zu Trierer Plätze – Volles Haus im Stadtmuseum

  1. Ralli

    Das wäre es doch: weitere Bürgerbegehren für den Bau einer Tankstelle auf dem Kornmarkt und das Freigeben innerstädtischer Plätze für Autos. Freie Fahrt für freie Bürger. Nie wieder “Abzocke” für “Kavalliersdelikte”, Parken vor den Geschäften, auf Bürgersteigen und in der Fußgängerzone erlaubt.

    Das wäre doch ganz im Sinner der “Lagunenfreunde” – egal ob blau oder nüchtern.

     
  2. Sascha

    Wenn ich mir so die Fotos Stopckplatz und Rindertanzplatz anschaue… viel verändert hat sich nicht, insbesondere bei Letzterem.
    Schon irgendwie schade.

     
  3. Stadtkind

    Besser noch: die blaue Lagune zieht in die Porta um und wird zur schwarzen Lagune mit Viezausschank 24 Stunden am Tag. Selbstverständlich auch zum Mitholen. Uns schöner Trier? Sauwer!

     

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