Trierer Weißhaus schließt zum Jahresende

Zum Jahresende wird der Gastronomie-Betrieb auf dem Weißhaus vorläufig eingestellt. Foto: Weißhaus

Zum Jahresende wird der Gastronomie-Betrieb auf dem Weißhaus vorläufig eingestellt. Foto: Weißhaus

TRIER. Eine Trierer Institution geht in den einstweiligen Ruhestand: Zum Jahresende schließt das Restaurant im Weißhaus über dem Moselufer. Entsprechende reporter-Informationen bestätigte jetzt Ralf Frühauf vom städtischen Presseamt. Das Pächter-Ehepaar Adamkiewicz zieht sich aus Altersgründen aus dem Geschäft zurück, der Restaurant-Betrieb wird zunächst vorläufig eingestellt. Seit April ist das klassizistische Gebäude wieder im alleinigen Besitz der Stadt, nachdem es zuvor von der Bauherren-Gemeinschaft “Weißhaus” verwaltet worden war. Bereits 1881 war auf dem Weißhaus der erste Gastronomie-Betrieb eröffnet worden.

Frühauf kündigte gegenüber dem reporter eine umfangreiche Bestandsaufnahme des Gebäudes durch die Stadt an. “Wir werden das Haus nun zunächst einmal genau unter die Lupe nehmen”, sagte der Pressesprecher, “und dabei vor allem die aktuelle Bausubstanz prüfen.” Eventuelle Schäden sollen behoben, notwendige Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Der Restaurant-Betrieb soll nach einer Pause wieder aufgenommen werden. Die Stadt selbst will allerdings nicht als Gastronom hoch über dem Moselufer auftreten. “Aber es gibt schon einige Interessenten, die den Betrieb weiterführen wollen”, so Frühauf. Eine Entscheidung darüber, wer künfig Gäste im klassizistischen Kleinod bewirten darf, ist laut Frühauf aber noch nicht gefallen.

In den 1970er Jahren drohte die 1823 errichtete Villa, die dem damaligen Oberbürgermeister Wilhelm von Haw als Wohnhaus diente, zu zerfallen. Schon damals fehlte der Stadt, der das Gebäude nach der Rückübertragung des Erbbaugrundstücks wieder zugefallen war, das Geld, um das heruntergekommene Café und Restaurant mit ausschließlich eigenen Mitteln zu sanieren und modernisieren. Eine wirtschaftlich optimale Lösung schien die Idee einer Ferienanlage mit knapp 100 Appartements rund um das Weißhaus zu versprechen. Finanziert aus den Erlösen dieses Projektes, sollte das klassizistische Kleinod als attraktiver Ort mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten im Stadtwald wiederbelebt werden. Der Rat stimmte dem Vorhaben fast einstimmig zu. Doch Rat und Verwaltung hatten die Rechnung ohne die Triererinnen und Trierer gemacht.

Mit dem Slogan “Rettet den Weißhauswald” setzte sich eine Bürgerinitiative gegen den Plan der Stadt mit bis dahin eher ungewohnten Aktivitäten zur Wehr. Der in den Medien breit ausgetragene Widerstand rekrutierte sich aus allen Kreisen der Bevölkerung. Fast 13.000 Unterschriften, davon 11.348 gültige, sprachen sich gegen das Modell der Appartement-Anlage aus. Dieses Engagement führte schließlich dazu, dass die ursprünglichen städtischen Pläne nicht mehr aufrecht erhalten werden konnten.

Ein Kleinod hoch über dem Moselufer: das Trierer Weißhaus. Foto: Weißhaus

Ein Kleinod hoch über dem Moselufer: das Trierer Weißhaus. Foto: Weißhaus

Mit dem erfolgreichen Protest der Bürger war für die Stadt das Finanzierungsproblem einer Neuerschließung des Weißhauses allerdings nicht gelöst. Man entschied sich 1979 mit der Zustimmung des Rates für ein Bauherren-Verfahren, zu dem auch die Bürgerinnen und Bürger ihren Obulus beitragen sollten. Von 161 Gesellschaftern der gegründeten Bauherrengesellschaft “Weißhaus Trier” wurden für das benötigte Gesamtkapital von knapp 4,5 Millionen Mark aus dem privaten Bereich rund 1,5 Millionen Mark durch Beteiligungen unterschiedlicher Größenordnungen zusammengebracht. Insgeheim hatte sich die Stadt aber durchaus mehr erwartet, doch letztlich konnte das Weißhaus 1984 in erweiterter Form erfolgreich wiedereröffnet werden.

Im April des laufenden Jahres fielen die letzten Anteile der Bauherrengesellschaft an die Stadt zurück. Sie ist damit wieder alleinige Eigentümerin der weißen Trierer Institution hoch über dem Moselufer. Der Gastronomie-Betrieb soll voraussichtlich bereits im kommenden Jahr wieder aufgenommen worden. “Das Gebäude ist wie geschaffen für ein Restaurant”, betonte Frühauf, “und bietet sich für die Gastronomie ja geradezu an.” Nach der Bestandsaufnahme und etwaigen Sanierungsmaßnahmen will die Stadt das Weißhaus dann erneut verpachten. (et)

Das Weißhaus

Um 1820 erwarb Oberbürgermeister Wilhelm von Haw das Gelände im Weißhauswald als Landgut. Von Haw ließ den mehrere hundert Morgen umfassenden Gesamtbering unter großem Aufwand aufforsten, legte Gärten an, darunter auch eine Schäferei im dazugehörigen Biewertal. Das alte Weisshäuschen wurde abgerissen, und an seiner Stelle entstand die Privatvilla von Haws, die um 1823 fertiggestellt wurde.

Der Weißhauswald und die Gärten standen schon zu Lebzeiten von Haws den Bürgern der Stadt offen. Nach dem Tod des Besitzers wurden Villa und Ländereien 1863 vom Statthalter des Großherzogtums Luxemburg, Prinz Heinrich der Niederlande, erworben, der die Anlage weiterhin für Besucher offen hielt, instand setzte und den Neubau einer weiteren privaten Villa projektierte, die jedoch aufgrund seines plötzlichen Todes im Jahr 1879 nicht realisiert wurde.

Um den Verkauf an Privatpersonen und damit den möglichen Verlust eines öffentlichen Erholungsparks zu verhindern, wurde 1879 die Aktiengesellschaft Weißhaus-Verein von wohlhabenden Trierer Bürgern gegründet. 1881 wurde die Villa nach Verbesserung der Zuwege, Instandsetzungen des Gebäudes und der Anlage einer Gartenterrasse verpachtet und der Restaurantbetrieb eröffnet.

Der betont schlicht gehaltene, zweigeschossige Bau, circa zwölf Meter lang und sieben Meter tief, weist lediglich zur Stadtseite hin eine differenziertere, durch Schmuckformen betonte Fassadengestaltung auf. Dem französisch geprägten Erscheinungsbild des Monaiser Schlosses und der Villa Nell setzt die Villa Weißhaus einen deutlich von preußisch-klassizistischer Bauweise beeinflussten Stil entgegen, der sich auch am dazugehörigen Ökonomiegebäude Drachenhaus findet. (Quelle: Datenbank Kulturgüter Region Trier)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Gesellschaft 4 Kommentare

4 Kommentare zu Trierer Weißhaus schließt zum Jahresende

  1. Ruth Chorus

    Hoffe das es bald wieder aufgemacht wird. Kenne ich aus meiner Kindheit.

     
  2. Detlef Pack

    Wann eröffnet das Weißhaus wieder ?

     
  3. Regine

    Eigentlich wollten wir in diesem Jahr – 2016 – auf der Durchreise hier Rast machen. Wenn das Haus seit 2015 geschlossen ist, was passiert denn derzeit damit? Es wäre doch schön, hierzu aktuelle Presseinformationen zu finden.

    Mit herzlichen Grüßen nach Trier, Regine

     

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