Trifolion: Mit der Besetzung von Nischen erfolgreich

Mit einer geschickten Auswahl an Veranstaltungen lockte das Trifolion im vergangenen Jahr etwa 21.000 Besucher nach Echternach. Foto: visit Luxembourg

ECHTERNACH. Das Kultur-, Kongress- und Veranstaltungszentrum ‟Trifolion‟ in Echternach registrierte in 2016 mit seinem Mix an Kultur-, Kongress- und Gesellschaftsveranstaltungen knapp 21.000 Besucher. Das teilte Bürgermeister Yves Wengler, von Amts wegen auch Präsident des Zentrums, bei einer Pressekonferenz mit. Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch das Programm der neuen Saison vorgestellt.

Von Rolf Lorig

Die Luxemburger Nachbarn haben allen Grund zur Zufriedenheit: Das Interesse der Menschen in der Großregion am Trifolion ist unverändert groß. Mehr als ein Drittel davon reiste aus Deutschland an, davon kam die Hälfte aus dem Landkreis Trier-Saarburg. Etwa 47 Prozent kamen der Statistik zufolge aus der Eifel und dem Landkreis Bernkastel-Wittlich. Ein Prozent entfällt auf das Saarland, die restlichen zwei Prozent verteilen sich auf das restliche Bundesgebiet.

Der Erfolg des Kultur- und Veranstaltungszentrums beruht nach Ansicht von Direktor Ralf Britten im Wesentlichen auf dem Nischenprogramm, das für alle Altersschichten ein passendes Angebot bereithalte. Dazu zähle auch die Vortrags- und Diskussionsveranstaltungsreihe ‟Horizonte‟, die alleine 15.000 Besucher mobilisierte. Auch hier sei der Beweis erbracht worden, dass prominente Namen ziehen.

“In der Region gibt es ein enormes Angebot an kulturellen Veranstaltungen”

Um den Dialog und den grenzüberschreitenden Austausch zu fördern, setzt Britten auf Kooperationen wie beispielsweise dem Eifel Literaturfestival. Es gebe in der Region ein enormes Angebot an kulturellen Veranstaltungen, die wegen der dünnen Bevölkerungsdichte alle mehr oder minder im Wettbewerb zueinander stehen würden. Um sich da sichtbar machen zu können, bedürfe es schon großer Anstrengungen, so der Direktor. Diese versuche das Trifolion über eine aktive Presse- und Marketingarbeit sowie über Medienkooperationen zu erreichen. Hier komme vor allem auf dem lokalen Sektor auch dem Stadtmarketing eine wichtige Rolle zu.

Kommt am 18. Januar nach Echternach ins Trifolion: Axel Milberg. Foto: NDR

Prominente Namen und attraktive Angebote fehlen auch in der kommenden Spielzeit nicht. Das machte der Ausblick deutlich, mit dem Britten für die kommenden Veranstaltungen warb. Es ist wieder einmal ein Mix für alle mit einem breiten Angebot für jung bis alt, Entertainment-Fans sowie Musik- und Literatur-Liebhaber. Für die kleinen Kulturfreunde bieten schulische sowie öffentliche Veranstaltungen ganz besondere Momente auch für die ganze Familie. Für Entertainment sorgen Shows wie das Revival-Musical ABBA Gold, Best of Musicals, die ‟12 Tenors‟, die irische Dance-Company ‟Rhythm of the Dance‟ oder die Live-Kochshow des Starkochs Christian Henze.

Mit der Ausstellung zu fraktaler Kunst (14. November bis 10. Dezember 2017) des international bekannten Künstlers und Physikers Bernd Preiss verschmelzen Malerei, Physik und Mathematik. Der durch den Mathematiker Benoit Mandelbrot geprägte Begriff ‟Fraktal‟ bezeichnet Objekte, bei denen das Ganze seinen Einzelbestandteilen ähnelt, wie sie sowohl in der Natur wie beispielsweise Bäumen vom Stamm bis in die letzte Astspitze oder dem Blutkreislauf als auch in der mathematischen Theorie vorkommen. Die gesamte Natur ist Mandelbrot zufolge fraktal aufgebaut aus Wiederholungen einer bestimmten Struktur in sich selbst. Die Fraktalkunst ist eine Unterform der digitalen Kunst und beschäftigt sich mit der Erschaffung digitaler Bilder, die aus einem oder mehreren Fraktalen bestehen. Die Schulworkshops im Rahmen der Ausstellung geben Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, eine mathematische wie physikalische Welt auf eine andere Art und Weise sichtbar zu machen und von einer künstlerischen Seite zu erleben.

Zum Jahresbeginn visualisiert die Ausstellung ‟Between Shade and Darkness‟ im Rahmen des Internationalen Holocaust Gedenktages das Schicksal der Juden in Luxemburg während des Zweiten Weltkrieges, zu dessen Anlass ein großes Konzert anlässlich der MemoShoah Echternach stattfinden wird.

Die Luxemburger Vereinigung MemoShoah asbl entspringt dem Bewusstsein engagierter Bürger, die das Ziel verfolgen, unabhängig von politischen oder religiösen Hintergründen Projekte und Initiativen zu organisieren und zu unterstützen, die zur Aufarbeitung und zum Verständnis der Shoah beitragen – insbesondere im Hinblick auf die Luxemburger Opfer. In Erinnerung an deren schreckliches Schicksal unter der Naziherrschaft von 1940 bis 1945 will MemoShoah Luxembourg asbl sensibilisieren und informieren, dies auch im Gedenken an die unschuldigen Opfer anderer Völkermorde und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die weiterhin stattfinden.

Liest am 24. Februar Arbeiten der Schriftstellerin Virginia Woolfe: Ulrich Noethen. Foto: ARD, Jörg Carstensen

‟Trifolion Literatur‟ in der zweiten Jahreshälfte

Seit Jahren widmet sich die Frühjahrs- und Sommersaison des Kultur- und Veranstaltungszentrums mit der Reihe ‟Trifolion Horizonte‟ traditionell dem gesprochenen Wort und Dialog. Die zweite Jahreshälfte ist mit ‟Trifolion Literatur‟ dem geschriebenen Wort gewidmet und wartet mit dem bekannten Schauspieler und Tatort-Kommissar Axel Milberg, dem Charakter-Schauspieler und Grimme-Preisträger Ulrich Noethen sowie dem Historiker Hermann Simon auf.  Milberg wird am 18.Januar um 20 Uhr Stefan Zweigs wohl bekanntestes Werk, die ‟Schachnovelle‟ lesen und der Historiker Hermann Simon am 1. Februar um 20 Uhr aus den spannenden Memoiren seiner jüdischen Mutter. Die dritte Lesung mit dem Charakter-Schauspieler Ulrich Noethen am Samstag, 24. Februar, ebenfalls um 20 Uhr, widmet sich der faszinierenden Autorin Virginia Woolf.

Die öffentlichen Familienveranstaltungen reichen von Kinder- und Familienmusicals wie Peter Pan bis hin zu Pippi Langstrumpf oder der kindgerechten Version von Mozarts bekannter Oper ‟Die kleine Zauberflöte‟. Die Luxemburgische Tanztheater-Produktion der Kompagnie Kopla Bunz Fenrir, ‟de Risewollef‟, widmet sich der skandinavischen Saga des mythenumwobenen Wolfs. Diese Veranstaltung findet sowohl als Familienveranstaltung als auch als Schulveranstaltung statt.

Mit dem poetischen Bewegungstheater ‟Goldmädchendes Traffik Theater Luxemburg‟ präsentiert das Trifolion zudem eine Aufführung ohne Sprache für das ganz junge Publikum ab drei Jahren. Auch diese Veranstaltung findet sowohl öffentlich für die ganze Familie als auch im schulischen Rahmen statt.

Für die Freunde von Entertainment, Theater und Kabarett hält das Kulturzentrum  hochkarätige Veranstaltungen bereit. Zum Saison-Start bringt die in New York lebende luxemburgisch-deutsche Chanson-Sängerin Adrienne Haan mit ihrer Show ‟Rock le Cabaret‟ den französischen Chanson als großartige, fetzige Rock-Nummern auf die Echternacher Bühne. Ebenfalls musikalisch, allerdings eher besinnlich und weihnachtlich stimmen die Christmas Stars zum Jahresende auf das Fest der Liebe ein, während im Januar ein großes Konzert zum Internationalen Holocaust-Gedenktag an die Shoah und Verfolgung der Juden in Luxemburg erinnern wird. Dieses Konzert mit Werken jüdischer Komponisten oder bekannten Filmmelodien wie etwa aus Schindlers Liste erfolgt im Rahmen der MemoShoah Echternach 2018, die sich in diesem Themenjahr besonders mit der Shoah der Juden in und um Echternach beschäftigt. Das Konzert wird musikalisch von den drei Ensembles Harmonie Municipale Echternach, dem Ensemble Sachor und dem Chor Ambitus gestaltet.

Humorvoll wird es mit dem luxemburgischen Cabaret ‟Batter Séiss‟, das sein neues Programm präsentieren wird. Das luxemburgische Ensemble ‟Cojellico’s Jangen‟ lässt mit viel Witz und Charme einen Hauch der Ära und des Flairs der Comedian Harmonists durch Echternach wehen.

Britten betonte, dass auch in der Spielzeit 2017/18 der Zugang, die Teilhabe und aktive Teilnahme von Menschen an Kultur und Kunst im Mittelpunkt zahlreicher Kooperationsprojekte stehen, die das Trifolion gemeinsam mit Schulen und Kulturvereinigungen umsetzen werde. So würden neben Profis auch Nachwuchsmusiker, Kinder und Jugendliche auf der Bühne stehen.

 


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur, Trifolion Hinterlasse einen Kommentar

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