Untreue – Ermittlungen gegen Egger und Sibelius

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Egger und Sibelius. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Die Staatsanwaltschaft Trier hat nach Auswertung des geheimen Berichts des Rechnungsprüfungsamtes, der am 11. November 2016 durch den reporter veröffentlicht wurde, zum Haushalt des Stadttheaters der Jahre 2015 und 2016 und Einholung einer ergänzenden Auskunft der Stadt Trier Ermittlungen gegen den ehemaligen Generalintendanten des Theaters Trier, Karl Sibelius, und den ehemaligen Kulturdezernenten der Stadt, Thomas Egger (SPD), wegen des Anfangsverdachts der Untreue aufgenommen. Das teilte die Behörde am heutigen Montag in einer Presseinformation mit. Egger und Sibelius wird vorgeworfen, den Theateretat in zwei Haushaltsjahren um mehr als drei Millionen Euro überzogen zu haben. Die Trierer AfD hatte Anzeige gegen den Ex-Intendanten und den Ex-Dezernenten erstattet. Der Theater-Skandal, der schließlich zur Entlassung Sibelius’ und zur Abwahl Eggers führte, war im Mai 2016 durch den reporter-Artikel Das Minus-Haus aufgedeckt worden.

“Unter der Leitung des Intendanten Karl Sibelius, dem neben der künstlerischen auch die kaufmännische Verantwortung des Theaters oblag, wurden in den Jahren 2015 und 2016 Verpflichtungen eingegangen, durch die der Theateretat nach dem Bericht des Rechnungsprüfungsamts im Jahr 2015 um zirka 1,3 Millionen Euro und im Jahr 2016 um zirka 1,7 Millionen Euro überzogen wurde. Von Juni 2016 an nahm der ehemalige Kulturdezernent der Stadt, Thomas Egger, die Budgetverantwortung für den Theateretat gemeinsam mit dem Intendanten wahr und war ebenfalls für Verpflichtungen mitverantwortlich, die möglicherweise vom Haushaltsplan nicht gedeckt waren”, schreibt der Leitende Oberstaatsanwalt, Peter Fritzen, in einer Presseerklärung vom heutigen Montag.


Beginn des Theater-Skandals − Das Minus-Haus


Aus den der Staatsanwaltschaft bisher vorliegenden Erkenntnissen ergeben sich laut Fritzen “Anhaltspunkte dafür, dass der Stadt Trier durch die Budgetüberschreitungen ein Vermögensschaden entstanden ist”. Zwar hätten sich aus dem Bericht des Rechnungsprüfungsamtes keine Hinweise darauf ergeben, “dass die Beschuldigten die dem Theater zur Verfügung gestellten Mittel für theaterfremde Zwecke eingesetzt hätten”. Jedoch sei das Rathaus durch die Budgetüberschreitungen gezwungen worden, im Jahr 2016 einen zusätzlichen Kredit von einer Million Euro zur Deckung des Theaterdefizites aufzunehmen. Auch sei nach Auskunft des Rathauses davon auszugehen, dass durch die Ausweitung der Kreditverschuldung der ohnehin schon eingeschränkte politische Gestaltungsspielraum der Stadt im Bereich der freien Selbstverwaltungsaufgaben noch weiter eingeengt wurde.


Dossier Theater-Skandal


Die zur Klärung des Anfangsverdachts erforderlichen Ermittlungen sind laut Fritzen eingeleitet worden. Sie werden voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen, da während der Ermittlungen eine Vielzahl einzelner Vorgänge des Einsatzes von Haushaltsmitteln des Theaters aus den Jahren 2015 und 2016 zu beleuchten sein wird.

“Ich weise darauf hin, dass die Aufnahme von Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft keineswegs bedeutet, dass sich die Beschuldigten tatsächlich strafbar gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft ist nach der Strafprozessordnung verpflichtet zu ermitteln, wenn der Anfangsverdacht eines strafbaren Verhaltens besteht. Dieser ist bereits gegeben, wenn Anhaltspunkte vorliegen, die es als möglich erscheinen lassen, dass eine Straftat begangen worden ist. Das Ergebnis der durchzuführenden Ermittlungen ist offen. Es gilt die Unschuldsvermutung”, so Fritzen in der Pressemitteilung der Behörde. (tr/et)


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Erstellt am Autor trier reporter in Dossier Theater, Featured, Politik 16 Kommentare

16 Kommentare zu Untreue – Ermittlungen gegen Egger und Sibelius

  1. beobachter

    Sehr gut!

     
  2. Anna Majewski

    Sehr gut. Jetzt kommt endlich wieder Bewegung in die Sache. Im Interview mit einer Abiturientin hat der Theater-Crasher aus Österreich wie zu erwarten jegliche Schuld auf seine bekannt dreiste und selbstverliebte Weise auf die Stadt geschoben. Man muss zugeben, dass die städtischen Versager wirklich mit in der Pflicht sind. Einen solchen Vogel zu engagieren und ihn mit maximaler Macht auszustatten. Welch schweres Erbe tritt nun Herr Langner an, dem meine volle Sympathie gilt. Ein respektabler Theatermann statt dieses Totalausfalls aus dem Nachbarland. Man darf gespannt sein, zu welchem Ergebnis die Justiz kommt.

     
  3. Karl Haeßler

    Es wird höchste Zeit, das die beteiligten Damen und Herren aus dem Stadtrat nun auch ihre Konsequenzen ziehen und zurück treten.
    Dr. Dempfle von der CDU kann nur ein Anfang sein! Insbesondere SPD, Grüne und Linke, die bis zuletzt beide Deliquenten unterstützt haben, sollten nun einmal nachdenken – ins besondere Frau Kewes!
    Schappo und Dank gebührt der AfD, die sich wiedereimal als wirkliche Alternative zu dem Parteiensumpf hervorgetan hat!
    Wie wäre diese Misere vertuscht worden, gäbe es im Rat nicht die AfD-Fraktion!
    Danke – und macht weiter so – sehr gute Arbeit!!!

     
    • Scharls

      Schappo, Karl Haeßler, für Ihre originelle Schreibweise!
      Werde gleich im Schatto einen Schabbli trinken.

       
      • S. Chleimer

        Was ist daran originell? Meine Güte, welch eine Schleimspur Ihr Kommentar hinter sich herzieht, da schaut manch Schnecke neidisch! So das ist originell, oder?! 😉

         
        • ROman

          Na da hat aber jemand seine Ironiesensibilität abgeschaltet …

           
          • S. Chleimer

            Na da hat aber jemand seine Humorsensibilität abgeschlatet

      • C. Hateau

        Ah, jetzt hab ich verstanden, es handelt sich wohl anscheinend um die Alltagssprache eines offensichtlich wohl anzunehmenden degenerierten Adels, der im Schatto (Chateau!) ein Schappi bzw. ein Stubbi (mit bb) trinkt, oder ein Chappli, also ein Champagner!?, ja die AfD, eine Partei der dekadenten reichen Deutschen, die dass “dumme Fußvolk” (‘tschuldigung für die Ausdrucksweise!) nutzt, um ihre braunen und elitären Interessen durchzusetzen!

         
        • Chardonnay

          Chapeau, C. Hateau,
          wurde dort nicht eine Flasche Chablis entkorkt…?

           
    • Jan Kneipp

      @Karl Haeßler

      “das (daß?) die beteiligten Damen und Herren … zurück treten”
      Wen oder was sollen die Damen und Herren bitte treten? Den Reporter, die Kommentatoren, Pedale oder kaltes Wasser?

       
  4. Scharlach

    Ein Schappi trinken!? Es war nicht die AfD-Fraktion, die den Skandal aufgedeckt hat, es war der Trier-Reporter! Auch die AfD hat von den katastrophalen Buchaltungsmethoden im Theater erst etwas mitbekommen, als es hier publik gemacht wurde. Aber gehen Sie ruhig ein Schappi im Schatten trinken! Was hätten wir hier abstruse Kommentare weniger, gäbe es im Rat und allgemein nicht die AfD-Fraktion!

     
  5. schinder

    Er wollte keinen Schappi trinken. Was hier immer alles unterstellt wird. Gemeint war natürlich ein Stuppy.

     
    • Anna Majewski

      Hier weichen einige Mitmenschen arg vom Thema ab. Das sind nicht Rechtschreibfehler oder die AfD. Stellen sich diese Menschen wirklich noch vor die unfähigen Stadträte oder alle, welche das Desaster zu verantworten haben? Jeder Bürger, jede Bürgerin sollte froh sein, wenn im Interesse der Allgemeinheit nun endlich ermittelt wird.

       
      • C. Hateau

        mehr Humor, nicht so verkrampft, trinken Sie doch ein Schappi, äh, schappli!

         
      • Jack Bubu alias Gereizt

        Genau Frau Majewski,
        also heißt es jetzt Schappli oder Chappli?!

         
  6. Hans Maier

    Das Ergebnis der Untersuchung ist doch jetzt schon klar: ja, haben etwas mehr Geld ausgegeben, niemand hat kontrolliert, wer sollte eigentlich wen kontrollieren, Controller, jetzt Direktor, nee, kann doch nicht dem Dezernenten vorschreiben wofür wieviel Geld, Intendant hat sowieso von nichts gewusst, Verfahren muss zur Last des Steuerzahlers eingestellt werden.
    Konsequenzen der Zerstörer sind auch nicht zu erwarten. Weiter machen, bis nichts mehr geht!

     

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