Update: Weniger Verunglückte, aber mehr Unfälle

Mehr Unfälle aber weniger Verletzte meldet das Polizeipräsidium Trier. Foto: TechLine

REGION. Gute und weniger gute Nachrichten kommen vom Polizeipräsidium (PP) Trier: Danach ist die Zahl der Verunglückten im vergangenen Jahr gesunken. Weniger gut aber ist, dass die Zahl der Verkehrsunfälle in 2017 deutlich angestiegen ist. Dazu Sprecher Karl-Peter Jochem: “Neben Verkehrsunfällen wegen fehlendem Sicherheitsabstand oder falschem Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren bleibt überhöhte Geschwindigkeit weiterhin eine der Hauptunfallursachen. Fast 25 Prozent der Verkehrsunfälle mit Verletzten waren auf nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen. Zur Bekämpfung dieser Unfallursache wurden seit dem vergangenen Jahr zwei semimobile Überwachungsanlagen im Polizeipräsidium Trier eingesetzt. Die hohe Zahl der von diesen Geräten festgestellten Beanstandungen zeigt, dass die Gefahr, die von zu schnellem Fahren ausgeht, bei vielen Autofahrern noch unterschätzt wird. Hier werden wir weiterhin hohe Anstrengungen unternehmen müssen.“

Im Bereich des Polizeipräsidiums Trier wurden im Jahr 2017 insgesamt 24.208 Verkehrsunfälle (VU) registriert. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 1097 Unfällen. Von diesen 24.208 VU ereigneten sich 12.233 innerhalb geschlossener Ortschaften (2016: 11.923) und 10.917 VU (2016: 10.104) außerhalb geschlossener Ortschaften. Die Anzahl der Verkehrsunfälle auf den Bundesautobahnen (BAB) verringerte sich von 1.077 (2016) um 19 auf 1.058. An 272 VU waren LKW beteiligt (2016: 294). Die Polizei registrierte 3.910 VU mit Unfallflucht (2016: 3.767). 1.739 dieser VU konnten aufgeklärt werden (2016: 1.609), was einer Aufklärungsquote von 44,48 % entspricht (2016: 42,71 %).

Wurden 2016 noch 2.303 Verkehrsunfälle mit Personenschaden registriert, verringerte sich diese Zahl 2017 auf 2.285 (minus 18 VU; minus 0,83 Prozent). Hiervon waren 200 VU mit Fußgängerbeteiligung, 256 mit Radfahrerbeteiligung (davon elf mit Pedelec), 435 mit motorisierter Zweiradbeteiligung und 207 mit LKW-Beteiligung.

2017 verunglückten insgesamt 3.027 (minus 1,88 Prozent) Menschen (2016: 3.085). 670 Menschen (minus 3,46 Prozent) erlitten dabei schwere und 2.328 Verkehrsteilnehmer (minus 1,27 Prozent) leichte Verletzungen. 29 Menschen verloren bei 26 Unfällen ihr Leben.

Kinder und Senioren

Von den Verunglückten waren 182 Kinder im Alter von 0-14 Jahren, 178 Jugendliche (15-17 Jahre), 631 junge Erwachsene (18-24 Jahre), 1.693 Erwachsene (25-64 Jahre) sowie 338 Senioren (ab 65 Jahre).

Häufigste polizeilich festgestellte Unfallursache (nach den sog. Wildunfällen) und seit 2015 erkennbar ansteigend ist ungenügender Sicherheitsabstand. Hierdurch ereigneten sich 5.258 Verkehrsunfälle (2016: 5.112). Es folgen Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren sowie beim Ein- oder Ausfahren in/aus dem fließenden Verkehr. Wegen der geringen Geschwindigkeit bei diesen Verkehrsvorgängen, die sich überwiegend innerorts ereigneten, blieb es meist bei Blech- oder leichten Personenschäden. 2017 waren 4.483 Unfälle (2016: 4.389) auf diese Ursachen zurückzuführen. An dritter Stelle liegt mit 2.139 Fällen (2016: 2.020) die Unfallursache “Geschwindigkeit“, gefolgt von 1.074 “Vorfahrts- und Vorrangunfällen“ (2016: 1.100) sowie 894 Verkehrsunfällen (2016: 1.014), bei denen “fehlerhafte Straßenbenutzung“, wie beispielsweise Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot, unfallursächlich waren.

Bei acht der insgesamt 26 Unfälle mit Verkehrstoten war im vergangenen Jahr überhöhte bzw. nicht angepasste Geschwindigkeit mit unfallursächlich. In fast 25 Prozent der Verkehrsunfälle mit Verletzten war dies ebenfalls die Hauptunfallursache.

Viele junge Fahrerinnen und Fahrer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren

Die auch im Jahr 2017 überdurchschnittlich hohe Unfallbeteiligung junger Fahrerinnen und Fahrer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren bereitet der Polizei unverändert Sorge. Mit 5.381 (2016: 5.284) Unfällen waren junge Menschen dieser Altersklasse an 22,2 Prozent aller Verkehrsunfälle beteiligt. Bei Verkehrsunfällen mit Personenschäden liegt der Wert gar bei 30,98 Prozent (708 VU). Bei einem Bevölkerungsanteil der 18- bis 24-Jährigen von etwa 8 Prozent ist diese Personengruppe nach wie vor überproportional hoch an Verkehrsunfällen beteiligt.

Fünf junge Menschen mussten auf den Straßen in der Region Trier ihr Leben lassen, zwei weniger als 2016 (7). Weitere 626 junge Erwachsene wurden verletzt (2016: 626), davon 124 schwer und 502 leicht.

Mit 399 (2016: 345) so genannten Alkoholunfällen wurden 54 Unfälle mehr registriert als im Vorjahr, ein Anstieg um 15,7 Prozent. Gemessen am Gesamtunfallgeschehen machen Alkoholunfälle etwa 1,65 Prozent aus. Bei Unfällen mit Personenschaden liegt der Anteil der Unfälle unter Einwirkung von Alkohol allerdings mit 17,5 Prozent gut zehnmal höher.

Bei den insgesamt 143 Alkoholunfällen mit Verletzten in 2017 verloren zwei Menschen ihr Leben. Der Anteil der bei Alkoholunfällen schwer Verletzten beträgt neun Prozent (60 von 669 Schwerverletzten), der Anteil hierbei leicht verletzter Menschen beträgt fünf Prozent (116 von 2.327) an der Gesamtzahl der bei Verkehrsunfällen Verletzten. Junge Fahrer als Pkw-Fahrer verursachten 70 der 399 registrierten Alkoholunfälle im vergangenen Jahr (17,5 Prozent). Das heißt: Fast jeder sechste Unfall, bei dem Alkohol eine Rolle spielte, wurde von einem jungen Pkw-Fahrer verursacht. Insgesamt kamen bei Alkoholunfällen 47 Menschen dieser Altersgruppe zu Schaden.

Die Zahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle unter Drogeneinfluss stieg von 40 Fällen im Jahr 2016 auf 53 (plus 32,5 Prozent) im vergangenen Jahr. In 42 Fällen war Hauptverursacher ein Pkw-Fahrer, in 19 von diesen aus der Altersklasse der 18–24-Jährigen und in 17 Fällen aus der Gruppe der 25-34-Jährigen. Insgesamt verunglückten bei Drogenunfällen 26 Personen, davon eine Person tödlich, sieben wurden schwer und 18 leicht verletzt. Von den 26 Verunglückten gehörten acht der Altersklasse der 18–24-Jährigen an und neun zu den 25–34-Jährigen.

Weitere 20 Verkehrsunfälle ereigneten sich unter Einwirkung von Medikamenten oder Ähnlichem. Hierbei wurden bei zwei VU Menschen schwer und bei weiteren vier VU Menschen leicht verletzt.

Unfälle mit Kinderbeteiligung angestiegen

Wenn Kinder – in der Verkehrsunfallstatistik zählen auch Jugendliche bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres zu dieser Gruppe – im Straßenverkehr zu Schaden kommen, berührt das neben den unmittelbar Betroffenen auch viele andere Menschen. Die Unfälle mit Kinderbeteiligung sind im Jahr 2017 mit 191 im Vergleich zum Vorjahr um elf Unfälle (plus 6,1 Prozent) angestiegen. Auch die Zahl der verunglückten Kinder ist deutlich gestiegen, von 168 (2016) auf nunmehr 182 (2017). Insgesamt erlitten 25 (2016: 27) Kinder schwere Verletzungen, 155 Kinder (2016: 139) wurden leicht verletzt. Bedauerlicherweise kamen 2017 zwei Kinder als Mitfahrer auf den Straßen der Region ums Leben (2016: zwei, davon ein Kind als Fußgänger und ein Kind als Mitfahrer).

Auf den Straßen der Region gab es 7.336 Wildunfälle. Foto: Rico Loeb

Während im vergangen Jahr 62 Kinder als Radfahrer und Fußgänger zu Schaden kamen (2016: 80), ist bei Kindern, die als Mitfahrer in Kraftfahrzeugen verletzt wurden, ein deutlicher Anstieg von 13,2 Prozent zu verzeichnen: 110 Kinder wurden 2017 als Mitfahrer verletzt, 2016 waren es 94. Bei elf sogenannten Schulwegunfällen in 2017 (2016: 9) wurden insgesamt 14 Kinder verletzt, davon eines schwer und 13 leicht. Im Vorjahr waren hierbei insgesamt neun Kinder leicht verletzt worden.

Ältere Menschen zunehmend in Verkehrsunfälle verwickelt

Ereigneten sich 2016 präsidialweit 3.863 so genannte Seniorenunfälle (Unfallbeteiligte sind 65 Jahre und älter), so waren es 2017 4.050, ein Plus von 187 Unfällen bzw. ein Anstieg um 4,84 Prozent. An 1.885 dieser Unfälle waren Personen beteiligt, die 75 Jahre und älter waren. Insgesamt zeigt die Langzeitbetrachtung bei steigendem Bevölkerungsanteil der Senioren nunmehr auch einen deutlichen Anstieg der Seniorenunfälle. Im Bereich des PP Trier liegt der Anteil der Senioren (65 und älter) an der Gesamtbevölkerung bei gut 20 %, der Anteil der Senioren ab 75 Jahren bei knapp über 10%.

Bei 2.798 der “Seniorenunfälle“ waren die Senioren Hauptunfallverursacher (69,1 Prozent), 2016 betrug dieser Prozentanteil 69,8. Bei 1.925 Senioren-VU führten sie einen Pkw.

2017 ereigneten sich 337 VU (2016: 352) mit Beteiligung von Radfahrenden, davon elf VU mit Pedelec (2016: 9). 83 (2016: 84) dieser VU ereigneten sich als Allein-VU, davon sechs mit Pedelec (2016: 9). 48 VU mit Radfahrenden ereigneten sich auf Radwegen (2016: 51) und 39 auf Gehwegen (2016: 47). Bei 256 Fahrrad-VU mit Personenschaden verunglückten insgesamt 276 Menschen, davon ein Radfahrender tödlich, 72 (davon 70 Radfahrende) erlitten schwere und 203 Personen (davon 188 Radfahrende) leichte Verletzungen.

Weniger Motorradunfälle

Die Zahl der Unfälle mit Motorrädern mit amtlichem Kennzeichen ging von 480 in 2016 um fünf (minus 1,0 Prozent) auf 475 in 2017 zurück. Bei Motorradunfällen mit Personenschäden ist ein Rückgang von 355 im Jahr 2016 auf 328 im Jahr 2017 (minus 27 bzw. minus 7,6 Prozent) festzustellen. In 139 Fällen handelte es sich um sog. Alleinunfälle (2016: 172). Die Zahl der verunglückten Motorradfahrer verringerte sich von 372 (2016) um 31 (minus 8,3 Prozent) auf 341. Sieben Motorradfahrer (2016: 10) verloren bei Motorradunfällen ihr Leben, 144 Motorradfahrer (2016: 164) wurden dabei schwer und 190 (2016: 198) leicht verletzt.

Bei 302 Motorrad-VU waren Motorradfahrer Hauptverursacher mit den festgestellten Unfallursachen Geschwindigkeit (151 VU), Überholen (24 VU), Vorfahrt (4 VU) und Alkohol/Drogen (1 VU).
Das Polizeipräsidium Trier reagiert trotz leichter Verringerung der Unfallzahlen auf die insgesamt schwierige Unfalllage “Motorradunfälle“ und setzt die 2012 begonnene internationale Unfallbekämpfungskonzeption “Motorradfahren in der Eifel – aber sicher!“ fort. Hierbei erfolgen enge Abstimmungen der Unfallbekämpfungsmaßnahmen und der speziellen Motorradkontrollen mit Polizeibehörden aus Luxemburg, Belgien, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen.

Die Zahl der Wildunfälle unterlag in der Vergangenheit erkennbaren Schwankungen.

2017 ereigneten sich auf den Straßen der Region 7.336 Wildunfälle (2016: 6.662), was einen deutlichen Anstieg um 10,12 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Gemessen am Gesamtunfallgeschehen im Bereich des PP Trier waren 30,3 Prozent aller aufgenommenen Verkehrsunfälle Zusammenstöße mit Wildschweinen, Rehen oder anderem Wild. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Trier waren 26,07 % aller Verkehrsunfälle sogenannte Wildunfälle, bei der Polizeidirektion Wittlich waren es 34,79 Prozent. Bei 60 Wildunfällen im Jahr 2017 wurden Menschen verletzt, 2016 kamen bei 64 Unfällen dieser Art Personen zu Schaden. Dabei ist der Anteil der Wildunfälle am Gesamtunfallaufkommen der einzelnen Polizeidienststellen im Bereich des PP Trier sehr unterschiedlich verteilt. (tr)


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.