Verhüllt, aber nicht verschlossen

Lifting für das Landesmuseum. Foto: LBB Trier

TRIER. Für die nächste Zeit müssen die Besucher des Rheinischen Landesmuseums in Trier ein Schutzdach unterqueren, um in das Gebäude zu gelangen, denn die Fassade wurde eingerüstet. In einem letzten Bauabschnitt führt der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung am Gebäude in der Weimarer Allee eine Fassadensanierung durch. Der Museumsbetrieb läuft ohne Einschränkungen weiter.

Die Fassadenarbeiten im Umfang von jetzt knapp 640.000 Euro einschließlich des Gerüsts will der Landesbetrieb LBB bis März 2018, rechtzeitig vor Eröffnung der Karl-Marx-Ausstellung Anfang Mai, abgeschlossen haben. Für die Arbeiten steht nur ein knappes Zeitfenster seit dem Ende der Nero-Ausstellung im Oktober 2016 und der witterungsbedingten Winterpause zur Verfügung. Begonnen wurde die Gesamtsanierung des Landesmuseums 2012. Am Ende werden die Investitionen einschließlich aller Baunebenkosten voraussichtlich 8,08 Millionen Euro betragen.

Um den Besuchern zu signalisieren, dass das Museum trotz der Fassadenarbeiten geöffnet ist, wird die Museumsleitung in Kürze eine Werbegrafik in eigener Sache am Gerüst direkt am Haupteingang anbringen lassen. “So machen wir aus der Not eine Tugend. Das sagt klar: Wir sind auch hinter dem Gerüst präsent!”, betont Museumsleiter Marcus Reuter. Diese Initiative begrüßt auch der Trierer LBB-Niederlassungsleiter Christoph Thein: “Wir sind froh über diese hilfreiche und kompensatorische Idee. Wir tun unserseits alles, damit der Museumsbetrieb ungestört und in vollem Umfang weiterlaufen kann.”

Das Gerüst selbst ist neben den Arbeiten an der Fassade eine Erwähnung wert: eine Herausforderung an die Gerüstbautechnik. Die vielen Vor- und Rücksprünge an der Fassade erfordern eine anspruchsvolle Konstruktion, wofür eigens eine Gerüstplanung und -statik angefertigt wurde. An der Fassade selbst werden umfangreiche Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten vorgenommen. Zuvor wurden die Schäden genauestens kartiert und ein Sanierungskonzept erarbeitet. Das Schadensbild weist Spuren von Splittereinschlägen infolge Kriegseinwirkung, Bewuchs, Verschmutzungen, Verwitterungen, Risse, Ablösungen und andere Defekte auf.

Die Fassade besteht vorwiegend aus rotem Kylltaler Sandstein und im Sockelbereich aus grauer Basaltlava, in Teilen auch aus Steinguss, das heißt künstlichem Stein – alle Steine kommen sowohl mit glatter als auch scharrierter, das heißt profilierter Oberfläche vor. Zunächst müssen Moose und Flechten sowie lose Schmutzauflagen mit Heißdampf beseitigt werden. Hartnäckigere Verschmutzungen werden in einem substanzschonenden Niederdruckstrahlverfahren bearbeitet.

Fremdkörper wie alte Halterungen und Verdübelungen sowie defekte Fugen werden ausgebaut beziehungsweise ausgebohrt. Neu verfugt wird mit farblich passendem Kalkmörtel ohne Ze- ment- und Kunststoffzusätze. Geschädigte und stark verwitterte Steinbereiche sowie ungeeignete Steinergänzungen aus früheren Reparaturen werden vom Steinmetz fachkundig herausge- nommen und später wieder ergänzt. Dies geschieht entweder durch Einsetzen sogenannter Vierungen, also durch passgenau bearbeitete Ersatzsteine, oder bei kleineren Fehlstellen durch Steinergänzungsmasse.

Lose, zum Teil absturzgefährdete Bauteile werden je nach Größe auf verschiedene Weise befestigt. Teilweise werden die Bruchstücke dafür ausgebaut, an den Bruchflächen gereinigt und mit punktuellen, alterungsbeständigen Epoxidharzverklebungen wieder fixiert. Zum Einsatz kommt auch ein Vernadelungsverfahren, bei dem feine Chrom-Nickelstahl-Anker (Durchmesser von acht Millimeter) oder glasfaserverstärkte Kunststoff- und Carbonanker (Durchmesser von zwei bis drei Millimeter) in vorgebohrte Löcher eingesetzt und mit Epoxidharz verklebt werden. Größere Teile werden mit bis zu 60 Zentimeter langen Stäben, auch teilweise Gewindestäben, aus Chrom-Nickel-Stahl oder Titan (Durchmesser acht bis 14 Millimeter) befestigt. Größere Bohrlochöffnungen werden mit einer farblich angeglichenen Steinersatzmasse verschlossen. Risse werden mit altersbeständigem Epoxidharz, das mit Druck vorsichtig injiziert wird, kraftschlüssig verschlossen.

Während der Fassadensanierung werden auch die Holzfenster neu gestrichen. Am zentralen, turmähnlichen Gebäudevorsprung, dem sogenannten Mittelrisalit, wird das Naturschieferdach an den Dachkehlen erneuert, das sind die nässe-empfindlichen Bereiche, an denen Dachschrägen aufeinander zulaufen und eine Rinne bilden. (tr)

Landesbetrieb LBB

Der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (Landesbetrieb LBB) ist der Immobilien- und Baudienstleister für das Land Rheinland-Pfalz. Rund 1300 Mitarbeiter in landesweit acht regionalen Niederlassungen sowie der Zentrale in Mainz kümmern sich um die Bewirtschaftung und Optimierung des landeseigenen Immobilienbestands nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Der LBB setzt Bauvorhaben des Bundes inklusive der NATO und der Gaststreitkräfte, des Landes und Dritter um. Im wirtschaftlichen Eigentum des LBB befinden sich rund 1.750 Immobilien mit einer Mietfläche von 2,8 Millionen Quadratmetern. Dies sind Bürogebäude wie etwa Ministerien, Finanzämter und Katasterämter sowie Spezialimmobilien wie Hochschulen, Justiz-, Polizei-, Forstgebäude, Museen und Schulen. Weiterhin erfolgen Baumaßnahmen für das Land an Burgen und Schlössern sowie für den Bund an Kasernen, Flughäfen und Pipelines. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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