Viel Hoffnung, viel Arbeit auf dem Weg, viel zu tun

Sie diskutierten mit Moderator Guy Keckhut (links): Thomas Brück, Wolfram Leibe und Dominique Gros (von rechts). Foto: Rolf lorig

TRIER. Ideen sammeln, über Konzepte und Umsetzungen in der Großregion sprechen – das war das Programm des Nachmittags bei der Konferenz “Nachhaltige Quartiere”, zu der das am Hochschulstandort Birkenfeld angesiedelte Umwelttechnik-Meta-Cluster der Hochschule Trier auf dem Gelände der Stadtwerke Trier eingeladen hatte.

Ein kommentierender Beitrag von Rolf Lorig

Was hat nun diese Konferenz gebracht? Darüber kann man geteilter Meinung sein. Moderator Guy Keckhut brachte es auf diesen Nenner: “Es wurde viel Hoffnung laut.” Und er stellte fest, dass die Dinge zwar auf dem Weg sind, viel Arbeit aber noch vor allen Beteiligten liegt.

Diese Einschätzung drängte sich dem Besucher ebenfalls auf, als am späten Nachmittag die Ergebnisse der Arbeitsgruppen präsentiert wurde. Denn an pauschalen Aussagen und Allgemeinplätzen mangelte es dabei nicht. Eine kommunale Entwicklung brauche funktionierende Betreiber als Partner; gewarnt wurde vor einem Versinken in digitalen Zahlenmengen; bei der Festlegung des Raumklimas dürfe das Nutzer-Feedback nicht außen vor gelassen werden. Da war die Wortmeldung des Architekten und Hochschullehrers Matthias Sievers schon sehr viel präziser, der die Vernachlässigung des Designs in der Architektur beklagte.

Altbekanntes als neue Erkenntnis

Ein anderer Arbeitskreis unterstrich die Notwendigkeit des Artenschutzes in den Quartieren und hier insbesondere die ganzheitliche Betrachtung von Lebewesen mit den dazu gehörenden Nistplätzen, Blütenpflanzen und Hecken als Schutzräume. Nicht uninteressant war die Empfehlung, bei Außenbeleuchtungen energiesparende Warmlicht-LEDs einzusetzen, da Kaltlicht stärker von Insekten angeflogen werde. Und natürlich fehlte auch nicht der Hinweis, dass bei der Schädlingsbekämpfung man weg von Pestiziden hin zu natürlichen Möglichkeiten finden müsse. Eine Gefahr für die Tierwelt seien auch überkommene Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit. So diene ein wissentlich liegengelassener Reisighaufen Tieren wie dem Igel als Winterquartier, werde von der Bevölkerung aber als unordentlich wahrgenommen. Hier gelte es, durch eine gezielte Informationspolitik die Menschen aufzuklären.

Wesentlich konkreter wurde es dann beim Gespräch der Oberbürgermeister der Quattropole, das die Konferenz beschließen sollte. Wegen anstehender Koalitionsverhandlungen hatte die Luxemburger Oberbürgermeisterin Lydie Polfer hier allerdings ihre Teilnahme kurzfristig absagen müssen.

Doch auch bei diesem Gespräch tat sich nicht allzu viel Neues auf, zum Teil schwang hier sogar eine gewisse Resignation mit. Beispielsweise als der Metzer Oberbürgermeister Dominique Gros das Thema Verkehr beleuchtete. Demnach gibt es in Metz bei den Überlegungen zur Reduzierung von Parkflächen, die unter anderem auch den Umstieg auf Busse und Bahnen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) fördern sollen, massiven Gegenwind. Die Politik sei gefordert, über die Aufteilung des öffentlichen Raumes zu sprechen, forderte Gros, der dabei auch keinen Wildwuchs zulassen möchte. Letztendlich sei das aber ein schwerer Kampf, bei dem es immer ums Geld gehe.

Das Thema Geld schnitt Gros auch an anderer Stelle an. Gerne würde er die energetische Sanierung von Häusern mit Steuermitteln fördern. Doch eine solche Möglichkeit gebe es in Frankreich nicht, wo das Militär oder die Polizei eine weitaus größere Bedeutung als der Umweltschutz hätten. Da sei man in Deutschland doch schon bedeutend weiter, seufzte der Metzer Oberbürgermeister.

Statt Leuchtturmprojekten Optimierung der Energieeffizienz in kommunalen Gebäuden

Doch auch hierzulande gibt es nicht in allen Punkten Grund zum Jubel. Der Saarbrücker Beigeordnete Thomas Brück, der seinen verhinderten Oberbürgermeister vertrat, stellte erst einmal heraus, dass auch Saarbrücken nicht mit großen Reichtümern gesegnet sei. Weshalb man keine großen Leuchtturmprojekte aufsetzen könne sondern sich beispielsweise um die Optimierung der Energieeffizienz in kommunalen Gebäuden wie KiTas, Schulen und Schwimmbädern bemühe. Dazu kämen die Bemühungen zum Naturschutz und zur Lärmminderung durch die Einrichtung von Tempo-30-Zonen sowie zur Stärkung des ÖPNV. Für Brück steht fest, dass all das nur gelingen kann, wenn die Bürger dafür sensibilisiert werden. Klar sei, dass man hier zuerst bei den Kindern anfangen müsse, über die man auch die Eltern erreichen könne.

Dem konnte der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe nur beipflichten. Wie schwierig es sein kann, erwachsene Menschen von ihren Gewohnheiten abzubringen, machte er an seiner beruflichen Zeit in Leipzig fest. Dort habe er im Büro eine Heizung ohne Thermostat gehabt. Wenn es im Büro zu warm geworden sei, habe man ihm achselzuckend geraten, einfach das Fenster zu öffnen…

Alleine mit einer entsprechenden Information ließen sich Umweltfragen nicht lösen oder beantworten, ist er sich sicher. “So etwas klappt nur, wenn der Mensch einen ökonomischen Vorteil hat”, schätzte er die Situation ein. “Unser Wasser ist scheinbar immer noch viel zu preiswert, sonst würden wir nicht so viel davon verschwenden”, zeigte sich der OB nachdenklich.

Die Nutzung von neuen Technologien unterstützt das Stadtoberhaupt ausdrücklich, warnt aufgrund eigener Erfahrungen aber auch hier vor einer zu hohen Technikgläubigkeit. So habe er sich vor einiger Zeit in seinem Haus eine Wärmepumpe einbauen lassen, mit der er Heizenergie, aber auch Kosten einsparen wollte. Doch dann habe er am Ende des Jahres von den SWT eine Stromrechnung in Höhe von 10.000 Euro erhalten. Auf der Suche nach dem Verursacher sei festgestellt worden, dass die Wärmepumpe falsch angeschlossen wurde und statt mit Umweltwärme nur mit Strom heizte…

Stadtwerke können die Energiepolitik einer Stadt aktiv mitgestalten

Stolz zeigte sich Wolfram Leibe auf die SWT, die lange Zeit von vielen Kritikern als “die Milchkuh” der Kommune betrachtet wurden. Leibe weiß, “dass wir über die Stadtwerke die Energiepolitik der Stadt aktiv mitgestalten können.” Die Nutzung von Biogas in Kläranlagen ist da für ihn ein Beispiel, der im Norden der Stadt entstehende Energie- und Technikpark ein weiteres. Dort werden seinen Worten zufolge in einigen Jahren mehrere Ämter sich zusammen mit den SWT unter einem Dach befinden. “Und das auf einer Fläche, die bei einer Trennung vierfach größer ausfallen müsste.” Unabhängig vom Grundstück gebe es auch zahllose Synergien – von der gemeinsamen Nutzung von Geräten bis hin zur Heizung.

Für Dominique Gros ein Stichwort. Eine Gestaltungsmöglichkeit der Kommune sah er im Einsatz von Fernwärme, die die klassischen Kohle oder Ölheizungen in den Gebäuden ersetzen und zu einer besseren Luftqualität beitragen könne.

Der Einsatz von Kohle sei in Saarbrücken längst kein Thema mehr, hob Thomas Brück hervor. Wohl aber gebe es in den öffentlichen Gebäuden noch eine Vielzahl an alten Heizungsanlagen, die noch wie zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme eingestellt seien. Diese Anlage würde man aktuell genau überprüfen und katalogisieren. Zudem befänden sich auch die Stadtwerke in einem Transformationsprozess: “Vom reinen Energiedienstleister hin zu einem modernen Dienstleister mit einem breiten Angebot.”

Am Ende des Gespräches waren sich alle drei Kommunalpolitiker einig. Man muss untereinander im Gespräch bleiben und sich vergleichen, um so Handlungsräume deutlicher zu machen. Veranstaltungen wie diese Konferenz seien dazu bestens geeignet. Am Ende sei es die Aufgabe der Politik, die Arbeit, die in den Teilbereichen geleistet werde, zu einem Ganzen zusammenzufügen und dieses Bild den Bürgern zu vermitteln.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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