Von Göttinnen und Benzingesprächen

Exotische Traumwagen wie dieser De Tomaso Pantera lassen die Herzen aller Motorsportfreunde höher schlagen.

KONZ. Wenn es um automobile Pretiosen gehrt, kommt man am Motor Sport-Club Konz nicht vorbei. Seit 34 Jahren richtet er immer zum Konzer Heimatfest das Internationale Old- und Youngtimer-Treffen aus. In diesem Jahr hatten sich 320 Fahrer, aus vielen Teilen Deutschlands, aus Luxemburg, Belgien, Holland, Frankreich und aus Italien, mit ihren Fahrzeugen angemeldet. Für die vielen Zuschauer, die sich die Möglichkeit seltene und entsprechend kostbare Autos, Motorräder, Rallye- und Rennsportfahrzeuge sowie Traktoren hautnah betrachten zu können nicht entgehen ließen, gab es reichlich Gelegenheit zu langen und ausgiebigen Benzingesprächen.

Ein Beitrag von Rolf Lorig

Dass man es mit alten Fahrzeugen zu tun hat, erschnuppern selbst ungeübte Nasen auf dem weitläufigen Parkplatz von Möbel Martin sofort. Denn Katalysatoren gab es in den 70ern noch nicht, von den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mal ganz zu schweigen. Und wann immer eines der Fahrzeuge gestartet wurde, war er da: der Geruch von alt oder sogar ganz alt…



Für die meisten der Besucher aber war dieses Odeur wohlriechender als Parfum. Beschworen diese Begegnungen doch Erinnerungen an längst vergangene Tage herauf. Gut, die Zahl derer, die noch den Peugeot 201 aus dem Baujahr 1930 oder den Austin Seven (1932) im Straßenverkehr erlebt haben, wird überschaubar sein. Doch bei dem feuerroten Austin Healey aus dem Jahr 1966 sieht es schon anders aus. “Ist der nicht süß?” Angelika Zagar will mit ihrer Begeisterung nicht hinter dem Berg halten. Sie muss es wissen, schließlich hat sie den Wagen auch auf der Straße erlebt. Denn sie ist mit Paul Kellen, der laut Zagar noch weitere Oldtimer sein Eigen nennt, aus Luxemburg nach Konz gekommen.

Gab’s nicht ab Werk: Borgward Isabella mit vier Türen

Es ist gar nicht so unüblich, dass etliche der anwesenden Fahrer gleich mehrere Oldtimer zu Hause haben. So auch der Schweicher Karosseriebauer Willi Johaentges, der gleich mehrere seltene Borgward-Fahrzeuge besitzt. Er ist mit einer cremefarbenen Borgward Isabella aus dem Jahr 1960 gekommen. Das Besondere seiner Isabella: Das Auto ist viertürig. “Den Wagen gab es nur zweitürig, dabei wollten viele Taxifahrer früher eine viertürige Version. Doch die hat Borgward nie gebaut”, erinnert er sich. Der selbstgefertigte Umbau von Johaentges ist so perfekt, dass “selbst frühere Borgward-Mitarbeiter die Neuerung nicht auf den ersten Blick bemerkt haben”, schmunzelt der Schweicher. Ein wenig wehmütig, dass der Bremer Autobauer Borgward an den Klippen der damaligen Zeit zerschellte, ist Johaentges auch heute noch: “Die letzte Isabella, die das Band verließ, trug das Schild “Du warst zu gut für Deine Zeit”, erinnert er sich.

Zurück zu Angelika Zagar, die es sich wie viele andere Aussteller in der Nähe des Wagens im Schatten auf einem Campingstuhl bequem gemacht hat. Was gefällt ihr denn bei diesem Treffen noch besonders? “Dass viele auch in dem zum Auto passenden Outfit gekommen sind”, lautet die Antwort. Dazu gehört auch die Luxemburgerin Sandy Kesseler. Ihr Auto ist ein perfekt erhaltener Ford A aus dem Jahr 1928. Zusammen mit einigen Freundinnen hatte sie sich auf den Weg nach Konz gemacht. Im Charleston-Look, versteht sich.

Den Benzinhahn immer in Blick

Darauf hat Uwe Leinweber aus Nittel verzichtet. Er ist mit seiner Tin-Lizzy (Ford T-Modell) aus dem Jahr 1927 zum ersten Mal bei diesem Treffen. Sein Fahrzeug, auch Leinweber besitzt mehrere Oldtimer, ist liebevoll restauriert. Eines darf man bei dem Wagen aber nie vergessen, verrät der Besitzer: vor und nach jeder Fahrt muss der unter der Motorhaube befindliche Benzinhahn geöffnet oder geschlossen werden.



Die “Göttin” erblickte 1954 in Paris das Licht der Welt

1954 wurde auf der Weltausstellung in Paris die legendäre Citroen DS vorgestellt. Für die damalige Zeit war das von dem italienischen Bildhauer Flaminio Bertoni entworfene Fahrzeug geradezu überirdisch schön, weshalb die Typbezeichnung DS gerne als “déesse“ gesprochen wurde, was das französische Wort für “Göttin” ist. Bei der Ausstellung in Konz finden sich gleich mehrere dieser Göttinnen, als Limousinen und als Kombis, Break genannt. Albert Heinen ist mit einer D Super 5 aus dem Baujahr 1974 gekommen. Die “Göttin” war anfangs teuer, also baute Citroen mit der ID – zu dieser Baureihe gehört das Fahrzeug von Heinen – eine etwas günstigere Version. “Doch der Preisvorteil hat sich dann über die Jahre aufgeweicht, die Modelle kamen sich von der Ausstattung her immer näher und am Ende war es nur noch die Form des Bremspedals, das den Unterschied zwischen ID und DS ausmachte”, erklärt der Citroen-Fan, der – wie sollte es auch anders sein – ebenfalls mehrere Oldtimer besitzt. An diesem Tag sitzt er gemeinsam mit den Freunden vom Trierer DS-Stammtisch gemütlich im Schatten. Doch die Freunde der eleganten französischen Fortbewegung bleiben nie lange unter sich. Ständig kommen Besucher, haben Fragen, wollen gerne mal unter die Motorhaube schauen oder einfach nur ein Foto machen. Die Besitzer stört das nicht: “Das ist doch mit ein Grund, weshalb wir hier nach Konz gekommen sind. Wir wollen unsere Begeisterung für diese Autos mit anderen teilen”, sagt Heinen.

Wer nicht auf das Gelände von Möbel Martin kommen wollte, hatte trotzdem Gelegenheit, einige der seltensten und schönsten Fahrzeuge zu sehen. Gegen 11.30 Uhr verließ ein Autocorso das Gelände und fuhr zum Marktplatz, wo Bürgermeister Joachim Weber die Teilnehmer willkommen hieß. Nach einer kurzen Rundfahrt mit Weinkönigin und Prinzessinnen an Bord ging es dann wieder zurück zum Festgelände und damit zurück zu den Benzingesprächen.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft 1 Kommentar

Kommentar zu Von Göttinnen und Benzingesprächen

  1. Olaf Pelz

    Hallo Herr Lorig,
    vielen Dank für diesen schönen Beitrag.

    Beste Grüße aus Konz

    Olaf Pelz

     

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